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Muster zur Herstellung von Außeralltäglichkeiten - Das traditionelle Fest: Fasching, Fastnacht, Karneval

Title: Muster zur Herstellung von Außeralltäglichkeiten - Das traditionelle Fest: Fasching, Fastnacht, Karneval

Seminar Paper , 2004 , 17 Pages , Grade: 2,5

Autor:in: Heike Doll (Author)

Sociology - Miscellaneous
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Traditionelle Feste und Feiern
Wie sehr sich die Welt und die in ihr lebende Gesellschaft mit ihren Werten und Normen im Laufe der Zeit auch geändert haben mag, Feste gab es schon immer und wird es wohl auch immer geben.
Etymologische Bedeutung
Zu Beginn möchte ich erst einmal die etymologische Bedeutung der Worte Fest und Feier klären, bevor ich auf die unterschiedlichen Arten von Festen eingehen werde.
Das Fest (v. lat. festum für das Feiern vorgesehener Zeitabschnitt) ist ursprünglich ein besonderer herausgehobener vom Alltag unterschiedener Zeitraum. Verwandt damit ist das Wort „Feier“ (v. lat. feriae, urspr. fesiae-Tage, an denen keine Geschäfte vorgenommen werden). Beide Begriffe wurzeln in fanum: das Religiöse.
Beruhend auf das Religiöse soll an dieser Stelle Otto F. Bollnow angeführt werden, der in seinem Werk „Anthropologie des Festes“ die Unterscheidung der Begriffe „Fest“ und „Feier“ aufgeworfen und durchgeführt hat. Denn obwohl sie dieselbe Sprachwurzel haben und im allgemeinen Sprachgebrauch nebeneinander angewendet werden, meinen sie – nach Bollnow nicht dasselbe. Er führt drei Unterscheidungsmerkmale auf:
1. Eine Feier ist eine Veranstaltung die in einem organisierten und in bestimmter Form gestalteten Rahmen stattfindet. Sie geschieht in einem feierlichen Akt und endet mit diesem Akt.
Das Fest dagegen ist eine allumfassende Geselligkeit, die gekennzeichnet ist, durch ihre lockere Gelöstheit, zum Ausdruck gebracht durch Tanz und Musik, Getränke und Speisen, legere Kleidung und formlosen Unterhaltungen.
2. Bollnow sieht den zweiten Unterschied im sachlichen Gehalt einer Veranstaltung. Die Feier ist immer auf ein historisch-konkretes Ereignis bezogen, seien damit nun allgemeine oder auch individuelle Ereignisse gemeint.
Bei einem Fest hingegen geht es eher um etwas Abstraktes, um die „pure Lebensfreude“, wie Bollnow es ausdrückt
3. Im dritten Punkt geht es um die Art, wie gefeiert wird. Feiern werden bewusst zu bestimmten Anlässen veranstaltet, sie unterstehen also der menschlichen Willkür.

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Inhaltsverzeichnis

1. Traditionelle Feste und Feiern

1.1 Etymologische Bedeutung

1.2 Verschiedenartigkeit der Feste

2. Fastnacht, Fasching, Karneval

2.1 Etymologische Bedeutung

2.2 Historische Bedeutung

2.3 Verkleidung, Vermummung, Maskierung

2.4 Veraltete Fastnachtsbräuche

2.5 Das Spiel mit der Identität

2.6 Der rheinische Karneval

3. Außeralltäglichkeit

4. Literaturnachweis

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht soziologische Muster der Herstellung von Außeralltäglichkeit am Beispiel traditioneller Feste, insbesondere Fasching, Fastnacht und Karneval. Dabei wird analysiert, wie diese Festlichkeiten als Gegenentwurf zum Alltag fungieren, welche historische sowie funktionale Bedeutung Bräuche wie Maskierung und Identitätswechsel haben und inwieweit sie als gemeinschaftsstiftende Mechanismen zur Bewältigung gesellschaftlicher Zwänge dienen.

  • Etymologische und historische Herleitung von Festen und Feiern.
  • Die soziologische Funktion von Verkleidung und Maskierung als Spiel mit der Identität.
  • Spezifische Ausprägung des rheinischen Karnevals im Vergleich zu süddeutschen Traditionen.
  • Untersuchung der "Außeralltäglichkeit" als notwendige Entlastungsfunktion vom Alltagsdruck.
  • Analyse der gemeinschaftsstiftenden Wirkung und der Aufhebung sozialer Hierarchien während der Festzeit.

Auszug aus dem Buch

2.3 Verkleidung, Vermummung, Maskierung

Natürlich blieb diese Diabolisierung der Fastnacht durch die Kirche nicht ohne Folgen: die Menschen begannen das Brauchtum- welches bis heute gepflegt wird- sich während der tollen Tage zu maskieren.

Zuerst erschien die Verkleidung eher ungeordnet und willkürlich, doch bereits um 1450 begannen sich immer klarere Figuren herauszubilden, die sich über weite geographische Räume hinweg sehr ähnlich waren. Die von der Kirche gegebene Neuinterpretation der Fastnacht verfehlte ihre Wirkung nicht, so war die am häufigsten vorzufindende Maske die des Teufels.

