Verarbeitung des Holocaust in der Literatur und im Lehrplan Geschichte in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR

- Mit einem Abriss über die politische Verarbeitung des Holocausts -


Hausarbeit, 2006
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Überblick
2.1. Kurzer Einblick in die Entstehung, Aufbau und Politik der DDR
2.2. ab 1945 Nachkriegszeit
2.3. ab 1950- 1955
2.4. ab 1956 – 1969
2.5. ab 1970 - 1979
2.6. ab 1980 - 1989

3. Verarbeitung des Holocaust in der Literatur und im Lehrplan Geschichte
3.1. Nachkriegsunterricht bis 1950
3.2. 1951 Lehrplan der deutschen demokratischen Schule
3.3. ab 1955 wechselnde Prioritäten
3.4. ab 1968 Geschichtslehrbücher erweitern den Unterricht
3.5. 1980 deutsch – deutsche Annäherung
3.6. 1989 ein Deutschland – ein Lehrplan

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1. Literaturquellen
5.2. Onlinequellen

1. Einleitung

Zunächst wird in das Thema eingeführt, indem ein kurzer geschichtlicher Überblick über die Gründung und die Politik der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gegeben wird. Das geschichtliche Grundverständnis über den Holocaust wird vorausgesetzt und deshalb findet aufgrund des Umfangs der Arbeit keine Erläuterung darüber statt. Um einen authentischen Bezug herzustellen, wird auf kennzeichnende politische Vorkommnisse in Hinblick auf die Verarbeitung des Holocaust eingegangen.

Nachdem die historische Grundlage gelegt wurde, wird auf die Verarbeitung des Holocaust in den Geschichtslehrplänen und dem Geschichtsunterricht in der sowjetischen Besatzungszone und schließlich in der Deutschen Demokratischen Republik eingegangen.

Abschließend wird ein Fazit unter der Beantwortung folgender Frage: ob „….Auschwitz als pädagogische Zäsur bis zum Ende der DDR unbegriffen bzw. unangenommen blieb“[1] und die „unterrichtliche Erziehung der DDR“[2] nicht als pädagogisch, sondern eher als „Erziehung nach Auschwitz“[3] bezeichnet werden kann‚ gezogen.

2. Geschichtlicher Überblick

2.1. Kurzer Einblick in die Entstehung, Aufbau und Politik der DDR

Im Dezember 1947 entsteht in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) die ‚Volkskongressbewegung für Einheit und gerechten Frieden’ unter Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Aus ihr geht im März 1948 der 1. Deutsche Volksrat hervor, der ein Volksbegehren zur deutschen Einheit veranlasst und einen Verfassungsausschuss unter Leitung von Otto Grotewohl einsetzt. Dessen Entwurf für eine ‚Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik’ wird am 19. März 1949 vom Volksrat formell beschlossen. Unter Führung von Wilhelm Pieck tritt der Volksrat am 7. Oktober 1949 in Ost-Berlin zusammen. Er erklärt sich zur provisorischen Volkskammer der DDR und beauftragt Otto Grotewohl mit der Regierungsbildung. Zum ersten Präsidenten der DDR wird Wilhelm Pieck gewählt. Damit ist, nach der Bundesrepublik Deutschland, die Deutsche Demokratische Republik als zweiter deutscher Staat gegründet. Beeinflusst durch die sowjetische Besatzungsmacht wird die Staatsform der DDR zu einer kommunistischen Diktatur. Kommunistische Diktatur bedeutet in dem Fall eine klassenlose Gesellschaft, in der das Privateigentum an Produktionsmitteln aufgehoben ist, die unter der hauptsächlichen Führung einer Partei, der SED, regiert wird.

2.2. ab 1945 Nachkriegszeit

Je nach Literatur differieren die Zahlen der nach Kriegsende nach Deutschland zurückgekehrten Juden von 3500 für Ostdeutschland[4] oder aber schon 8000 in Berlin[5]. Mit unterschiedlichen Hintergründen (Emigranten, ehemalige Flüchtlinge, ehemalige Gefangene aus Konzentrationslagern, Partnern aus Mischehen) bildeten sie erstmals 1945 in Berlin eine 5000 Mann starke Gemeinde. In Leipzig, Dresden und Mecklenburg Vorpommern wurden 1948 jüdische Gemeinden zugelassen, in Mecklenburg Vorpommern jedoch mit dem Unterton der sowjetischen Militäradministration‚ sie wären ja nur „amerikanische Speckpaketempfängerorganisationen“[6]. Diese Juden hofften in der sowjetischen Besatzungszone Sicherheit in der neuen Gesellschaftsordnung zu finden[7], sollten jedoch gleich besser belehrt werden. Der Berliner Hauptausschuss verweigerte den Antrag auf Gründung der politischen Repräsentanz ‚Opfer des Faschismus’ (OdF) mit der Begründung dass „Juden (…) nicht in den Rahmen der ‚Opfer des Faschismus’ mit einbezogen werden können.“[8] Erst durch die Zulassung der OdF in der britischen Besatzungszone, wurde der Berliner Ausschuss dazu gedrängt, den jüdischen Interessenverband auch in seinem Territorium zuzulassen. Aus dem OdF folgte 1946/1947 die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) als Interessensvertretung der NS-Opfer.[9] Aufgabe dieses Verfolgtenverbandes war es unter anderem sich für Entschädigungen der Opfer einzusetzen.

