Die sozialwissenschaftliche Diskussion über Rechtsextremismus wird von vier Konzepten dominiert: dem modernisierungstheoretischen Ansatz, dem belastungs- bzw. stresstheoretischen Ansatz, dem sozialisationstheoretischen und dem kontrolltheoretischen Ansatz. BACHER (2001) hält diese Ansätze für unzureichend und schätzt im Gegenzug die differentiellen Lerntheorien als besonders geeignet ein, Rechtsextremismus zu erklären. In der vorliegenden Arbeit versuche ich einerseits die vorhandenen Theorien, also die Lerntheorien sowie die Theorien nach SUTHERLAND und BURGESS & AKERS, zu erläutern und empirische Studien bezüglich ihrer Erklärung rechtsextremen Verhaltens aufzuzeigen. Des Weiteren werde ich selbst versuchen, die Theorien auf das Problem des Rechtsextremismus (besonders bei Jugendlichen) zu beziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Zusammenfassung.
2. Einleitung.
3. Theoretische Vorüberlegungen.
3.1 Die Psychologischen Lerntheorien.
3.2 Die Theorie der differentiellen Assoziation.
3.3 Die Theorie der differentiellen Verstärkung.
4. Der Rechtsextremismus.
4.1 Begriff.
4.2 Erscheinungsformen.
4.3 Empirische Daten.
4.4 Erklärungsansätze.
5. Empirische Untersuchungen.
6. Anwendung der Theorien auf den Rechtsextremismus.
7. Probleme und Schlussfolgerungen.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung differentieller Lerntheorien zur Erklärung von rechtsextremem Verhalten bei Jugendlichen. Dabei wird analysiert, wie durch soziale Interaktionen und Verstärkungsmechanismen rechtsextreme Einstellungen erlernt und verfestigt werden können, um so die Forschungsfrage zu beantworten, warum der Rechtsextremismus gerade bei Jugendlichen ein verbreitetes Phänomen darstellt.
- Grundlagen behavioristischer Lerntheorien (Pawlow, Thorndike, Skinner).
- Darstellung der Theorie der differentiellen Assoziation nach Sutherland.
- Erläuterung der Theorie der differentiellen Verstärkung nach Akers und Burgess.
- Analyse der verschiedenen Erscheinungsformen und Dimensionen des Rechtsextremismus.
- Anwendung der Lerntheorien auf ein fiktives Fallbeispiel zur Veranschaulichung der Lernprozesse.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Psychologischen Lerntheorien.
In der Psychologie werden grundsätzlich zwei Lerntheorien unterschieden: die behavioristische Lerntheorie und die kognitive Theorie. Da für die vorliegende Arbeit lediglich die behavioristischen Ansätze von Bedeutung sind, werde ich auf die kognitiven Theorien nicht weiter eingehen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt, beherrschte diese Forschungsrichtung die Lernpsychologie bis in die 1970er Jahre hinein, bis sie allmählich vom o.g. Kognitivismus abgelöst wurde. Als Vorläufer des Behaviorismus gelten die Arbeiten des russischen Verhaltensforschers IWAN P. PAWLOW. Weitere Vertreter waren der als Begründer dieses Forschungszweiges bezeichnete JOHN B. WATSON, EDWARD L. THORNDIKE und BURRHUS F. SKINNER. Die Arbeiten der letzten zwei genannten Wissenschaftler bilden die unmittelbare Grundlage für die differentiellen Lerntheorien.
Der Behaviorismus beschäftigt sich lediglich mit dem äußerlich beobachtbaren Verhalten von Lebewesen. Bewusstseins- und Denkprozesse, inneres Erleben oder Fühlen sind demzufolge für die Erklärung von Verhalten irrelevant, da sie sich als subjektive Vorgänge der (objektiven) Beobachtung entziehen. Bei dieser Forschungsrichtung wird also streng empirisch vorgegangen, zur Erklärung (menschlichen) Verhaltens ist nur die objektive Messung eines Reiz-Reaktionsschemas (stimulus-response-model) möglich. Demnach ist Verhalten abhängig von früher erlernten und noch beim gegenwärtigen Handeln wirkenden Stimuli. Diese Stimuli bewirken ein verändertes, an verschiedene Situationen angepasstes Verhalten. Lernen ist somit als Verhaltensänderung zu begreifen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zusammenfassung.: Einleitend wird der Fokus auf die Eignung differentieller Lerntheorien zur Erklärung von Rechtsextremismus gelegt und das Vorhaben der Arbeit umrissen.
