Jugendsprache im Kontext von Mehrsprachigkeit


Seminararbeit, 2006

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Projektplanung

2. Rollenspiel
2.1. Die Namensfindung
2.2. Typisch Jugendsprache?
2.3. Reden Mädchen anders als Jungen?
2.4. Jugendsprachliche Begriffe

3. Eigene Rapmusik

4. Abschlussbemerkungen

1. Projektplanung

Oft sitzt am im Bus oder in der Bahn und nimmt Gespräche anderer Menschen mehr oder weniger bewusst wahr. Besonders einprägsam waren für mich stets die Gespräche Jugendlicher, in denen sie mit unglaublicher Geschwindigkeit redeten und ganz plötzlich von einer Sprache in die andere wechselten oder nur einzelne ausländische Worte in ihr Gespräch einbetteten. Als Außenstehender fragt man sich, wie der Gegenüber dieses Sprachgemisch verstehen kann und wie der Sprecher dazu in der Lage ist zwischen zwei völlig unterschiedlichen Sprachen hin und her zu wechseln ohne auch nur eine kleine Denkpause zu machen.

Im Seminar brachten mich vor allem die Texte von Kallmeyer[1], Keim/Cindark[2] und Androutsopoulus[3] dem Codeswitching näher.

Nachdem ich den Grundlagen dieses Phänomens schon ein wenig näher gekommen war als durch meine diversen Verkehrsmittel - Erfahrungen, wollte ich der Sache noch weiter auf den Grund gehen. Meine geplante Untersuchung sollte, in einem Kölner Jugendzentrum Interviews mit türkischstämmigen Jugendlichen zu machen. Über einen Bekannten, der dort zwei Mal die Woche arbeitet, kam ich an diese Einrichtung. Bis auf zwei deutsche Kinder sind nur türkische Jugendliche oder Jugendliche türkischer Abstammung dort versammelt. Die Jugendlichen sind zwischen 11 und 18 Jahren. Es dominieren eindeutig die Jungen. An zwei Tagen beschloss ich, meinen Bekannten dorthin zu begleiten, damit ich mir schon ein Bild machen, und manche der Jugendlichen vielleicht schon einmal kennen lernen könnte. Da jeden Tag unterschiedliche Jugendliche dort vorbeikommen, traf ich an beiden Tagen auf fremde Gesichter. Die jüngeren unter den Jugendlichen waren neugierig und fragten mich, was ich dort machte. Ich konnte mich mit ihnen unterhalten und sie ein wenig kennen lernen. Die Älteren unter ihnen hingegen bildeten eine geschlossene Gruppe, in die man als Fremder nicht eingelassen wurde.

Mein ursprünglicher Ansatzpunkt bezüglich der Untersuchung des Codeswitching und Codemixing war, dass ich ein Interview mit einigen Jugendlichen machen wollte. Zu Beginn wollte ich einige allgemeine Fragen stellen:

1)Wie alt bist du?
2) Bist du in Deutschland geboren?
3) Wenn nicht, wie lange wohnst du schon hier?
4) Sprichst du deutsch und türkisch etwa gleich gut?
5) Wenn nicht, welche Sprache fällt dir leichter?
6) Mischst du manchmal beim Reden die beiden Sprachen?
7) Wenn ja, in welchen Situationen?
8) Was meinst du, wie häufig du mischst?
9) Ist es dir in dem Moment bewusst?
10) Wenn ja, wieso mischst du? (Abgrenzung, um eine Erzählung einzuleiten)

Ich wollte insbesondere mehr über den bewussten oder unbewussten Einsatz des Mischens erfahren. Ich wollte jeweils zwei oder drei Jugendliche in einem Interview beisammen sitzen lassen und mit ihnen das Gespräch führen. So hoffte ich, dass sie sich während meiner Fragen womöglich untereinander unterhielten, Witze machten und in dieser Unterhaltung zwischen den Sprachen alternierten. Anhand des Gespräches und der Anzahl der vorkommenden Mischungen wollte ich ihre Einschätzung vergleichen, wie oft sie von sich behaupteten zu mischen. Ich wollte daran Rückschlüsse ziehen, ob es ihnen bewusst ist, wenn sie zwischen den Sprachen wechseln, oder nicht.

