Die Ausdrucksforschung am Beispiel der Theorien von Charles Darwin und Paul Ekman


Seminararbeit, 2004
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in das Gebiet der Ausdrucksforschung

2 Die Theorie Charles Darwins und ihre Bedeutung für die Emotionsforschung
2.1 Darwins Biografie
2.2 Die Emotionstheorie von Charles Darwin
2.2.1 Emotion und Emotionsausdruck
2.2.2 Darwins Ziele und Forschungsmethoden
2.2.3 Darwins Forschungsergebnisse
2.2.4 Darwins Erklärungen des Emotionsausdrucks
2.2.5 Die biologische Funktion des Emotionsausdrucks
2.3 Die Auswirkungen und Folgen der Emotionstheorie von Charles Darwin

3 Die Theorie Paul Ekmans und ihre Bedeutung für die Emotionsforschung
3.1 Ekmans Biografie
3.2 Ekmans „neuro-kulturelle“ Theorie des mimischen Ausdrucks von Emotionen
3.2.1 Ekmans Forschungsmethoden
3.2.2 Ekmans Forschungsergebnisse
3.2.3 Die Bedeutung der Display Rules
3.2.4 Das Facial Action Coding System (FACS)
3.3 Die Auswirkungen und Folgen der Theorie von Paul Ekman

4 Abschließende Beurteilung aus heutiger Sicht

5 Fachbegriffsverzeichnis

6 Literaturverzeichnis

1 Einführung in das Gebiet der Ausdrucksforschung

Emotionen gehören als zentrale Elemente zu unserem Leben dazu. Sie beeinflussen unser Handeln ganz entscheidend und sind umso stärker, je größer ihre subjektive Bedeutsamkeit für uns persönlich ist.

Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, die Gefühle eines anderen Menschen immer unmittelbar anhand seines Ausdrucks, also zum Beispiel seiner Gestik und Mimik richtig zu verstehen? Gerade bei Menschen die wir gut kennen sind wir häufig sicher, anhand ihres körperlichen Ausdrucks auf ihre innersten Gefühle Rückschlüsse treffen zu können.

Andererseits sind wir uns bei fremden Kulturen häufig sehr unsicher, was ihr Emotionsausdruck zu bedeuten hat.

Bereits im 19. Jahrhundert beschäftigten Charles Darwin solche und ähnliche Fragestellungen. Daraus resultierte schließlich seine bahnbrechende Emotions-theorie. Darwin wollte damit beweisen, dass der Ausdruck von Emotionen erblich ist und damit nur teilweise später erlernt wird.[1] Zu Lebzeiten Darwins stieß seine Theorie auf große Anerkennung, fand aber später kaum noch Beachtung.

Nachdem es eine lange Zeit ruhig um die Emotionstheorie war, knüpfte in den 1970er Jahren Paul Ekman an die Erkenntnisse Darwins an.

Im Folgenden werden die Ziele, Forschungsmethoden und Forschungsergebnisse der beiden großen Ausdrucksforscher Charles Darwin und Paul Ekman vorgestellt. Außerdem wird näher auf die Auswirkungen und Folgen ihrer Theorien eingegangen.

Schließlich folgt ein Blick in die Gegenwart: hat die Ausdrucksforschung heute noch den Stellenwert, den sie einmal hatte?

2 Die Theorie Charles Darwins und ihre Bedeutung für die Emotionsforschung

2.1 Darwins Biografie

Charles Robert Darwin wurde am 12.2.1809 in Shrewsbury (Shropshire) als Sohn eines Arztes geboren. Seit 1825 studierte er in Edinburgh Medizin und von 1828 bis 1831 in Cambridge Naturwissenschaft, insbesondere Geologie und Botanik. 1831/1832 nahm er an einer Weltreise mit dem britischen Vermessungsschiff »Beagle« teil, die ihn nach Südamerika, auf die Galápagoinseln, nach Tahiti, Mauritius, Neuseeland, Australien und Südafrika führte. Seine unterwegs gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen legten für Darwin die Vermutung nahe, dass die heutigen Organismen das Ergebnis einer langen Evolutionsgeschichte sein müssen. Daraufhin wendete er sich der intensiven Erforschung der Abstammung zu. Sein Hauptwerk »On the Origin of Species by means of Natural Selection« aus dem Jahre 1859 erlangte Weltruhm und verschaffte der Deszendenztheorie allgemeine Anerkennung. Darwin lebte von 1839 bis 1842 in London, dann bis zu seinem Tod auf seinem Landsitz in Down. Er starb am 19.4.1882 in Down bei Beckenham (heute: London-Bromley) und wurde beigesetzt in der Westminsterabtei. Darwin gilt weltweit als einer der größten Naturforscher und ist bekannt als Begründer der wissenschaftlichen Abstammungslehre (Diszendenztheorie).[2]

2.2 Die Emotionstheorie von Charles Darwin

Im Jahre 1872 veröffentlichte Darwin sein Werk „The Expression of the Emotions in Man and Animals“. Das Hauptanliegen seines Werkes war es, die stammes-geschichtliche Herkunft des Ausdrucks von Emotionen nachzuweisen.[3] Insbesondere interessierte er sich für den mimischen Ausdruck. Darüber hinaus behandelt Darwin in seinem Buch, das zum Klassiker der Ausdrucksforschung wurde, die Natur von Emotionen, ihre Entstehung in einer konkreten Situation und ihre Beziehung zum Emotionsausdruck. Die folgenden Ausführungen zur Theorie Charles Darwins werden sich zum größten Teil auf die deutsche Übersetzung des o.g. Werkes beziehen.[4]

