Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Linguistics

Schlagwörter in Schulbüchern

Eine sprachhistorische Untersuchung von Texten aus Geschichtsbüchern der DDR

Title: Schlagwörter in Schulbüchern

Seminar Paper , 2007 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Schadow (Author)

German Studies - Linguistics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Ebenso wie in der Politik spielt die Sprache - ganz gleich ob in mündlicher oder schriftlicher Art - auch in der Erziehung heranwachsender Menschen eine zentrale Rolle. In totalitären Systemen, von denen ein beträchtlicher Teil der Deutschen im vergangenen Jahrhundert gleich zwei erleben musste, ist indes der Gleichklang von Politik, Erziehungswesen und Sprache für das herrschende Regime von existenzieller Bedeutung. Insbesondere im Schulwesen geht es dabei um politische Beeinflussung und Erziehung zu Systemkonformität. Ein sehr häufig für Zwecke der ideologischen Indoktrination genutztes sprachliches Mittel sind Schlagwörter. Ihre Verwendung in Texten, die aus Schulbüchern für den Geschichtsunterricht in der DDR stammen, ist Untersuchungsgegenstand dieses Aufsatzes.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zur Theorie der Schlagwörter

II.1. Vorbemerkungen zur politischen Sprache

II.2. Versuch einer Begriffsdefinition

II.3. Subklassifizierung der Schlagwörter

III. Historisch-politischer Hintergrund: Zum Schulwesen in der SBZ/DDR

IV. Analyse der Korpus-Texte

IV.1. Zur Darstellung des Korea-Krieges und der „Welt des Sozialismus in den 50er Jahren“

IV.2. Die „Sicherung der Staatsgrenze der DDR am 13. August 1961“

V. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Seminararbeit untersucht den gezielten Einsatz von Schlagwörtern in Geschichtsbüchern der DDR als Instrument der ideologischen Indoktrination und der politischen Erziehung zu Systemkonformität.

  • Sprachhistorische Analyse der Rolle von Schlagwörtern in totalitären Erziehungssystemen.
  • Differenzierung verschiedener Subklassen von Schlagwörtern (Fahnen-, Stigma-, Hochwert- und Unwertwörter).
  • Untersuchung der Wirkungsweise von Sprache in DDR-Lehrmaterialien am Beispiel des Koreakrieges und des Mauerbaus.
  • Analyse der bipolaren Wortschatzstrukturen als Mittel zur Manipulation der Schüleremotio.
  • Überprüfung der Thesen zur gezielten Verwendung von Emotionen gegenüber einer rationalen Faktenanalyse im Geschichtsunterricht der DDR.

Auszug aus dem Buch

IV.1. Zur Darstellung des Korea-Krieges und der „Welt des Sozialismus in den 50er Jahren“

Als erster Text wurde eine Darstellung der weltpolitischen Situation der fünfziger Jahre einschließlich des Korea-Krieges ausgewählt, wie sie sich im Geschichtslehrbuch für die Klasse 10 aus dem Jahre 1989 wieder findet. Der Text bietet somit einen Einblick in die Sprachverwendung der getreu der SED-Vorgaben formulierenden DDR-Geschichtsdidaktiker und repräsentiert gleichsam den „letzten Stand“, da er erst kurz vor dem Zusammenbruch des Regimes Einzug in die Schulen fand. Er lässt sich grundlegend in zwei Teile gliedern, die zum einen den Zustand des „kalten Krieges“ in den fünfziger Jahren und zum anderen das Geschehen um den Koreakrieg in der Sichtweise des SED-Regimes wiedergeben.

Bereits in der Kapitelüberschrift taucht ein zentrales Fahnenwort auf, denn es geht um den „Sozialismus“, dessen globale Ausdehnung in den fünfziger Jahren eine ganze „Welt“ gebildet haben soll. Mit diesem Fahnenwort, dass zugleich für den politischen Standpunkt der die Bildungs- und Schulbuchinhalte bestimmenden SED steht, wird eine alles umfassende, abgegrenzte Ordnung suggeriert. In der nächsten Zeile taucht es erneut auf, hier zur genaueren Bestimmung jener zuvor benannten „Kräfte“, die als Hochwertwort fungieren. Kernaussage dieser Zeile ist demnach: ‚Der Sozialismus ist stark, dynamisch’, worauf die Verben „bewahren“ und „ausbauen“ schließen lassen, ‚hochwertig und vor allem fortschrittlich’. Letzteres wird durch das Hochwertwort „Fortschritt“ angedeutet. Erneut soll den Schülern in der nächsten Zeile ein Überblick über die weltpolitische Situation der fünfziger Jahre gegeben werden, diesmal aus einer anderen Perspektive. Diese wird durch das Scheltwort „Reaktion“ in Verbindung mit dem Stigmawort „kapitalistisch“ eingenommen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung erläutert die zentrale Bedeutung von Sprache und Schlagwörtern als Instrument der ideologischen Indoktrination im Schulwesen totalitärer Systeme und definiert das methodische Vorgehen der Arbeit.