Interessant ist, woher diese Masken stammten, nicht etwa, dass die Menschen sie sich selbst herstellten, nein, sie liehen sich ihre Kostümierung bei der Kirche. Diese hatte in ihre Requisitenkammer einen großen Fundus an Masken und Teufelsgewändern, die gewöhnlich für geistliche Schauspiele und Figuralprozessionen dienten. Entgegen aller Vermutung waren die Masken jedoch nicht aus Holz, sondern aus Ton angefertigt. Weitere beliebte Maskierungen waren der einfältige Bauer und das alte Weib, von dem der Weg zur Hexe nicht mehr weit war, die immer wieder für Gespött sorgten, aber auch Randgruppen wie Juden, Türken, Mohren und Zigeuner, die sich nicht zur christlichen Kirche bekannten. In einigen Regionen gab es die sogenannten „Fleckenkostüme“, die symbolisch für den lasterhaften und sündenbefleckten Leib des Menschen standen. Wichtig waren auch die Tierverkleidungen, wie Bären, Esel, Böcke, Affen, Schweine und andere mehr. Sie alle hatte etwas gemeinsam, sie standen für die Verkörperung einer Sünde: der Esel für die Trägheit (desidia), das Schwein für die Völlerei (gula), der Bock für die Unkeuschheit (luxuria) und mehr. Letztere Typen kommen heute, bis auf ein paar Ausnahmen, die eine längere Tradition zeigen, so gut wie gar nicht mehr vor.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Traditionelle Feste und Feiern: Einführung in die Begrifflichkeiten und Unterscheidung von Fest und Feier sowie Einordnung von Festen in verschiedene Zeitzyklen.

2. Fastnacht, Fasching, Karneval: Detaillierte Untersuchung der etymologischen Wurzeln, historischen Entwicklung und speziellen Bräuche sowie Maskenformen der Fastnacht, mit einem Fokus auf den rheinischen Karneval.

3. Außeralltäglichkeit: Analyse der soziologischen Funktion von Festen als temporärer Ausbruch aus der Alltagswirklichkeit zur Entlastung des Individuums.

4. Literaturnachweis: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen.

Schlüsselwörter

Außeralltäglichkeit, Fasching, Fastnacht, Karneval, Identität, Maskierung, Brauchtum, Soziologie, Gemeinschaft, Feier, Rituale, Religion, Tradition, Alltag, Identitätsspiel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Betrachtung von traditionellen Festen, insbesondere der Karnevalszeit, als Mittel zur Erzeugung eines außeralltäglichen Zustands.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die etymologischen Wurzeln, die historische Bedeutung von Bräuchen, die psychologische Funktion von Maskierung und der Vergleich verschiedener regionaler Traditionen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Feste durch das Brechen von sozialen Normen und Rollen eine Entlastungsfunktion vom Alltag erfüllen und Gemeinschaft stiften.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine kulturwissenschaftliche und soziologische Literaturanalyse, um die Funktionen von Festen in ihrer historischen und gesellschaftlichen Dimension zu deuten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Festen, die spezifische Betrachtung des Karnevals (einschließlich seiner Symbolik und Geschichte) und die theoretische Untersuchung der "Außeralltäglichkeit".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Außeralltäglichkeit, Maskierung, Identitätsspiel, Gemeinschaft, Tradition und soziale Entlastung.

Warum spielt die Kirche eine so zentrale Rolle bei der Entstehung des Karnevals?

Die Kirche lieferte nicht nur den zeitlichen Rahmen vor der Fastenzeit, sondern stellte historisch sogar Masken aus ihrem Requisitenfundus bereit und lieferte durch die "Teufelsdarstellungen" die Basis für die frühe karnevalistische Maskierung.

Was unterscheidet den rheinischen Karneval von anderen Traditionen?

Der rheinische Karneval entwickelte sich stärker hin zur Persiflage auf das Militär und politische Verhältnisse, während er gleichzeitig durch Corps und eine spezifische Narrenkultur geprägt ist, die sich von den ländlicheren, eher archaischen Fasnachtsformen unterscheidet.

Warum maskieren sich Menschen während der Karnevalstage?

Das Maskieren dient als Schutz, der es dem Träger ermöglicht, soziale Zwänge, Statusunterschiede und die eigene Identität zeitweise aufzugeben, um so Kritik zu üben oder neue Erfahrungen zu sammeln.

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Details

Title
Muster zur Herstellung von Außeralltäglichkeiten - Das traditionelle Fest: Fasching, Fastnacht, Karneval
College
University of Trier
Grade
2,5
Author
Heike Doll (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V77564
ISBN (eBook)
9783638819077
ISBN (Book)
9783640468096
Language
German
Tags
Muster Herstellung Außeralltäglichkeiten Fest Fasching Fastnacht Karneval
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Heike Doll (Author), 2004, Muster zur Herstellung von Außeralltäglichkeiten - Das traditionelle Fest: Fasching, Fastnacht, Karneval, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77564
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