1. Einleitung
Zunächst wird in das Thema eingeführt, indem ein kurzer geschichtlicher Überblick über die Gründung und die Politik der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gegeben wird. Das geschichtliche Grundverständnis über den Holocaust wird vorausgesetzt und deshalb findet aufgrund des Umfangs der Arbeit keine Erläuterung darüber statt. Um einen authentischen Bezug herzustellen, wird auf kennzeichnende politische Vorkommnisse in Hinblick auf die Verarbeitung des Holocaust eingegangen.
Nachdem die historische Grundlage gelegt wurde, wird auf die Verarbeitung des Holocaust in den Geschichtslehrplänen und dem Geschichtsunterricht in der sowjetischen Besatzungszone und schließlich in der Deutschen Demokratischen Republik eingegangen.
Abschließend wird ein Fazit unter der Beantwortung folgender Frage: ob „….Auschwitz als pädagogische Zäsur bis zum Ende der DDR unbegriffen bzw. unangenommen blieb“ und die „unterrichtliche Erziehung der DDR“ nicht als pädagogisch, sondern eher als „Erziehung nach Auschwitz“ bezeichnet werden kann‚ gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtlicher Überblick
2.1. Kurzer Einblick in die Entstehung, Aufbau und Politik der DDR
2.2. ab 1945 Nachkriegszeit
2.3. ab 1950- 1955
2.4. ab 1956 – 1969
2.5. ab 1970 - 1979
2.6. ab 1980 - 1989
3. Verarbeitung des Holocaust in der Literatur und im Lehrplan Geschichte
3.1. Nachkriegsunterricht bis 1950
3.2. 1951 Lehrplan der deutschen demokratischen Schule
3.3. ab 1955 wechselnde Prioritäten
3.4. ab 1968 Geschichtslehrbücher erweitern den Unterricht
3.5. 1980 deutsch – deutsche Annäherung
3.6. 1989 ein Deutschland – ein Lehrplan
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, wie der Holocaust in der sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR politisch verarbeitet sowie im schulischen Geschichtsunterricht und in Lehrplänen thematisiert wurde, um zu prüfen, ob die DDR-Erziehung tatsächlich pädagogisch wertvoll war oder lediglich als ideologisches Instrument fungierte.
- Historischer Kontext der Gründung und Politik der DDR.
- Entwicklung des gesellschaftlichen Gedenkens an die Opfer des Holocaust.
- Analyse der Geschichtslehrpläne und der Behandlung des Holocaust im Unterricht.
- Instrumentalisierung der Holocaust-Thematik für antifaschistische und antiimperialistische Erziehungsziele.
- Gegenüberstellung des DDR-Gedenkens mit dem Konzept der Erziehung nach Auschwitz.
Auszug aus dem Buch
3.1. Nachkriegsunterricht bis 1950
Bis 1946/47 wurde die Behandlung der Israeliten im Anfangsunterricht noch verlangt, ab 1948 wurden damit zusammenhängende Themen wie Unterwerfung Judäas durch Rom, Aufstand der Juden im Jahr 132 oder mittelalterliche Judenprogrome komprimiert dargestellt. Dabei fehlte bereits die zeitgeschichtliche Relevanz der Juden und es wurde (wenn überhaupt) nur auf den Religionsaspekt begrenzt behandelt. Aufgrund von Lehrbuchmangel nach dem Krieg wurde ein Arbeitsheft ‚das deutsche Volk im späten Mittelalter’ entworfen, mit nur einem kurzen Auszug zur ‚Judenverfolgung’. Ab dem 7. Schuljahr war die Behandlung der ‚Preußischen Reformen Steins und Hardenbergs’ vorgeschrieben – die darin enthaltene ‚Judenemanzipation’ wurde aber erst ab der 11. Klasse der Oberschule behandelt.
In dem 8. Schuljahr waren für die Themen „Weimarer Republik“ und „ Die Diktatur Hitlers und der zweite Weltkrieg“ nur 19 Unterrichtsstunden angesetzt. Dabei muss erwähnt werden, dass sich durch die große Menge, der zu behandelnden Inhalte das Thema des ‚Anwachsen des Nationalsozialismus’ verlor. Es verblieben nur 4 von 19 Unterrichtsstunden dafür, den zweiten Weltkrieg an sich und damit das nationalsozialistische Deutschland zu behandeln. Innerhalb dieser 4 Stunden war die konkrete Konfrontation mit Themen wie ‚Vertreibung’, ‚Völkermord’, ‚Verfolgung’ der Juden nicht vorgeschrieben – blieb also frei entscheidbar.
