Abstract Change yourself
Hauptziel der Stunde ist es, die Kopie seiner Porträt-Fotografie durch Übermalen und malerisches Ergänzen derart zu verändern, dass eine deutliche Verwandlung des Erscheinungsbildes erkennbar wird, im Sinne einer Umdeutung, Hervorhebung, Verfremdung. Diese kann an die Wirklichkeit angelehnt sein (z.B. durch eine andere Frisur, Haarfarbe oder Accessoires wie Schmuck, Hut u. Ä.) oder irreal (z.B. durch eine andere Nasenform, die Verwandlung in ein Tier, ein Märchenwesen etc.).
Kinder lieben es, sich zu verwandeln, sei es, indem sie schon sehr früh beim kindlichen Spiel in eine bestimmte Rolle schlüpfen oder sich (nicht nur für Karneval) aus purer Freude verkleiden. Durch das Verkleiden und Schminken bei unserem Theaterstück letztes Jahr schlüpften die Kinder in die Rollen der Tiere und erlebten sich zudem von einer neuen Seite: als selbstbewusste englischsprechende Schauspieler. Dabei faszinierte es sie schon damals, dass ihre eigenen Eltern sie verkleidet und geschminkt kaum wiedererkannten.
Das genaue Betrachten des eigenen Porträtfotos sowie das absichtsvolle Verändern und Verfremden desselben brechen eingeschliffene Wahrnehmungsmuster und Schemaformen auf. Eine neue, unvoreingenommene (Selbst-)Wahrnehmung sowie die Artikulation neuer Zeichen werden ermöglicht. Die Aufgabestellung fördert das bildnerische Denken, welches Teil des ganzheitlichen und kreativen Denkens und somit eine wesentliche Ergänzung zu abstraktem Begriffsdenken ist.
In Bezug auf die zielsprachlichen Kompetenzen im Rahmen des bilingualen Kunstunterrichts wird v.a. die Weiterentwicklung der interaktiven und kommunikativen Fähigkeiten der Kinder angestrebt, wozu auch die Anwendung unterschiedlicher Sprachlernstrategien gehört, wie z.B. sich Hilfen zum Verstehen zu bedienen, ohne jedes einzelne Wort kennen und verstehen zu müssen. Rezeptiv sollten die Kinder dem Unterrichtsverlauf folgen und auf Anweisungen und Fragen angemessen reagieren können. Im Hinblick auf die Sprachproduktion sollte jedes Kind versuchen, sich seinem Leistungsstand entsprechend einzubringen.
Inhaltsverzeichnis
1. Reflexionen zur Lerngruppe und zu den Unterrichtsbedingungen
2. Überlegungen zum Inhalt und zur Sache
2.1. Porträt und Selbstporträt
3. Persönliche bilinguale Sachfachkonzeption
4. Angestrebte Kompetenzen und Unterrichtsziele
4.1. Fachkompetenzen
4.2. Personale Kompetenz
4.3. Zielsprachliche Kompetenzen
5. Didaktische Reflexion
5.1. Bezüge des Unterrichtsinhalts zum Bildungsplan
5.2. Einbettung der Unterrichtssequenz in den übergeordneten Unterrichtskontext
5.3. Relevanz des Unterrichtsinhalts für die Schüler/innen
5.4. Vorerfahrungen
6. Methodische Überlegungen
6.1. Vorbereitung
6.2. Warming up und Einstieg (Englisch)
6.3. Hinführung / Erarbeitung (Englisch)
6.4. Reflexion der Erarbeitung (Deutsch)
6.5. Arbeitsphase I (Englisch / Deutsch)
6.6. Schlussreflexion (Deutsch)
6.7. Abschluss (Englisch)
7. Unterrichtsverlauf
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit ist es, die didaktische Planung und methodische Durchführung einer bilingualen Kunststunde in der Grundschule zu darzustellen, bei der die Kinder durch die kreative Umgestaltung eigener Fotografien eine Verfremdung ihres Selbstbildnisses vornehmen und dabei ihre Ausdrucksfähigkeit sowie ihre Fremdsprachenkompetenz erweitern.
- Bilingualer Sachfachunterricht (CLIL) in der Grundschule
- Künstlerische Selbstdarstellung und Identitätsfindung
- Methodik der Umgestaltung und Verfremdung von Fotografien
- Förderung der Wahrnehmung und ästhetischen Kompetenz
- Integration von Englisch als Arbeitssprache in den Kunstunterricht
Auszug aus dem Buch
2.1. Porträt und Selbstporträt
„Ein Porträt (auch Portrait; v. frz. portrait) ist ein Gemälde, eine Fotografie, eine Plastik oder eine andere künstlerische Darstellung einer Person. Die Absicht eines Porträts ist, neben der Darstellung körperlicher Ähnlichkeit auch das Wesen, bzw. die Persönlichkeit der porträtierten Person zum Ausdruck zu bringen. Daher zeigt das Porträt typischerweise das Gesicht der Person“ (wikipedia, 2007).
