Zu Beginn verschaffen wir uns ein gemeinsames, für den Fortgang der Arbeit grundlegendes Politikverständnis. Es geht uns hier vor allem darum, das Wesen von Politik in der Demokratie zu erschließen. Hier wird der Begriff der politischen Legitimität uns die Unumgänglichkeit von politischer Kommunikation in der Demokratie vor Augen führen. Diesem Thema widmen sich entsprechend auch die weiteren Ausführungen, um das hierüber erworbene Wissen sodann im dritten Punkt dieser Arbeit auf die Regierungskommunikation – als Teilbereich der politischen Kommunikation – in Deutschland übertragen zu können. Unser besonderes Augenmerk fällt dabei auf das zur Verfügung stehende Instrumentarium, um daraufhin den Gegenstand der symbolischen Politik als Mittel der Regierungskommunikation zu beleuchten. Anschließend verschaffen wir uns einen detaillierten Einblick in die Hintergründe der Kampagne »Deutschland bewegt sich« – als zentralem Gegenstand der Untersuchung. In diesem Kontext werden wir für die Beantwortung der wissenschaftlichen Frage zu untersuchende Hypothesen entwickeln und vorstellen, die schlussendlich im fünften Punkt der Arbeit auf ihre Gültigkeit hin mittels einer eigens dafür durchgeführten Befragung überprüft werden. Mit dem Fazit des sechsten Punktes wird sich der Kreis unserer Betrachtungen sodann schließen, indem wir aus den Untersuchungsergebnissen Rückschlüsse hinsichtlich der genannten zentralen Fragestellung dieser Arbeit ziehen:
Spiegeln die auf den Plakaten über Bilder und Slogans vermittelten Inhalte auch die tatsächlichen Inhalte der politischen Reformen wider? Oder dienen sie vielmehr dazu, von diesen abzulenken?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Politikwissenschaftliche Grundlagen
2.1 Grundwissen zu Politik und Demokratie
2.1.1 Begriff der Politik
2.1.2 Politik als mehrdimensionaler Begriff
2.1.2.1 Polity
2.1.2.2 Policy
2.1.2.3 Politics
2.1.3 Politik in der Demokratie
2.1.3.1 Begriff der Demokratie
2.1.3.2 Legitimität in der Demokratie
2.2 Grundwissen zur politischen Kommunikation
2.2.1 Politische Kommunikation
2.2.1.1 Der Kommunikationsbegriff
2.2.1.2 Begriff der Politischen Kommunikation
2.2.1.3 Richtungen der Politischen Kommunikation
2.2.2 Politikvermittlung
2.2.2.1 Begriff der Politikvermittlung
2.2.2.2 Richtungen der Politikvermittlung
2.2.2.3 Ausprägungen der Politikvermittlung
3. Regierungskommunikation in der Demokratie
3.1 Rahmenbedingungen in Deutschland
3.2 Instrumente der Regierungskommunikation
3.2.1 Politische Öffentlichkeitsarbeit
3.2.1.1 Begriff der Politischen Öffentlichkeitsarbeit
3.2.1.2 Formen der politischen Öffentlichkeitsarbeit
3.2.1.3 Mittel der politischen Öffentlichkeitsarbeit
3.2.2 Politische Werbung
3.2.2.1 Begriff der Politischen Werbung
3.2.2.2 Informationsgehalt von politischer Werbung
3.2.3 Abgrenzung von Politischer Werbung und politischer Öffentlichkeitsarbeit
3.3 Symbolische Politik als Mittel der Regierungskommunikation
3.3.1 Der Symbolbegriff
3.3.2 Begriff der symbolischen Politik
3.3.3 Bedeutende Ansichten zur Symbolischen Politik
3.3.3.1 Begriffseinführung und Kritik durch Murray Edelman
3.3.3.2 Differenzierte Betrachtung durch Ulrich Sarcinelli
3.3.3.3 Einbeziehung der kommunikativen Rezeption durch Ralph Sartor
