Sprechakte - was tun wir, wenn wir sprechen?


Seminararbeit, 2003

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Sprechakte
2.1 Was ist ein Sprechakt?
2.2 Die Sprechakttheorie nach Searle
2.2.1 Der Äußerungsakt
2.2.2 Der propositionale Akt
2.2.3 Der illokutive Akt
2.2.3.1 Regeln zum Verständnis des illokutiven Akts
2.2.3.2 Regeln für den Vollzug eines illokutiven Akts
2.2.3.3 Beispiele zur Verdeutlichung der von Searle formulierten Bedingungen
2.2.4 Der perlokutive Akt
2.2.5 Grundkategorien illokutiver Akte nach Searle
2.3 Die Sprechakttheorie nach Austin
2.3.1 Performative und konstatierende Äußerungen
2.3.2 Der lokutionäre Akt
2.3.3 Der illokutive Akt
2.3.4 Der perlokutive Akt
2.3.5 Katalogisierung illokutiver Verben nach Austin
2.4 Indirekte Sprechakte
2.5 Bedeutung der Sprechakttheorie für die wahrheitsbestimmte Sprach- und Argumentationstheorie

3 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht der Teilakte nach Searle und Austin

Tabelle 2: Übersicht zur Sprechakttheorie Searles

Tabelle 3: Übersicht zur Sprechakttheorie Austins

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit beschäftigen wir uns mit dem Thema Sprechakte. Wir stützen uns dabei auf die Begründer der Sprechakttheorie J. L. Austin (1962) und J. R. Searle (1969). Ein Ziel der Sprachphilosophie ist es, eine wahrheitsbestimmte Sprach- und Argumentationstheorie zu finden, mit deren Hilfe es möglich sein soll, den Wahrheitsgehalt von Aussagen zu überprüfen. Es geht darum, woher man weiss, dass das, was man sagt, wahr ist. Das Ziel dieser Hausarbeit ist es zu zeigen, was wir tun, wenn wir sprechen. Eine faktische Sprachbeschreibung und ihre Analyse ist nicht das Ziel dieser Hausarbeit.

Searle stellt die Hypothese auf, dass „eine Sprache sprechen bedeutet, Sprechakte auszuführen“[1]. Diese Akte sind durch gewisse Regeln bestimmt. Searle ist weiterhin der Ansicht, dass Kommunikation ohne Sprechakte nicht möglich ist. Dabei ist nicht das einzelne Wort oder gar der ganze Satz an sich ausschlaggebend, sondern das Hervorbringen dieses Wortes oder dieses Satzes im Vollzug des Sprechaktes (Vgl. Searle, S.30). Die Pragmatik des Sprechens und Schreibens ist bei den Sprechakten demnach also offensichtlich ausschlaggebend. Ein Sprecher hat nach Searle immer die Möglichkeit genau das zu sagen, was er meint, vorausgesetzt er spricht die Sprache, in der er sich äußert, aufrichtig und in einem passenden Zusammenhang. Searle nennt dieses Phänomen das „Prinzip der Ausdrückbarkeit“[2]. Wir gehen in dieser Hausarbeit sowohl auf die Benennung und Beschreibung der einzelnen Sprechakte ein, als auch auf eine Reihe hinreichender und notwendiger Regeln für den Vollzug der Sprechakte. Es ist dabei festzustellen, dass die Benennung und die Aufteilung der Sprechakte bei Searle und Austin teilweise variieren. Des Weiteren stellen wir einen Zusammenhang her, inwieweit die Sprechakttheorie für die Wahrheitstheorie von Nutzen bzw. von Bedeutung ist.

2 Sprechakte

2.1 Was ist ein Sprechakt?

Eine genaue Definition von einem Sprechakt ist nicht möglich. Man kann ihn allerdings umschreiben als eine in Satzform präsentierte kleinere sprachliche Satzart. Für jede Art von sprachlicher Kommunikation ist es wesentlich, dass sie einen sprachlichen Akt enthält. Dabei besteht jeder einzelne Sprechakt aus „mehreren simultan vollzogenen Teilakten“[3]. Austin unterscheidet zwischen fünf simultan vollzogenen Teilakten: dem phonetischen Akt, dem phatischen Akt, dem rhetischen Akt, dem illokutiven Akt und dem perlokutiven Akt. Searle hingegen unterscheidet nur zwischen vier simultan vollzogenen Teilakten. Er fasst im Gegensatz zu Austin den phonetischen Akt und den phatischen Akt zusammen und nennt ihn Äußerungsakt (Lokution). Diesem folgt der propositionalen Akt (Proposition), unter dem Austin den rhetischen Akt versteht. Die letzten beiden Teilakte sind wie bei Austin der illokutive Akt (Illokution) und der perlokutive Akt (Perlokution).

Zur besseren Übersicht fassen wir die Struktur der simultan vollzogenen Teilakte in einer Tabelle[4] zusammen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Übersicht der Teilakte nach Searle und Austin

2.2 Die Sprechakttheorie nach Searle

2.2.1 Der Äußerungsakt

Searle bezeichnet den Äußerungsakt auch als Lokution. Lokution stammt von dem lateinischen Wort <lokutio> und bedeutet soviel wie <das Reden>. Es handelt sich bei diesem Teilakt um die „Artikulation von Sprachgebilden“[5]. Laute, Wörter und Sätze werden produziert. Diese produzierten Wörter werden dann mit Hilfe von grammatischen Konstruktionen zusammengesetzt. Um den Äußerungsakt zu veranschaulichen, wählen wir den Beispielsatz „Der Hund ist bissig“. Bei der Äußerung dieses Satzes werden zunächst Laute produziert, die sich in den jeweiligen Wörtern manifestieren. Durch die Lautäußerung entstehen die vier einzelnen Wörter „der“, „Hund“, „ist“, „bissig“. Die jeweiligen Grammatikstrukturen einer Sprache, in diesem Fall die deutsche Grammatik, setzt z.B. fest, dass „Der Hund“ das Subjekt des Satzes ist. Auf das Subjekt folgt das Prädikat „ist“, an welches die adverbiale Bestimmung der Art und Weise „bissig“ anschließt. Die Satzstellung ist durch eine grammatische Ordnung festgelegt.

