Die Theorie der differentiellen Assoziation / Verstärkung

Ein Erklärungsversuch des Rechtsextremismus


Hausarbeit, 2007

36 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung

2. Einleitung

3. Theoretische Vorüberlegungen
3.1 Die Psychologischen Lerntheorien
3.2 Die Theorie der differentiellen Assoziation
3.3 Die Theorie der differentiellen Verstärkung

4. Der Rechtsextremismus
4.1 Begriff
4.2 Erscheinungsformen
4.3 Empirische Daten
4.4 Erklärungsansätze

5. Empirische Untersuchungen

6. Anwendung der Theorien auf den Rechtsextremismus

7. Probleme und Schlussfolgerungen

8. Literatur

9. Anhang

1. Zusammenfassung.

Die sozialwissenschaftliche Diskussion über Rechtsextremismus wird von vier Konzepten dominiert: dem modernisierungstheoretischen Ansatz, dem belastungs- bzw. stresstheoretischen Ansatz, dem sozialisationstheoretischen und dem kontrolltheoretischen Ansatz1. BACHER (2001) hält diese Ansätze für unzureichend und schätzt im Gegenzug die differentiellen Lerntheorien als besonders geeignet ein, Rechtsextremismus zu erklären. In der vorliegenden Arbeit versuche ich einerseits die vorhandenen Theorien, also die Lerntheorien sowie die Theorien nach SUTHERLAND und BURGESS & AKERS, zu erläutern und empirische Studien bezüglich ihrer Erklärung rechtsextremen Verhaltens aufzuzeigen. Des Weiteren werde ich selbst versuchen, die Theorien auf das Problem des Rechtsextremismus (besonders bei Jugendlichen) zu beziehen.

2. Einleitung.

„Vor der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZASt) in Rostock-Lichtenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) versammelten sich im August 1992 Anwohner, um gegen die Flüchtlinge zu demonstrieren. Der Protest mündete in Gewalt: Ohne auf ernsthaften Widerstand der Polizei zu stoßen, griffen in der Nacht des 22. August etwa 150 bis 200 meist jugendliche Randalierer das Asylbewerberheim mit Steinen und Molotow-Cocktails an. Am Abend des 24. August erreichten die bürgerkriegsähnlichen Krawalle ihren Höhepunkt: Die unterdessen geräumte ZASt sowie ein benachbartes Wohnheim für vietnamesische Gastarbeiter wurden in Brand gesetzt. Die Polizei behinderte die inzwischen auf rund 1000 Randalierer gewachsene Menge nicht, angeblich hielt sie das Gebäude für leer. Mit Gewalt wurden die Ausländer aus dem so genannten ‚Sonnenblumenhaus’ getrie-ben. Erst am frühen Morgen des 25. August ebbten die Kämpfe ab. Erwachsene Sympathisanten und Anwohner sahen während der drei Tage dem Treiben tatenlos zu, einige klatschten Beifall.“ (Broschüre „Betrifft: Rechtsextreme“:2001, S.12)

Dies ist nur ein Beispiel für das Problem, mit dem sich die deutsche Demokratie vor allem seit der Wende auseinandersetzen muss: der Rechtsextremismus. Es zeigt deutlich auf, dass Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit2 vor allem, aber – und das sei deutlich gesagt – nicht ausschließlich, ein Jugendproblem ist, aber auch in allen Bevölkerungsschichten vorhanden ist und es so etwas wie einen latenten Rechtsextremismus in der Gesamtbevölkerung gibt. Es stellt sich nun die Frage, warum es gerade ein Jugendproblem darstellt und ob der weit verbreitete latente Rechtsextremismus etwas damit zu tun hat: Lernen die Jugendlichen ihre Einstellungen und Überzeugungen? Und wenn ja, wie lernen sie es und kann man, entsprechend dieser Kenntnisse, Gegenstrategien entwickeln?

