In dieser Arbeit wird versucht zu zeigen, inwieweit die Frau in der bäuerlichen Gesellschaft im Russland während des 19. jhdts. Opfer der Patriarchalischen Gesellschaft war oder ob sie nicht auch Akteur war und Macht ausgeübt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Alltag der russischen Familie
3. Das Patriarchat – Die Stellung des Mannes
4. Die Frau: Opfer und Akteur
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Lebenswirklichkeit von Frauen in der bäuerlichen Gesellschaft des spät zaristischen Russlands. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern russische Bäuerinnen innerhalb eines stark patriarchalisch geprägten Systems lediglich als Opfer männlicher Willkür agierten oder ob sie selbst Macht ausüben und als eigenständige Akteurinnen innerhalb der Familienstrukturen fungieren konnten.
- Analyse der hierarchischen Strukturen innerhalb der russischen Bauernfamilie
- Untersuchung der rechtlichen und sozialen Stellung des Mannes sowie der patriarchalen Gewalt
- Bewertung der ökonomischen und sozialen Bedeutung der Frau für das bäuerliche Haushaltssystem
- Diskussion über Handlungsspielräume und Machtausübung der Frau im dörflichen Kontext
- kritische Reflexion des Opfernarrativs durch Einbeziehung ethnographischer Berichte und Gerichtsakten
Auszug aus dem Buch
4. Die Frau: Opfer und Akteur
Der bisherige Verlauf dieser Arbeit lässt darauf schließen, dass die Frau innerhalb der russischen Bauernfamilie eine reine Opferstellung inne hatte und keine Möglichkeit besaß ihrerseits Macht auszuüben. Sie wurde geschlagen, verhöhnt und war auf den Mann angewiesen. Man kann in gewisser Hinsicht schlussfolgern, Frauen seien damals Menschen zweiter Klasse gewesen.
In diesem Abschnitt werden wir prüfen ob dies der Wahrheit entspricht. Die bäuerlichen Frauen standen nicht nur in gesellschaftlicher Hinsicht schlechter da als der Mann, sondern auch in mythologischer. Ihnen wurde gemäß der christlichen Erbsünde ein Pakt mit dem Teufel nachgesagt, ihr Körper war unrein, sie setzten ihn ein um die Männer zu verführen.
Die Menstruation der Frau sie ein eindeutiges Zeichen für die Unreinheit der Frau. Diese Behauptungen führten zu vielen Vorurteilen gegenüber Frauen. Es gibt Berichte über Frauen die ihr Schicksal hinnahmen, sie fanden sich damit ab, dass sie unrein sind und dementsprechend würden sie Schläge verdienen. In gewisser Hinsicht trifft es also zu, dass die Frau ein Opfer war.
Wenden wir uns nun der Frau als Akteur zu. Innerhalb der hierarchischen Familienstruktur übten Frauen durchaus Macht aus. Die Schwiegermutter übte Macht über die Schwiegertochter aus, vor allem wenn die Schwiegertochter eine Witwe war und nur Töchter zur Welt brachte. Es gibt viele Fälle die vors Dorfgericht gebracht wurden, bei denen es um die Besitzverhältnisse einer Schwiegertochter innerhalb der Familie ging. Die Schwiegertochter musste auf ihren Besitz aufpassen, es kam nämlich vor, dass sie von der Schwiegermutter enteignet wurde. Aber auch in anderen Bereichen ist die Frau weniger Opfer, als vielmehr Akteur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Fragestellung zur Rolle der Frau im spät zaristischen Russland und erläutert die schwierige Quellenlage sowie das Ziel der Arbeit.
2. Der Alltag der russischen Familie: Das Kapitel beschreibt die hierarchische Organisation und die harte körperliche Arbeit im bäuerlichen Haushalt, in dem Mann und Frau unterschiedliche, aber aufeinander angewiesene Rollen einnahmen.
3. Das Patriarchat – Die Stellung des Mannes: Hier wird die patriarchale Ordnung beleuchtet, die durch männliche Gewalt, Alkoholkonsum und eine strenge Kontrolle über die Sexualität der Frauen geprägt war.
4. Die Frau: Opfer und Akteur: Dieser Teil kontrastiert die Opferrolle, die durch gesellschaftliche Vorurteile und mythologische Zuschreibungen zementiert wurde, mit den tatsächlichen Machtansprüchen und Handlungsspielräumen von Frauen im Alltag.
5. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die Frau zwar unter dem Patriarchat litt, jedoch durch ihre unverzichtbare Rolle im Haushalt und bei der Kindererziehung eine eigene Form der indirekten Macht ausüben konnte.
Schlüsselwörter
Russische Bauernfamilie, Patriarchat, Rolle der Frau, bäuerlicher Alltag, Machtverhältnisse, Geschlechterrollen, spät zaristisches Russland, häusliche Gewalt, bäuerliche Ökonomie, Sozialgeschichte, Frauenrolle, Akteur, Opferrolle, Ethnographie, bäuerliche Familie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Stellung der Frau innerhalb der bäuerlichen Familienstrukturen im spät zaristischen Russland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die patriarchale Familienstruktur, der bäuerliche Alltag, die Gewalt gegen Frauen sowie das Spannungsfeld zwischen der Frau als Opfer und als handelndem Akteur.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die russische Bäuerin in diesem patriarchalen System ausschließlich als unterdrücktes Opfer agierte oder ob sie über eigene Machtressourcen und Handlungsspielräume verfügte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse von Berichten und Studien zeitgenössischer Ethnologen sowie auf die Auswertung historischer Gerichtsakten und Dokumente.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der familiären Hierarchien, die Analyse der männlichen Herrschaftsstruktur und die differenzierte Betrachtung der Frau zwischen Diskriminierung und alltäglicher Machtausübung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Patriarchat, bäuerlicher Alltag, Geschlechtergeschichte und russische Sozialgeschichte beschreiben.
Wie beeinflusste das Patriarchat die gerichtliche Behandlung von Vergewaltigungsfällen?
Die Chancen einer Frau vor Gericht hingen stark von ihrem persönlichen Ruf ab; galt sie beispielsweise als „Dirne“, waren ihre Aussichten auf einen positiven Prozessausgang sehr gering.
Welche Rolle spielte die Schwiegermutter in der bäuerlichen Hierarchie?
Die Schwiegermutter besaß innerhalb der häuslichen Hierarchie Macht über die Schwiegertochter, insbesondere wenn letztere eine Witwe war, und konnte diese bei Familienstreitigkeiten sogar enteignen.
Warum wird die Frau im Text nicht nur als Opfer bezeichnet?
Der Autor argumentiert, dass Frauen durch ihre unverzichtbare Rolle bei der Haushaltsführung und Kindererziehung sowie durch ihr Vorgehen vor Dorfgerichten durchaus in der Lage waren, indirekt Macht auszuüben.
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- Martin Wiertel (Author), 2006, Die bäuerliche Familie - Opfer oder Akteur?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77635