Die Wortfeldtheorie


Hausarbeit, 2004

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Anfänge der Wortfeldtheorie
2.1. Ferdinand de Saussure
2.2. Die Herkunft des Feldkonzepts

3. Der Feldgedanke im 20. Jahrhundert
3.1. Das Bedeutungsfeld von Ipsen
3.2. Jost Trier
3.3. Leo Weisgerber
3.4. Stimmen zur Kritik an der Wortfeldtheorie als Gesamtkonzeption

4. Einblick in die heutige Strukturelle Wortfeldforschung und deren Probleme

5. Zusammenfassung

6. Bibliographie

1. Einleitung

Namhafte Forscher haben sich bereits der Wortfeldforschung gewidmet, welche sich mit der Aufteilung von Wörtern in Felder beschäftigt, die wiederum hierarchisch gegliedert in einem Gefüge existieren. Jost Trier gilt im Allgemeinen als Begründer der Feldtheorie. Er stellte sich in seinen Studien zwei bedeutende Fragen: 1.) Welche Umstände, Anzeichen und Merkmale geben uns das Recht, ein Feld anzunehmen? und 2.) Was kann die Linguistik mit dem Feld anfangen?[1]

Diesen Fragen sollen u. a. in dieser Arbeit nachgegangen werden, die das Ziel hat, den Weg zu einem sprachlichen Feld aufzuzeigen. Hierfür werden die Anfänge der Wortfeldtheorie, aber auch Kritik an dieser Theorie dargestellt. Als Hauptvertreter der Wortfeldtheorie wird neben Jost Trier, der aufgrund seiner Erkenntnisse und Verdienste in der Wortfeldforschung am ausführlichsten dargestellt werden soll, auch auf Gunther Ipsen und auf Leo Weisgerber, der die Theorie Triers weiterentwickelte und sie populär machte, eingegangen.

2. Die Anfänge der Wortfeldtheorie

2.1. Ferdinand de Saussure

Wenn man der Geschichte des sprachlichen Feldes nachgeht, wird man in der Geschichte bis auf Platon im Altertum, John Locke (ca. 1690), oder auf Gottfried Wilhelm Leibnitz (18. Jahrhundert) zurückgeführt, die alle Bedeutungskonzepte entwickelten[2].

Ferdinand de Saussure jedoch entwickelte Anfang des 20. Jahrhunderts ein neues Konzept, welches für die nachfolgende Bedeutungslehre sehr einflussreich war[3]. Saussure legt in seiner Betrachtungsweise großen Wert auf eine synchronische und zugleich diachronische Betrachtung der Sprache. Er gilt als Wegbereiter der Grundprinzipien strukturalistischer Sprachbeschreibung. Für ihn besteht das Sprachensystem, welches für ihn ein Zeichensystem darstellt, aus le langage, la langue und la parole. Die menschliche Sprache im Gesamten ist somit die languag:. Es ist die angeborene Fähigkeit aller Menschen zur menschlichen Sprache und besteht aus der langue und der parole. Die langue bezeichnet hierbei ein eher soziales Phänomen, denn sie beschreibt die tatsächliche Sprache einer Sprachgemeinschaft. Die language stellt demnach das Forschungsgebiet für die Linguistik dar. Die parole hingegen versteht sich als konkreter Sprachgebrauch jedes einzelnen Individuums. Das Sprachsystem an sich beschreibt die natürliche Beziehung zwischen „Wörtern“ und „Dingen“. Saussure unterscheidet zwei Seiten innerhalb einer solchen Wort-Ding-Beziehung und betont zudem deren Zufälligkeit: signifié ist das „Bezeichnete“, folglich der Begriff / Inhalt und signifiant ist das „Bezeichnende“, also das akustische Bild / der Ausdruck[4].

Vor allem aber waren Saussures Gedanken über „syntagmatische und assoziative Beziehungen“ unter den Wörtern einer Sprache für die Bedeutungslehre einflussreich:

Einerseits gehen die Worte infolge ihrer Verkettung beim Ablauf irgendwelcher Aussagen Beziehungen unter sich ein, die auf dem linearen Charakter der Sprache beruhen, der es unmöglich macht, zwei Elemente zu gleicher Zeit auszusprechen […]. Sie reihen sich eins nach dem andern in der Kette des Sprechens an, und diese Kombinationen, deren Grundlage die Ausdehnung ist, können Anreihungen oder Syntagmen genannt werden. Die Anreihung besteht also immer aus zwei oder mehr aufeinander folgenden Einheiten (z.B. abreißen; für uns; ein langes Leben; Gott ist gut; wenn das Wetter schön ist, wollen wir ausgehen usw.). In eine Anreihung hineingestellt, erhält ein Glied seinen Wert nur, weil es dem vorausgehenden oder dem folgenden oder beiden gegenübersteht.

Andererseits aber assoziieren sich außerhalb des gesprochenen Satzes die Wörter, die irgend etwas unter sich gemein haben, im Gedächtnis, und so bilden sich Gruppen, innerhalb deren sehr verschiedene Beziehungen herrschen. So lässt das Wort Belehrung unbewusst vor dem Geist eine Menge anderer Wörter auftauchen (lehren, belehren usw., oder auch Bekehrung, Begleitung, Erschaffung usw., oder ferner Unterricht, Ausbildung, Erziehung usw.). Auf der einen oder anderen Seite haben alle diese Wörter irgend etwas unter sich gemein.

