Interethnische Konfliktpotenziale in deutschen Städten


Hausarbeit, 2004

33 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Ethnizität und Ethnische Gruppen - eine Begriffserläuterung
2.1 These 1: Ethnische Gruppen sind Wir-Gruppen, die sich durch die Selbst- und Fremdbeschreibung einer kollektiven Identität auf der Grundlage des Glaubens an eine Abstammungsgemeinschaft konstituieren
2.2 These 2: Die Selbst- und/oder Fremdzuschreibung kollektiver ethnischer Identitäten impliziert stets einen Prozess der Abgrenzung in der Interaktion mit anderen Gruppen
2.3 These 3: Die Bedeutung ethnischer Identitäten für individuelle und kollektive Handlungsorientierungen ist veränderlich

3. Die ethnische Vielfalt in Deutschland und das Beispiel der Konfliktentladung nach der Wende

4. Motive und Gegenstände der Konflikte

5. Untersuchungen zum Ausmaß der Vorurteile, zur Diskriminie- rung und zum „Leben in benachteiligten Wohngebieten“
5.1 Untersuchungen zum Ausmaß der Vorurteile
5.2 Untersuchung zur Diskriminierung
5.3 Untersuchung zum „Leben in benachteiligten Wohngebieten“

6. Arten der Konflikte

7. Mögliche Lösungsansätze zur Konfliktbewältigung

8. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Wahrgenommene Ausländerfeindlichkeit, nach Nationalitäten

Abb. 2: Probleme der Ausländer in der Wahrnehmung von Ausländern

Abb. 3 & 4: Antworten auf die Umfrage zu Vorurteilen in den neunziger Jahren (1)

Abb. 5 & 6: Antworten auf die Umfrage zu Vorurteilen in den neunziger Jahren (2)

Abb. 7: Antworten der Befragung zur Erwerbstätigkeit der Ausländer

Abb. 8: Ethnische Zusammensetzung in Köln-Kölnberg

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Ausländer in der BRD insgesamt und nach ausgewählten Nationalitäten, 1961, 1979, 1987, 1990, 1992 (Gesamt-Berlin), in Tausend

Tab. 2: Asylbewerber in der BRD, 1971, 1975, 1980-1995

Tab. 3: Ausländische Bevölkerung nach Geburtsland am 31.12.02

Tab. 4: Ethnische Zusammensetzung der vier Wohngebiete, 1996

Tab. 5: Was den deutschen Bewohnern an ihrem Wohngebiet nicht gefällt, in Prozent (Mehrfachnennungen)

Tab. 6: Was den türkischen Bewohnern an ihrem Wohngebiet nicht gefällt, in Prozent (Mehrfachnennungen)

Tab. 7: Vorkommen und Stören, Wohngebiete Kalk 1 & Kölnberg, in Prozent, deutsche und türkische Befragte

Tab. 8: Möglichkeiten der Lösung von interethnischen Konflikten: Pro und Contra der räumlichen Konzentration und der Durchmischung mit der Bevölkerung

1. Einleitung

Interethnische Konflikte sind Phänomene, die jeder Einzelne aus den Nachrichten und aus Zeitungen kennt. Meistens ist von ihnen im Ausland die Rede - man denke dabei an die USA, Ex-Jugoslawien oder an die Probleme der Türken und Kurden in der Türkei. Ethnische und damit meist interethnische Konflikte trifft man jedoch auch in Deutschland an. Publik ist ein derartiges Konfliktpotenzial in deutschen Städten z.B. in den neunziger Jahren geworden, als Berichte zahlreicher fremdenfeindlicher Übergriffe auf Asylanten und Ausländer international die Zeitungen füllten. Hierbei fördern Vorurteile und stereotype Bilder seitens der Mehrheitsbevölkerung ein kon- stant anwachsendes Konfliktpotenzial.

In dieser Arbeit sollen nun Grundbegriffe zum Thema interethnische Konfliktpotenzia- le erläutert und zukünftige Entwicklungsprozesse angedacht werden. Anhand einiger Beispiele sollen zudem Konfliktpotenziale dargestellt und interpretiert werden. Diese werden unter Zuhilfenahme aktueller Untersuchungen und Statistiken veranschau- licht. Ziel ist es schließlich, das Phänomen dieser Konfliktentstehung zu erfassen und qualifizierbar zu machen.

Wir nähern uns dem Thema zunächst mit einer Formulierung von GIDDENS 1997, S. 324, die uns auf die Problemstellung hinführen soll:

„ Unter welchen Bedingungen können die Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen oder kultureller Gemeinschaften miteinander auskommen? Und unter wel- chen Umst Änden arten die Beziehungen zwischen ihnen wahrscheinlich in Gewalt aus? “

2. Ethnizität und Ethnische Gruppen - eine Begriffserläuterung

Die Definition der Begriffe „Ethnie“, „Ethnizität“ und „Ethnische Gruppe“ gilt es nun zu nächst zu erläutern. Es existieren sehr viele verschiedene Definitionen für die Begrif- fe Ethnie und Ethnische Gruppe, wobei ich für diese Arbeit jene von GANTER 1995, S. 56ff zitieren möchte. Ganter definiert die „Ethnische Gruppe“ durch folgende drei Thesen:

1. Ethnische Gruppen sind Wir-Gruppen, die sich durch die Selbst- und Fremdbeschreibung einer kollektiven Identität auf der Grundlage des Glaubens an eine Abstammungsgemeinschaft konstituieren.
2. Die Selbst- und/oder Fremdzuschreibung kollektiver ethnischer Identitäten impli- ziert stets einen Prozess der Abgrenzung in der Interaktion mit anderen Gruppen.
3. Die Bedeutung ethnischer Identitäten für individuelle und kollektive Handlungsorientierungen ist veränderlich.

Nachfolgend soll nun genauer auf die einzelnen Ganter´schen Thesen eingegangen werden.

2.1 These 1: Ethnische Gruppen sind Wir-Gruppen, die sich durch die

Selbst- und Fremdbeschreibung einer kollektiven Identität auf der Grund- lage des Glaubens an eine Abstammungsgemeinschaft konstituieren Die formale Gemeinsamkeit, die ethnische Gruppen aufweisen, liegt in der Selbst- und Fremdzuschreibung einer kollektiven Identität als „Wir-Gruppe“. Diese Zuschrei- bung impliziert immer eine Abgrenzung zwischen einer derartigen Wir-Gruppe, also einer „in-group“, und einer „Sie-Gruppe“, der so genannten „out-group“. Um eine der- artige Grenze zu konstituieren, können mehrere Merkmale eingesetzt werden. So muss nicht die Sprache an sich schon als abgrenzendes Element betrachtet werden (vgl. BAUBÖCK 1989, S. 28), vielmehr bestimmte Merkmale wie z.B. Kleidung, Ess- gewohnheiten, Hautfarbe oder ein Territorium können zu einem Symbol, zum „idol of the tribe (Isaacs),“ einer Gemeinschaft aufgewertet werden (vgl. ROTHSCHILD 1981, S. 86-94). Somit hat ein eigentlich unbedeutendes Merkmal innerhalb einer ethnische Gruppe höchsten Identifikationscharakter und damit ist es Grundlage der Gemein- samkeit.

COHEN 1978, S. 386f schreibt hierzu „the variety, numbers, and kinds of such mark- ers are as numerous as humankind’s capacity to attach significance to any and all objects and behaviours that provide some common characteristics for group mem- bership”. Die Merkmale, die der Abgrenzung zu einer ethnischen Identität dienen, sind demnach keine primordialen Grundgegebenheiten, also keine „ererbten“, son- dern „erworbene“. Die Abgrenzung an sich konstituiert somit überhaupt erst eine eth- nische Gruppe und nicht ein spezifisches Merkmal alleine (vgl. GANTER 1995, S. 57- 58). Hierbei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass auch andere Gruppen Grenzen ziehen, wie z.B. Arbeitgeberverbände oder gar der renommierte Lions-Club. Es wird bei Gruppen fast immer zwischen „innen“ und „außen“ unterschieden, es handelt sich demnach also auch um „Wir-Gruppen“. Was sie jedoch unterscheidet ist der imaginäre Glaube ethnischer Gruppen an eine gleiche Abstammungsgemein- schaft (vgl. WEBER 1980, S. 237), d.h. der Glaube an „ererbte Merkmale“. Damit ver- weisen sie auf einen einheitlichen Ursprung der Gruppe (vgl. BRAUN/RÖSEL 1988, S. 3). Diejenigen Personen, denen folglich eine ethnische Identität zugeschrieben wird, können diese aber manipulieren oder gar aufgeben, ohne dass ihnen eine „pathologische Verfehlung genetischer Verhaltensmaximen“ nachgewiesen werden kann (vgl. GANTER 1995, S. 61). Dies zeigt eine gewisse Brüchigkeit und Veränderbarkeit dieser ethnischen Zuschreibungen.

2.2 These 2: Die Selbst- und/oder Fremdzuschreibung kollektiver ethnischer

Identitäten impliziert stets einen Prozess der Abgrenzung in der Interaktion mit anderen Gruppen Durch die Interaktionsbeziehungen mit „Anderen“, vor allem den „ethnic others“ (vgl. GANTER 1995, S. 62) wird dieses „Wir-Gefühl“ generiert. Durch diese ethnische Grenzziehung entsteht also eine Innenseite und eine Außenseite, wobei die Innen- seite durch Sozialisationsprozesse, gemeinsame Sinnesdeutungen und durch die All- tagspraxis geformt werden, die Außenseite durch die Begegnung mit den „Anderen“ und der Verarbeitung des „Fremden“. Erst durch diese Doppelseitigkeit wird dem- nach die „ethnic boundery“ geformt (vgl. DITTRICH/LENTZ 1994, S. 31).

Ethnische Differenzierungen verdichten sich normalerweise zu einem Stereotypen- charakter, also zu standardisierten Bildern der „ethnic others“. Solche Stereotypisie- rungen werden dann bedenklich, wenn sie einen abwertenden Charakter annehmen (vgl. DITTRICH/LENTZ 1994, S. 30f). Dies ist vor allen Dingen dort beobachtbar, wo ei- ne dominante Gruppe (z.B. Weiße in Südafrika zur Apartheid) einer anderen Gruppe (Schwarze Bevölkerung Südafrikas) eine gewisse Identität zuschreibt, welche mit minderem Status verbunden ist und diese dadurch im Vorfeld von bestimmten Chan- cen ausschließt.

Dies veranschaulicht das komplexe Wechselverhältnis Selbst- und Fremdzuschreibungen einer ethnischen Gruppe. Eine Analyse der Selbstzuschreibungsmerkmale kann somit noch keine ethnische Gruppe definieren. Die Fremdzuschreibung muss folglich immer miteinbezogen werden (vgl. GANTER 1995, S.64).

2.3 These 3: Die Bedeutung ethnischer Identitäten für individuelle und kollektive Handlungsorientierungen ist veränderlich

Wie bereits beschrieben wurde, ist die ethnische Grenzziehung etwas veränderliches und situationsabhängiges und damit aber a priori ein Widerspruch in der Vorstellung ethnischer Gruppen als eine Art ursprüngliche Form von Gesellschaft.

Es gibt keinen triftigen Grund anzunehmen, dass die ethnische Identität die wichtigs- te aller Identitäten ist, so können auch das Geschlecht, der Lebensstil, Berufszuge- hörigkeit, Einkommen, Religion, Alter und politische Einstellungen alternative An- knüpfungspunkte für Identifikationen sein. Verschiedene ethnische Identitäten kön- nen auch ohne weiteres nebeneinander existieren (also kann sich ein Mann als Mann und als Schwabe und als Christ und als Arbeiter gleichermaßen verstehen). Hierbei können Hierarchien gebildet werden, z.B. wenn sich jemand in erster Linie als Franzose und erst in Zweiter als Bretone versteht (vgl. GANTER 1995, S. 66-67).

Diese drei Thesen haben somit die Tatsache unterstrichen, dass Ethnizität etwas veränderliches, vielschichtiges und situationsabhängiges ist.

3. Die ethnische Vielfalt in Deutschland und das Beispiel der Konfliktentladung nach der Wende

Zur ethnischen Vielfalt in der Bundesrepublik zählen Bevölkerungsgruppen, die als Gastarbeiter in den sechziger und siebziger Jahren, als Arbeitsmigranten oder als Asylanten und Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Regional ist die Zusammenset- zung ethnischer Minoritäten in Deutschland unterschiedlich. Betrachtet man die Da- ten der Ausländer in Berlin nach ihrer Nationalität (Tab. 1), so wird schnell deutlich, dass auch heutzutage die Türken als ethnische Minorität am stärksten vertreten sind und damit die italienischen Gasarbeiter ab 1970 in ihrer Zahl übertrafen.

Durch die Zugewanderten entstand eine ethnisch-kulturelle Differenzierung zu der einheimischen Mehrheitsbevölkerung, dabei haben sich Phänomene und Tendenzen einer Pluralisierung der Kultur entwickelt. Die Gesellschaft muss seither als multikul- turelles oder multi-ethnisches Gebilde (vgl. SCHULTE 1998) begriffen werden, das sich lokal in einer Kommune entfalten kann, oder auch regional entstehen kann. In dieser pluralisierten Kultur wächst das Konfliktpotenzial unter Umständen sehr schnell an.

Tab. 1: Ausländer in der BRD insgesamt und nach ausgewählten Nationalitäten, 1961, 1979, 1987, 1990, 1992 (Gesamt-Berlin), in Tausend; Quelle: STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR DIE BRD 1994, S. 72, berechnet von FRIEDRICHS 1998, S. 234

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Noch differenzierter ist Tab. 3 zu betrachten, welche die aktuelle Zusammensetzung ethnischer Minoritäten in ganz Deutschland veranschaulicht.

Tab. 2: Asylbewerber in der BRD, 1971, 1975, 1980-1995; Quelle: FRIEDRICHS 1998, S. 236

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

* Januar bis September 1995

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Wahrgenommene Ausländerfeindlichkeit, nach Nationalitäten. Die Abbildung zeigt das deutliche Anwachsen von Fremdenfeindlichkeit (v.a. seit 1988), die auch als solche von den Ausländern wahrgenommen wurden. Vor allem die Türken bemerkten die Ausländerfeindlichkeit sehr viel stärker als andere Nationalitäten, was der Wert von ca. 48 % im Jahr 1989 verdeutlicht. Quelle: BÖLTKEN 1991, S. 487

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Probleme der Ausländer in der Wahrnehmung von Ausländern. Diese Abbildung zeigt, dass die größten Probleme im Jahr 1998 im Zusammenhang mit der Ausländerfeindlichkeit gesehen wurden. Vor allem fühlten sich die Türken mit Problemen konfrontiert. Am geringsten wurde jedoch das Problem der schlechten Behandlung durch Deutsche im Alltag eingeschätzt. Quelle: BÖLTKEN 1991, S. 483

Tab. 3: Ausländische Bevölkerung nach Geburtsland am 31.12.02; Quelle: STA- TISTISCHES BUNDESAMT DEUTSCHLAND 2003

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Interethnische Konfliktpotenziale in deutschen Städten
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Hauptseminar: Soziale Segregation in der Stadt
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
33
Katalognummer
V77603
ISBN (eBook)
9783638830836
Dateigröße
905 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interethnische, Konfliktpotenziale, Städten, Hauptseminar, Soziale, Segregation, Stadt
Arbeit zitieren
Larissa Neuefeind (Autor), 2004, Interethnische Konfliktpotenziale in deutschen Städten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77603

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