Das Resultat dieses Teilakts ist also eine Äußerung, auch Lokution genannt. Es handelt sich dabei um die Produktion von Lauten, Wörtern und Sätzen. Diese Sätze können nun entweder grammatisch wohlgeformt sein oder nicht grammatisch wohlgeformt sein.

2.2.2 Der propositionale Akt

Das Wort Proposition stammt von dem Lateinischen <propositio> und bedeutet soviel wie der <Satz>, <Angabe einer Tatsache> oder <Satzinhalt>. Unter einer Proposition „wird der sprachunabhängige, bezüglich des Illokutionstyps neutrale gemeinsame Nenner der Bedeutung von Sätzen bezeichnet, die das Zutreffen eines Sachverhalts zum Inhalt haben“[6]. Um dies zu verdeutlichen, wähle ich eine Reihe von Beispielsätzen:

a) Wird Mary den Stall verlassen?
b) Mary wird den Stall verlassen.
c) Mary, verlass den Stall!
d) Ich wünsche, dass Mary den Stall verlässt.
e) Wenn Mary den Stall verlässt, werde ich auch gehen.

Bei Satz a) handelt es sich um eine Frage, bei Satz b) um eine Vorhersage, bei Satz c) um eine Aufforderung, bei Satz d) um einen Wunsch und bei Satz e) um eine Absicht. Obwohl es sich bei diesen fünf Sätzen um unterschiedliche illokutive Akte handelt, haben sie doch einen gemeinsamen Inhalt, den Searle Proposition nennt. Ein Sprecher bezieht sich auf die Person „Mary“ und schreibt ihr zu, dass sie den Stall verlässt. Es ist wichtig zu unterscheiden, dass nicht der Satz die Proposition ausdrückt, sondern der jeweilige Sprecher, indem er den Satz äußert. Man kann die Proposition auch nicht als einen Akt bezeichnen. Vielmehr handelt es sich bei einer Proposition um den Gehalt oder den gemeinsamen Inhalt eines illokutionären Akts. In jedem dieser fünf Sätze ist die Referenz und die Prädikation dieselbe. Die Referenz ist eine Bezugnahme auf die Welt, während die Prädikation eine Aussage über die Welt darstellt. In den fünf Beispielsätzen bildet „Mary“ die Referenz, da über sie etwas gesagt wird. Die Prädikation ist das, was über Mary gesagt wird, nämlich, dass sie den Raum verlässt. Dabei ist es irrelevant, ob es sich bei dem Satz um eine Frage, eine Vorhersage, eine Aufforderung, einen Wunsch oder um eine Absicht handelt. Einzig und allein der gemeinsame Inhalt ist in diesem Teilakt von Bedeutung.

Bei einer Proposition handelt es sich also um eine Aussage über die Welt. Diese Aussage kann entweder wahr oder falsch sein.

2.2.3 Der illokutive Akt

Das Wort Illokution stammt von den lateinischen Wörtern <il-> und <loqui> und bedeutet soviel wie >sprechen>, also „das, was man tut, indem man spricht“[7]. Es handelt sich bei der Illokution um den zentralen „Aspekt einer Sprechhandlung“[8]. Searle ist der Meinung, dass es für „jede Art von sprachlicher Kommunikation wesentlich ist, dass sie einen sprachlichen Akt enthält“[9]. Er versteht unter einem illokutiven Akt die „Produktion des Satzes unter bestimmten Bedingungen“ und definiert ihn damit als die „minimale Einheit sprachlicher Kommunikation“[10]. Um dies zu verdeutlichen, soll der Satz „Der Hund ist bissig“ erneut als Beispielsatz verwendet werden. Der Sprecher kann mit genau diesem Satz beispielsweise eine Mitteilung oder eine Feststellung machen oder er kann jemanden damit warnen oder jemandem drohen. Solch einen Akt zu vollziehen bedeutet also, dass man „eine regelgeleitete Form von Verhalten“[11] ausführt.

[...]


[1] John R. Searle, Sprechakte. Ein sprachphilosophischer Essay, Frankfurt am Main 1971, S. 30 (im folgenden abgekürzt als: Searle)

[2] Searle, S.34

[3] Hadumod Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, Stuttgart 1990, 2. Auflage, S.726 (im folgenden abgekürzt als: Bußmann)

[4] Bußmann, S. 727

[5] Bußmann, S.465

[6] ebd., S.616f.

[7] Bußmann, S.324

[8] ebd., S.324 CJohn, R. Searle, Was ist ein Sprechakt?, in: Sprachwissenschaft. Ein Reader, hrsg. v. Ludger Hoffmann, Berlin und New York 1996, S. 143 (im folgenden abgekürzt als: Searle1)

[10] Searle1, S.144

[11] Searle1; S.144

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Sprechakte - was tun wir, wenn wir sprechen?
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Philosophisches Institut )
Veranstaltung
Einführung in die Sprach- und Argumentationstheorie
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
23
Katalognummer
V78494
ISBN (eBook)
9783638840545
ISBN (Buch)
9783638840569
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprechakte, Einführung, Sprach-, Argumentationstheorie
Arbeit zitieren
Tina Heesel (Autor), 2003, Sprechakte - was tun wir, wenn wir sprechen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78494

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Sprechakte - was tun wir, wenn wir sprechen?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden