Gegenstand dieser Arbeit ist das Phänomen der Arbeitssucht. In der Suchtforschung geht man davon aus, dass jegliches Verhalten süchtig entgleisen kann. Daher scheint eine Übertragung auf das menschliche Arbeitsverhalten nicht fernzuliegen. Tatsächlich ist für manche Menschen Arbeit eine Droge mit allen Konsequenzen einer Suchtkrankheit. Obwohl in der populärwissenschaftlichen Literatur immer häufiger über Arbeitssucht berichtet wird, ist dieses Phänomen in den traditionellen Forschungsfeldern für Sucht bisher eher vernachlässigt worden. Aus diesen Gründen ist es wenig verwunderlich, in der Literatur oft widersprüchliche Meinungen, Beobachtungen und Schlussfolgerungen über Arbeitssucht zu finden.
Die vorliegende Arbeit soll dazu beitragen, der Arbeitssuchtforschung in Deutschland Impulse und Anknüpfungspunkte für weitere Studien zu geben, um die Auseinandersetzung mit dieser Verhaltenssuchtform in gesundheits- und gesellschaftspolitischer Hinsicht ernsthafter voranzutreiben. Dabei werden zwei Schwerpunkte gesetzt. Ein Schwerpunkt liegt in der Erforschung potenzieller Genderdifferenzen bzw. geschlechtsspezifischer Wahrnehmung von Arbeitssucht und arbeitssüchtigem Verhalten in Deutschland. Weiterhin will die vorliegende Arbeit auch ein neuentwickeltes Erhebungsinstrumentarium, das bereits einmalig in Deutschland eingesetzt worden ist, durch Replikation validieren. Es handelt sich dabei um die „Workaholism-Scales-D” von Jungkurth (2005), welche für die defizitäre deutsche Arbeitssuchtforschung neues und innovatives empirisches „Handwerkzeug” hinsichtlich der Definition und Diagnose von Arbeitssucht sowie einer Profilbildung betroffener Individuen darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Hintergründe zum Phänomen Arbeitssucht
2.1 Arbeitssucht - Historischer Abriss, Begriff und Forschung
2.2 Arbeitssucht als Verhaltenssucht
2.3 Zur geschlechtsspezifischen Wahrnehmung der Arbeitssucht
2.3.1 Forschung über Arbeitssucht unter dem Genderaspekt
3 Zielsetzung einer möglichen Untersuchung
4 Konzeption und Design einer möglichen Untersuchung
5 Methoden zur Erfassung von Arbeitssucht
5.1 Das Modell von Spence und Robbins (1992)
5.2 Erhebungsinstrumente für eine mögliche Untersuchung von Arbeitssucht in Deutschland
5.3 Die Operationalisierung der möglichen Untersuchung
5.4 Beschreibung einer möglichen Stichprobe
6 Kritische Betrachtung der vorgestellten Untersuchung
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Phänomen der Arbeitssucht unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede im deutschen Raum, um der Forschung in diesem Bereich neue Impulse zu geben und Ansätze für die gesundheits- und gesellschaftspolitische Debatte zu liefern. Dabei wird insbesondere geprüft, ob Arbeitssucht als ein weibliches Charakteristikum interpretiert werden kann, basierend auf den Rollenanforderungen und Doppelbelastungen von Frauen.
- Analyse theoretischer Hintergründe und Definitionen von Arbeitssucht als Verhaltenssucht.
- Untersuchung potenzieller Genderdifferenzen in der Wahrnehmung und Ausprägung von Arbeitssucht.
- Validierung und Replikation des Erhebungsinstrumentariums von Jungkurth (2005) zur Diagnose von Arbeitssucht.
- Konzeption eines Forschungsdesigns zur Untersuchung von Arbeitssucht bei Berufsbetreuern.
- Kritische Reflexion der Forschungsmethodik und zukünftiger Forschungsbedarfe.
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Gegenstand dieser Arbeit ist das Phänomen der Arbeitssucht. In der Suchtforschung geht man davon aus, dass jegliches Verhalten süchtig entgleisen kann. Daher scheint eine Übertragung auf das menschliche Arbeitsverhalten nicht fernzuliegen. Tatsächlich ist für manche Menschen Arbeit eine Droge mit allen Konsequenzen einer Suchtkrankheit. Und obwohl in der populärwissenschaftlichen Literatur (Fassel, 1994; Oates, 1971), in Presse, Rundfunk und Fernsehen immer häufiger über Arbeitssucht berichtet wird, ist dieses Phänomen in den traditionellen Forschungsfeldern für Sucht, wie Medizin, Psychologie und Soziologie, bisher eher vernachlässigt worden.
