In der vorliegenden Hausarbeit werden wir die Veränderungen auf dem deutschen Energiemarkt unter den Bedingungen der Deregulierung aufzeigen. Dieses Thema bezieht sich auf den großen Bereich der Ordnungspolitik innerhalb der deutschen bzw. europäischen Wirtschaftspolitik. Konkreter wird im Folgenden die Wettbewerbspolitik im Hinblick auf die Strombranche betrachtet. Ziel dieser Wettbewerbspolitik ist, neben den drei energiepolitischen Zielen der Versorgungssicherheit, der Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit , vor allem die Kontrolle und Bekämpfung von Wettbewerbsbeschränkungen und deren Auswirkungen sowie die Wettbewerbsförderung. Die übrigen Bereiche der Ordnungspolitik, wie die Eigentumsordnung und Regelungen des Vertrags- und Haftungsrechts werden wir aus Gründen der thematischen Eingrenzung nicht näher betrachten.
Bevor wir in Kapitel 5 auf die Entwicklung des deutschen Energiemarktes (vor und besonders nach 1998) eingehen, werden wir die theoretische Basis der Thematik erläutern. In Kapitel 2 gehen wir auf wettbewerbstheoretische Grundlagen ein. Im Einzelnen werden dies das Konzept des „freien Wettbewerbs“ (klassischer Liberalismus), das neoklassische Modell der „vollkommenen Konkurrenz“ sowie die Theorie des „vollständigen Wettbewerbs“ (Ordoliberalismus) sein. Die historische Einordnung und die kurze inhaltliche Vorstellung dieser drei verschiedenen Wettbewerbstheorien sollen vor allem dazu dienen wichtige Grundlagen zu schaffen und ein Verständnis für den historischen Hintergrund zu erlangen. Außerdem soll eine Sensibilisierung für die Unterschiede zwischen theoretischen Ansprüchen dieser Modelle und den wettbewerbspolitischen Realitäten, die meist anders aussehen, erreicht werden. Anschließend werden wir in Kapitel 3 das Zustandekommen von Konzentrationsprozessen und Wettbewerbsbeschränkungen beschreiben. Wie gegen diese in Deutschland von Seiten des Staates vorgegangen werden kann, beschreiben wir im anschließenden Kapitel 4.
Im abschließenden Resümee geben wir eine kritische Zusammenfassung und einen Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 WETTBEWERBSTHEORIEN
2.1 Begriff und Eigenschaften des Wettbewerbs
2.2 Der klassische Liberalismus
2.3 Das neoklassische Modell
2.4 Der deutsche Weg des Ordoliberalismus
3 WETTBEWERBSBESCHRÄNKUNGEN
3.1 Staatliche Wettbewerbsbeschränkungen – die Ursachen
3.1.1 Die Besonderheiten von Strom
3.1.2 Das natürliche Monopol
3.2 Private Wettbewerbsbeschränkungen
3.2.1 Absprachen
3.2.2 Kartelle
3.2.3 Unternehmenszusammenschlüsse
4 INSTRUMENTE DER WETTBEWERBSPOLITIK
4.1 Wettbewerbspolitik im Rahmen der Wirtschaftspolitik
4.2 Kartellbekämpfung
4.3 Zusammenschlusskontrolle
4.4 Missbrauchsaufsicht
4.4.1 Ausbeutungsmissbrauch
4.4.2 Behinderungsmissbrauch
5 ENTWICKLUNGEN DES WETTBEWERBS AUF DEM DEUTSCHEN STROMMARKT
5.1 Der deutsche Elektrizitätsmarkt vor der Deregulierung 1998
5.1.1 Struktur des Elektrizitätsmarktes vor 1998
5.1.2 Die historische Entwicklung der Elektrizitätswirtschaft
5.1.3 Die wettbewerbsrechtliche Stellung der Energiewirtschaft bis 1998
5.1.4 Probleme der regulierten Stromwirtschaft
5.1.5 Die europäische Richtlinie und die deutsche Umsetzung im EnWG von 1998
5.2 Die Entwicklungen auf dem deutschen Elektrizitätsmarkt seit 1998
5.2.1 Die Verbändevereinbarung – eine deutsche Besonderheit
5.2.1.1 Die Verbändevereinbarung I (VVI)
5.2.1.2 Die Verbändevereinbarung II
5.2.1.3 Die Verbändevereinbarung II plus (VV II+)
5.3 Entwicklung der Marktstrukturen
5.3.1 Zunahme der Konzentration
5.3.2 Neue Anbieter
5.3.3 Entwicklung der Strompreise
5.3.4 Entwicklung der Beschäftigtenzahlen
5.4 Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG)
5.4.1 Bundesnetzagentur (BNA)
5.4.2 Preiskontrollen
5.4.3 Anreizregulierung
5.4.4 Informations- und Berichtspflichten
5.4.5 Entflechtung
6 RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen Veränderungen auf dem deutschen Energiemarkt unter den Bedingungen der Deregulierung. Das zentrale Ziel ist es, die Entwicklung der Wettbewerbsbedingungen in der Strombranche zu analysieren, insbesondere im Hinblick auf Konzentrationsprozesse, die Wirksamkeit ordnungspolitischer Instrumente sowie die Auswirkungen staatlicher Regulierungsversuche auf die Marktstruktur und Preisbildung.
- Wettbewerbstheoretische Grundlagen und ordnungspolitische Ansätze
- Ursachen und Formen von Wettbewerbsbeschränkungen
- Die Entwicklung des deutschen Elektrizitätsmarktes seit der Liberalisierung 1998
- Die Rolle der Bundesnetzagentur und neue Regulierungsansätze (Anreizregulierung)
- Konzentrationsprozesse und die Machtstellung großer Energieversorger
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Das natürliche Monopol
Für die Verbraucher bzw. Nachfrager scheint Strom ein homogenes Gut zu sein, welches auch immer verfügbar ist – die Anbieter unterscheiden den Strom jedoch nach Netzengpässen (Ort der Entnahme) und zeitlichen Schwankungen (Tageszeit und Saison der Entnahme) und stimmen darauf ihr Produktionsprogramm ab.
„Diese technologischen Besonderheiten der Industrie erzwingen die extrem enge Abstimmung zwischen Erzeugung und Übertragung.“ Diese enge Verflochtenheit nimmt Kreis (2004) als Grundlage ihrer Vermutung, dass im Zusammenhang beider economies of scale entstehen, die den Kostenverläufen eines natürlichen Monopols ähneln. Für die einzelnen Bereiche stellt sie aber fest, dass jedoch nur bei der Übertragung von einem natürlichen Monopol gesprochen werden kann:
„Strom muss vom Erzeuger zum Verbraucher über Leitungsnetze übertragen und verteilt werden, die so kapitalintensiv sind, dass der Aufbau konkurrierender Netze ineffizient wäre: der Netzbereich weist Eigenschaften eines natürlichen Monopols auf.“
Ein natürliches Monopol liegt dann vor, wenn nur ein Anbieter auf dem Markt existiert und dies aufgrund natürlichen Gegebenheiten beruht und nicht auf Unternehmensstrategien. Jene natürlichen Gegebenheiten sind die spezielle Kosten- und Nachfragesituation: Zusätzlich zu den economies of scale, die nur eine hinreichende, jedoch keine notwendige, Bedingung darstellen, liegt bei einem natürlichen Monopol eine Subadditivität der Kostenfunktion zugrunde. Das bedeutet, dass „(…) die Kosten der Outputerstellung in einem Unternehmen niedriger sind als in zwei (oder mehr) Unternehmen, d. h. wenn gilt K (x) < K (x1) + K (x2) mit x = x1 + x2.“ Aberle (1992) folgert daraus, dass nur ein Unternehmen am Markt überleben wird, da die Preise bei Produktionsausweitung verlustfrei gesenkt werden können, um alle anderen Wettbewerber vom Markt zu drängen. Anstelle dieses Verdrängungswettbewerbs können jedoch auch Fusionen unter den Konkurrenten angestrebt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung definiert den ordnungspolitischen Rahmen der Arbeit und stellt die Untersuchung der Deregulierung des deutschen Energiemarktes sowie die theoretischen Grundlagen vor.
