Triebkräfte deutscher Sozialpolitik des 19. Jahrhunderts


Hausarbeit, 2002

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die allgemeine Politische Lage in Deutschland des 19. Jahrhunderts

2. Ursachen und Einflüsse der sozialen Frage im 19. Jahrhundert:

3. Gründe für die Entstehung neuer sozialpolitischer Aufgaben

4. Triebkräfte deutscher Sozialpolitik
4.1 Kirchliche Ansätze
4.2 Ansätze von Unternehmerseite
4.3 Sozialreformer an den Hochschulen
4.4 Sozialer Einsatz von Beamten und Parlamentariern
4.5 Neue Wege gehen die Sozialrevolutionäre

5. Die Arbeiterbewegungen
5.1 Übersicht über die soziale Bewegung der Parteien und Vereinigungen
5.2 Strömungen der Arbeiterbewegung
5.3 Gewerkschaftliche Organisationen

6. Die Sozialgesetzgebung

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1.Die allgemeine politische Lage in Deutschland des 19. Jahrhunderts

In den Jahren der Reichsgründung vollzieht sich in Deutschland eine große Veränderung innerhalb der Länder. Seit 1871 ist das deutsche Reich ein Bundesstaat.[1] Eine dominante Stellung wird von Preußen eingenommen. Der König Preußens wird automatisch deutscher Kaiser. Die Position des Reichskanzlers wird von 1870 bis 1890 von Fürst Otto von Bismarck eingenommen. Er ist für die Innenpolitik zuständig, wird allein vom Kaiser ernannt bzw. nur dieser kann ihn entlassen. Von Bismarck hat den Vorsitz im Bundesrat. Hierin hat jeder Bundesstaat einen weisungsgebundenen Vertreter. Bayern führt den Vorsitz. Jeder Bundesstaat darf nur eine Stimme abgeben. Bundesrat und Bundestag erlassen gemeinsam die Gesetze.[2] Die Wandlung Deutschlands zum Industriestaat ist die Grundlage für die Veränderung der betrieblichen Organisationsformen. In den ersten Jahren nach der Reichsgründung wachsen die Großunternehmen ständig, die Leistungsfähigkeit der Handwerksbetriebe wird immer weiter in den Schatten gestellt. Es findet ein umfassender Strukturwandel statt. Die Spaltung der Gesellschaft in arm und reich nimmt immer gegensätzlichere Formen an. Die Massenverelendung, der Pauperismus steht in den Ballungszentren dem neuen industriellen Wohlstand der besitzenden Klasse gegenüber.[3] Die Reichsgründung aus vielen kleinen Ländern ist ohne innere Einheit vollzogen worden. Es gibt keine traditionelle Bindung an den Staat. Die Angst vor Revolutionen führt zum Verbot von Versammlungen oder der Bildung von Organisationen, die vielleicht in der Lage gewesen sind bei einigen soziale Probleme sinnvolle Vorschläge zu machen. Stattdessen verschärft sich die soziale Lage der Arbeiterschaft durch zunehmende Verarmung. Veränderte Lebenssituationen führen zur sozialen Frage der Arbeiter.[4] Die Sozialpolitik Deutschlands lässt sich an der Problematik der Lebensumstände von Arbeitern im 19. und 20.Jahrhundert beschreiben. Immer geht es um die Menschen deren Besitz einzig und allein in ihrer Arbeitskraft bestanden hat. Somit werden sie also nicht mit Grundbesitz oder dem Besitz von Produktionsmitten abgesichert. In dieser Situation ist zu Beginn der Industrialisierung das Überleben mit Familie ein Drahtseilakt, denn allein in der Erhaltung der Arbeitskraft liegt die Chance ein Auskommen zu finden.[5] Die Eigentümer der Produktionsmittel interessieren sich wenig für soziale und gesellschaftliche Lebensumstände der Arbeiter. Es herrscht ein Überangebot an eigentumslosen Arbeitswilligen.[6]

2. Ursachen und Einflüsse der sozialen Frage im 19. Jahrhundert:

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebt der größte Teil der Bevölkerung noch auf dem Lande. Die Bauern besitzen noch mehr oder minder keine Rechte. Sie sind dem jeweiligen Grundherrn in Leibeigenschaft verpflichtet. Der Grundbesitzer hat die Fürsorgepflicht seinen Bauern gegenüber, dessen er nach und nach durch Landabtretung enthoben wird. Damit entstehen für den Bauern große Schwierigkeiten den Ablöseforderungen des Grundbesitzers nachzukommen. Die finanziellen Nöte der Bauern führt für viele in die Armut.[7] Die besitzlosen Landarbeiter suchen ihr Glück in den Städten, bieten dort ihre Arbeitskraft an. Die neugewonnene Freiheit von ihrem Gutsherrn führt somit bei den Arbeitern zu neuen Abhängigkeiten von Fabrikbesitzern oder Gewerbebetreibenden. Die Gewerbefreiheit ist an die Beantragung eines Gewerbescheins gebunden. Sonstige Einschränkungen gibt es nicht. Der Markt muss sich somit selbst regeln.[8] Zulassungsregelungen gab es für Ärzte, Apotheker und Gastwirte.[9] Ab dem 28.Oktober 1810 hat dann jeder Gewerbetreibende auch Gewerbesteuer zu entrichten. Durch das Edikt von Stein und Hardenberg 1807 zur Gewerbefreiheit, das bald auch auf dem Land gilt, sind die Sicherungseinrichtungen der Zünfte völlig aufgehoben. Die Zunftmeister haben bis dahin großen Einfluss, auch auf die privaten Lebensbereiche ihrer Mitglieder.[10] Die Produktionsmethoden und Techniken entwickeln sich rasant, die Zünfte können nicht mehr bestehen. Produktionsbeschränkungen gibt es nicht mehr. Wirtschaftliches Wachstum steht im Vordergrund. Die Gewerbefreiheit für jedermann tritt am 26. Dez 1808 in Kraft. Die Auswirkungen sind positiver Art, wenn sie für den Gesellen die Möglichkeit bietet, sich wirtschaftlich zu verselbständigen. Die Überbesetzung der Gewerbe in vielen Gebieten bewirkt jedoch für einige Betriebe Unwirtschaftlichkeit. Dies wiederum führt zu mehr ungelernten Industriearbeitern, eine negative Auswirkung der persönlichen Freiheit des Einzelnen.[11] Die neuen Produktionstechniken, die Massenfertigung, verschlechtern die Wettbewerbslage der Handwerksbetriebe somit zunehmend. Die Industriearbeiter setzen sich also aus abgewanderten Bauernsöhnen, Landarbeitern, Insassen von Armen- und Waisenhäuser und Gesellen zusammen, die im Handwerk keine finanzielle Grundlage mehr finden, um ihre Familie zu ernähren. Dieses Überangebot an Arbeitskräften ist also auch eine Ursache für die schlechten Arbeitsbedingungen. Der Arbeiter hat keinen Wert und ist leicht ersetzbar. Für jeden Kranken oder Schwachen stehen immer schon viele zum Ersatz bereit.[12] In den Produktionsstätten sind Unfälle und Krankheiten an der Tagesordnung. Frauen- und Kinderarbeit sind auch nötig, damit die Familien in der Lage bleiben die notwendigsten Dinge des täglichen Lebens zu kaufen. In den ersten Jahrzehnten der industriellen Entwicklung ist das Kapital noch ein Mangelfaktor, Arbeitskräfte hingegen sind im Überfluss vorhanden.[13] Mit dem zunehmenden Einsatz von Maschinen werden zusätzlich noch mehr Arbeitskräfte freigesetzt. Ein Teufelskreis entsteht immer mehr. Doch immer mehr Menschen drängen in die Fabriken, der Wohnraum in den Städten wird immer knapper.[14] Die Abhängigkeit von einer Arbeit um jeden Preis nimmt weiter zu. Die Fabrikbesitzer führen ein strenges militärisches Regiment. Demokratiebewegungen haben in den Fabriken nichts zu suchen. Eine zusätzliche Einnahmequelle für die Besitzenden liegt in der Bereitstellung von Wohnraum. Viele Personen leben auf engstem Raum, der oftmals feucht ist wenn er bezogen wird, von den Ärmsten, den sogenannten „Trockenmietern“.[15] Die Arbeitgeber erlauben den Arbeitern oftmals nur in den betriebseigenen teuren Läden einzukaufen. Es ist üblich, dass ein Teil des Lohnes in diesen Geschäften in Form von Lebensmitteln ausgezahlt wird. So kann sich immer mehr Kapital in den Händen einzelner Fabrikbesitzer ansammeln.[16] Ihr Einfluss steigt mehr und mehr. „Das ist der Kern der kapitalistischen Entwicklung: entweder war der arbeitende Mensch Eigentümer der Produktionsmittel, dann war er frei, oder der arbeitende Mensch war nicht Eigentümer der Produktionsmittel und produzierte für fremden Ertrag - dann war er unfrei“.[17]