Die vorliegende Arbeit soll dazu beitragen, der Arbeitssuchtforschung in Deutschland Impulse und Anknüpfungspunkte für weitere Studien zu geben, um die Auseinandersetzung mit dieser Verhaltenssuchtform in gesundheits- und gesellschaftspolitischer Hinsicht ernsthafter voranzutreiben. Dabei werden zwei Schwerpunkte gesetzt. Ein Schwerpunkt liegt in der Erforschung potenzieller Genderdifferenzen bzw. geschlechtsspezifischer Wahrnehmung von Arbeitssucht und arbeitssüchtigem Verhalten in Deutschland. Meines Erachtens ist der Genderaspekt ein wichtiges und erkenntnisleitendes Kriterium für die Arbeitssuchtforschung, denn einerseits haben für andere Sprach- und Kulturräume bereits Erhebungen stattgefunden (Burke, 1999b; Burgess, Burke & Oberklaid, 2006; Doerfler & Kammer, 1986; Spence & Robbins, 1992), für die ein Vergleich mit deutschen Studien lohnenswert wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Arbeitssucht ein, beleuchtet das Forschungsdefizit in Deutschland und legt die Schwerpunkte der Arbeit auf Genderdifferenzen sowie die Validierung eines existierenden Erhebungsinstrumentariums.
2 Theoretische Hintergründe zum Phänomen Arbeitssucht: Dieses Kapitel liefert einen historischen Abriss, definiert Arbeitssucht als Verhaltenssucht unter dem Paradigma der Abhängigkeitsstörung und diskutiert die geschlechtsspezifische Wahrnehmung sowie vorliegende Forschungsergebnisse.
3 Zielsetzung einer möglichen Untersuchung: Hier wird der Vorschlag für eine empirische Studie in Deutschland unterbreitet, wobei zwei übergeordnete Fragestellungen formuliert werden, die den Kern der beabsichtigten Untersuchung bilden.
4 Konzeption und Design einer möglichen Untersuchung: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, welches auf dem Modell der „Workaholic Triad“ von Spence und Robbins basiert und den Einsatz der „Workaholism-Scales-D“ von Jungkurth vorsieht.
5 Methoden zur Erfassung von Arbeitssucht: Das Kapitel beschreibt detailliert die theoretische Basis des Modells von Spence und Robbins, die Operationalisierung mittels Fragebögen sowie die Auswahl einer Stichprobe aus dem Bereich der Berufsbetreuung.
6 Kritische Betrachtung der vorgestellten Untersuchung: Hier findet eine Reflexion des Untersuchungsvorschlags statt, wobei Grenzen der gewählten Methode, Fragen der Subjektivität und die Notwendigkeit breiter angelegter, qualitativer Folgestudien diskutiert werden.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse der theoretischen und methodischen Überlegungen zusammen und betont die Dringlichkeit, Arbeitssucht als ernstes gesundheitliches Risiko in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen.
Schlüsselwörter
Arbeitssucht, Verhaltenssucht, Gender, Geschlechtsspezifische Unterschiede, Workaholic Triad, Spence und Robbins, Jungkurth, Erhebungsinstrument, Psychometrie, Berufsbetreuung, Arbeitsinvolviertheit, Suchtforschung, WorkBAT, Diagnostik, Selbstberichts-Instrument.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Arbeitssucht als Form der Verhaltenssucht und untersucht, wie dieses Phänomen im deutschen Kontext diagnostiziert und unter geschlechtsspezifischen Aspekten analysiert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung der Arbeitssucht als Abhängigkeitsstörung, die Analyse von Geschlechterrollen im Zusammenhang mit Erwerbs- und Hausarbeit sowie die psychometrische Erfassung des Konstrukts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, Impulse für die deutsche Arbeitssuchtforschung zu geben, indem geschlechtsspezifische Unterschiede explizit untersucht und ein bereits vorhandenes, modifiziertes Erhebungsinstrumentarium kritisch validiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein quantitativer Ansatz verfolgt, der auf dem Modell der „Workaholic Triad“ von Spence und Robbins basiert und das modifizierte Fragebogeninstrument „Workaholism-Scales-D“ von Jungkurth für eine geplante Querschnittstudie einsetzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst den theoretischen Rahmen, die methodische Konzeption einer Untersuchung bei Berufsbetreuern, die detaillierte Beschreibung der verwendeten Skalen zur Messung des Arbeitsverhaltens sowie eine kritische Reflexion des Forschungsdesigns.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Arbeitssucht, Verhaltenssucht, Gender, Workaholic Triad und psychometrische Erhebung charakterisieren.
Welche Rolle spielt der Genderaspekt bei der Erforschung von Arbeitssucht in dieser Arbeit?
Der Autor betrachtet den Genderaspekt als erkenntnisleitendes Kriterium, da traditionelle Rollenbilder und die Doppelbelastung durch Beruf und Haushalt bei Frauen spezifische Nährböden für süchtiges Arbeitsverhalten schaffen könnten.
Warum wird die Stichprobe der Berufsbetreuer als besonders geeignet angesehen?
Berufsbetreuer arbeiten in einem kompetitiven Dienstleistungsmarkt und weisen ein hohes akademisches Qualifikationsniveau auf, was diese Gruppe zu einem idealen Feld für die Analyse von Arbeitsstrukturen und potenzieller Suchtgefährdung macht.
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- Olaf Kleine (Author), 2007, Arbeitssucht in Organisationen: Geschlechtsspezifische Unterschiede, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77644