In dieser Arbeit werde ich mich mit dem Roman En breve cárcel der argentinischen Autorin Sylvia Molloy beschäftigen und insbesondere eingehen auf die Beziehung zwischen Körper, Text und Identität. Der Körper als kulturelle und kulturtheoretische Kategorie spielt eine entscheidende Rolle in diesem Roman, da er Raum bietet für eine Introspektion und Selbsterfahrung. In ihm vollziehen sich komplexe Reflexionen über das Selbst, er ist Schauplatz der emotionalen Auseinandersetzung und Bewältigung der Vergangenheit. Er bildet ein von der Außenwelt abgeschirmtes Terrain, auf dem sich das Selbst ungestört zurückziehen, bewegen und entfalten kann. Die eigene Geschichte und Identität werden
(re-)konstruiert und reflektiert. Dieser Prozess geschieht durch den Vorgang des Schreibens, der quasi Körper und Text untrennbar miteinander verbindet. „ Schreiben wird zum Körper und Körper zum Schreiben, Körper ist Schreiben, Handeln, Darstellen und umgekehrt“
(de Toro ). Durch das Schreiben (re-)konstruiert und manifestiert sich das Selbst, der Körper wiederum produziert die Schrift und den Text.
Der Körper als Medium zur Kommunikation zwischen Ich und Gesellschaft soll hier vor allem im Hinblick auf die Identitätsbildung untersucht werden: wie wird Identität geschaffen und wo, wer ist daran beteiligt und was hat der z.B. der Körper damit zu tun? Diese Fragen sollen am Beispiel des Texts En breve cárcel behandelt werden, dabei sind es besonders die subtilen Verbindungen zwischen dem Ich, dem Körper, der Stimme und der Gesellschaft, die hier interessieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Der Körper als Rückzugsort der Seele und kulturelle Kategorie
2.2. Der Identität einen neuen Raum schaffen: Das Verschmelzen von Körper, Schrift und Stimme
2.3 Autobiographische Aspekte in En breve cárcel
3. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselspiel zwischen Körper, Text und Identität im Roman "En breve cárcel" der argentinischen Autorin Sylvia Molloy. Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Protagonistin durch den Prozess des Schreibens einen hybriden Raum schafft, um sich von gesellschaftlichen Normen zu distanzieren und eine authentische, wenn auch fragmentierte Identität zu konstruieren.
- Körperlichkeit als kulturelle und kulturtheoretische Kategorie
- Das Verschmelzen von Körper, Schrift und Stimme als Akt der Identitätsbildung
- Autobiographische Elemente und die Dekonstruktion traditioneller Autobiographie-Diskurse
- Die Situation der homosexuellen Frau in Lateinamerika und ihre Marginalisierung
- Postmoderne und postkoloniale Theorieansätze zur Überwindung binärer Denksysteme
Auszug aus dem Buch
2.1. Der Körper als Rückzugsort der Seele und kulturelle Kategorie
Das Thema des Körpers spielt in Molloy’s Roman eine außerordentlich wichtige Rolle. Er ist das Rückzugsgebiet, indem die Protagonistin Ella ihre Selbstfindung betreibt, ihre Seele beobachtet, sich selbst reflektiert und Vergangenes bewältigt. Der Körper ist der Raum, indem sie schreibt, klein dunkel, schlecht beleuchtet mit lauter unausgeleuchteten Ecken und Winkeln, die es zu erkunden gilt. Das kleine Zimmer, indem die Protagonistin ihre Geschichte schreibt ist auch Schauplatz ihrer zwei Liebesbeziehungen gewesen zu den zwei sehr unterschiedlichen Frauen Vera und Renata. Der Raum ist gefüllt mit Erinnerungen, Emotionen, Träumen und Gedanken an das Geschehene, an das was geblieben ist und das was kommen wird. Dieser Zufluchtsort der Seele, den die Protagonistin nicht zufällig gewählt hat, sondern gewissermaßen aus Tollkühnheit und Begehren, wie sie es ausdrückt,
Por temeridad, acaso por cansancio, sin duda también por deseo: quiere volver a vivir en este apartamento exiguo pero ya sin Vera las etapas de una amargura que empieza a desteñirse. (1981: 17- 18)
ist ihr Refugium zur Verarbeitung ihrer Vergangenheit, zurückreichend bis in die Kindheit. Dass Innen und Außen, die Getrenntheit, die Zerrissenheit und die Unvollkommenheit sind wichtige Motive des Romans, quasi die Motoren, die sie antreiben eine derartig intensive Selbstreflexion und Introspektion zu betreiben. Durch den Rückzug in das kleine Apartment hat die Protagonistin, geschützt vor der Außenwelt, Gelegenheit sich mit sich selbst zu beschäftigen und sich ihrer Einheit zu nähern, sowohl im körperlichen, seelischen als auch geistigen Sinne.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das zentrale Thema der Arbeit ein, die Beziehung zwischen Körper, Text und Identität im Roman "En breve cárcel", und skizziert die methodische Vorgehensweise anhand postmoderner und postkolonialer Theorien.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte, die den Körper als psychologischen Rückzugsort untersuchen, das Verschmelzen von Körper, Stimme und Schrift thematisieren und die autobiographischen Aspekte des Romans analysieren.
