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Analyse und Gegenwartsbezug von Karl R. Poppers "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde II"

Title: Analyse und Gegenwartsbezug von Karl R. Poppers "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde II"

Term Paper , 2007 , 23 Pages

Autor:in: Cliff Ellenberger (Author)

Pedagogy - Theory of Science, Anthropology
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Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit dem zweiten Band des 1945 erschienen Werkes „Die offene Gesellschaft und ihr Feinde“ von Karl Popper. Der Untertitel „Falsche Propheten“ deutet auf den inhaltlichen Schwerpunkt des Werkes hin, welches der österreichische Philosoph als seinen Beitrag zum Zweiten Weltkrieg deklariert hat. Während das erste Kapitel der Kritik an Hegel gewidmet ist, behandelt Popper in den folgenden drei Kapiteln die Theorien des Karl Marx, um abschließend deren Folgen darzulegen.
„Historizismus“, so bezeichnet Popper die unangemessene Sinndeutung geschichtlichen Geschehens und die damit verbundenen irrationalen prophetischen Zukunftsvisionen. Mit anderen Worten, eine Vorhersage der Zukunft unter Berufung auf historische Ereignisse ist nicht möglich, da sich der Lauf der Geschichte als „sinnfreie Tatsachenabfolge“ darstellt, so Poppers These und die Basis seiner Argumentation gegen Hegel und Marx. Den Zusammenhang zwischen den philosophischen und politischen Gedanken beider und dem Historizismus stellt Popper wie folgt heraus: Die Abfolge historischer Tatsachen folgt keiner inneren Kausalität, vielmehr scheint der Mensch größter Einflussfaktor zu sein. Damit in Verbindung steht die Annahme, dass es keine absolut sichere Wahrheit (sei es in Gegenwart oder Zukunft) gäbe, welche als Handlungsorientierung dienen könnte. Demnach stehen historische Fakten und daraus abgeleitete Zukunftsvisionen bestenfalls zur Disposition, können aber eben keinen Absolutheitsanspruch erheben. Aus dieser Argumentation ergibt sich für Popper der Schluss, dass es keinesfalls Herrscher oder herrschende Klassen geben könne, deren Macht sich auf den Besitz absoluten Wissens stützt, da die Nichtexistenz dieser Wahrheit die Legitimation dieser Herrschaft negiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831)

II.1. Hegel und Preußen

II.2. Hegels Dialektik

III Karl Marx (1818-1883)

III.1. Prophezeiung und Wissenschaft

IV Die offene Gesellschaft

IV.1. Selbstbestimmung und Verantwortung

IV.2. Soziologische Betrachtung und Wissenschaftsverständnis

IV.3. Offene Gesellschaft und Demokratie

IV.4. Gegenüberstellung: Offene- vs. geschlossene Gesellschaft

IV.5. Paradoxa der offenen Gesellschaft

IV.5.a) Das Paradoxon der Freiheit

IV.5.b) Das Paradoxon der Toleranz

IV.5.c) Das Paradoxon der Demokratie

IV.5.d) Das Paradoxon des Antidogmatismus

IV.6. Zusammenfassung: Der Charakter der offenen Gesellschaft

V Gegenwartsbezug/Kritik

V.1. Feinde der offenen Gesellschaft in der Gegenwart

V.2. Grenzen der Offenheit

VI Resümee: Offene Grenzen – grenzenlose Offenheit?

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert Karl Poppers Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde II“ und untersucht, inwieweit seine dort formulierten gesellschaftlichen Theorien auf die Gegenwart übertragbar sind, wobei insbesondere der Umgang mit Paradoxa und die Rolle von Autoritäten beleuchtet werden.

  • Kritische Auseinandersetzung mit Hegels und Marx' Historizismus
  • Definition und Wesensmerkmale der offenen Gesellschaft nach Popper
  • Analyse der Paradoxa von Freiheit, Toleranz, Demokratie und Antidogmatismus
  • Anwendung der Popperschen Kriterien auf moderne gesellschaftliche Entwicklungen
  • Untersuchung der Spannung zwischen individueller Freiheit und staatlicher Sicherheit

Auszug aus dem Buch

IV.1. Selbstbestimmung und Verantwortung

Er versuchte zu verstehen, warum sich Menschen quasi willenlos einer Autorität beugen und deren Ziele verfolgen, schlimmstenfalls ihr Leben dafür opfern. Diese Kernfrage beantwortet er durch die folgende Argumentation: Die individuelle Freiheit hat neben ihren Vorzügen auch bedeutende Nachteile. Der schwerwiegendste davon ist, dass Freiheit bedeutet, selbständig Entscheidung zu treffen und deren Konsequenzen zu tragen. Nun lässt sich eine weitere Aussage über einen Großteil der Menschheit treffen: Es existiert ein natürliches Sicherheitsbedürfnis, d.h. der Instinkt, das eigene Überleben so lange wie möglich sicherzustellen.