3.3.4 Strategien der symbolischen Politik
4. Inhalt und Ziel der Untersuchung
4.1 Grundwissen zu der Kampagne »Deutschland bewegt sich«
4.1.1 Der politische Gegenstand der Agenda 2010
4.1.1.1 Begriffsklärung
4.1.1.2 Inhalte
4.1.1.3 Öffentliches Echo
4.1.1.4 Politisches Meinungsklima zum Zeitpunkt der Befragung
4.1.2 Beschreibung und Einordnung der Kampagne »Deutschland bewegt sich«
4.2 Hypothesen der Untersuchung
4.2.1 Analyse der Originalmotive bei verschiedenen Personengruppen
4.2.2 Analyse der Bestandteile der Originalmotive
4.3 Methodik der Untersuchung
4.3.1 Untersuchungsdesign
4.3.2 Fragebogengestaltung
4.3.2.1 Assoziierte Aussagen
4.3.2.2 Assoziierte Stimmungen
4.3.2.3 Differenzierungsvariablen
4.3.2.4 Umfang des Fragebogens
4.3.3 Vorgehensweise bei der Befragung
4.4 Beschreibung der Stichproben
5. Ergebnisse der Untersuchung
5.1 Theoretischer Hintergrund der Auswertung
5.2 Analyse der Originalmotive bei verschiedenen Personengruppen
5.2.1 Das Originalmotiv »Bildung fördern« bei Eltern und Nicht-Eltern
5.2.2 Das Originalmotiv »Chancen geben!« bei jüngeren und älteren Personen
5.2.3 Das Originalmotiv »Familie und Beruf« bei Eltern und Nicht-Eltern
5.2.4 Das Originalmotiv »Familie und Beruf« bei Frauen und Männern
5.2.5 Das Originalmotiv »Wieder Arbeit!« bei Arbeitslosen und Nicht-Arbeitslosen
5.3 Analyse der Bestandteile der Originalmotive
5.3.1 Das Motiv »Bildung fördern«
5.3.1.1 Unterschiede zwischen Bildteil und Textleiste
5.3.1.2 Wirkung des Bildteils
5.3.1.3 Wirkung der Textleiste
5.3.2 Das Motiv »Chancen geben!«
5.3.2.1 Unterschiede zwischen Bildteil und Textleiste
5.3.2.2 Wirkung des Bildteils
5.3.2.3 Wirkung der Textleiste
5.3.3 Das Motiv »Familie und Beruf«
5.3.3.1 Unterschiede zwischen Bildteil und Textleiste
5.3.3.2 Wirkung des Bildteils
5.3.3.3 Wirkung der Textleiste
5.3.4 Das Motiv »Wieder Arbeit!«
5.3.4.1 Unterschiede zwischen Bildteil und Textleiste
5.3.4.2 Wirkung des Bildteils
5.3.4.3 Wirkung der Textleiste
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Plakatkampagne der deutschen Bundesregierung zur Agenda 2010 unter dem Titel "Deutschland bewegt sich" die tatsächlichen Reforminhalte widerspiegelt oder primär der symbolischen Politik zur Legitimationsbeschaffung dient. Dabei wird analysiert, wie die Kampagne auf verschiedene Bevölkerungsgruppen wirkt und ob die visuelle Darstellung die inhaltliche Kommunikation überlagert.
- Politikwissenschaftliche Grundlagen zu Demokratie und politischer Kommunikation
- Methoden der Regierungskommunikation und symbolische Politik
- Analyse der Kampagne "Deutschland bewegt sich"
- Empirische Feldstudie zur Wirkung von Bildmotiven und Textbausteinen
- Überprüfung der Wirksamkeit persuasiver Strategien in der Öffentlichkeitsarbeit
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
»Es wird nie soviel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.« Schon Bismarck ging vor mehr als 100 Jahren davon aus, dass in der Politik nicht immer die Wahrheit gesagt wird. Ob wir aber heute noch davon ausgehen können, dass dieser Zeitpunkt der Verbreitung politischer Unwahrheiten auf die Zeit vor der Wahl begrenzt ist, erscheint in den heutigen Zeiten eines permanent erscheinenden Wahlkampfes fraglich.