Als mein Bekannter mir mitteilte, dass er mit einer Rollenspielgruppe in diesem Zentrum anfangen wollte, kam mir zusätzlich die Idee, das Interview mit einer solchen Spielsituation zu vergleichen. Die Jugendlichen sprechen im geleiteten Gespräch mit einer fremden Person, die kein türkisch spricht anders als in einer Gruppe, in der sie sich alle untereinander kennen und Türkisch können. Daher lag meine Intention darin, das Interview und ihre Gesprächsführung darin mit der freien und spielerischen Situation im Rollenspiel zu vergleichen.

Doch leider konnte ich meinen Plan auf diese Weise nicht umsetzen. Denn an der Rollenspielgruppe wollten nur die jüngeren Jugendlichen von 11-13 Jahren teilnehmen. Als der Leiterin des Jugendzentrums über meinen Plan berichtete, meinte sie, dass ich mit diesen Jugendlichen kein Interview durchführen könnte, da sie sich schwer auch nur eine Minute konzentrieren könnten und sicher nicht auf die Fragen antworten würden. So müsste ich das Interview mit den älteren Jugendlichen machen und das Gespräch im Rollenspiel mit den jüngeren Kindern untersuchen. Ein Vergleich ist an dieser Stelle schwer, da sich die Sprache der älteren Jugendlichen von der der Jüngeren stark unterscheidet. Ein weiteres Problem war, dass die älteren Jungen von meiner Anfrage, ob ich sie interviewen dürfte, nicht sehr begeistert waren. Sie hatten „besseres zu tun“ und leider kein Interesse daran. Auch als die Leiterin den Jungen ein paar Fragen an meiner Statt stellen wollten, hatten sie keine Lust zu antworten. Ich versuchte es an einem anderen Tag noch einmal, an dem Mädchenabend war. Aus Gesprächen mit der Leiterin ergab sich noch einmal die Hoffnung, dass die Mädchen eher bereit für ein Interview wären. Auf die Frage, ob sie das Phänomen des Codeswitchings oft erlebe, antwortete sie, dass die Jugendlichen meist auf Deutsch redeten. Wenn sie einmal Türkisch sprächen wäre dies nur zu dem Zweck, dass die Leiter sie nicht verständen. Doch dann wechselten sie komplett von Deutsch auf Türkisch. An dem geplanten Mädchenabend wehte leider der Orkan „….“ Durch Köln, so dass die Jugendlichen von ihren Eltern verboten bekamen das Haus zu verlassen. An diesem Abend waren zwei Mädchen in dem Jugendzentrum. Das einzig deutsche Mädchen in der Gruppe und ein Mädchen mit afrikanischem Vater. Da ich diese beiden Mädchen nicht zum Codeswitching befragen konnte, ließ ich von meiner Idee, ein Interview über die Sprachbewusstheit des Codeswitchings zu machen, ab. Ich unterhielt mich mit den beiden und erfuhr, dass sie auch gemeinsam Musik machten. In dem Jugendzentrum gibt es die Möglichkeit, dass die Jugendlichen ihre eigenen Texte in einem Tonstudio aufnehmen und zusammenstellen. Ich begleitete die beiden in das Tonstudio, und hörte mir einige Aufnahmen an, die dort im Computer gespeichert waren. Ich entdeckte ein Heft mit Notizen und Zeichnungen, in dem die verschiedenen Entwicklungsphasen einiger Liedtexte festgehalten waren. Mein Material für Untersuchungen bestand nun in den Tonaufnahmen aus dem Rollenspiel und den Liedtexten der Jugendlichen. Anhand der Rollenspielsituation beschloss ich, typisch jugendsprachliche Elemente im Gespräch herauszufiltern. Die Liedtexte wollte ich auf typisch jugendsprachliche Ausdrücke und Strukturen untersuchen.

2. Rollenspiel

Wir bereiteten eine Rollenspielrunde für die jüngeren Jugendlichen vor. Zu Beginn bestand die Gruppe aus fünf Jungen, die elf und zwölf Jahre alt waren.

