Deutschland im Herbst 2001 – die Publikation der wenig rühmlichen Ergebnisse des ersten PISA-Tests bringt das Thema Schulbildung auf die Titelseiten der Boulevardpresse, in Talkshows und auf die politische Agenda. Inzwischen sind die Auswertungen der zweiten PISA-Testrunde aus dem Jahr 2003 veröffentlicht und trotz einiger signifikanter Verbesserungen bestätigten sich die Resultate aus dem Jahr 2000: die Fünfzehnjährigen im Land der Dichter und Denker liegen mit ihren Leistungen in drei von vier untersuchten Kategorien im internationalen Vergleich lediglich im Mittelfeld. Zwei Tatsachen fallen dabei besonders ins Auge: Zum einen erreichen Länder mit einem viel geringerem Pro-Kopf-Einkommen wie Korea und Neuseeland deutlich höhere Punktzahlen und zum anderen ist die Bedeutung der sozialen Herkunft für den Testerfolg in wenigen anderen Ländern so ausgeprägt wie in Deutschland. Auch wenn das schlechte Abschneiden deutscher Schüler die Diskussion über den Einfluss von soziökonomischen Variablen der Eltern auf den Schulerfolg der Kinder weiter angefacht hat, wird dieser Zusammenhang in der Forschung schon seit langem thematisiert. Bereits in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts untersuchten Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen dem Beruf des Vaters und dem des Sohnes. Intuitiv kann die Frage, welchen Einfluss das Familieneinkommen auf den Schulerfolg hat, nicht eindeutig beantwortet werden: Auf der einen Seite sind wohlhabende Eltern eher in der Lage, ihren Kindern Nachhilfestunden zu finanzieren, sie auf eine bessere Schule zu schicken oder ihnen zu Hause eine lernförderliche Umgebung zu schaffen. Auf der anderen Seite lässt sich aber auch argumentieren, dass der Wohlstand der Eltern die Leistungsbereitschaft der Kinder dahingehend korrumpiert, dass sie sich weniger anstrengen, da sie sich bewusst sind, im Leben abgesichert zu sein. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Schulerfolg und dem Einkommen der Eltern und gliedert sich wie folgt: im 2. Gliederungspunkt wird ein Modell von allgemeinen Einflussfaktoren auf die Schulbildung und das Einkommen von Kindern entwickelt. Daran anschließend folgt eine Darstellung ausgewählter Studien, die das Thema durch verschiedene Modelle und mit unterschiedlichem regionalem Bezug untersuchen. Im vierten Gliederungspunkt werden die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen einander gegenübergestellt. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Einflussfaktoren auf den Schulerfolg von Kindern
3. Ausgewählte Arbeiten zum Thema „Schulerfolg und Einkommen der Eltern“
3.1 Ergebnisse des Literaturüberblicks von Haveman und Wolfe
3.2 Studie von John Ermisch und Marco Francesconi
3.3 Studie von Acemoglu und Pischke
3.4 Weitere Studien im Überblick
4. Vergleich der Ergebnisse
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Schulerfolg von Kindern und dem Einkommen sowie der Ausbildung ihrer Eltern. Das primäre Ziel besteht darin, durch die Analyse ausgewählter empirischer Studien den Einfluss elterlicher Ressourcen auf die Bildungschancen der Kinder zu beleuchten und zu klären, inwiefern ökonomische Faktoren gegenüber anderen Einflüssen wie genetischer Vererbung oder kultureller Transmission eine Rolle spielen.
- Analyse theoretischer Modelle zum Einfluss elterlicher Ressourcen auf den Schulerfolg.
- Gegenüberstellung verschiedener empirischer Längsschnittstudien aus unterschiedlichen Ländern.
- Untersuchung des "Omitted Variable Bias" durch die Berücksichtigung von Familienhintergrundvariablen.
- Diskussion des Einflusses von Kreditmarktbeschränkungen vs. dauerhafter familiärer Rahmenbedingungen.
- Bewertung politischer Implikationen zur Steigerung der Chancengerechtigkeit.
Auszug aus dem Buch
1. Einführung
Deutschland im Herbst 2001 – die Publikation der wenig rühmlichen Ergebnisse des ersten PISA-Tests bringt das Thema Schulbildung auf die Titelseiten der Boulevardpresse, in Talkshows und auf die politische Agenda. Inzwischen sind die Auswertungen der zweiten PISA-Testrunde aus dem Jahr 2003 veröffentlicht und trotz einiger signifikanter Verbesserungen bestätigten sich die Resultate aus dem Jahr 2000: die Fünfzehnjährigen im Land der Dichter und Denker liegen mit ihren Leistungen in drei von vier untersuchten Kategorien im internationalen Vergleich lediglich im Mittelfeld.
Zwei Tatsachen fallen dabei besonders ins Auge: Zum einen erreichen Länder mit einem viel geringerem Pro-Kopf-Einkommen wie Korea und Neuseeland deutlich höhere Punktzahlen und zum anderen ist die Bedeutung der sozialen Herkunft für den Testerfolg in wenigen anderen Ländern so ausgeprägt wie in Deutschland.
