Resilienzforschung. Pädagogische Konsequenzen für den Lehrberuf


Diplomarbeit, 2006

30 Seiten, Note: C


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Vorgehensweise

2. Resilienz – Eine Definition

3. Resilienzforschung
3.1 Wie kam es zur Resilienzforschung und was ist das Forschungsgebiet?
3.2 Ziele der Resilienzforschung
3.3 Was sind die Risiken unserer Gesellschaft?
3.4 Risiko – und Schutzfaktorenkonzept
3.4.1 Das Risikofaktorenkonzept
3.4.2 Das Schutzfaktorenkonzept
3.4.3 Was ist Coping?
3.5 Wichtige Erkenntnisse der Resilienzforschung

4. Pädagogische Konsequenzen für den Lehrberuf
4.1 Allgemeingültige pädagogische Konsequenzen
4.2 Resilienzbezogene Handlungsfelder für den Lehrberuf

5. Abschluss – Beantwortung der Fragestellung

6. Persönliches Resümee

7. Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Resilienz stellte eine Forschungsrichtung dar, welche in den letzten Jahrzehnten entstanden ist und in den Sozialwissenschaften immer grössere Aufmerksamkeit erhält.

Ihre Ursprünge hat die Resilienzforschung in der Psychopathologie. In Forschungen, welche Auswirkungen von negativen Lebenslagen auf Kinder evaluieren wollten, fielen vermehrt Kinder auf, die trotz widrigen Lebensumständen zu starken und erfolgreichen Persönlichkeiten heranwuchsen. Dieses Phänomen hat die Aufmerksamkeit von Sozialforscherinnen und Pädagogen geweckt.

Die folgende Arbeit zeigt auf, was diese Forschungsrichtung beinhaltet und weshalb sie für pädagogische Interessen von Bedeutung ist. Die wichtigsten Konzepte, die der Resilienzforschung zu Grunde liegen, werden geklärt und zentrale Begrifflichkeiten erläutert.

Die Resilienzforschung stellt einen ressourcenorientierten Ansatz dar, welcher nach Stärken und Bewältigungskapazitäten von Kindern fragt und sich von pathologischen Ansätzen distanziert. Kinder werden in der Gesamtheit der biopsychosozialen Zusammenhänge wahrgenommen.

Konkret wird der Frage nachgegangen, ob Forschungsergebnisse aus der Resilienzforschung direkt ableitbare pädagogische Konsequenzen für den Lehrberuf initiieren.

Die Arbeit lässt den Schluss zu, dass Resilienz keine angeborene und unveränderbare Eigenschaft von Kindern ist. Resilienz kann also gefördert werden. Aus dieser Perspektive werden präventive Vorschläge für Lehrpersonen zusammengetragen, die resilienzfördernde Wirkung haben können.

1. Einleitung

Auf der Suche nach einem Thema für diese Arbeit, wollte ich nicht nur einen deutlichen Bezug zu meiner zukünftigen Tätigkeit als Primarlehrperson herstellen, auch autobiografische Bezüge sollten möglich sein. Dieses Kriterium stelle ich an eine derartige Arbeit, weil so Verarbeitungs- und Bewusstwerdungsprozesse integrativ geschehen können, die für pädagogisch-reflexive Prozesse wichtig sind.

Ich erachte das Verfassen dieser Arbeit als einen Vergegenwärtigungsprozess, bezüglich meiner Geschichte und als Möglichkeit „keine schlafenden Hunde“ in meine Lehrtätigkeit mitzunehmen. Aber auch als den Versuch, mein Verständnis und das von eventuellen Leserinnen und Lesern, für eine „neue“ Thematik zu sensibilisieren. Die Thematik der Resilienz.

Resilienz hatte für mich noch vor wenigen Monaten keine Bedeutung. An der Hochschule hörte ich von einer Mitstudentin, die sich dem Thema annehmen wollte. Schlagwörter, die ich in dieser Phase vernahm wie „gedeihen trotz widriger Umständen“, oder „Lebenstüchtig trotz schwieriger Kindheit“, haben mich sofort angesprochen.

Die angesprochenen autobiografischen Bezüge gründen auf einer Kindheit, die ich in einem bildungsfernen Milieu am untersten Rand der Mittelschicht erlebt habe. So kann ich mir vorstellen, was es für Kinder heisst, unter nicht optimalen Umständen aufzuwachsen.

Um dieses Verständnis und diese Einsichten auf theoretisch fundierte Beine zu stellen, denke ich, dass sich eine Auseinandersetzung mit der Resilienzthematik sehr gut eignet.

Der Reiz dieses Themas hat für mich zwei Standbeine. Das Eine ist die Sicht des zukünftigen Primarlehrers, der gerne alles mögliche tun möchte, um Kindern instrumentelle Fähigkeiten und Fertigkeiten, sowie das Bewusstsein mitgeben zu können, das Leben in allen Lagen, also auch in Problem- und Risikolagen, positiv zu meistern. Das zweite Standbein ist die Neugier, zu erfahren, ob ich mich im Nachhinein als resilientes Kind bezeichnen kann. Und wenn, warum ich das war.

Aus Platzgründen werde ich die Frage nach meiner eigenen Resilienz im Rahmen meines Vergegenwärtigungsprozesses beantworten. In dieser Arbeit werde ich nur die professionelle Sicht einnehmen, also die Frage nach meiner eigenen Resilienz nicht beantworten.

Auch als Vater zweier Kinder kann ich sicherlich von dem Wissen, das ich mir rund um die Resilienzthematik aneignen werde, profitieren.

1.1 Fragestellung

Der Fokus dieser Arbeit wird auf die folgende Fragestellung gerichtet: „Resilienzforschung – Welche pädagogischen Konsequenzen ergeben sich für den Lehrberuf?“

Die Arbeit soll Antworten auf die Frage geben, ob Lehrpersonen die Ergebnisse der gegenwärtigen Resilienzforschung in ihr professionelles Handeln einbeziehen sollen, oder gar müssen.

1.2 Vorgehensweise

Im zweiten Kapitel wird der Resilienzbegriff geklärt. Das dritte Kapitel widmet sich der Resilienzforschung. Es geht darin um die Entwicklung der Resilienzforschung und ihre zentralen Konzepte. Eine Klärung des Risikobegriffs findet sich dort ebenso wie die Erläuterung des Risiko- und des Schutzfaktorenkonzepts. Auch der Begriff „Coping“ wird im dritten Kapitel näher erläutert.

Das vierte Kapitel konzentriert sich auf die Beantwortung der hier behandelten Fragestellung. In diesem Kapitel werden konkrete Handlungsmöglichkeiten für Lehrpersonen erörtert. Im fünften Kapitel wird die Fragestellung kurz und prägnant beantwortet.

Abgerundet wir die Arbeit mit einem persönlichen Resümee.

Der Einfachheit halber wird in den folgenden Ausführungen abwechslungsweise das männliche und das weibliche Geschlecht verwendet. Gemeint sind immer beide Geschlechter.

2. Resilienz – Eine Definition

Man kann den Begriff Resilienz aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und definieren. Um den Rahmen dieser Arbeit abzustecken, wird der Begriff aus psychologischer, psychopathologischer und pädagogischer Sicht definiert.

Gibt man „Resilienz“ auf Wikipedia ein, so erhält man folgende allgemeine Definition: „Lebende Systeme können innere und äußere Gegebenheiten niemals vollständig beherrschen. Sie müssen daher in der Lage sein, Abweichungen (Fehler) auszugleichen. Sie müssen fehlertolerant , fehlerfreundlich, d.h. resilient sein. Ein anschauliches Beispiel für Resilienz ist die Fähigkeit des Stehaufmännchens seine aufrechte Haltung aus jeder beliebigen Lage wieder einzunehmen. Schematisch kann man sich Resilienz auch als Attraktionsfeld vorstellen, innerhalb dessen ein System nach einer Störung immer wieder zum "Grundzustand" zurückkehrt. “ (http://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz, 05.10.06). Aus psychologischer Sicht wird der Begriff an derselben Stelle folgendermassen erläutert. „In der Psychologie wird mit Resilienz die Stärke eines Menschen bezeichnet, Lebenskrisen wie schwere Krankheiten, lange Arbeitslosigkeit, Verlust von nahe stehenden Menschen, oder Ähnliches, ohne anhaltende Beeinträchtigung durchzustehen.“ (ebd., 05.10.06).

Corina Wustmann definiert Resilienz in ihrem Buch wie folgt: „Der Begriff ’ Resilienz ‘ leitet sich von dem englischen Wort ’ resilience ‘ (Spannkraft, Widerstandsfähigkeit, Elastizität; lat. ’ resilere ‘ = abprallen) ab und bezeichnet allgemein die Fähigkeit einer Person oder eines sozialen Systems (z.B. dem Paarsystem oder der Familie), erfolgreich mit belastenden Lebensumständen und negativen Folgen von Stress umzugehen (vgl., Rutter 2001; Petermann 2000). Kurz gesagt: Es geht um die Fähigkeit, sich von einer schwierigen Lebenssituation nicht ’ unterkriegen zu lassen ‘ bzw. ’ nicht daran zu zerbrechen ‘ . In der Fachdiskussion werden häufig die Begriffe ’ Stressresistenz ‘ , ’ psychische Robustheit ‘ oder ’ psychische Elastizität ‘ synonym für Resilienz verwendet.“ (Wustmann 2004, S.18). Weiter bringt es Corina Wustmann mit einer kurzen, prägnanten Definition im Kontext der pädagogischen Forschung wie folgt auf den Punkt: „Resilienz meint eine psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken.“ (ebd., S.18).

Eine allgemeiner gefasste, auch auf familiale und generell intrapersonelle Ebenen bezogene Definition stammt von Froma Walsh: „ Unter Resilienz kann man die Fähigkeit verstehen, zerrüttenden Herausforderungen des Lebens standzuhalten und aus diesen Erfahrungen gestärkt und bereichert hervorzugehen. Mit Resilienz sind nicht nur allgemeine Stärken gemeint, sondern auch dynamische Prozesse, die unter signifikant ungünstigen Umständen die Anpassung an eine gegebene Situation begünstigen (Luthar, Cicchetti a. Becker 2000). Resilient sein heisst nicht, dass man unverwundbar ist oder unversehrt in einen früheren Zustand zurückkehrt. Es heisst vielmehr, dass man gegen ungünstige Bedingungen erfolgreich angeht, sich durch sie hindurchkämpft, aus den Widrigkeiten lernt und darüber hinaus versucht, diese Erfahrungen in das Gewebe seines Lebens als Individuum und in der Gemeinschaft zu integrieren.“ (Walsh 2006, S. 43f.).

Es ist nicht so, dass ein Kind, welches mit einem starken Selbstbewusstsein ausgestattet ist, sich durch hohe Sozialkompetenz und Lernbereitschaft auszeichnet, selbstredend als resilient bezeichnet werden kann. Kinder werden erst nach besonderen Bewältigungsleistungen als resilient bezeichnet. Belastungen, welche in gleichem Masse bei anderen Kindern Beeinträchtigungen verursachen, können von resilienten Kindern verarbeitet werden (vgl. Wustmann 2004, S. 18). Wustmann präzisiert ihre Ausführungen: „Einem (psychisch) widerstandsfähigen Kind gelingt es, Entwicklungsrisiken weitestgehend zu vermindern oder zu kompensieren, negative Einflüsse auszugleichen und sich gleichzeitig gesundheitsförderliche Kompetenzen anzueignen (Laucht, Schmidt u. Esser 2000). Masten et al. (1990, zitiert nach Opp, Fingerle u. Freytag 1999) definieren deshalb Resilienz als den ’ Prozess, die Fähigkeit oder das Ergebnis erfolgreicher Adaptation angesichts herausfordernder oder bedrohender Umstände im Sinne ... [psychischen] Wohlbefindens und/oder effektiver Austauschbeziehungen mit der Umwelt ‘ (S.16). Individuen, die Traumata wie Kriege und Naturkatastrophen bewältigt haben, zeigen wohl am deutlichsten diese menschliche Fähigkeit zur Resilienz (Masten 2001).“ (ebd., S. 18f.).

