Das Capital Asset Pricing Modell (CAPM) ist ein ex-ante Gleichgewichtsmodell zur Erklärung der erwarteten Rendite von Wertpapieren in Abhängigkeit ihres systematischen Risikos. Seit seiner Entdeckung in den 60er Jahren von Sharpe (1964), Lintner (1965) und Mossin (1966) hat es unter den Praktikern und
Akademikern einen sehr hohen Stellenwert erlangt. Eine modifizierte Version des CAPM, das so genannte Zero-Beta-CAPM, wurde von Black (1970) entwickelt. In seinem Modell wird der risikolose Zinssatz des klassischen CAPM durch die erwartete Rendite eines Zero-Beta-Portfolios ersetzt. Dieses Portfolio besitzt ein Beta von null und ist deshalb nicht mit dem Marktportfolio korreliert.
Ziel der Arbeit von Fama/French ist es, die Einflussgröße/-n ausfindig zu machen, die die durchschnittlichen Renditen von Wertpapieren am besten beschreibt/-en. Dazu führen Fama/French einen ex-post Modelltest anhand der Variablen Marktkapitalisierung, Verschuldungsgrad, Buch-Marktwert-Verhältnis, Gewinn-Kurs-Verhältnis und Beta durch.
Fama/French betrachteten in dieser Studie den Zeitraum von 1963 bis 1990. In dieser Studie kommen sie zu dem Schluss, dass nur das Buch-Marktwert-Verhältnis und die Marktkapitalisierung in der Lage sind, die durchschnittlichen Renditen zu beschreiben. Das Buch-Marktwert-Verhältnis steht in einem positiven Zusammenhang zu den Renditen. Ein höheres Buch-Marktwert-Verhältnis ist demnach den Investoren durch eine höhere Rendite zu vergüten (positive Prämie). Genau entgegengesetzt verhält es sich mit der Marktkapitalisierung. Auch die Marktkapitalisierung ist in der Lage, die erwarteten Renditen zu erklären, jedoch mit anderem Vorzeichen. Hier steigt die erwartete Rendite mit sinkender Marktkapitalisierung (negative Prämie). Für alle anderen Faktoren konnte kein signifikanter Zusammenhang zu den Aktienrenditen festgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Ökonomische Motivation und Grundlagen des Tests von Fama/French
II. Datenbasis
A. Betrachtete Unternehmen und Zeitraum der Betrachtung
B. Definition der erklärenden Variablen
III. Vorgehensweise
A. Bildung einzelner Portfolios
B. Berechnung der post-ranking-βs
C. Untersuchung der Portfolio-Matrix
D. Fama-McBeth Regressionen
IV. Ergebnisse der Untersuchungen
A. Durchschnittliche Zusammenhänge zwischen den einzelnen Variablen und der Rendite
1. Zusammenhang zwischen β, Marktkapitalisierung und Rendite
2. Zusammenhang zwischen Buch- Marktwert-Verhältnis, Gewinn-Kurs-Verhältnis, Verschuldungsgrad und Rendite
B. Ergebnisse der Fama-MacBeth Regressionen
1. Univariate Analyse der Variablen
2. Multivariate Analyse der Variablen
V. Erklärungsgehalt von β und Marktkapitalisierung im Zeitraum von 1941 – 1990
A. Untersuchung der Marktkapitalisierungs-Portfolios
B. Untersuchung der Marktkapitalisierungs-β-Portfolios
C. Unterteilung des Untersuchungszeitraumes in Perioden
VI. Zusammenfassung und Folgerungen
VII. Anhang
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Seminararbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit der klassischen Kapitalmarkttheorie (CAPM), basierend auf der grundlegenden Untersuchung von Fama und French ("The Cross-Section of Expected Stock Returns"). Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, ob das Beta (β) tatsächlich ausreicht, um die durchschnittlichen Renditen von Wertpapieren zu erklären, oder ob andere fundamentale Einflussgrößen wie die Marktkapitalisierung oder das Buch-Marktwert-Verhältnis eine höhere Erklärungskraft besitzen.
- Kritische Analyse des Capital Asset Pricing Modells (CAPM)
- Einfluss der Marktkapitalisierung (Size-Effekt) auf die Aktienrendite
- Bedeutung fundamentaler Kennzahlen (Buch-Marktwert-Verhältnis, Gewinn-Kurs-Verhältnis)
- Vergleich von univariaten und multivariaten Regressionsanalysen (Fama-McBeth)
- Überprüfung der Stabilität von Rendite-Erklärungsmodellen über verschiedene Zeiträume
Auszug aus dem Buch
I. Ökonomische Motivation und Grundlagen des Tests von Fama/French
Das Capital Asset Pricing Modell (CAPM) ist ein ex-ante Gleichgewichtsmodell zur Erklärung der erwarteten Rendite von Wertpapieren in Abhängigkeit ihres systematischen Risikos (βi). Seit seiner Entdeckung in den 60er Jahren von Sharpe (1964), Lintner (1965) und Mossin (1966) hat es unter den Praktikern und Akademikern einen sehr hohen Stellenwert erlangt. Eine modifizierte Version des CAPM, das so genannte Zero-Beta-CAPM, wurde von Black (1970) entwickelt. In seinem Modell wird der risikolose Zinssatz des klassischen CAPM durch die erwartete Rendite eines Zero-Beta-Portfolios ersetzt. Dieses Portfolio besitzt ein β von null und ist deshalb nicht mit dem Marktportfolio korreliert.
Formale Darstellung: Klassisches CAPM: E(Ri) = Rf + [E(Rm) - Rf] * βi Zero-Beta-CAPM: E(Ri) = E(Rz) + [E(Rm) – E(Rz)] * βi
Die Kernaussagen der Modelle von Sharpe, Lintner, Mossin und Black (im folgenden nur noch SLB Modell) sind, dass: a) eine positiv lineare Beziehung zwischen der erwarteten Rendite eines Wertpapiers und ihres βs besteht b) β ausreicht, um die erwartete Rendite eines Wertpapiers zu erklären
Spätere Untersuchungen lassen jedoch deutliche Zweifel an der Aussagekraft des SLB Modells aufkommen. So kommt Banz (1981) zu dem Ergebnis, dass die Marktkapitalisierung eines Unternehmens eine entscheidende Rolle bei der Erklärung der erwarteten Rendite spielt. Er stellt fest, dass Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung eine zu niedrige Rendite angesichts ihres βs aufweisen und Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung eine zu hohe. Deshalb kommt er zu dem Schluss, dass ein negativer Zusammenhang zwischen Marktkapitalisierung und Rendite besteht (Size-Effekt).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Ökonomische Motivation und Grundlagen des Tests von Fama/French: Einführung in das CAPM-Modell und Darstellung der theoretischen Ausgangslage sowie der Zweifel an der alleinigen Erklärungskraft des Beta-Faktors.
II. Datenbasis: Erläuterung der verwendeten Datenquellen (NYSE, AMEX, NASDAQ) sowie der Definition der untersuchten Variablen wie Marktkapitalisierung, Buch-Marktwert-Verhältnis und Verschuldungsgrad.
III. Vorgehensweise: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, insbesondere der Portfoliokonstruktion und der Anwendung der Fama-McBeth Regressionen.
IV. Ergebnisse der Untersuchungen: Präsentation und Diskussion der empirischen Befunde zu den Zusammenhängen zwischen fundamentalen Kennzahlen und der Renditeentwicklung.
V. Erklärungsgehalt von β und Marktkapitalisierung im Zeitraum von 1941 – 1990: Ausweitung der Analyse auf einen längeren Zeitraum zur Überprüfung der Robustheit der Ergebnisse gegenüber früheren Studien.
VI. Zusammenfassung und Folgerungen: Synthese der Ergebnisse und Diskussion der praktischen Implikationen für Portfoliomanagement und Performancemessung.
VII. Anhang: Bereitstellung ergänzender Tabellen und statistischer Auswertungen der durchgeführten Modelltests.
Schlüsselwörter
CAPM, Beta, Marktkapitalisierung, Size-Effekt, Fama-McBeth Regression, Buch-Marktwert-Verhältnis, Aktienrendite, Finanzierung, Portfolio-Matrix, Value-Strategie, Fundamentalanalyse, Performancemessung, Insolvenzrisiko, Verschuldungsgrad.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die Gültigkeit des Capital Asset Pricing Modells (CAPM) und untersucht, welche Einflussgrößen neben dem Beta-Faktor die durchschnittlichen Aktienrenditen am besten erklären können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Einfluss der Marktkapitalisierung (Size-Effekt), die Relevanz fundamentaler Kennzahlen wie das Buch-Marktwert-Verhältnis und die statistische Überprüfung dieser Faktoren mittels Regressionsanalyse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Variablen zu identifizieren, die eine präzisere Vorhersage oder Beschreibung der durchschnittlichen Aktienrenditen ermöglichen als das klassische CAPM-Modell.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden empirische Modelltests (ex-post) durchgeführt, insbesondere die Fama-McBeth Regressionen, sowie eine strukturierte Portfolio-Matrix-Analyse basierend auf historischen Börsendaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Datengrundlage, die methodische Vorgehensweise bei der Portfoliobildung, die empirischen Ergebnisse der Regressionsanalysen und die Erweiterung des Untersuchungszeitraums detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören CAPM, Beta, Size-Effekt, Fama-McBeth Regression, Marktkapitalisierung und Value-Strategie.
Warum wird das Beta-Modell (SLB-Modell) in der Arbeit als kritisch angesehen?
Die Arbeit zeigt empirisch auf, dass Beta allein nicht ausreicht, um die Rendite zu erklären, da andere Faktoren wie die Unternehmensgröße eine signifikante Rolle spielen, die das SLB-Modell nicht abbildet.
Welche praktische Bedeutung haben die Ergebnisse für Investoren?
Die Ergebnisse unterstützen die Anwendung von Value-Strategien, da Aktien mit niedrigem Marktwert im Verhältnis zum Buchwert langfristig höhere Renditechancen bieten können.
- Quote paper
- Oliver Stiepel (Author), 2007, Kritik am CAPM nach Eugene F. Fama und Kenneth R. French - "The cross-section of expected stock returns, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78011