Allerdings sollte dabei erwähnt werden, dass der Krieg erstens sowohl für Lehrer als auch für die Schüler in den ersten Nachkriegsjahren in Form von zerstörten Städten, Hungersnot und Beherrschung durch Alliierte noch gegenwärtig war und man eventuell Kinder und auch Lehrer nicht mit der schrecklichen Vergangenheit konfrontieren wollte. Zweitens ist sowohl für Lehrer als auch für Lehrbuchautoren und somit für die gesamte Bevölkerung das Ausmaß des zweiten Weltkrieges bis dato nicht fassbar. Die schriftliche Verarbeitung des Krieges zeigt sich (drittens) erst ab 1948 in ersten Publikationen in der SBZ. Der zwei Jahre zuvor ausgearbeitete Geschichtslehrplan für die antifaschistische - demokratische Schule wurde mit diesen Erkenntnissen erst 1951 erweitert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Holocaust-Verarbeitung in der DDR ein und stellt die Forschungsfrage nach der pädagogischen Qualität der schulischen Erziehung in Bezug auf die Geschichte des Holocaust.
2. Geschichtlicher Überblick: Dieser Abschnitt beleuchtet die politischen Rahmenbedingungen der DDR und die Schwierigkeiten im Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis 1989.
3. Verarbeitung des Holocaust in der Literatur und im Lehrplan Geschichte: Das Kapitel analysiert die konkrete stoffliche Ausgestaltung des Geschichtsunterrichts und zeigt auf, wie ideologische Vorgaben die Behandlung des Holocaust über Jahrzehnte hinweg prägten und einschränkten.
4. Fazit: Das Fazit zieht den Schluss, dass der DDR-Geschichtsunterricht den Holocaust vorwiegend zur ideologischen Stärkung des Antifaschismus instrumentalisierte, anstatt eine pädagogische Aufarbeitung im Sinne einer Erziehung nach Auschwitz zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Holocaust, DDR, Geschichtsunterricht, Antifaschismus, Nationalsozialismus, SED, Lehrplan, Erinnerungskultur, Erziehung nach Auschwitz, Geschichtsschreibung, Ideologie, Judenverfolgung, Gedenken, politisches System, Nachkriegszeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie die DDR in Politik und Bildung mit dem Holocaust umgegangen ist und welche Rolle dieses Thema in den Lehrplänen des Fachs Geschichte spielte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die politische Aufarbeitung der NS-Zeit in der DDR, der Wandel der Geschichtslehrpläne sowie die instrumentelle Nutzung des Gedenkens zur Legitimierung des sozialistischen Staates.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob der DDR-Geschichtsunterricht ein echtes pädagogisches Verständnis für die Zäsur von Auschwitz förderte oder ob er lediglich einer politisch motivierten Erziehung folgte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine historisch-analytische Methode, indem sie Lehrpläne, Unterrichtsmaterialien und politisch-historische Entwicklungen im Kontext der DDR-Geschichte auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Phasen von 1945 bis 1989 in der DDR chronologisch durchleuchtet und die spezifische Behandlung jüdischer Geschichte und des Holocaust in den jeweiligen Lehrplänen dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Holocaust, DDR, Geschichtsunterricht, Antifaschismus, Erziehung nach Auschwitz und die SED-Politik.
Welche Rolle spielte der Antifaschismus für die Behandlung des Holocaust in der DDR?
Der staatlich verordnete Antifaschismus war zentral; er stellte die Opferrolle der politischen Widerstandskämpfer in den Vordergrund und ordnete den Holocaust diesem Narrativ unter, wodurch eine eigenständige Auseinandersetzung mit der Shoah oft ausblieb.
Wie veränderte sich die Darstellung in den Lehrbüchern über die Jahrzehnte?
Die Darstellung wandelte sich von einer anfänglichen Ausklammerung des Themas hin zu einer ideologisch gefärbten, gefühlsbetonten Schilderung, die jedoch stets auf die Verteidigung des sozialistischen Staates gegen den Imperialismus ausgerichtet blieb.
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- Katja Möwe (Author), 2006, Verarbeitung des Holocaust in der Literatur und im Lehrplan Geschichte in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77468