Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

"Vollends Individualpsychologie ist eine künstlerische Leistung". Schnitzler und Adler in Abgrenzung zu Freud

Title: "Vollends Individualpsychologie ist eine künstlerische Leistung". Schnitzler und Adler in Abgrenzung zu Freud

Term Paper , 1996 , 58 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sandra Kluwe (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Ziel der Arbeit ist es, Affinitäten zwischen der Individualpsychologie Alfred Adlers und dem Werk Arthur Schnitzlers zu profilieren. Um den Ansatz Adlers genau da einbringen zu können, wo Schnitzlers Texte der Tiefenpsychologie keinen Zugang bieten, werden zunächst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Tiefenpsychologie Freuds sowie Schnitzlers Abgrenzung von der Psychoanalyse herausgearbeitet. Im interpretatorischen Teil wird Schnitzlers Anatol mit Adler als "Hypostasierung des nervösen Charakters" gedeutet, sein Fräulein Else als "Hypostasierung des Willens zur Macht", der Fall Roberts aus der Erzählung "Flucht in die Finsternis" als "Hypostasierung des Willens zur Ohnmacht". Der Ausblick der Arbeit zeigt, warum Übereinstimmungen zwischen Schnitzler und Adler gerade auf der Basis der beiden gemeinsamen Kenntnis Nietzsches plausibel erscheinen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Methodische Vorüberlegungen

II. Schnitzler und Freud

1. Doppelgänger

1.1 Das sexuelle Moment

1.2 Infantile Determinanten

1.3 Traumdeutung, „Herrschaft des Unbewußten“ und ihre literarische Realisierung

2. Einzelgänger

2.1 Der Primat des Mittelbewusstseins

2.2 Individualität vor Systematik

III. Schnitzler und Adler

1. Adler in Abgrenzung zu Freud

1.1 Individualpsychologie versus Triebpsychologie

1.2 „Wissenschaftliches System“ versus „künstlerische Leistung“

2. Anatol oder die Hypostasierung des nervösen Charakters

2.1 Der Trieb nach Macht

2.1.1 Aristokratie des Gefühls

2.1.2 Die Macht der Erkenntnis: Dialektik von Illusion und Desillusion

2.1.3 Die Statik der Krisis

2.2 „Kernlosigkeit“

2.3 Flucht in die Gegenwartslosigkeit

3. Fräulein Else oder die Hypostasierung des Willens zur Macht

3.1 Machtstreben und Sinnlichkeit

3.1.1 „Prädestinationsgefühl“

3.2 Abwehr und Frustration

3.3 Neurose und Krisis

3.3.1 Narzissmus und Misanthropie

3.3.2 Exhibitionismus und Sensationslust

3.3.3 Entgrenzung und Identitätsverlust

3.3.4. Flucht in den Tod

4. Flucht in die Finsternis oder die Hypostasierung des Willens zur Ohnmacht

4.1 Isolation und Spaltung des Bewusstseins

4.2 Dissoziation und Dämonisierung der Wirklichkeit

4.3 „Flucht aus Verantwortung“ als „Flucht in die Krankheit“

IV. Ausblick: Schnitzler und Nietzsche

1. Denken und System

2. System und Sprache

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Konzepte im Werk Arthur Schnitzlers unter Einbeziehung individualpsychologischer Deutungsansätze von Alfred Adler, um Schnitzlers Abgrenzung zur freudschen Triebpsychologie und die spezifische psychologische Struktur seiner Figuren zu erhellen.

  • Vergleich zwischen Freuds Psychoanalyse und Adlers Individualpsychologie in Bezug auf Schnitzlers Werk.
  • Analyse der "Kernlosigkeit" und der "Flucht als Lebensform" in den Werken Anatol, Fräulein Else und Flucht in die Finsternis.
  • Untersuchung des "Machtstrebens" und der "Hypostasierung des Charakters" als zentrale neurotische Mechanismen.
  • Erörterung der Sprachskepsis und der Systemkritik im Kontext zeitgenössischer philosophischer Strömungen, insbesondere mit Bezug auf Nietzsche und Ernst Mach.