Man sieht, dass diese Zusammenordnungen von ganz anderer Art sind als die ersteren; sie sind nicht von der Zeiterstreckung getragen; ihr Sitz ist im Gehirn; sie sind Teile jenes inneren Schatzes, der bei jedem Individuum die Sprache bildet. Wir wollen sie assoziative Beziehungen nennen.[5]

Ein Hinweis hatte jedoch besondere Bedeutung, allerdings erst nach Saussures Tod:

Die synchronische Betrachtung der Sprache eröffnete nun neue Wege für die Forschung von Wörtergruppen, die begrifflich zusammengehören. Saussure hatte gezeigt, dass die Sprache ein System von Zeichen ist. Diese Erkenntnis war die Vorrassetzung, welche die synchronische Erforschung der Sprachinhalte überhaupt erst ermöglichte[6].

Sprache als eine Menge von Zeichen besteht für Saussure also nicht aus einer bloßen Anhäufung dieser Zeichen, vielmehr bilden diese ein System, das in seiner Gesamtheit durch den augenblicklichen Zustand seiner Glieder bestimmt ist. Der Inhalt eines Zeichens ist richtig nur im Zusammenspiel mit den anderen Zeichen und deren Inhalten zu bestimmen und dieses bestimmt auch seinen Wert (frz. valeur). Der Wert eines sprachlichen Zeichens ist demnach also sein Stellenwert im Zeichensystem, bzw. seine Bedeutung im System.

Saussures sprachwissenschaftliches Hauptwerk bietet überdies keine geschlossene Abhandlung der Semantik, sondern streift diese Disziplin nur peripher. In den Ausführungen zu „la valeur lingusitique“ formuliert Saussure Gedanken, die man demnach als zu den Grundlagen der Feldlehre gehörig ansehen darf, ohne dass er jedoch den Terminus „Feld“ verwendet.

Als Beispiel für le valeur soll hier nun das französische Wort mouton aufgeführt werden. Dieses wurde ins wurde in das Englische entlehnt und aus mouton wurde mutton. Dieses Wort hat einen unterschiedlichen Wert in seinem jeweiligen Systemen: engl. mutton steht nämlich in Opposition zu engl. s heep. Das bedeutet, dass der Bedeutungsumfang von mouton im Englischen auf zwei Zeichen aufgeteilt ist[7]. Als weiteres Beispiel kann hier noch das frz. Wort cher angefügt werden, das im Deutschen die Referenzbereiche lieb und teuer abdeckt.

2.2. Die Herkunft des Feldkonzepts

Die Herkunft des Feldkonzepts gilt auch heute noch als umstritten. Es ist nicht klar, wann und wo das Konzept des Feldes in der Literatur erstmalig auftrat. In diesem Kontext wird u.a. Heinz Werner genannt, der in seinem Werk „Die Ursprünge der Metapher“ im Jahr 1919 die Bezeichnung „Feld“ verwandte[8]. 1874 soll aber schon der Schwede Esaias Tegner von der Idee der Wortfelder geschrieben haben und dabei ebenfalls das Wort „Feld“ gebraucht haben[9]. R.M. Meyer hat tatsächlich 1910 schon ausführlich von der Theorie des Feldes in einem Aufsatz gesprochen. Er unterschied schon damals drei Arten von Bedeutungssystemen: die natürlichen, die künstlichen und die halbkünstlichen. Eben diese Unterscheidungen tauchen einige Jahrzehnte später auch bei Leo Weigerber und Eugenio Coseriu auf.

[...]


[1] Vgl. Trier, Jost: „Das sprachliche Feld: Eine Auseinandersetzung“, In: Neue Jahrbücher für Wissenschaft und Jugendbildung 10, 1934, S. 160 f.

[2] Vgl. Geckeler, Horst: Strukturelle Semantik und Wortfeldtheorie. München 1971.

[3] Vgl. Reed, Kenneth W.: Bestimmung und Beschreibung des Sprachlichen Feldes: Ein Beitrag zur Anwendung des Wortfeldprinzips. Ann Arbor: UMI Company, 1998.

[4] Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart 1999.

[5] Saussure, Ferdinand de: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Berlin 1967, S. 147 f.

[6] Öhmann, Suzanne: „Sprachliche Feldtheorie“. In: Lothar Schmid (Hrsg.). Wortfeldforschung: Zur Geschichte und Theorie des sprachlichen Feldes. Darmstadt 1973, S. 292.

[7] Vgl. Ullmann, Stephen: Semantik – Eine Einführung in die Bedeutungslehre. Frankfurt a. Main 1973, S. 307.

[8] Vgl. Reed, S. 27.

[9] Vgl. Öhmann, S. 292.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Wortfeldtheorie
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Linguistik/Romanistik)
Veranstaltung
Proseminar Semantik
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V77604
ISBN (eBook)
9783638830843
ISBN (Buch)
9783656545811
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wortfeldtheorie, Proseminar, Semantik
Arbeit zitieren
Larissa Neuefeind (Autor:in), 2004, Die Wortfeldtheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77604

Kommentare

  • Gast am 18.5.2009

    eine Bitte.

    Sehr verehrte Dame!Ich bin Hochschullehrerin an der Uni in Orenburg und habe grosses Interesse an der Theorie des Wortfeldes. Meine Dissertation ist dem Thema "Homonymie der grammatischen Strukturen im Text" gewidmet. Seit langem sammle ich Materialien, was die lexikalisch-grammatischen Felder anbetrifft. Aber das Problem besteht darin, dass die Quellen der Entstehung der Feldtheorien für mich noch nicht erforscht sind. Deshalb bin ich Ihnen sehr dankbar dafür, dass Sie solch ein Buch geschrieben haben.

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