Für die Definition von Resilienz heisst es weiter: „Resilienz bezieht sich insofern nicht nur auf die reine Abwesenheit psychischer Störungen (wie z.B. antisoziales/aggressives Verhalten, Delinquenz, Ängste, Depressionen, Drogenkonsum, Sucht oder psychosomatische Störungen), sondern schliesst den Erwerb bzw. Erhalt altersangemessener Fähigkeiten und Kompetenzen der normalen kindlichen Entwicklung mit ein. (Luthar, Cichetti u. Becker 2000; Luthar u. Cichetti 2000; Masten 2001; Masten u. Coatsworth 1998; Rutter 2000; Wyman et al. 2000).” (ebd., 2004, S. 20).

In der Literatur finden sich noch weitere Definitionen von Resilienz. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, wird die oben aufgeführte Kurzdefinition von Corina Wustmann, für diese Arbeit als zentral angesehen: „Resilienz meint eine psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken.“ (ebd., S.18).

3. Resilienzforschung

Resilienz bezeichnet also die Fähigkeit oder die Eigenschaft von Kindern und Erwachsenen, mit potenziell belastenden Lebenssituationen umzugehen, ohne dauerhaften Schaden davonzutragen.

Wie es zu der jungen Disziplin der Resilienzforschung kam, wird im ersten Teil dieses Kapitels genauer beleuchtet. Als Nächstes werden Ziele der Resilienzforschung genannt. Weiterführend wird sich die Frage stellen, welche Risiken zu resilienzgefährdenen Aspekten gezählt werden können und wie diese Risiken zu definieren sind, aber auch welche Faktoren Resilienzfördernde Wirkung haben.

3.1 Wie kam es zur Resilienzforschung und was ist das Forschungsgebiet?

Die Resilienzforschung ist eine junge Forschungsdisziplin, deren Anfänge je nach disziplinärer und nationaler Verortung verschiedenen Autoren zugeordnet wird (vgl. Gabriel 2005, S. 209).

Thomas Gabriel führt genauer aus: „Die ersten Ansätze lassen sich vor etwa 50 Jahren im Rahmen von Studien zur Psychopathologie erkennen. In diesen tauchte Resilienz zunächst als überraschender Nebenbefund der Frage nach Risikofaktoren auf (vgl. Glantz/Sloboda 1999, S. 111). So formulieren Cicchetti und Garmezy (1993, S. 497) diese rückblickend als Frage nach den individuellen, familiären und sozialen Faktoren, die vorhandene Risikofaktoren aufheben oder relativieren.“ (Gabriel 2005, S. 209).

Michael Fingerle, Andreas Freytag und Henri Julius finden ähnliche Wurzeln für die Resilienzforschung, wenn sie von Kindern schreiben, die im Zuge pathogener Wirkungen von Risiken dadurch auffielen, dass sie keine psychischen Störungen entwickelt haben (vgl. Fingerle, Freytag u. Julius 1999, S. 303).

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Resilienzforschung. Pädagogische Konsequenzen für den Lehrberuf
Hochschule
Fachhochschule Nordwestschweiz Abteilung Liestal
Note
C
Autor
Jahr
2006
Seiten
30
Katalognummer
V78149
ISBN (eBook)
9783638783590
ISBN (Buch)
9783638795814
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Grade C entspricht einem "Gut" oder wie es in der Schweiz früher war, einer 5, In Deutschland also einer 2.
Schlagworte
Resilienzforschung, Welche, Konsequenzen, Lehrberuf
Arbeit zitieren
Beat Hochrieser (Autor), 2006, Resilienzforschung. Pädagogische Konsequenzen für den Lehrberuf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78149

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