Wir reduzierten das Rollenspiel auf grundlegende Grundsätze, so dass die Jugendlichen nicht von Anfang an durch zu viele Regeln abgeschreckt würden. Wir setzten uns alle um einen Tisch, von dem wir sagten, dieser steht für die imaginäre Welt, auf der wir spielten. Eine Welt wie aus „Herr der Ringe“ – was jeder der Anwesenden gesehen hatte und daher gut kannte – mit Elfen, Orks, Monstern, Drachen, Zauberern und Kriegern. Jeder durfte sich einen Charakter aussuchen. Die Kinder waren begeistert von dem Freiraum, der ihnen gegeben wurde. Sie durften so alt sein wie sie wollten, männlich oder weiblich, sich irgendeinen Namen ausdenken. Die Wahl fiel bei allen fünfen, auf einen großen tapferen Krieger. Nachdem drei dieser Jungen in dem Rollenspiel jedoch nur eine Chance sahen ihren Aggressionen freien Lauf zu lassen, indem sie alle imaginären Wesen, die ihnen begegneten, mit ihren imaginären Waffen töteten, wurden diese Charaktere in ihrer Welt dafür bestraft. Sie wurden von der Stadtwache erwischt und in das Gefängnis gebracht. Sie sollten einsehen, dass man auch auf dieser Welt für solches Verhalten bestraft wird. Statt sich einen neuen Charakter zu entwerfen, gaben sie auf und verließen die Gruppe. So machten wir erneut Werbung für dieses Projekt. Zwei Mädchen kamen auf uns zu und fragten, ob denn auch Mädchen Rollenspiel machen könnten. Wir bejahten und freuten uns, dass nun eine gemischte Gruppe von zwei Mädchen und zwei Jungen je im Alter von elf Jahren zustande kam. Die Gruppe bestand nun aus Silvana, Maleen, Gino und Scavid. Für meine eigentliche Fragestellung bezüglich des Codeswitching konnte ich aus diesen aufgenommenen Gesprächen während des Rollenspiels leider keine Daten entnehmen. Obwohl die Jugendlichen zuhause türkisch sprachen, fiel während der vier Stunden in denen wir spielten kein einziges türkisches Wort. Es fielen jedoch andere typische jugendliche und jugendsprachliche Elemente auf, auf die im Verlauf noch eingegangen wird.

Die Jungen hatten schon in der ersten Rollenspielrunde Erfahrung gesammelt und wussten, wie sie es zu spielen hatten. Daher ging ich davon aus, dass die Gespräche bei ihnen fließender ablaufen würden als bei den Mädchen. Doch es erwies sich eher gegenteilig. Die Mädchen waren mit großer Begeisterung und Kreativität sofort in die imaginäre Welt eingetaucht. Auch hier wählten alle als Charakter einen Krieger. Die Mädchen hörten, dass die Jungen Krieger waren und wollten daraufhin ebenfalls Kriegerinnen sein. Ebenso verhielt es sich bei dem Bekanntheitsgrad der Charaktere. Ginos und Scavids Charaktere waren Brüder, und so entschieden Maleen und SiIvana sich auch dafür Schwestern zu sein. Entweder lag es daran, dass die beiden noch unbekannt mit dem ganzen Konzept waren und sich daher an den schon erfahrenen Jungen orientierten, oder es geschah aus einem „gruppenloyalen“ Grund heraus.

2.1. Die Namensfindung

Scavid wollte zwar Krieger sein, aber scheinbar den mythischen Charakter der Welt betonen, so nannte er sich „Magie“. Gino tat sich in der Namensfindung seines Charakters recht schwer. Schon anhand dieser Gesprächssequenz stellte sich heraus, dass Scavid der eindeutig dominantere Redner unten den beiden war.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Kallmeyer, Werner. Kommunikativer Umgang mit sozialen Grenzziehungen. Aus: Der Deutschunterricht 1/2004.

[2] Keim, Inken, Cindark, Ibrahim. Deutsch-türkischer Mischcode in einer Migrantinnengruppe: Form von „Jugendsprache“ oder soziolektales Charakteristikum?

[3] Androutsopoulos, Jannis. Jetzt speaking something in italiano. Sprachliche Kreuzungen im Alltagsleben.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Jugendsprache im Kontext von Mehrsprachigkeit
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Forschungsseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V78399
ISBN (eBook)
9783638830102
ISBN (Buch)
9783656065135
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Arbeit ohne Sekundärliteratur (Anm. der Red.)
Schlagworte
Jugendsprache, Kontext, Mehrsprachigkeit, Forschungsseminar
Arbeit zitieren
Morgana Perkow (Autor), 2006, Jugendsprache im Kontext von Mehrsprachigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78399

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