II. Zur Theorie der Schlagwörter: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung durch die Definition des Begriffs „Schlagwort“ sowie eine detaillierte Subklassifizierung, um diese sprachlichen Mittel für die nachfolgende Analyse operationalisierbar zu machen.

III. Historisch-politischer Hintergrund: Zum Schulwesen in der SBZ/DDR: Der Abschnitt skizziert die bildungspolitischen Entwicklungen und die Rolle des Marxismus-Leninismus als ideologisches Fundament des DDR-Schulwesens.

IV. Analyse der Korpus-Texte: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, in dem zwei spezifische Schulbuchtexte auf ihren Schlagwortgebrauch sowie deren emotionale und intellektuelle Wirkungsweise untersucht werden.

V. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die bestätigt, dass Schlagwörter gezielt als manipulierendes Wirkmittel zur ideologischen Erziehung der Schüler eingesetzt wurden.

Schlüsselwörter

Schlagwörter, DDR, Geschichtsunterricht, Indoktrination, politische Sprache, Fahnenwörter, Stigmawörter, SED, Marxismus-Leninismus, Manipulation, Koreakrieg, Mauerbau, Schulerziehung, Ideologie, Bildungsauftrag.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Schlagwörter als sprachliche Mittel in DDR-Geschichtslehrbüchern eingesetzt wurden, um Schüler im Sinne der SED ideologisch zu beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die theoretische Bestimmung politischer Sprache sowie die empirische Analyse von Texten zum Koreakrieg und zum Mauerbau in DDR-Schulbüchern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der Nachweis, dass Schlagwörter in DDR-Schultexten systematisch genutzt wurden, um ein bipolares Weltbild zu erzeugen und Schüler durch gezielte emotionale Ansprache zu indoktrinieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine sprachhistorische und linguistische Analyse, gestützt auf Definitionen von Dieckmann, Hermanns und Burkhardt, um die Schlagwort-Verwendung in den Korpus-Texten zu quantifizieren und qualitativ zu bewerten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert zwei konkrete Korpus-Texte auf ihre lexikalischen Strukturen, insbesondere auf die Verwendung von Fahnen-, Stigma-, Hochwert- und Unwertwörtern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben dem zentralen Begriff „Schlagwörter“ sind Begriffe wie „Indoktrination“, „DDR“, „Geschichtsunterricht“, „Manipulation“ und „Ideologie“ für das Verständnis der Arbeit maßgeblich.

Wie unterscheidet sich der analysierte Korpus-Text aus dem Ergänzungswerk vom Standardlehrbuch?

Der Text aus dem Ergänzungswerk weist eine noch höhere Dichte an Schlagwörtern (über 25%) auf, was die Funktion als „Wissensspeicher“ mit komprimierter, ideologisch aufgeladener Information unterstreicht.

Was bedeutet der Begriff „ideologische Polysemie“ in diesem Kontext?

Damit ist gemeint, dass ein und dasselbe Wort – je nach ideologischem Standpunkt des Verwenders – unterschiedliche Funktionen erfüllen kann, etwa indem es für die eine Seite ein positiv besetztes Fahnenwort und für die Gegenseite ein Stigmawort darstellt.

Bestätigt die Analyse die These von Horst Gies?

Ja, die Arbeit sieht die These von Gies bestätigt, dass der DDR-Geschichtsunterricht stark darauf abzielte, durch die emotionale Aufladung historischer Themen bestimmte politische Bewertungen bei Schülern zu verankern, anstatt eine nüchterne Analyse zu fördern.

Excerpt out of 26 pages  - scroll top

Details

Title
Schlagwörter in Schulbüchern
Subtitle
Eine sprachhistorische Untersuchung von Texten aus Geschichtsbüchern der DDR
College
University of Potsdam
Grade
1,0
Author
Michael Schadow (Author)
Publication Year
2007
Pages
26
Catalog Number
V78049
ISBN (eBook)
9783638869706
ISBN (Book)
9783638869751
Language
German
Tags
Schlagwörter Schulbüchern
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Schadow (Author), 2007, Schlagwörter in Schulbüchern , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78049
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  26  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint