Zu David Humes "An Enquiry Concerning Human Understanding" - Eine Rekonstruktion des Kausalitätsbegriffs


Hausarbeit, 2006
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Über die Gewissheit von Tatsachen („Matters of Facts“)
2.1. Von welcher Art sind die Gedankengänge betreffend „Matters of Facts“?
2.2. Welches ist die Basis all unserer Gedankengänge und Schlussfolgerungen in Bezug auf die Kausalität?
2.3. Welches ist die Basis aller Schlüsse aus der Erfahrung?

3. Das Prinzip des „Habit“
3.1. Einfluss von Gewohnheit
3.2. Glaube als notwendiges Resultat

4. Über die Einbildung von einem notwendigen Zusammenhang

5. Fazit

6. Bibliographie

1. Einleitung

«Alle Philosophie der Welt und alle Religion, die nur eine besondere Art der Philosophie ist, wird niemals imstande sein, uns über den gewöhnlichen Lauf der Erfahrung hinauszuführen.» [1]

Im Folgenden wird durch die Hausarbeit der für mich wesentliche Bestandteil der Enquiry , also das Kausalitätsprinzip, etwas genauer in Augenschein genommen. Was bedeutet, dass geklärt werden soll, wie Gegenstände menschlichen Denkens in Zusammenhang mit dem Wahrnehmbaren stehen, wie wir zu der Erkenntnis von Ursache und Wirkung aus dem uns entnehmbaren Objekten der Umwelt kommen und was eigentlich Kausalität wirklich für uns, die Gewissheit und für die Zukunft bedeutet. Das eingangs erwähnte Zitat soll rahmengebend für die weitere Darstellung der Kausalität sein. In ihm steckt die Erkenntnis, dass alles was außerhalb unserer Wahrnehmung und somit Erfahrung steckt, nur Spekulation sein kann. Eben dieser Prämisse nach erstreckt sich die philosophische Haltung Humes, welche ich in der nachstehenden Rekonstruktion des Kausalitätsbegriffes verdeutlichen möchte.

In Terence Penelhum’s einleitender Abhandlung über das philosophische System Hume’s steckt eine prägnante Zusammenfassung des Inhalts der Enquiry : „Hume’s argument treats two related but distinguishable issues: the nature of our reasoning from experience (now commonly called induction) and the nature of the causal relationship between objects or events. In the course of this, he makes observations of the greatest importance on other matters: the nature of a priori knowledge, the nature of belief, and the phenomenology of the will”[2]

Aus der Erörterung der Begriffe der Kausalität entnimmt Hume schließlich, dass nichts als real anzunehmen ist, was nicht auf innere und äußere Erfahrung, auf Eindrücke beider, zurückläuft. Um einleitend vorzubereiten was Hume unter Kausalität versteht, ist es empfehlenswert zu klären, was Hume unter „Eindrücken“ (impressions) und „Vorstellungen“ (ideas) versteht. Vorstellungen sind einfach (simple) oder zusammengesetzt (complex). Eindrücke sind Sinnesempfindungen (sensations), Affekte (passions) und Gefühlsregungen (emotions). Hingegen sind Vorstellungen schwache Abbilder der Eindrücke, wie sie in unser Denken und Urteilen eingehen, welche dadurch eine sekundäre Rolle gegenüber den Eindrücken einnehmen. Alle komplexen und einfachen Vorstellungen sind für Hume als Repräsentationen von Eindrücken zu verstehen und stammen direkt oder indirekt aus der sinnlichen Erfahrung. Somit gehen Vorstellungen auf Eindrücke zurück, indem man Vorstellungen zergliedert und nachweist, welcher Eindruck zu einem bestimmten Teil einer Vorstellung kongruent ist.

Komplexe Vorstellungen sind durch Assoziationsprinzipien kombiniert, wodurch Eindrücke bzw. Vorstellungen verkettet werden können und auch eventuell neue zusammengesetzte Vorstellungen entstehen können. Die drei Kategorien der Assoziationsprinzipien lassen sich durch Ähnlichkeit (Resemblance), Raum-zeitliche-Berührung (Contiguity) und dem Prinzip der Ursache und Wirkung (Causality) beschreiben. Durch diese Prinzipien werden verschiedene Gedanken miteinander verknüpft, welche u.a. die Basis für das Kausalitätsproblem bilden.

2. Über die Gewissheit von Tatsachen („Matters of Facts“)

Hume will eine zufrieden stellende Antwort für das Wesen der Evidenz der Gewissheit von Tatsachen auffinden. Gewissheit von Tatsachen bedeutet, dass wir eine sichere Kenntnis von existenten Dingen haben. Diese Gewissheit jedoch hat einen bestimmten Ursprung, welchen Hume in seiner Wahrhaftigkeit und Zweck untersuchen will. Um diese Lösung zu finden versucht er die Verbindung von den uns erscheinenden Objekten und dem daraus resultierenden Bild von der Außenwelt zu finden. Nach Hume ist dieses in der Beziehung von Ursache und Wirkung bzw. in der Kausalität zu finden und in den damit verbundenen Gegenständen menschlichen Denkens. Damit sind „Relations of Ideas“ (Vorstellungsbeziehungen) und „Matters of Facts“ (Tatsachen) gemeint. Vorstellungsbeziehungen gründen sich im bloßen Denken a priori. Tatsachen hingegen gründen sich auf Erfahrung (a posteriori). Diese Art der Unterteilung, welche man eingangs der Section IV erhält, nennt sich auch „Hume’s fork“. Vorstellungsbe­ziehungen sind entweder von intuitiver oder demonstrativer Gewissheit. D.h. sie können durch bloße Denktätigkeit, durch logisches Schließen, sowie anhand analytischer Urteile erschlossen werden (z.B. Algebra, Geometrie und Arithmetik). Bei Tatsachen hingegen ist immer das Gegenteil möglich und sie enthalten niemals einen Widerspruch. Denn alles was gedacht werden kann, kann auch in der Realität geschehen, bzw. als Tatsache anerkannt werden.

Hume erläutert dies wie folgt „That the sun will not arise tomorrow is no less intelligible a proposition, and implies no more contradiction than the affirmation, that it will arise. We should in vain, therefore, attempt to demonstrate its falshood. Were it demonstratively false, it would imply a contradiction, and could never be distinctly conceived by the mind.”[3]

Für Hume ist es von Bedeutung, jenen Gegenstand zu untersuchen, welcher uns dazu veranlasst, auch über den erfahrbaren Bereich unsere Sinne und Gedanken hinaus zu gehen. Damit ist gemeint, Vorstellungen von Tatsachen zu erhalten, welche nicht bloß augenscheinlich sind und mittels gewisser Prinzipien der Verknüpfung einsehbar werden.

Wenn man also davon ausgeht (was in den vorhergehenden Kapitel der Enquiry „Of the Origin of Ideas“ und „Of the Association of Ideas“ behandelt wurde), dass es scheinbar Prinzipien gibt die Gedanken oder Vorstellungen miteinander verbinden und auch Gedanken der Art X aufgrund anderer Gedanken der Art Y oder Eindrücke der Art Z methodisch einführen, kann man erkennen, dass z.B. der Gedanke der Art Y Ursache für Gedanke der Art X ist. Was ist also dass „Etwas“ was uns zum Gedanken der Art X führt? Was ist die Kraft oder das Mittelglied was uns zu Gedanken der Art X bzw. zu einer Wirkung führt? Für Hume wird durch die Auseinandersetzung mit der Thematik klar, dass es ein universelles Prinzip geben muss, dass die in den zusammengesetzten enthaltenen, einfacheren Vorstellung miteinander verbindet und uns gestattet über Sinne und Gedächtnis hinaus zu gehen. Die Verknüpfung findet für ihn nach den Prinzipien der „Resemblance“, „Contiguity“ und „Cause or Effect“ statt. Für ihn ist es jedoch nicht genug es bei den drei Prinzipien beruhen zu lassen, sondern er versucht ein allgemeineres Prinzip zu entdecken. Dieses allgemeine Prinzip verkörpert die Kausalität, welches David Hume in Section IV über „Sceptical Doubts Concerning the Operations of the Understanding“ näher erläutert. Um weiterhin zu erkennen, was das Mittelglied ist (sofern diese Prinzip Kausalität ist) untersucht Hume genauer:

(a) was Gedanken (impliziert ein Geschehen A mit der Folge B) sind,
(b) worauf Gedankengänge und ihre „Resultate“ beruhen,
(c) was uns die Erfahrung betreffend Gedankengänge und Schlussfolgerungen liefert bzw. was grundlegend hinter dem Prinzip des Schlusses steckt, welches uns die Erfahrung liefert.

2.1. Von welcher Art sind die Gedankengänge betreffend „Matters of Facts“?

Alle Vernunfterwägungen die wir über Tatsachen erschließen, richten sich nach der Beziehung von Ursache und Wirkung. Wobei vorausgesetzt wird, dass eine Verknüpfung (connexion) zwischen dem gegenwärtigen Objekt und jenem Objekt, aus dem es gefolgert wird, besteht.[4]

Wichtig zu betrachten ist, dass der Autor nicht die Kausalität selbst erklären will, sondern verständlich machen möchte, wie die Idee der Kausalität zustande kommt. Welche Gründe wir haben, eine bestimmte Sequenz von Ereignissen in Verbindung zubringen und dem einem Objekt den Begriff der Ursache und dem anderen Objekt den Begriff der Wirkung zu zuschreiben. Ein oft verwendetes Beispiel in der Enquiry ist der Zusammenprall zweier Billardkugeln. Dabei wird klar, dass vielmehr „it is our certainty that this was bound to happen and therefore always will. The question is precisely how this certainty can be based on what does fall beneath our eyes“.[5] Was macht uns nun so sicher, zu glauben, dass zwei Ereignisse bestimmter Art immer miteinander verbunden sind?

[...]


[1] David Hume, http://www.raffiniert.ch/shume.html , Stand: 10.01.2007

[2] Terence Penelhum, David Hume- An Introduction to His Philosphical System, Purdue University Press, S.99

[3] David Hume, An Enquiry Concerning Human Understanding, Dover- Verlag (Hervorheb. im Original), S.14

[4] David Hume, An Enquiry Concerning Human Understanding, Dover Verlag, S.15

[5] H.O. Mounce, Hume’s Naturalism, S.33

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Zu David Humes "An Enquiry Concerning Human Understanding" - Eine Rekonstruktion des Kausalitätsbegriffs
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V78436
ISBN (eBook)
9783638837200
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
David, Humes, Enquiry, Concerning, Human, Understanding, Eine, Rekonstruktion, Kausalitätsbegriffs
Arbeit zitieren
Stefanie Barth (Autor), 2006, Zu David Humes "An Enquiry Concerning Human Understanding" - Eine Rekonstruktion des Kausalitätsbegriffs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78436

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