Obwohl es bereits in der Antike die ersten Selbstbildnisse gegeben haben soll, hat das Selbstporträt seine autonome künstlerische Bedeutung, d.h. die „Darstellung des Künstlers um seiner selbst willen“, erst in der Renaissance erlangt (Etschmann & al., 2004: 230) und war damals „das zentrale Thema der abendländischen Malerei“ (ebd.:346; vgl. Franke, 2002: 28). „Selbstporträts zählen zu den berühmtesten Werken zahlreicher Künstler“ (wikipedia, 2007). Ein Vorreiter auf diesem Gebiet war Dürer, der sein erstes Selbstbildnis bereits mit 13 Jahren anfertigte (vgl. Franke, 2002). Nach dem Zweiten Weltkrieg wandten sich viele Künstler von der Darstellung der menschlichen Figur ab. Diejenigen, die dem Trend nicht folgten, erzeugten eine ganze „Bandbreite der Ausdrucksformen [...] von einer sich mehr am äußeren Erscheinungsbild orientierenden über eine charakterisierende und psychologisierende Richtung bis hin zu [...] Menschen als gequältes Opfer, als fremdgesteuerte Marionette oder roboterähnliches Wesen“ (Etschmann & al., 2004: 346.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Reflexionen zur Lerngruppe und zu den Unterrichtsbedingungen: Beschreibung der Klassensituation, der Vorerfahrungen der Kinder sowie der organisatorischen Rahmenbedingungen für die bilinguale Kunststunde.
2. Überlegungen zum Inhalt und zur Sache: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff Porträt sowie der geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung des Selbstporträts.
3. Persönliche bilinguale Sachfachkonzeption: Erläuterung der didaktischen Haltung der Autorin, basierend auf dem CLIL-Ansatz, inklusive der Methoden zur Sprachvermittlung.
4. Angestrebte Kompetenzen und Unterrichtsziele: Definition der fachlichen, personalen und zielsprachlichen Lernziele der geplanten Unterrichtsstunde.
5. Didaktische Reflexion: Begründung der Unterrichtsinhalte basierend auf dem Bildungsplan sowie Einordnung in den Kontext der Unterrichtsreihe.
6. Methodische Überlegungen: Detaillierte Darstellung des geplanten Unterrichtsablaufs von der Vorbereitung bis zum Abschluss und Begründung der gewählten Methoden.
7. Unterrichtsverlauf: Übersichtliche tabellarische Darstellung der zeitlichen Planung, Phasen, Sozialformen und verwendeten Medien.
Schlüsselwörter
Bilingualer Unterricht, Kunst, Grundschule, Selbstporträt, Fotografie, Umgestaltung, CLIL, ästhetische Erziehung, Identität, Fremdsprachenkompetenz, Methodik, Lernziele, Bildungsplan, Verfremdung, Ausdrucksfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Es handelt sich um einen detaillierten Unterrichtsentwurf für eine Prüfungslehrprobe im Fach Kunst, das bilingual unterrichtet wird.
Welche Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die bilinguale Sachfachdidaktik, die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Selbstbildnis und die methodische Umgestaltung von Fotografien.
Was ist das primäre Ziel der Stunde?
Die Kinder sollen durch das Übermalen und Ergänzen eigener Porträtaufnahmen eine Verwandlung ihres Erscheinungsbildes erzielen, um so Identität auszuloten und Ausdrucksformen zu finden.
Welche Methode wird verwendet?
Es wird nach dem CLIL-Ansatz (Content and Language Integrated Learning) gearbeitet, wobei Englisch als Werkzeug für den Kunstunterricht genutzt wird.
Was ist der Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil umfasst die didaktische und methodische Begründung des Unterrichts, inklusive Reflexionen zur Klasse und zum bilinguale Lehren und Lernen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind bilinguale Didaktik, Selbstporträt, Verfremdung, ästhetische Erziehung und Identitätskonstruktion.
Warum wird im Unterricht das „Zungen-Ritual“ mit Flaggen verwendet?
Dieses Ritual dient der Orientierung der Kinder über die aktuelle Unterrichtssprache (Deutsch oder Englisch) und soll den Sprachwechsel strukturieren.
Welche Bedeutung hat das „Übermalen“ der Fotos für die Kinder?
Das Übermalen ermöglicht es den Kindern, das Problem des wirklichkeitsgetreuen Darstellens zu umgehen und ihre individuellen Vorstellungen kreativ umzusetzen.
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- Katja Krenicky-Albert (Author), 2007, Unterrichtseinheit: Self-portrait "Change yourself!" - Umgestaltung einer Fotografie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78739