[...]


[1] Kinder, Hermann u. Hilgemann, Werner: „dtv-atlas Weltgeschichte“, Band 2, 33. Auflage,

München, 1999, S. 356

[2] Kinder/Hilgemann, 1999, S. 355

[3] Informationen zur politischen Bildung: „Das 19. Jahrhundert 2“, Industrialisierung - Soziale Frage,

Bonn, 1993, S. 10 ff.

[4] Informationen zur politischen Bildung, 1993, S. 14.

[5] Informationen zur politischen Bildung, 1993, S. 13

[6] vgl. „Informationen zur politischen Bildung“, 1993, S. 13 ff.

[7] vgl. Welter, Ralf: Geschichte der Sozialpolitik, Vorlesungsskript SS 2002, Aachen, 2002, S. 5.

[8] Vgl. www.school-scout.de, Zusammenfassung: „Die Sozialgesetzgebung in Deutschland im 19./ beginnenden 20. Jahrhunderts im Vergleich zur Sozialpolitik und Sozialgesetzgebung in Deutschland nach 1945“, pdf, 02.08.2002

[9] vgl. Lampert, H., : „Lehrbuch zur Sozialpolitik“, 6. Auflage, Springer Verlag, Heidelberg 2001, S. 30ff.

[10] vgl. Welter, 2002, S. 5.

[11] Vgl. Lampert, 2001, S. 38ff.

[12] Vgl. Lampert, Althammer, J., 2001, S. 37.

[13] Vgl. Görtemaker, M.: „Deutschland im 19. Jahrhundert“, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, 3. durchgesehene Auflage, Bonn, 1987, S. 159

[14] Vgl. Sachße, C.: „Mütterlichkeit als Beruf – Sozialarbeit, Sozialreform und Frauenbewegung 1871 - 1929“, 2. Auflage, Westdeutscher Verlag, 1994, S. 19 ff.

[15]. Welter, 2002, S. 7.

[16] Vgl. Welter, 2002, S. 7.

[17] Michel 1953(S.116),zitiert nach: Lampert, J. Althammer: „Lehrbuch der Sozialpolitik“, 6.Auflage, Springer- Verlag, Berlin, 2001

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Details

Titel
Triebkräfte deutscher Sozialpolitik des 19. Jahrhunderts
Hochschule
Katholische Hochschule NRW; ehem. Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Aachen
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
19
Katalognummer
V78470
ISBN (eBook)
9783638839877
ISBN (Buch)
9783640319640
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Triebkräfte, Sozialpolitik, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Dipl. Soz.Arb. Sabine Daniels (Autor), 2002, Triebkräfte deutscher Sozialpolitik des 19. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78470

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