2.2.1 Emotion und Emotionsausdruck

Emotionen sind für Darwin bewusste psychische Zustände von Menschen und von höheren Tieren wie z.B. Überraschung, Furcht, Wut und Traurigkeit. Darwin nimmt an, dass sie durch kognitive Einschätzungen und Bewertungen von Objekten, Situationen oder Ereignissen zustande kommen. So wird Überraschung durch Ereignisse ausgelöst, die das Individuum als unerwartet oder unbekannt klassifiziert.[5]

Die emotionalen Gefühle verursachen nach Darwin ihrerseits den Emotionsausdruck, welcher als Gesamtheit der bei Emotionen auftretenden beobachtbaren körperlichen Veränderungen definiert werden kann.[6] Zu diesen körperlichen Veränderungen zählen Veränderungen der Mimik, der Gestik, der Körperhaltung, der Vokalisationen und physiologische Veränderungen.

Der Emotionsausdruck ist also laut Darwin die nach außen hin dargestellte Befindlichkeit eines Individuums. Dieses Anzeichen ist allerdings trügerisch, da Menschen in der Lage sind, den Emotionsausdruck willentlich zu kontrollieren.

Ein Beispiel hierfür wäre ein Schauspieler, der körperliche Veränderungen zeigt, die auf das Vorliegen eines Gefühls hindeuten, was nicht notwendigerweise der Realität entsprechen muss.

Darwin nimmt außerdem an, dass der Ausdruck von Emotionen, und zwar insbesondere die Mimik, auf den Gefühlszustand rückwirken kann. So können seiner Meinung nach Gefühle durch die willkürliche Regulation des Ausdrucks verstärkt oder abgeschwächt werden.

2.2.2 Darwins Ziele und Forschungsmethoden

Darwins Hauptziel in „The Expression of the Emotions“ war es nachzuweisen, dass seine Hypothese, nach der der Mensch von Tieren abstamme, auch durch die Untersuchung des Emotionsausdrucks bei Menschen und Tieren gestützt werde. Er wollte also die stammesgeschichtliche Herkunft des Ausdrucks von Emotionen nachgewiesen und dadurch belegen, dass Emotionen eine erbliche Basis haben.[7]

Durch die Anwendung von sechs verschiedenen Forschungsmethoden hoffte Darwin, möglichst umfassende empirische Belege für seine Annahme zu erhalten:[8]

1. Methode: Intrakulturelle Beurteilungen des Emotionsausdrucks

20 verschiedene Personen beiderlei Geschlechts bekamen Fotos gezeigt, auf denen sowohl spontane als auch durch elektrische Reizung bestimmter Gesichtsmuskeln herbei geführte Gesichtsausdrücke verschiedener Personen abgebildet waren. Die Versuchspersonen wurden dann gebeten zu beurteilen, welches Gefühl die Person auf dem Foto gerade erlebt.

Ziel dieser Untersuchung war es zu verifizieren, dass bestimmte Gesichtsausdrücke innerhalb einer Kultur übereinstimmend als Ausdruck bestimmter Emotionen erkannt werden.

2. Methode: Interkultureller Vergleich des Emotionsausdrucks

Für besonders wichtig hielt Darwin das Studium des Emotionsausdrucks in verschiedenen Kulturen. Wenn Kulturen übergreifend dieselben Bewegungen des Gesichts oder des Körpers dieselben Emotionen ausdrücken, könne man seiner Ansicht nach darauf schließen, dass diese Ausdrucksformen angeboren oder instinktiv sind.

3. Methode: Beobachtung des Emotionsausdrucks von Kindern

Dieser Untersuchung liegen die zwei Annahmen zugrunde, dass Kleinkinder einerseits Emotionen noch nicht kontrollieren können und andererseits bei Kleinkindern die Wahrscheinlichkeit geringer ist, dass die Ausdrucksformen nicht ererbt sind sondern erlernt wurden.

[...]


[1] Darwin (1877), S. 11

[2] dtv-Brockhaus-Lexikon (1988)

[3] Darwin (1877), S. 11

[4] Darwin (1877): Gesammelte Werke. Siebenter Band. Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen.

[5] Darwin (1877), S. 255

[6] Darwin (1877), S. 321

[7] Universität Zürich, Skript: V. Brandstätter-Morawietz

[8] Darwin (1877), S. 11 ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Ausdrucksforschung am Beispiel der Theorien von Charles Darwin und Paul Ekman
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Fernsehwirkungsforschung
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V77556
ISBN (eBook)
9783638818940
ISBN (Buch)
9783656131809
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausdrucksforschung, Beispiel, Theorien, Charles, Darwin, Paul, Ekman, Fernsehwirkungsforschung
Arbeit zitieren
Master of Science Sarah Wulle (Autor), 2004, Die Ausdrucksforschung am Beispiel der Theorien von Charles Darwin und Paul Ekman, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77556

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