3. Theoretische Vorüberlegungen.

Geht man von der o.g. Frage aus, ob Jugendliche ihre rechtsextremistischen Einstellungen und Überzeugungen lernen, muss man zwei grundlegende Theoriezweige in seine Überlegungen einbeziehen: Den ersten Zweig stellen die aus der Psychologie stammenden (allgemeinen) Lerntheorien dar (SKINNER, THORNDIKE u.a.). Zweitens sind die differentiellen Lerntheorien, aus der Soziologie stammend, von Bedeutung. Ihre Hauptvertreter sind SUTHERLANDS Theorie der differentiellen Assoziation sowie BURGESS & AKERS mit ihrer Theorie der differentiellen Verstärkung.

3.1 Die Psychologischen Lerntheorien.

In der Psychologie werden grundsätzlich zwei Lerntheorien unterschieden: die behavioristische Lerntheorie und die kognitive Theorie. Da für die vorliegende Arbeit lediglich die behavioristischen Ansätze von Bedeutung sind, werde ich auf die kognitiven Theorien nicht weiter eingehen3.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt, beherrschte diese Forschungsrichtung die Lernpsychologie bis in die 1970er Jahre hinein, bis sie allmählich vom o.g. Kognitivismus abgelöst wurde. Als Vorläufer des Behaviorismus gelten die Arbeiten des russischen Verhaltensforschers IWAN P. PAWLOW. Weitere Vertreter waren der als Begründer dieses Forschungszweiges bezeichnete JOHN B. WATSON, EDWARD L. THORNDIKE und BURRHUS F. SKINNER. Die Arbeiten der letzten zwei genannten Wissenschaftler bilden die unmittelbare Grundlage für die differentiellen Lerntheorien.

Der Behaviorismus beschäftigt sich lediglich mit dem äußerlich beobachtbaren Verhalten von Lebewesen. Bewusstseins- und Denkprozesse, inneres Erleben oder Fühlen sind demzufolge für die Erklärung von Verhalten irrelevant, da sie sich als subjektive Vorgänge der (objektiven) Beobachtung entziehen. Bei dieser Forschungsrichtung wird also streng empirisch vorgegangen, zur Erklärung (menschlichen) Verhaltens ist nur die objektive Messung eines Reiz-Reaktionsschemas (stimulus-response-model) möglich. Demnach ist Verhalten abhängig von früher erlernten und noch beim gegenwärtigen Handeln wirkenden Stimuli. Diese Stimuli bewirken ein verändertes, an verschiedene Situationen angepasstes Verhalten. Lernen ist somit als Verhaltensänderung zu begreifen.

In der Verhaltenstheoretischen Soziologie beruft man sich vor allem auf die Arbeiten SKINNERS, daher werde ich nun die Experimente von PAWLOW und THORNDIKE nur kurz umreißen4.

Der russische Mediziner und Verhaltensforscher IWAN PETROWITSCH PAWLOW führte 1905 erstmals ein Experiment durch, bei dem er mit Hilfe von Hunden das Prinzip des Klassischen Konditionierens entdeckte. Dabei wird mit einem bereits vorhandenen Verhalten auf neue Reize reagiert. Diese Reaktionen können sowohl Reflexe als auch andere elementare Verhaltensweisen und Emotionen sein.

Die Versuche PAWLOWS wurden später von WATSON auf menschliches Verhalten übertragen.

Theoretisch lässt sich das Klassische Konditionieren in drei Schritte unterteilen:

1. Am Anfang steht ein unkonditionierter Reiz(=Stimulus), dem eine unkonditionierte Reaktion folgt. Bei PAWLOW folgte auf den Reiz Fleischpulver die Reaktion Speichelfluss.
2. Im zweiten Schritt wird wiederholt gleichzeitig mit dem unkonditionierten ein neutraler Stimulus dargeboten. Der neutrale Stimulus wird so genannt, weil er im Grunde nichts mit dem unkonditionierten Stimulus zu tun hat. Der Hund sondert auch hier, bei der gleichzeitigen Darbietung der zwei Reize, Speichel ab.
3. Wird nach mehrmaligem gleichzeitigem Darbieten der zwei Stimuli nun nur noch der neutrale Stimulus gereicht, wird dieser jetzt zum konditionierten Stimulus. Der Hund sondert jetzt auf alleinige Darbietung des bisher neutralen Reizes Speichel ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein weiteres Prinzip des Behaviorismus wurde von EDWARD LEE THORNDIKE entdeckt. Er fand bei der Beobachtung von Katzen heraus, dass diese im Wesentlichen durch das Trial-And-Error-Prinzip lernen. Dieses Vorgehen ist eine Methode, bei der nach dem Zufallsprinzip verschiedene Lösungsmöglichkeiten für ein bestehendes Problem ausprobiert werden (=trial) und diejenige Lösungsstrategie, die am erfolgreichsten ist, wird dann weiterhin angewendet. Dabei werden Fehlschläge (=errors) in Kauf genommen und nicht erfolgreiche Strategien werden aus dem Verhaltensrepertoire gelöscht. Bei starken negativen Folgen einer Strategie wird sogar versucht, dieses Verhalten möglichst zu umgehen. Die erfolgreichste Lösungs-methode wirkt also als Verstärker und führt zu einer permanenten Aufnahme in das Verhaltensrepertoire.