Durch zahlreiche Bemühungen des VVN in Form von Mahnmalen und Gedenkveranstaltungen zeigt sich jedoch, dass das Gedenken an den Holocaust nach Kriegsende nicht unmittelbar von der Bevölkerung ausging, sondern in erster Linie von den Opfern, die ihrer getöteten Verwandten, Freunde, Partner bzw. Kameraden gedachten. Ein allgemeines Bestreben der Verarbeitung oder sogar Reue bezüglich des Holocaust ist in der politischen Ebene der SBZ nur schwach zu finden.[10]

2.3. ab 1950- 1955

Auch ab 1950 konnte ein Verharmlosen des Holocaust in der gesamten DDR und auch ein abschätziger Umgang mit den Juden beobachtet werden. Während die Kommunisten Widerstand leisteten, hätten die Juden „alle geduldet und Schweres erlitten aber sie haben nicht gekämpft“[11]. Aus dieser Argumentationsweise wurde abgeleitet, dass die politischen NS-Opfer privilegierter zu behandeln seien, als rassisch verfolgte NS-Opfer. Das wird bei der Vergabe der VVN-Ausweise deutlich: Mit der Ausgabe von roten Ausweisen für die Kämpfer gegen die NS-Diktatur sowie für die politischen Opfer und der Ausgabe von grauen Ausweisen für die Opfer der Nürnberger Gesetze zeigt sich, dass eine Gleichstellung beider Opfergruppen nicht angestrebt wurde. Das spiegelt sich auch später bei der Rente wieder. Der Zuschuss, den die antifaschistischen Widerstandskämpfer erhielten, war höher als der den die jüdischen Opfer der NS-Zeit bekamen.[12]

Jedoch ging diese Abschätzung nicht von allen Seiten der DDR-Bevölkerung aus. Hauptsächlich Politiker wie Walter Ulbricht und Hermann Matern empfanden, schon Aufgrund der Forderung für Wiedergutmachungszahlungen, nur wenig Mitleid für die Opfer des Nationalsozialismus.

Im Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zeigen sich drei, auf derselben Grundlage arbeitende aber dennoch verschiedene Haltungen zum Holocaust. Zunächst wurden die Erlebnisse der Juden im Holocaust als Klassenfrage tituliert. Der Rassenantisemitismus des NS-Regimes wurde dem Antikommunismus untergeordnet und damit als nicht zu verurteilende Haupteigenschaft des Nationalsozialismus eingestuft. Ein weiterer Zweig der Partei vertrat die Grundauffassung, dass Juden nur Menschen zweiter Klasse seinen, denn sie hätten zwar „Schweres erlitten aber sie haben nicht gekämpft“.[13] Lediglich der dritte Parteizweig gestand den Juden nationale Minderheitenrechte und Wiedergutmachungszahlungen zu. Dieser Nebenteil der Partei konnte zwar einigen Juden eine Führungsposition in Religionsgemeinschaften sichern, das war in der atheistischen Gemeinschaft der SED die Ausnahme, konnte sich allerdings nie wirklich durchsetzen.[14] So wird in einer Quelle davon gesprochen, dass bis zum Mai 1953 alle SED Mitglieder jüdischer Herkunft auf mögliche Illoyalität gegenüber der SED überprüft wurden. Dazu zählt zum Beispiel die Ansicht, dass Wiedergutmachungszahlungen als Ausbeutung des Volkes gesehen wurden. Im Gegenzug (und eventuell zur Verschleierung antisemitischer Maßnahmen) wurden „sechsstellige Beträge“[15] zur Erneuerung von Gebäuden überwiesen.[16] Eine andere Quelle weißt sogar aus, dass hohe jüdische SED Funktionäre und Inhaber verschiedener öffentlicher Posten ihres Amtes enthoben und teilweise auch aus der Partei ausgeschlossen wurden. Obgleich sie sich häufig völlig assimiliert hatten und nur von Geburt her der jüdischen Religion angehört hatten, ohne diese zu praktizieren. Als Beispiele sind hier Albert Norden, Paul Merker oder Alexander Abusch zu nennen.[17] Selbst die Presse in der DDR berichtete nicht mehr über die Thematik Judenverfolgung oder Antisemitismus, sondern schlug selbst eine antisemitische Richtung ein. Der Höhepunkt bildet 1953 das Abdrucken eines übersetzten Prawda-Artikels im Neuen Deutschland mit dem Titel „Bestien der Menschheit“. In diesem Artikel wurde von einer angeblichen Verschwörung jüdischer Ärzte gegen Stalin berichtet.[18]

[...]


[1] Vgl. Wiegmann, S. 175.

[2] Ebd.

[3] Vgl. in Wiegmann S. 175 – Gleichzeitig Titel von Adorno (siehe Literaturverzeichnis).

[4] Vgl. Groehler, Umgang mit dem Holocaust , S. 341.

[5] Ebd., S. 8.

[6] Ebd., S. 9.

[7] Vgl. Groehler, Holocaust in der Geschichtsschreibung, S. 8.

[8] Ebd., S. 10 .

[9] Vgl. Heukenkamp, S. 190f.

[10] Ebd.

[11] Vgl. Groehler, Kessler , S. 8.

[12] Vgl. Groehler, Umgang mit dem Holocaust , S. 236f.

[13] Groehler, Kessler, S.8 .

[14] Vgl. Groehler, Holocaust in der Geschichtsschreibung, S. 51ff.

[15] Groehler, Kessler, S. 9.

[16] Ebd.

[17] Vgl. Groehler, Holocaust in der Geschichtsschreibung, S. 52.

[18] Vgl. Maser, S. 344.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Verarbeitung des Holocaust in der Literatur und im Lehrplan Geschichte in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR
Untertitel
- Mit einem Abriss über die politische Verarbeitung des Holocausts -
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V77468
ISBN (eBook)
9783638828376
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verarbeitung, Holocaust, Literatur, Lehrplan, Geschichte, Besatzungszone
Arbeit zitieren
Katja Möwe (Autor), 2006, Verarbeitung des Holocaust in der Literatur und im Lehrplan Geschichte in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77468

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