Auch wenn das schlechte Abschneiden deutscher Schüler die Diskussion über den Einfluss von soziökonomischen Variablen der Eltern auf den Schulerfolg der Kinder weiter angefacht hat, wird dieser Zusammenhang in der Forschung schon seit langem thematisiert. Bereits in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts untersuchten Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen dem Beruf des Vaters und dem Beruf des Sohnes (Haveman und Wolfe, 1995, S. 1840). Mit zunehmender Rechenkapazität bei Computern und der stetigen Weiterentwicklung der statistischen Methoden wurden auch die Untersuchungen komplexer und die Datenbasis breiter. Während der Zusammenhang zwischen Charakteristika der Eltern und den Leistungen der Kinder zuerst hauptsächlich von Soziologen untersucht wurde, so rückte er später zunehmend in das Interessenfeld von Ökonomen und deren quantitativen Analysen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel stellt die Problematik der Bildungsungleichheit in Deutschland im Kontext internationaler Studien wie PISA dar und leitet die wissenschaftliche Relevanz der ökonomischen Untersuchung des elterlichen Einkommens auf den Schulerfolg ein.
2. Einflussfaktoren auf den Schulerfolg von Kindern: Hier wird ein theoretisches Grundmodell entwickelt, das die komplexen Interdependenzen zwischen elterlichen Ressourcen, Vererbung, Zeitinvestitionen und kindlichem Schulerfolg veranschaulicht.
3. Ausgewählte Arbeiten zum Thema „Schulerfolg und Einkommen der Eltern“: Dieses Hauptkapitel präsentiert und analysiert verschiedene empirische Studien (u.a. Ermisch/Francesconi, Acemoglu/Pischke, Shea), die den Zusammenhang zwischen familiärem Hintergrund und Bildungserfolg mittels unterschiedlicher ökonomischer Modelle untersuchen.
4. Vergleich der Ergebnisse: Die Ergebnisse der zuvor diskutierten Studien werden hier einander gegenübergestellt, wobei methodische Unterschiede und die Schwierigkeiten einer direkten Vergleichbarkeit aufgrund variierender Stichproben und Variablen aufgezeigt werden.
5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Erkenntnisse und diskutiert politische Implikationen zur Überwindung der eingeschränkten intergenerationalen sozialen Mobilität.
Schlüsselwörter
Schulerfolg, Familieneinkommen, Humankapitaltheorie, Bildungsungleichheit, Elternhaus, Intergenerationale Mobilität, Schulausbildung, PISA-Studie, Ökonometrie, Soziale Herkunft, Investitionsentscheidungen, Kausalität, Humankapitalinvestitionen, Sozialisation, Bildungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von elterlichen Ressourcen – insbesondere des Familieneinkommens und des Bildungsniveaus – auf den Bildungserfolg und die schulischen Leistungen von Kindern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Humankapitaltheorie, die Bedeutung des Familienhintergrunds, intergenerationale soziale Mobilität sowie der Einfluss von staatlichen Rahmenbedingungen und individuellen Präferenzen auf den Bildungserfolg.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, durch die kritische Analyse existierender empirischer Studien zu klären, ob ein direktes, kausales Einkommenseffekt-Verhältnis zwischen Elternhaus und Kindeserfolg besteht oder ob andere Faktoren wie die elterliche Bildung dominieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem methodischen Vergleich quantitativer ökonomischer Studien, die verschiedene statistische Verfahren wie OLS-Regressionen, Logit-Modelle und IV-Schätzungen anwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Darstellung und kritischen Würdigung spezifischer Studien, unter anderem von Haveman und Wolfe, Ermisch und Francesconi, sowie Acemoglu und Pischke, um die Wirkungszusammenhänge in verschiedenen Ländern zu beleuchten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Schulerfolg, Humankapitaltheorie, soziale Herkunft, intergenerationale Mobilität und Bildungsungleichheit.
Warum ist das Einkommen der Eltern allein oft kein ausreichender Erklärungsfaktor?
Die Arbeit zeigt auf, dass das Familieneinkommen oft mit unbeobachteten Faktoren korreliert (z.B. elterliche Fähigkeiten oder genetische Ausstattung), was den reinen Effekt des Einkommens bei einfachen Regressionen häufig verzerrt.
Welche Rolle spielt das "Glück" laut der Arbeit?
Der Autor führt "Glück" als Faktor ein, um exogene Variationen in den Einkommen der Eltern (z.B. durch Arbeitsplatzverluste oder gewerkschaftliche Effekte) zu beschreiben, die unabhängig von den Fähigkeiten der Eltern sind und somit als natürliches Experiment für die Schätzung genutzt werden können.
- Quote paper
- Fabian Barthel (Author), 2007, Zusammenhänge zwischen Schulerfolg und dem Einkommen der Eltern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77475