2.1. Der Körper als Rückzugsort der Seele und kulturelle Kategorie: Dieses Kapitel betrachtet den Körper als abgeschirmtes Terrain für Selbstreflexion und die Verarbeitung von Vergangenheit sowie als Schnittstelle zur gesellschaftlichen Marginalisierung.
2.2. Der Identität einen neuen Raum schaffen: Das Verschmelzen von Körper, Schrift und Stimme: Der Fokus liegt hier auf dem aktiven Schreibprozess, durch den die Protagonistin Fragmente ihres Ich harmonisiert und eine eigene, hybride Identität jenseits binärer Zwänge formt.
2.3 Autobiographische Aspekte in En breve cárcel: Das letzte Kapitel des Hauptteils reflektiert die Stellung des Romans innerhalb der Autobiographie-Diskurse und zeigt auf, wie Molloy als Fiktion schreibende Autorin den traditionellen Begriff der Autobiographie subversiv umdeutet.
3. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen und betont Molloys Erfolg darin, durch ein hybrides Denken starre Geschlechter- und Kulturkategorien zu destabilisieren und den Weg für neue Perspektiven zu öffnen.
Schlüsselwörter
Sylvia Molloy, En breve cárcel, Körper, Identitätsbildung, Autobiographie, Hybridität, Dekonstruktion, Postmoderne, Postkolonialismus, Lateinamerika, Homosexualität, Marginalisierung, Schreiben, Stimme, Selbstreflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel von Körperlichkeit, Sprache und Identitätskonstruktion im Roman "En breve cárcel" der argentinischen Autorin Sylvia Molloy.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Hybridität, die Rolle des Körpers als Rückzugsort, das autobiographische Schreiben sowie die Überwindung von gesellschaftlichen und geschlechtsspezifischen binären Kategorien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch den Schreibprozess und die Reflexion über den eigenen Körper ein neuer, freier Raum geschaffen wird, der die Identitätsbildung außerhalb normativer Strukturen ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt postmoderne und postkoloniale Theorieansätze, insbesondere Konzepte von Hybridität, Dekonstruktion und kulturtheoretische Analysen, um den Text wissenschaftlich zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Körpers als Rückzugsort der Seele, die Analyse des Verschmelzens von Schreiben und Identitätsbildung sowie die Einordnung des Werkes in den Diskurs der Autobiographie.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Hybridität, Identität, Autobiographie, Körperlichkeit, Subversion, Dekonstruktion und Marginalisierung beschreiben.
Warum ist für die Protagonistin das Apartment ein entscheidender Ort?
Das kleine Apartment dient als selbstgewählter, "kurzzeitiger Kerker", der ihr den nötigen geschützten Raum bietet, um sich von der Außenwelt zu isolieren und eine intensive Selbstreflexion und Aufarbeitung ihrer Vergangenheit durchzuführen.
Inwiefern stellt die Arbeit eine Verbindung zur lateinamerikanischen Literatur her?
Die Arbeit verknüpft Molloys Schreiben mit dem Kontext des lateinamerikanischen Machismo und der dortigen spezifischen Konstruktion von geschlechtlicher Identität, um den Widerstand gegen hegemoniale Diskurse zu verdeutlichen.
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- Nathalie Solis Pérez (Author), 2007, Das Verschmelzen von Körper und Text: Neue Aspekte des Schreibens in Sylvia Molloys "En breve cárcel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77755