2. Einleitung.: Anhand des Falls Rostock-Lichtenhagen wird die Relevanz des Themas Rechtsextremismus und dessen Bezug zur Jugendproblematik verdeutlicht.
3. Theoretische Vorüberlegungen.: Es werden die lerntheoretischen Grundlagen sowie die spezifischen Theorien von Sutherland sowie Akers und Burgess detailliert dargelegt.
4. Der Rechtsextremismus.: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Rechtsextremismus, beschreibt seine Erscheinungsformen, liefert empirische Daten und ordnet ihn in gängige sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze ein.
5. Empirische Untersuchungen.: Hier werden existierende Studien, insbesondere die Arbeit von Bacher, diskutiert, um Zusammenhänge zwischen Lernerfahrungen und rechtsextremem Verhalten aufzuzeigen.
6. Anwendung der Theorien auf den Rechtsextremismus.: Die theoretischen Konzepte werden anhand eines Fallbeispiels auf rechtsextreme Lernprozesse und die Rolle von Verstärkungsmechanismen angewendet.
7. Probleme und Schlussfolgerungen.: Es erfolgt eine kritische Reflexion der diskutierten Theorien sowie eine Würdigung ihres Nutzens für das Verständnis und die Bekämpfung von Rechtsextremismus.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Lerntheorien, Differentielle Assoziation, Differentielle Verstärkung, Behaviorismus, Operantes Konditionieren, Ausländerfeindlichkeit, Sozialisation, Jugendkriminalität, Identitätsfindung, Verstärkungspläne, Deviantes Verhalten, Soziale Netzwerke, Gruppendynamik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert, inwiefern die Theorien des differentiellen Lernens aus der Soziologie dazu beitragen können, die Entstehung und Verfestigung von rechtsextremen Einstellungen und Verhaltensweisen bei Jugendlichen zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt behavioristische Lerntheorien, die Theorie der differentiellen Assoziation, die Theorie der differentiellen Verstärkung sowie die verschiedenen Erscheinungsformen und theoretischen Erklärungsmodelle des Rechtsextremismus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Lernprozess hinter rechtsextremem Verhalten nachzuvollziehen und zu prüfen, ob die differentiellen Lerntheorien eine tragfähige Erklärung für das Auftreten dieses Phänomens bei Jugendlichen bieten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die bestehende lerntheoretische Konzepte sowie empirische Studien auswertet und diese durch ein fiktives Fallbeispiel anwendet, um die Übertragbarkeit der Theorien auf das Phänomen Rechtsextremismus zu veranschaulichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die psychologischen Lerntheorien und die soziologischen differentiellen Lerntheorien erläutert, gefolgt von einer Begriffsbestimmung des Rechtsextremismus. Danach werden diese Theorien auf den Rechtsextremismus angewandt und kritisch diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Rechtsextremismus, Lerntheorien, Differentielle Assoziation, Operantes Konditionieren und Ausländerfeindlichkeit.
Wie unterscheidet sich die Theorie der differentiellen Verstärkung von Sutherlands Theorie?
Während Sutherland primär soziale Interaktionen und persönliche Kontakte betont, stellen Akers und Burgess das Verhalten in einen expliziten lerntheoretischen Rahmen und integrieren auch nicht-soziale Verstärkungsmechanismen.
Welche Rolle spielen Medien im Lernprozess laut dieser Arbeit?
Medien, insbesondere rechtsextreme Musik und Fanzines, werden als entscheidende Faktoren identifiziert, da sie zur Rekrutierung von Nachwuchs, zur Festigung von Einstellungen und zur Vermittlung von Sicherheit in der Identitätsfindungsphase dienen.
Was zeigt das Fallbeispiel des Jugendlichen "Sascha"?
Das Beispiel illustriert, wie ein Jugendlicher in einem Umfeld, das in Familie, Freundeskreis und Ausbildung durch rechtsextreme Muster geprägt ist, diese durch positive Verstärkung übernimmt und alternative, demokratische Wertesysteme kaum als Verstärker erfahren kann.
- Citation du texte
- Steffen Schönfelder (Auteur), 2007, Die Theorie der differentiellen Assoziation / Verstärkung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78163