Auszug aus dem Buch

2. Anatol oder die Hypostasierung des nervösen Charakters

Der Neurotiker ist „ununterbrochen sensibilisiert, wie ein Vorposten vorgeschoben und stellt die Fühlung mit der Umgebung, mit der Zukunft her. Die Kenntnis dieser, wie empfindliche Fühler sich weit erstreckenden psychischen Bereitschaften ermöglicht erst das Verständnis für den Kampf des Nervösen mit seiner Aufgabe, für seinen gereizten Aggressionstrieb, für seine Unruhe und für seine Ungeduld. Denn diese Fühler tasten alle Erscheinungen der Umgebung ab und prüfen sie unaufhörlich auf ihre Vor- und Nachteile bezüglich des gesetzten Zweckes.“

Dass diese psychische Disposition ein lediglich „akzidentelles Erleben“ (a.a.O) ermöglicht, ist leicht nachzuvollzuziehen, und mehr noch: Der Kampfcharakter des Endzweck-Strebens impliziert stets eine latente Fluchtbereitschaft, so dass nicht allein das Erleben flüchtig, sondern überdies das Leben zur Flucht wird: Die „Flucht als Lebensform“, wie Heide Tarnowski dies treffend umschreibt - im übrigen ein Motto, das über jedem der drei im folgenden behandelten Werke stehen könnte: Überall droht das Scheitern, mithin die Kränkung des Selbstwertgefühls, und dieser mit dem Machttrieb so unvereinbaren Erfahrung entzieht sich das Individuum durch Flucht in die Entgrenzung des Seins, in Liebesrausch, Tod oder Wahn.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Methodische Vorüberlegungen: Einführung in die Ambivalenz von Schnitzlers Texten und Begründung der Heranziehung von Adlers Individualpsychologie als Ergänzung zur freudschen Deutung.

II. Schnitzler und Freud: Untersuchung der Parallelen zwischen Schnitzlers literarischer Psychologie und freudschen Konzepten wie dem Unbewussten, dem sexuellen Moment und infantilen Determinanten.

III. Schnitzler und Adler: Analyse der Abgrenzung von der Triebpsychologie hin zur individualpsychologischen Betrachtung des "Triebs zur Macht" am Beispiel von Anatol, Fräulein Else und der Flucht in die Finsternis.

IV. Ausblick: Schnitzler und Nietzsche: Reflexion über Schnitzlers Sprachskepsis und seine Ablehnung geschlossener Systeme im Kontext nietzscheanischer Philosophie.

Schlüsselwörter

Arthur Schnitzler, Alfred Adler, Sigmund Freud, Psychoanalyse, Individualpsychologie, Anatol, Fräulein Else, Flucht in die Finsternis, Trieb zur Macht, Kernlosigkeit, Impressionismus, Neurose, Selbstinszenierung, Identitätskrise, Sprachskepsis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Arthur Schnitzlers erzählerisches Werk im Hinblick auf psychologische Deutungskonzepte, wobei ein Schwerpunkt auf der Abgrenzung von Freuds Psychoanalyse zur Individualpsychologie Alfred Adlers liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen den "Willen zur Macht", die "Kernlosigkeit" der Protagonisten, den "nervösen Charakter", die "Flucht in die Finsternis" und die Kritik an starren wissenschaftlichen Systemen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, Schnitzlers psychologische Darstellungskunst integrativ zu deuten, insbesondere dort, wo die klassische Triebpsychologie an Grenzen stößt und individualpsychologische Ansätze adäquatere Erklärungen bieten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert literaturwissenschaftliche Textinterpretation mit einer systematischen Anwendung individualpsychologischer Paradigmen auf ausgewählte erzählerische Werke Schnitzlers.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse der Charaktere Anatol, Fräulein Else und Robert ("Flucht in die Finsternis") und deren neurotischen Strategien im Umgang mit dem Leben.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie "Hypostasierung", "Machtstreben", "Impressionismus", "Identitätsverlust" und "Substanzlosigkeit" bestimmt.

Warum spielt der "nervöse Charakter" eine so große Rolle?

Der nervöse Charakter fungiert als Bindeglied zwischen Schnitzlers impressionistischer Figurenzeichnung und der adlerianischen Theorie, um die zwanghafte Fluchtbewegung und die Überkompensation der Charaktere zu erklären.

Wie bewertet die Autorin Schnitzlers Verhältnis zur Psychoanalyse?

Die Autorin argumentiert, dass Schnitzler zwar psychologische Erkenntnisse antizipierte, jedoch die dogmatische Festlegung auf ein einzelnes System (wie die freudsche Triebpsychologie) ablehnte und stets den Einzelfall in seiner gesellschaftlichen Bedingtheit betonte.

Excerpt out of 58 pages  - scroll top

Details

Title
"Vollends Individualpsychologie ist eine künstlerische Leistung". Schnitzler und Adler in Abgrenzung zu Freud
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar Heidelberg)
Grade
1,0
Author
Sandra Kluwe (Author)
Publication Year
1996
Pages
58
Catalog Number
V77876
ISBN (eBook)
9783638833509
ISBN (Book)
9783638833516
Language
German
Tags
Vollends Individualpsychologie Leistung Schnitzler Adler Abgrenzung Freud
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sandra Kluwe (Author), 1996, "Vollends Individualpsychologie ist eine künstlerische Leistung". Schnitzler und Adler in Abgrenzung zu Freud, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77876
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  58  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint