Der erste Teil der Arbeit wendet sich Lorcas „In seinem Garten liebt Don Perlimplín Belisa“ (1933): Ausgehend von einer kurzen Darstellung der Entstehung des Kammerspiels, wird zunächst knapp seine inhaltliche Konzeption im allgemeinen umrissen und werden dann die existentiellen Konflikte der Figuren im speziellen freigelegt. Im Anschluss daran nimmt die Autorin – als gewichtigerem zweiten Teil – das Ballett „Der rote Mantel“ (1954) von Tatjana Gsovsky in den Blickpunkt, welches sich des „Don Perlimplín“ als Vorlage bedient. Beachtung findet dabei vor allem die inhaltliche Reduktion des Stoffes und die daraus resultierende Deutungsvariation; genauer werdenChoreographie und Ausstattung vorgestellt und ein weiteres Augenmerk auf die Ballettmusik Luigi Nonos gerichtet.
Die Arbeit legt zum einen dar, wie Lorca in seinem „Don Perlimplín“ das Verhältnis zur Realität stört und diesen Zustand schließlich wieder auflöst und zeigt zum anderen auf, inwieweit und wodurch Gsovsky und Nono im „roten Mantel“ eine Umdeutung dessen vollziehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Zu Lorcas „In seinem Garten liebt Don Perlimplín Belisa“ (1933)
1.1 Entstehung und inhaltliche Konzeption des Kammerspiels
1.2 Existentielle Konflikte und deren Darstellung im Überblick
2 Zum Ballett „Der rote Mantel“ (1954) von Tatjana Gsovsky
2.1 Die inhaltliche Reduktion und Deutungsvariation des Stoffes
2.2 Choreographie und Ausstattung
2.3 Nonos Ballettmusik
3 Konklusion
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Transformation von Federico García Lorcas Kammerspiel „In seinem Garten liebt Don Perlimplín Belisa“ in das Ballett „Der rote Mantel“ (1954) von Tatjana Gsovsky und Luigi Nono, wobei insbesondere die inhaltlichen Reduktionen, die choreographische Umsetzung sowie die musikalische Gestaltung analysiert werden.
- Tiefenpsychologische Deutung und Persönlichkeitsspaltung der Figuren
- Die choreographische Dramaturgie und Bühnenausstattung von Jean-Pierre Ponnelle
- Die Rolle von Luigi Nonos Ballettmusik als atmosphärischer Spiegel
- Kontrast zwischen lyrischen und grotesken Elementen in der Inszenierung
- Vergleich der Zielsetzungen zwischen Lorcas literarischer Vorlage und Gsovskys Ballettfassung
Auszug aus dem Buch
2.1 Die inhaltliche Reduktion und Deutungsvariation des Stoffes
Das Ballett „Der rote Mantel“ entstand als Kompositionsauftrag der „Berliner Festwochen 1954“ und bildete in seiner Uraufführung am 20. September den zweiten Teil eines Ballettabends mit choreographischen Arbeiten Tatjana Gsovskys. Zu dieser Zeit war Gsovsky noch Gast der Städtischen Oper, gehörte dann aber deren Ensemble, das sich seit 1961 „Ballettensemble der Deutschen Oper Berlin“ nennt, bis 1966 an.
In der Vorlage Lorcas, dem „Don Perlimplín“, findet sich die Werkbezeichnung „Vier Bilder eines erotischen Bilderbogens in der Art eines Kammerspiels“ und die Unterteilung in Vorspiel und drei Bilder, was Tatjana Gsovsky in ihrem Ballett nicht übernimmt; getreu der Poetik des Aristoteles bildet sie aus den ursprünglich vier Bildern drei Akte von jeweils etwa zwölf Minuten Dauer. So entspricht das Geschehen des Vorspiels dem I. Akt: Begegnung mit der Liebe, das erste Bild wird zum II. Akt: Abenteuerliche Hochzeitsnacht, und das zweite und dritte schließen sich zum III. Akt: Der rote Mantel, zusammen. Mit der Wahl der Bezeichnung dieses letzten Aktes als Gesamttitel signalisiert Gsovsky „eine besondere Gewichtung“ des Schlussgeschehens.