Fügen wir beide Prämissen zusammen, lässt sich feststellen, dass sie zwar nicht antagonistisch, zumindest aber in gewisser Weise gegenläufig sind. Der freie Mensch trifft Entscheidungen, welche in die Zukunft gerichtet möglicherweise Einfluss auf den Fortgang seines Lebens haben. Dabei ist die Zukunft eine unbekannte Größe, ihre Merkmale lassen sich nicht vorhersehen. Nun liegt es auf der Hand, dass der Mensch bei schwerwiegenden Entscheidungen häufig zögert und unsicher ist, um alle Möglichkeiten abzuwägen, um möglichst viele Nachteile, die entstehen könnten, zu eliminieren.

Letzter Schritt in der Argumentation ist dabei, dass sich Menschen Autoritäten fügen, von denen sie glauben, diese seien stärker, klüger, mächtiger, etc. als das Individuum selbst. Diese Institutionen vermögen es qua ihrer Machtstellung, Verantwortung für andere zu übernehmen, Entscheidungen also besser zu treffen, als das Individuum selbst. Aus Angst vor Verantwortung geben Individuen also ihre völlige Freiheit auf, indem sie die Verantwortung für sich selbst in Teilen an Institutionen übertragen, denen sie vertrauen. Die individuelle Freiheit wird zugunsten der Sicherheit geopfert, die „Last der Kultur“ (Magee 1986, S.97), sprich die völlige Verantwortung für das eigene Handeln nicht tragen zu müssen.

Zusammenfassung der Kapitel

I Einleitung: Einführung in das Werk von Karl Popper, die Begriffsbestimmung des Historizismus und die Zielsetzung der kritischen Analyse.

II Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831): Kritik an Hegel als historizistischem Denker und „erstem offiziellen Philosophen des Preußentums“ mit einem totalitären Staatsverständnis.

III Karl Marx (1818-1883): Untersuchung von Marx' Geschichtsauffassung als prophetisch und Kritik an der logischen Unhaltbarkeit der Revolution als Endpunkt der Klassenkämpfe.

IV Die offene Gesellschaft: Herleitung der Merkmale offener Gesellschaften, wie individuelle Freiheit, Verantwortung und die Notwendigkeit demokratischer Institutionen.

V Gegenwartsbezug/Kritik: Anwendung von Poppers Thesen auf heutige gesellschaftliche Strukturen, Diskussion von impliziten Einschränkungen der Offenheit und dem Paradoxon der Freiheit.

VI Resümee: Offene Grenzen – grenzenlose Offenheit?: Abschließende Bewertung der Übertragbarkeit von Poppers Theorien auf die Gegenwart unter Berücksichtigung moderner politischer Rahmenbedingungen.

Schlüsselwörter

Karl Popper, offene Gesellschaft, Historizismus, Demokratie, Totalitarismus, Freiheit, Verantwortung, Paradoxa, Toleranz, Individuum, Staat, Autorität, Kritik, Gesellschaftsphilosophie, Machtmissbrauch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den zweiten Band von Karl Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ und prüft dessen Anwendbarkeit auf die gegenwärtige Gesellschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die Kritik an Historizismus (Hegel/Marx), die Definition der offenen Gesellschaft und die damit verbundenen Paradoxa sowie deren heutige Relevanz.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Poppers Thesen zur offenen Gesellschaft theoretisch begründet sind und wie praktikabel sie bei der Anwendung auf moderne westliche Demokratien tatsächlich sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Verfasser nutzt eine inhaltliche Textanalyse der Primär- und Sekundärliteratur zu Popper, um die Thesen zu extrahieren und diese in einem zweiten Schritt kritisch mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen zu konfrontieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Kritik an Hegel und Marx, die Ausarbeitung der Charakteristika einer offenen Gesellschaft sowie eine praktische Auseinandersetzung mit der heutigen Gesellschaftsstruktur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Offene Gesellschaft, Historizismus, Demokratie, Freiheit, Verantwortung und Paradoxa charakterisieren.

Wie definiert der Autor das „Paradoxon der Freiheit“?

Es beschreibt den Widerspruch, dass absolute Freiheit in einer Gesellschaft zu Konflikten führt, die durch Regelwerke begrenzt werden müssen, wodurch die absolute Freiheit paradoxerweise wieder eingeschränkt wird.

Gilt eine Demokratie nach der Analyse immer als „offene Gesellschaft“?

Nicht zwingend; der Autor differenziert, dass auch Demokratien Mechanismen entwickeln können, die eine offene Gesellschaft unterminieren, und dass ein System je nach Betrachtungsperspektive sowohl offen als auch geschlossen wirken kann.

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Details

Title
Analyse und Gegenwartsbezug von Karl R. Poppers "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde II"
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg
Course
Lernen aus dem Irrtum
Author
Cliff Ellenberger (Author)
Publication Year
2007
Pages
23
Catalog Number
V78333
ISBN (eBook)
9783638837965
ISBN (Book)
9783638837972
Language
German
Tags
Karl Popper Gesellschaft Feinde Analyse Gegenwartsbezug Lernen Irrtum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Cliff Ellenberger (Author), 2007, Analyse und Gegenwartsbezug von Karl R. Poppers "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde II", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78333
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