Die verhaltenstheoretische Soziologie versucht, soziale beziehungsweise gesellschaftliche Phänomene mit Hilfe der psychologischen Lerntheorien zu erklären. Dabei geht sie davon aus, dass diese Theorien zur Erklärung individuellen Verhaltens auf die gesellschaftliche Ebene übertragen werden können – sie beruft sich vorrangig auf die Arbeiten von BURRHUS FREDERIC SKINNER. Dieser entwickelte das Paradigma des Operanten Konditionierens.

SKINNERS Versuche zeigen, dass beim Operanten Konditionieren einem spontan gezeigten (operanten) Verhalten eines Menschen oder Tieres eine kontingente Reiz-situation folgt, die als Verstärker für die gezeigte Verhaltensweise dessen Auftretens-wahrscheinlichkeit erhöht. Kontingenz bedeutet hierbei das unmittelbare Folgen des Verstärkers auf ein Verhalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es kann vorkommen, dass ein erwünschtes Verhalten nicht spontan gezeigt wird, dazu kann man diskriminative Reize einsetzen, die dem operanten Verhalten vorausgehen. Sie dienen dazu, zu signalisieren, welche Reaktion verstärkt wird, also wird das Verhalten gelenkt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beim Operanten Konditionieren gibt es drei Arten von beeinflussenden Stimuli: positive sowie negative Verstärker und aversive Stimuli:

1. Positive Verstärker sind – als angenehm angesehene – Ergebnisse einer Handlung, die Handlung führt also zu einem Zustand, der für das betreffende Individuum als positiv gilt. Typische Beispiele: gute Noten in einer Klausur(durch intensives Lernen erreicht) führen zu einem intensivierten Lernverhalten des Schülers; ein „schwieriges“ Kind sieht die Zuwendung (Ermahnen) der Lehrerin als positiven Verstärker – es hat ihre Aufmerksamkeit erhalten, obwohl sie eigentlich das Kind von dem störenden Verhalten abbringen will.
2. Negative Verstärker dienen dazu, eine unangenehme Situation durch eigenes Verhalten zu beenden. Negativ ist hier nicht im Sinne von etwas „Negativem“ oder Strafe gemeint, sondern dass etwas aufgehoben wird! Typische Beispiele: Wenn die Polizei regelmäßig Präsenz zeigt, wird es weniger Kriminalität geben – sie ist also nicht mehr da oder zumindest eingeschränkt – folglich wird die Polizei intensiver „Streife fahren“; die Lehrerin wird nicht aufhören, auf den „schwierigen“ Schüler einzugehen, ihn zu ermahnen, da sie danach kurz „Ruhe“ hat, das störende Verhalten hört also auf (zumindest für kurze Zeit).
3. Aversive Stimuli sind im Gegensatz zum negativen Verstärker hier wirklich so etwas wie Strafe. Zieht ein Verhalten negative Konsequenzen nach sich, wird die Auftretenswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens eingeschränkt oder gestoppt. Typische Beispiele: ein Krimineller wird nach mehrfacher Inhaf-tierung deviantes Verhalten unterlassen; der Raser wird nach mehreren Strafzetteln langsamer fahren.

SKINNER hat sich die Frage gestellt, wie und wie oft Reaktionen verstärkt werden müssen, um diese im Verhaltensrepertoire zu verankern. Er hat dazu so genannte Verstärkungspläne erstellt, wobei zwischen Intervall- und Quotenplänen unter-schieden wird. Bei der ersten Form wird in bestimmten, festgelegten Zeitintervallen verstärkt. Bei der Letzteren geschieht dies mit Hilfe des Verhältnisses zwischen verstärkten und nicht verstärkten Reaktionen. Innerhalb dieser Formen kann wiederum zwischen kontinuierlichen und variierenden Verstärkungen unterschieden werden. Die Pläne wurden von SKINNER zwar auf Basis seiner Experimente mit Tieren erstellt, sie können aber retrospektiv auf menschliches Verhalten angewendet werden. Das Schaubild 1 zeigt die verschiedenen Verstärkungsarten und ihre Eigenschaften auf. Als effektivste Methode zur stabilen Verstärkung erwies sich eine Mischung aus den beiden variierenden Verstärkungsplänen, also variierende Intervall-Quoten-Verfahren. Hierbei gibt es so gut wie keinen Lorbeereffekt und es wird sehr schnell und gleichmäßig gelernt.

3.2 Die Theorie der differentiellen Assoziation.

Die Theorie der differentiellen Assoziation wurde von EDWIN H. SUTHERLAND erstmals 1939 formuliert und wird in der Literatur auch als Theorie der differentiellen Kontakte oder Theorie der differentiellen Lernstrukturen bezeichnet. Dieser mikrosoziologische Ansatz ist der älteste Vertreter der differentiellen Lerntheorien und war in diesem Zusammenhang richtungweisend. Theorien, wie die der differentiellen Verstärkung bauen auf den Arbeiten SUTHERLANDS auf. Eine Übersicht dazu siehe Schaubild 2.

SUTHERLANDS Überlegungen haben die behavioristischen Lerntheorien als Grund-lage; sowohl konformes als auch deviantes Verhalten wird gelernt. Seine zentrale These lautet dabei: „dass eine Person dann delinquent wird, wenn Gesetzes-verletzungen begünstigende Einstellungen gegenüber den Einstellungen, die Gesetzesverletzungen negativ bewerten, überwiegen.“ (LAMNEK 1993, S.188).

Weiterhin gibt LAMNEK individuelle sowie gesellschaftliche Voraussetzungen für das Auftreten devianten Verhaltens an. Erstere sind vor allem die Lebensgeschichte (Persönlichkeitsmerkmale, soziale Verhältnisse, Inhalte der Lernprozesse) sowie „die aktuellen, situativen Umstände“. Letztere hingegen ist eine differentielle Ordnung der Gesellschaft (der Akteur hat „die Chance zum Kennen lernen konkurrierender Situationsdefinitionen“). Deviantes Verhalten kann nur durch gemeinsames Auftreten sowohl individueller als auch gesellschaftlicher Bedingungen entstehen (LAMNEK 1993, S.189).

SUTHERLAND hat seine Theorie in Form von 9 Thesen aufgestellt, diese sollen – nach SACK und KÖNIG im Folgenden dargestellt werden:

1. Kriminelles Verhalten ist gelerntes Verhalten. Negativ formuliert heißt es, daß kriminelles Verhalten als solches nicht vererbt wird; ebenso wenig kann die Person, die nicht schon kriminelles Training hat, kriminelles Verhalten erfinden, so wie eine Person keine mechanischen Erfindungen machen wird, wenn sie keine Kenntnisse in Mechanik hat.
2. Kriminelles Verhalten wird in Interaktion mit anderen Personen in einem Komunikationsprozeß gelernt. Diese Kommunikation ist in vieler Hinsicht verbal, schließt aber auch die „Kommunikation durch Gesten“ ein.
3. Kriminelles Verhalten wird hauptsächlich in intimen persönlichen Gruppen erlernt. Das bedeutet, daß die unpersönlichen Kommunikationsmittel wie Filme und Zeitungen eine relativ unwichtige Rolle bei der Entstehung kriminellen Verhaltens spielen.
4. Das Erlernen kriminellen Verhaltens schließt das Lernen a) der Techniken zur Ausführung des Verbrechens, die manchmal sehr kompliziert, manchmal sehr einfach sind, b) die spezifische Richtung von Motiven, Trieben, Rationalisierungen und Attitüden ein.
5. Die spezifische Richtung von Motiven und Trieben wird gelernt, indem Gesetze positiv oder negativ definiert werden. In einigen Gesellschaften lebt ein Individuum nur mit Personen zusammen, die die Gesetze als Regeln betrachten, die zu befolgen sind, während es in anderen mit Personen zusammenlebt, deren Verhalten die Verletzung der Gesetze begünstigt. In unserer amerikanischen Kultur kommen positive und negative Definitionen gesetzlicher Regelungen fast immer zusammen vor und folglich kommt es bezüglich der Gesetze zu kulturellen Konflikten.
6. Eine Person wird delinquent infolge eines Überwiegens der die Verletzung begünstigenden Einstellungen über jene, die Gesetzesverletzungen negativ beurteilen. Dies ist das Prinzip der differentiellen Kontakte. Es bezieht sich sowohl auf kriminelle wie auf antikriminelle Kontakte und betrifft daher das Aufeinandertreffen entgegengerichteter Kräfte. Wenn Personen zu Kriminellen werden, geschieht dies auf Grund von Berührungen mit Kriminellen und Isolierung von antikriminellen Verhaltensmustern. Jede Person passt sich unvermeidlich an die sie umgebende Kultur an, wenn nicht andere Verhaltensmuster mit ihr in Konflikt stehen; ein Südstaatler spricht deshalb das „r“ nicht, weil andere Südstaatler es auch nicht sprechen. Negativ formuliert: Die Hypothese der differentiellen Kontakte besagt, daß Kontakte, die im Hinblick auf Verbrechen eine neutrale Einstellung zeigen, wenig oder überhaupt keinen Einfluss bei der Entstehung kriminellen Verhaltens ausüben. Ein großer Teil des Erlernten ist in diesem Sinne neutral, z.B. wenn man lernt, sich die Zähne zu putzen. Dieses Verhalten hat keine negative oder positive Wirkung auf kriminelles Verhalten, es sei denn, es wird in einem sozialen Milieu erlernt, in dem die Orientierung zu den Gesetzesnormen eine bedeutende Rolle spielt. Dieses neutrale Verhalten ist insofern besonders wichtig, als es die Zeit des Kindes beansprucht, weil das Kind dann nicht in Kontakt mit kriminellen Verhaltensmustern kommt.
7. Differentielle Kontakte variieren nach Häufigkeit, Dauer, Priorität und Intensität. Das bedeutet, dass sowohl Kontakte zu kriminellen als auch Kontakte zu antikriminellen Verhaltensmustern in dieser Hinsicht variieren. „Häufigkeit“ und „Dauer“ als Eigenschaften von Kontakten sind klar und bedürfen keiner Erklärung. „Priorität“ halten wir deshalb für wichtig, weil gesetzestreues ebenso wie delinquentes Verhalten, das sich in früher Kindheit entwickelte, das ganze Leben hindurch fortdauern kann. Die Bedeutsamkeit dieses Faktors wurde jedoch bisher nicht hinreichend nachgewiesen; sie scheint aber hauptsächlich deswegen wichtig zu sein, weil sie selektive Prozesse steuert. „Intensität“ ist nicht genau definiert, hängt aber etwa mit dem Prestige des Ursprungsortes eines kriminellen oder antikriminellen Verhaltensmusters und mit emotionalen Reaktionen auf die sozialen Kontakte zusammen. In einer genauen Beschreibung des kriminellen Verhaltens einer Person würden die Eigenschaften quantifiziert und in einer mathematischen Formel ausgedrückt werden. Eine derartige Formel wurde indessen noch nicht entwickelt und würde auch äußerst schwierige Operationen erfordern.

[...]

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Die Theorie der differentiellen Assoziation / Verstärkung
Untertitel
Ein Erklärungsversuch des Rechtsextremismus
Hochschule
Universität Leipzig  (Fakultät für Soziologie)
Veranstaltung
Theorien abweichenden Verhaltens
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
36
Katalognummer
V78163
ISBN (eBook)
9783638836517
ISBN (Buch)
9783638836524
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theorie, Assoziation, Verstärkung, Theorien, Verhaltens
Arbeit zitieren
Steffen Schönfelder (Autor), 2007, Die Theorie der differentiellen Assoziation / Verstärkung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78163

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