Viele Konzerngesellschaften wiesen in der Vergangenheit eine stark diversifizierte Organisationsstruktur auf, mit dem Ziel den Wert des Unternehmens zu steigern. Da die erhofften Vorteile in Form von strategischen und operativen Synergiepotentialen bei Unternehmen mit konglomeraten Strukturen häufig ausblieben, versuchen die Unternehmen seit Mitte der 80er Jahre den Grad der Diversifikation wieder zu verringern.1
Durch die Globalisierung und den damit verbundenen größeren Wettbewerb beschränken sich die Unternehmen immer mehr auf ihre Kernkompetenzen bzw. ihr Kerngeschäft, um somit ihren Marktwert steigern zu können. Dem aus den USA stammenden Shareholder Value-Ansatz,2 der die Forderung einer klaren Ausrichtung der Unternehmensführung an die Anteilseigner beschreibt, kommt hier eine zentrale Bedeutung zu.3 Mit Hilfe einer Reorganisation eines konglomeraten Unternehmens soll es den potentiellen Anlegern leichter gemacht werden, dieses angemessen zu bewerten. Durch Ausgründungen von Geschäftsbereichen erhofft man sich, den Aktionären wieder eine bessere Einsicht in die Kerngeschäfte des Unternehmens zu gewährleisten. Dies soll sie dazu motivieren in das Unternehmen zu investieren um somit dessen Wert nachhaltig zu steigern.
Die Unternehmen versuchen nicht zum Kerngeschäft gehörende Geschäftsfelder auszugliedern, um einen Anstieg des Marktwertes – also eine Erhöhung des Shareholder Values – zu erzielen. Dazu stehen den Konzernen Restrukturierungsmöglichkeiten in Form von Spin-Offs, Carve-Outs und die Ausgabe von Tracking Stocks zur Verfügung, die im Ergebnis den Diversifikationsgrad des Unternehmens reduzieren.
Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über die genannten Restrukturierungsmöglichkeiten verschaffen und anhand einer Zusammenfassung empirischer Untersuchungen aufzeigen, wie die Aktien der Mutterunternehmen auf eine solche Restrukturierung reagieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Gang der Untersuchung
2 Generelle Intention bei einer Restrukturierung
3 Abgrenzung von Spin-Offs, Carve-Outs und Tracking Stocks
3.1 Spin-Off als Restrukturierungsmöglichkeit
3.1.1 Definition
3.1.2 Motiv zur Durchführung eines Spin-Offs
3.1.3 Problem bei der Durchführung eines Spin-Offs
3.2 Equity Carve-Out als Restrukturierungsmöglichkeit
3.2.1 Definition
3.2.2 Motiv zur Durchführung eines Carve-Outs
3.2.3 Problem bei der Durchführung eines Carve-Outs
3.3 Tracking Stock als Restrukturierungsmöglichkeit
3.3.1 Definition
3.3.2 Motiv zur Bildung von Tracking Stocks
3.3.3 Problem bei der Bildung von Tracking Stocks
3.4 Zusammenschau der Restrukturierungsmöglichkeiten
4 Überblick über empirische Untersuchungen
4.1 Allgemeine Anmerkungen
4.2 Empirische Untersuchungen von Spin-Offs
4.3 Empirische Untersuchungen von Carve-Outs
4.4 Empirische Untersuchungen von Tracking Stocks
4.5 Synoptische Darstellung
5 Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, einen fundierten Überblick über die Restrukturierungsinstrumente Spin-Offs, Equity Carve-Outs und Tracking Stocks zu geben und zu untersuchen, wie sich diese Maßnahmen auf den Marktwert bzw. die Aktienrenditen von Mutterunternehmen auswirken.
- Vergleichende Analyse von Spin-Offs, Carve-Outs und Tracking Stocks als Mittel zur Reorganisation.
- Untersuchung der Motive und spezifischen Probleme der jeweiligen Restrukturierungsmaßnahmen.
- Synthese und kritische Bewertung empirischer Erkenntnisse zum Ankündigungseffekt auf Aktienrenditen.
- Reduzierung von Konglomeratsabschlägen zur Steigerung des Shareholder Values.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Definition
Ein Spin-Off ist durch eine rechtliche Abspaltung eines Tochterunternehmens gekennzeichnet. Dabei wird die Geschäftseinheit bzw. das Tochterunternehmen verselbständigt, was auch zu einem eigenen board of directors (Vorstand) für die „Tochter“ führt, und an die Börse gebracht („Pure equity market play“). Es entstehen somit zwei separate und vollständig unabhängige Gesellschaften.