Um dieser Frage nachzugehen, gehen wir nicht zurück in Bismarcks Zeiten, sondern nur wenige Jahre zurück in das Jahr 2003. Zu dieser Zeit kursiert unter dem Namen Agenda 2010 ein politisches Reformwerk, das sich anschickt, wie kaum ein zweites zuvor Einschnitte in der deutschen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik vorzunehmen. Um dieses in der Bevölkerung nur wenig Akzeptanz findende und entsprechend kontrovers diskutierte Reformpaket öffentlichkeitswirksam zu vermitteln, startet die Bundesregierung im September 2003 eine bundesweite Plakatkampagne unter dem Titel »Deutschland bewegt sich«. Mit großflächigen Bildern und griffigen Slogans wird darin für die Akzeptanz der Agenda 2010 geworben. Uns geht es in diesem Zusammenhang darum herauszufinden, in wie weit für dieses Ziel – die Durchsetzung eines Bündels von unpopulären politischen Maßnahmen gegen öffentliche Widerstände – bei der Wahl der Mittel auf das Bismarcksche Phänomen der Unwahrheit zurückgegriffen wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Agenda 2010 ein und formuliert das Ziel der Untersuchung, den persuasiven Charakter der begleitenden Plakatkampagne kritisch zu beleuchten.
2. Politikwissenschaftliche Grundlagen: Das Kapitel vermittelt essenzielle Definitionen zu Politik, Demokratie und den Prozessen politischer Kommunikation sowie Vermittlung.
3. Regierungskommunikation in der Demokratie: Hier werden die Instrumente der Regierungskommunikation, wie Öffentlichkeitsarbeit und politische Werbung, sowie das Konzept der symbolischen Politik detailliert analysiert.
4. Inhalt und Ziel der Untersuchung: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Grundlagen mit dem Praxisbeispiel der Kampagne "Deutschland bewegt sich" und stellt die Hypothesen der Untersuchung auf.
5. Ergebnisse der Untersuchung: Die Ergebnisse der Feldstudie werden präsentiert, wobei die Wahrnehmung der Motive durch verschiedene Zielgruppen und die Wirkung der Bestandteile (Bild vs. Text) statistisch ausgewertet werden.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und diskutiert die ablenkende, persuasive Wirkung der Kampagne im Hinblick auf die demokratische Legitimation.
Schlüsselwörter
Agenda 2010, Politische Kommunikation, Regierungskommunikation, Symbolische Politik, Politikvermittlung, Öffentlichkeitsarbeit, Politische Werbung, Legitimation, Responsivität, Politische Kampagne, Plakatkampagne, Demokratie, Einstellungsänderung, Persuasion, Reformpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Kommunikationsstrategie der Bundesregierung zur Agenda 2010 und untersucht kritisch, wie die Plakatkampagne "Deutschland bewegt sich" eingesetzt wurde, um für unpopuläre Reformen zu werben.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Politikvermittlung in der modernen Demokratie, die Abgrenzung von politischer Öffentlichkeitsarbeit und Werbung sowie die Wirksamkeit symbolischer Politik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, ob die auf den Plakaten vermittelten Bilder und Slogans die tatsächlichen Reforminhalte widerspiegeln oder dazu dienen, von diesen abzulenken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit politikwissenschaftlicher Fachliteratur sowie eine empirische Feldstudie (standardisierte Befragung), in der die Wirkung der Motive statistisch mittels t-Tests analysiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Regierungskommunikation und eine empirische Analyse der untersuchten Plakatkampagne hinsichtlich ihrer Wirkung auf verschiedene Personengruppen und der Rolle ihrer Bestandteile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Agenda 2010, symbolische Politik, Legitimation durch Kommunikation, Politische Kommunikation und der persuasive Charakter von Werbemitteln in der Politik.
Wie unterscheidet der Autor zwischen "Bildteil" und "Textleiste"?
Der Autor trennt das Motiv analytisch: Der "Bildteil" umfasst das grafische Motiv ohne Text, während die "Textleiste" den weißen Balken am unteren Bildrand inklusive Slogan und Internetadresse bezeichnet.
Welche Rolle spielt die "Betroffenheit" der Testpersonen?
Der Autor vermutet, dass Personen, die von bestimmten Teilbereichen der Agenda 2010 (z.B. Arbeitslose bei "Wieder Arbeit!") direkt betroffen sind, die Inhalte kritischer bewerten und eine Diskrepanz zwischen ihrer erlebten Realität und der Darstellung auf den Plakaten eher wahrnehmen.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der Kampagne?
Die Untersuchung deutet darauf hin, dass die Kampagne die tatsächlichen Inhalte eher verschleiert und ein "positiveres" Bild erzeugt, als es die Realität der Betroffenen widerspiegelt, was der Autor als "mehr verhüllt als erhellt" einstuft.
- Quote paper
- Peter Krämer (Author), 2007, Deutschland bewegt sich. Die Agenda 2010 im kommunikativen Schleier ihrer öffentlichen Darstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77636