Tatjana Gsovsky erzählt in ihrem Ballett eine konkrete Handlung, die allein schon durch das Wegfallen der gesprochenen Dialoge der Vorlage zugunsten ihrer „Aktionsdramatik“ reduziert und variiert ist. Seelische Zuständlichkeiten setzt sie dabei durch die intensive „Auslotung dramatischer Momente“ um.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Transformation von Lorcas Kammerspiel in Gsovskys Ballett zu untersuchen und dabei die choreographische sowie musikalische Umdeutung aufzuzeigen.
1 Zu Lorcas „In seinem Garten liebt Don Perlimplín Belisa“ (1933): Dieses Kapitel beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Stückes sowie die zentralen existentiellen Konflikte und die psychologischen Hintergründe der Titelfigur.
2 Zum Ballett „Der rote Mantel“ (1954) von Tatjana Gsovsky: Hier werden die inhaltlichen Anpassungen, die spezifische Choreographie, die symbolträchtige Ausstattung und die innovative Ballettmusik von Luigi Nono analysiert.
3 Konklusion: Das Schlusskapitel fasst die Bedeutung des Werkes als Meilenstein des Nachkriegsballetts zusammen und bestätigt die poetische Aussagekraft der Zusammenarbeit zwischen Gsovsky, Ponnelle und Nono.
Schlüsselwörter
Tatjana Gsovsky, Luigi Nono, Don Perlimplín, Federico García Lorca, Der rote Mantel, Ballett, Choreographie, Jean-Pierre Ponnelle, Tiefenpsychologie, Musikdramatik, Ausdruckstanz, Inszenierung, literarische Vorlage, Berliner Festwochen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Übertragung von Federico García Lorcas Kammerspiel in eine choreographische Form durch Tatjana Gsovsky und Luigi Nono.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben der inhaltlichen Reduktion des Stoffes stehen die psychologische Deutung der Charaktere, die Tanzdramaturgie und die Bedeutung der Musik im Vordergrund.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es darzulegen, wie das Ballett durch choreographische und musikalische Mittel eine eigenständige Umdeutung der literarischen Vorlage vollzieht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literatur- und theaterwissenschaftliche Analyse angewandt, die formale Vergleiche mit psychologischen Interpretationsansätzen kombiniert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Lorcas Original, die choreographischen Neuerungen Gsovskys und eine detaillierte Betrachtung der Partitur von Luigi Nono.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Tanzdramaturgie, Persönlichkeitsspaltung, Farbsymbolik und die Symbiose von Choreographie und Bühnenbild.
Welche Funktion hat die Rolle der Marcolfa in der Ballettinszenierung?
Die Rolle der Marcolfa wird durch wechselnde Besetzungen (Mann, Frau, Kind) in ihrer körperlichen Präsenz reduziert, was Perlimplíns zunehmende Ablösung von der Dienerin verbildlicht.
Wie interpretierte Tatjana Gsovsky die „Abenteuer“ der Belisa?
Gsovsky nutzt diese Momente als tiefenpsychologische Darstellung von Belisas verdrängten erotischen Wünschen und Persönlichkeitsspaltungen im Sinne der Freudschen Lehre.
Warum ist Luigi Nonos Musik für das Ballett so signifikant?
Nono liefert keine bloße Illustration, sondern spiegelt in seiner „Musique en action“ die Geisteshaltung und Atmosphäre von Lorcas Drama wider.
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- Mag. Hanna Walsdorf (Author), 2003, Das Ballett „Der rote Mantel“ von Tatjana Gsovsky: Lyrisch-groteskes Spiel zwischen Beifall und Protest, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78128