Die Anteile am Tochterunternehmen werden an die Aktionäre des Mutterunternehmens in Form einer Sachdividende im gleichen Verhältnis ihrer bisherigen Beteiligung am Gesamtunternehmen ausgegeben. „Damit bleibt es den Altaktionären weiterhin uneingeschränkt möglich, am Ertrag des Investitionsbündels wie vor der Spaltung teilzuhaben.“ Das Mutterunternehmen allerdings verliert damit den beherrschenden Einfluß auf die ausgegliederte Tochtergesellschaft.
Bei dieser Form der Restrukturierung erhält somit weder das Mutter- noch das Tochterunternehmen neue liquide Mittel. Bis zur ersten Börsennotierung der „Tochter“ und der damit verbundenen, aufkommenden Handelsaktivitäten sind alle Anteile des Tochterunternehmens im Besitz der Aktionäre des Mutterunternehmens. Aus diesem Grund ändert sich die Aktionärsstruktur erst mit dem Tag der Börseneinführung, an dem die Aktionäre die Möglichkeit haben, ihre Anteile zu verkaufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit von Restrukturierungen in diversifizierten Unternehmen zur Steigerung des Shareholder Values durch Fokus auf Kernkompetenzen.
2 Generelle Intention bei einer Restrukturierung: Hier wird der "Holdingabschlag" erläutert und dargestellt, wie durch erhöhte Transparenz eine bessere Marktbewertung erreicht werden soll.
3 Abgrenzung von Spin-Offs, Carve-Outs und Tracking Stocks: In diesem Kapitel werden die drei Instrumente definiert, deren spezifische Motive und Probleme herausgearbeitet sowie ein tabellarischer Vergleich erstellt.
4 Überblick über empirische Untersuchungen: Dieses Kapitel fasst diverse wissenschaftliche Studien zusammen, um den Ankündigungseffekt dieser Restrukturierungsformen auf die Aktienrenditen der Mutterunternehmen zu beleuchten.
5 Kritische Würdigung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Betrachtung der empirischen Ergebnisse, die verdeutlicht, dass der Erfolg einer Restrukturierung maßgeblich vom untersuchten Zeitfenster abhängt.
Schlüsselwörter
Restrukturierung, Spin-Off, Equity Carve-Out, Tracking Stock, Shareholder Value, Holdingabschlag, Diversifikation, Konglomerat, Aktienrendite, Ankündigungseffekt, Kapitalmarkt, Börseneinführung, Unternehmensbewertung, Desinvestition, Konzernstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert verschiedene Möglichkeiten der unternehmerischen Restrukturierung, insbesondere Spin-Offs, Equity Carve-Outs und Tracking Stocks, und deren Einfluss auf den Unternehmenswert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Abgrenzung dieser drei Instrumente, deren spezifische Vor- und Nachteile sowie die empirische Analyse der Kursreaktionen am Kapitalmarkt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Nutzen von Desinvestitionen für die Wertsteigerung des Unternehmens darzulegen und aufzuzeigen, wie Investoren und der Kapitalmarkt auf diese Reorganisationen reagieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Zusammenfassung sowie kritischen Würdigung bestehender empirischer Ereignisstudien zur Aktienrendite.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition und Abgrenzung der Instrumente (Kapitel 3) und einen Überblick über empirische Kapitalmarktstudien (Kapitel 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Shareholder Value, Konglomeratsabschlag, Aktienrendite, Desinvestition und Transparenz am Kapitalmarkt.
Wie unterscheidet sich ein Spin-Off von einem Equity Carve-Out rechtlich?
Beim Spin-Off erfolgt eine vollständige rechtliche Abspaltung als unabhängige Gesellschaft, während beim Carve-Out das Mutterunternehmen in der Regel die Mehrheitskontrolle behält.
Was ist das spezifische Problem bei Tracking Stocks?
Ein zentrales Problem ist die Komplexität der Struktur, potenzielle Interessenkonflikte zwischen verschiedenen Managergruppen und Schwierigkeiten bei der Stimmrechtsverteilung.
- Citation du texte
- Dennis Gernand (Auteur), 2007, Vergleichende Analyse von Spin-Offs, Carve-Outs und Tracking Stocks als Restrukturierungsmöglichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78302