„Der beste, der nützlichste Journalist ist der tote Journalist. “, so bringt es Wiglaf Droste in seiner Kurzgeschichte „Kollateraljournalisten, aus der Serie: Nato, übernehmen Sie!“ auf den Punkt.
Weiter schreibt er über zwei deutsche Stern-Journalisten, die während einer Recherche erschossen wurden, dass sie „ihrem Blatt kaum besser hätten dienen können als mit ihrem Tod. “ So makaber dieser Satz auch klingen mag, scheint er doch auf den Punkt zu bringen, was nur hinter vorgehaltener Hand, wenn überhaupt, ausgesprochen wird.
In meiner Hausarbeit möchte ich die Fragestellung untersuchen, wie objektiv die deutschen Medien über internationale Krisenherde berichten. Können sich die Medien, bei ihrer Berichterstattung dem Druck von Auflage und Einschaltquote entziehen? Welcher Druck lastet auf den Journalisten und wie wirkt er sich auf ihre Arbeit aus? Gelten bei der Krisenberichterstattung andere Regeln als im journalistischen Alltag? Wie sehen die realen Arbeitsbedingungen in Krisengebieten aus?
Gliederung
1. Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Begriffsklärung
2. Hauptteil
2.1 Die Wahrheit stirbt zuerst! Seriöse Berichterstattung – nur in Friedenszeiten?
2.2 Wie sieht Krisenberichterstattung im Alltag aus?
2.3 Krisenberichterstattung: eine Gradwanderung zwischen Manipulation/ Propaganda und Information
2.4 Der aseptische Krieg im Fernsehen
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Objektivität der deutschen Medienberichterstattung über internationale Krisenherde. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Journalisten den ökonomischen Druck von Auflage und Einschaltquote überwinden können, welche realen Arbeitsbedingungen in Krisengebieten herrschen und inwieweit die Berichterstattung von Manipulation und Propaganda geprägt ist.
- Objektivität und journalistische Sorgfaltspflicht in Konfliktgebieten
- Einfluss von ökonomischem Druck auf die Berichterstattung
- Abgrenzung zwischen Information, Manipulation und Propaganda
- Die Sprache der Krisenberichterstattung und der "aseptische Krieg"
- Die Rolle des Medienkonsumenten in der Demokratie
Auszug aus dem Buch
2.4 Der aseptische Krieg im Fernsehen
Das Kriege auch verbal an der Heimatfront entschieden werden können, kann man gut an der Sprache der Krisenberichterstattung untersuchen. Der Tod erhält neue, ungefährliche Namen, und die Wahrheit wird hinter Worthülsen verborgen. So heißt es nicht „Zerstörung“ sondern „Ausschaltung“. Es wird zum Beispiel über 15 abgeschossene Flugzeuge berichtet und nicht, dass 15 Piloten getötet wurden. Weiter spricht man von Zielen und Kriegsmaterial, wenn Fabriken beziehungsweise Panzer und Raketenstellungen gemeint sind. Mit Kollateralschäden werden die, meist zivilen, Opfer bezeichnet.
Gerade im zweiten Golfkrieg, wurde dem Publikum eine nie da gewesene Abstraktion der Realität geboten. Fernsehen als elektronische Abstraktion des Krieges. Durch Fadenkreuze auf dem Bildschirm, ferngesteuerte Marschflugkörper und anderes hochtechnisiertes Kriegsgerät, entstand der Eindruck einer aseptischen Kriegsführung. Raketenangriffe wurden in „chirurgische Eingriffe“ gewandelt, was eine „humane“ Auseinandersetzung suggerierte. Grüne Lichtblitze unterhielten ein Millionenpublikum in den abendlichen Nachrichten - den Tod bekamen die Zuschauer selten zu sehen.
Der Krieg wird durch die Sprache auf einige chirurgische Eingriffe reduziert. Das „Böse“ wird chirurgisch entfernt und das Schlachtfeld mit medizinischen Begriffen desinfiziert. Der Krieg wird klinisch sauber! Der schnelle journalistische Griff zu unverdächtigen Wortverbindungen stumpft das Bewusstsein des Publikums ab und hindert es damit am Nachdenken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Thema der Krisenberichterstattung dar und definiert zentrale Begriffe wie Objektivität, Krise und Propaganda für den Kontext der Arbeit.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert den Druck auf Journalisten, die Mechanismen von Manipulation durch das Militär sowie die sprachliche Abstraktion des Krieges im Fernsehen.
3. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die Gesellschaft qualitativ unterinformiert ist und fordert kritische Medienkonsumenten sowie eine seriöse Medienlandschaft.
Schlüsselwörter
Krisenberichterstattung, Medien, Objektivität, Manipulation, Propaganda, Journalismus, Krieg, Golfkrieg, Einschaltquote, Information, Berichterstattung, Medienkonsum, Kriegsbilder, Medienkontrolle, Wahrheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die Qualität und Objektivität der deutschen Medienberichterstattung über internationale bewaffnete Konflikte und Krisen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Arbeitsbedingungen von Journalisten in Krisengebieten, der Einfluss ökonomischer Faktoren auf Nachrichten sowie die Mechanismen medialer Beeinflussung durch Akteure wie das Militär.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie objektiv deutsche Medien über internationale Krisen berichten können, ohne dem Druck von Auflage und Einschaltquoten zu unterliegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Herangehensweise, basierend auf der Auswertung von Fachliteratur, journalistischen Analysen und Medientheorien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Unmöglichkeit vollständiger Objektivität, den "Tempo-Diktaten" in der Berichterstattung, Manipulationstechniken sowie der sprachlichen Darstellung des Krieges als "aseptisches" Ereignis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Krisenberichterstattung, Objektivität, Manipulation, Propaganda, Journalismus und Medienkontrolle sind die zentralen Schlagworte.
Warum ist die Sprache in der Krisenberichterstattung laut Autor problematisch?
Der Autor argumentiert, dass durch Euphemismen wie "chirurgische Eingriffe" oder "Ausschaltung" die Realität des Tötens verschleiert und das Bewusstsein des Publikums abgestumpft wird.
Was empfiehlt der Autor im Fazit für Medienkonsumenten?
Er appelliert an die Medienkonsumenten, komplexere Berichterstattung aktiv einzufordern, eine höhere Kritikfähigkeit zu entwickeln und sich nicht mit oberflächlichen Informationen zufriedenzugeben.
- Arbeit zitieren
- M.A. Geograph Felix Weickmann (Autor:in), 2002, Als erstes stirbt die Wahrheit - Krisenberichterstattung der deutschen Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78276