2 WETTBEWERBSTHEORIEN: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Modelle des klassischen Liberalismus, der Neoklassik und des Ordoliberalismus als Basis für das Verständnis der Wettbewerbspolitik.
3 WETTBEWERBSBESCHRÄNKUNGEN: Hier werden die Ursachen staatlicher und privater Wettbewerbsbeschränkungen, insbesondere das natürliche Monopol der Stromnetze, diskutiert.
4 INSTRUMENTE DER WETTBEWERBSPOLITIK: Das Kapitel beschreibt die rechtlichen Grundlagen und Instrumente der Wettbewerbskontrolle, wie das GWB, die Kartellbekämpfung und die Missbrauchsaufsicht.
5 ENTWICKLUNGEN DES WETTBEWERBS AUF DEM DEUTSCHEN STROMMARKT: Dieses Kapitel analysiert die historische Entwicklung, die Deregulierung ab 1998, die Rolle der Verbändevereinbarungen sowie die aktuellen Konzentrationsprozesse und Regulierungsnovellen.
6 RESÜMEE: Das abschließende Kapitel zieht ein kritisches Fazit zur bisherigen Liberalisierung des Strommarktes und bewertet die zukünftigen Aussichten auf Wettbewerb.
Schlüsselwörter
Deregulierung, Strommarkt, Wettbewerbspolitik, Natürliches Monopol, Energiewirtschaft, GWB, EnWG, Bundesnetzagentur, Konzentrationsprozess, Anreizregulierung, Netzzugang, Marktbeherrschung, Liberalisierung, Verbändevereinbarung, Entflechtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Liberalisierung und Deregulierung auf den deutschen Strommarkt und bewertet, ob der damit verbundene ordnungspolitische Prozess zu einem funktionierenden Wettbewerb geführt hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen Wettbewerbstheorien, die Struktur des Elektrizitätsmarktes, die Rolle von Unternehmensfusionen sowie die staatlichen Regulierungsmaßnahmen zur Kontrolle natürlicher Monopole.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Das Ziel ist es, den Erfolg der Deregulierungsmaßnahmen in der deutschen Strombranche kritisch zu hinterfragen und den Einfluss von Marktmacht auf die Preisbildung zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine ordnungspolitische Analyse, um die theoretischen Modelle mit den empirischen Entwicklungen und den politischen Rahmenbedingungen des deutschen Energierechts abzugleichen.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden sowohl die historische Entwicklung des Strommarktes vor 1998 als auch die komplexen Änderungen durch das EnWG, die Rolle der Bundesnetzagentur und die Mechanismen der Anreizregulierung detailliert ausgeführt.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Deregulierung, Wettbewerb, natürliches Monopol, Marktkonzentration und Energiepolitik.
Welche Rolle spielen die sogenannten Verbändevereinbarungen?
Die Verbändevereinbarungen stellten eine deutsche Besonderheit dar, da der Gesetzgeber zunächst auf eine staatliche Regulierungsbehörde verzichtete und die Bedingungen für den Netzzugang den Verhandlungen zwischen Anbietern und Netzbetreibern überließ.
Welches Fazit ziehen die Autoren zum derzeitigen Zustand?
Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die bisherige Liberalisierung eher als gescheitert betrachtet werden muss, da die Zahl der Anbieter sank, die Strompreise stiegen und die Marktmacht der großen vier Energiekonzerne weiter zunahm.
- Quote paper
- Dipl.-Hdl. Steffen Asendorf (Author), Dipl.-Hdl. Hanna Salmenn (Author), Dipl.Hdl. Ann Katrin Schmacker (Author), 2005, Die Konzentration auf dem deutschen Strommarkt unter den Bedingungen der Deregulierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78064