Möglichkeiten und Grenzen der Filmsynchronisation - Eine Untersuchung am Beispiel des Films "White Men Can't Jump"


Seminararbeit, 2006

24 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Ziel- und Aufgabenstellung

2. Materialgrundlage

3. Methodologisches Vorgehen

4. Theoretische Ausgangsposition
4.1. Spezifika der Synchronisation
4.1.1. Technische Anforderungen an die Synchronisation
4.1.1.1. Quantitative Lippensynchronität
4.1.1.2. Qualitative Lippensynchronität
4.1.2. Translatorische Anforderungen an die Synchronisation
4.1.2.1. Funktionalität in der Zielkultur
4.1.2.2. Das Problem des kulturellen Transfers
4.1.2.3. Einhaltung der Zieltextvorgaben
4.2. Systematisierung der Übersetzungsprobleme

5. Beschreibung des klassifizierten Materials
5.1. Pragmatische Übersetzungsprobleme
5.1.1. Probleme der Synchronität
5.1.2. Probleme der Adaption von Dialogmaterial entsprechend der Alterskennzeichnung der FSK
5.2. Kulturpaarspezifische Übersetzungsprobleme
5.2.1. Probleme der Übertragung des Synchrondialogs mit Referenz auf die spezielle Thematik
5.2.2. Probleme der Übertragung von Dialogmaterial mit Referenz auf die Ausgangskultur
5.3. Sprachenpaarspezifische Übersetzungsprobleme
5.3.1. SÜP im Bereich der Syntax
5.3.2. ÜP im Bereich der Lexik

6. Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Ziel- und Aufgabenstellung

In dieser Arbeit sollen die Möglichkeiten und Grenzen der Filmsynchronisation untersucht werden. Gegenstand der Analyse soll eine übersetzungsrelevante Untersuchung sein. Im Vordergrund steht dabei die Identifizierung und kritische Betrachtung von Übersetzungsproblemen auf der Grundlage einer definierten theoretischen Ausgangsposition. Im Ergebnis sollen anhand dieser Analyseergebnisse die Einflüsse und Faktoren herausgestellt werden, die für die Überwindung der identifizierten Übersetzungsprobleme in der Filmsynchronisation relevant sind und inwiefern sich diese in der Wirkung der Übersetzung auf die Zielkultur niederschlagen.

2. Materialgrundlage

Der Untersuchung liegt der Film „White Men Can’t Jump“ des amerikanischen Regisseurs Ron Shelton zu Grunde. Die Komödie, eine Twentieth Century Fox-Produktion, kam 1992 in den USA zum ersten Mal in die Kinos. Kurze Zeit später wurde in Deutschland die Synchronfassung unter dem Titel „Weiße Jungs bringen’s nicht“ ausgestrahlt und gilt bis heute in bestimmten Publikumskreisen als Kultfilm. Sein Erfolg war vor allem den zwei Hauptakteuren Wesley Snipes und Woody Harrelson zu schulden, die als Sydney Dean und Billy Hoyle die Basketballplätze von Venice Beach unsicher machen und somit den in den USA weit verbreiteten Stereotyp der „schwarzen“ Dominanz des amerikanischen Straßenbasketballs widerlegen. Die Story ist simpel: Der Film setzt ein mit Billys Erwachen auf einem von schwarzen Basketballspielern bevölkerten Freiplatz in Venice Beach. Als der clevere und talentierte Sydney den trottelig wirkenden Weißen zu einem Wurfduell herausfordert, glaubt niemand an Billys Gelingen. Nachdem er schließlich doch als Sieger hervorgeht und den beiderseitigen Wetteinsatz kassiert, überredet ihn Sydney, aus dem Irrglauben der meisten Schwarzen, Weiße können kein Basketball spielen, Kapital zu schlagen. Um immer höhere Geldsummen spielend, erobern die beiden die Plätze von Los Angeles – mit einer riskanten Strategie: Sydney soll auf den Plätzen den Unruhestifter spielen und prahlend verkünden, er könne es mit jedem aufnehmen – und das sogar, wenn sein Gegner bestimmen darf, mit wem er zusammen spielen soll. Diese Wahl fällt dann entsprechend des Mythos des basketballunfähigen Weißen immer auf den am Spielfeldrand sitzenden Billy.

Die Wahl der Materialgrundlage fiel aus den folgenden Gründen auf diesen Film: Das Problem des kulturellen Transfers kommt hier besonders zum Tragen. Das Setting hartumkämpfter Straßenbasketballplätze in amerikanischen Großstädten ist dem deutschen Zielkulturkreis nicht sehr vertraut. „Streetball“ wurde Anfang der 90er Jahre in Deutschland als familien- und jugendorientierte Freizeitbeschäftigung vermarktet und erst später mit dem einsetzenden Erfolg deutscher Spieler in der nordamerikanischen Profiliga von mehr Professionalität gekennzeichnet. Streetball ist ein Derivat des Basketballs, was in den USA zu den beliebtesten und bekanntesten Sportarten zählt, in Deutschland zur Zeit der Erstausstrahlung jedoch lediglich die Rolle einer Randsportart einnahm. Hinzu kommt die Konfrontation von Weißen und Schwarzen, was in den USA historisch bedingt ein sensibles Thema ist und nicht selten zu einem gesellschaftlichen Problem heranwächst. Die Sprache, die die Charaktere in diesem Film an den Tag legen, nimmt demnach oft Bezug auf die Thematik Basketball und weist an vielen Stellen eine Färbung des AAE (African American English) auf – zwei Aspekte, zu denen der deutschsprachige ZK-Kreis kaum Bezug hat.

3. Methodologisches Vorgehen

Zuerst wurden die Szenen des Films ausgewählt, die potentielle Problemstellen bergen könnten. Probleme, die sich durch die Anforderungen an die Synchronität ergeben, treten z.B. häufig in Nahaufnahmen auf, während die Szenen, in denen Basketball gespielt wird, viele Elemente mit Referenz auf den Sport enthalten. Für die Bestimmung anderer kulturspezifischer Elemente ist ein umfassendes Wissen über die AK vorauszusetzen, um potentielle Übersetzungsprobleme identifizieren zu können. Nach einer dieser Strategie entsprechenden Untersuchung, wurde das ausgewählte Dialogmaterial transkribiert und in einem Beispielkorpus zusammengestellt. Anschließend wurden die Beispiele auf der Grundlage einer fundierten Übersetzungstheorie systematisiert und analysiert.

4. Theoretische Ausgangsposition

4.1. Spezifika der Synchronisation

An eine Filmsynchronisation werden sowohl aus technischer als auch aus translatorischer Perspektive spezielle Anforderungen gestellt. Die Synchronisation wird u.a. wie folgt definiert:

„Der Vorgang der Synchronisation bedeutet grob gesprochen die Übersetzung des

ausländischen Originaldialogs in die deutsche Sprache sowie den technischen

Vorgang der Verbindung des Originalbildstreifens mit dem Tonstreifen, auf dem der

neuaufgenommene deutsche Dialog aufgezeichnet ist.“ (Hesse-Quack 1969, S. 13)

Diese Definition ist somit zwar auf die Übertragung von Filmen in die deutsche Sprache beschränkt, erwies sich hinsichtlich der Materialgrundlage dieser Arbeit jedoch als zutreffend. Sie ließe sich aber auch auf alle übrigen Sprachen ausdehnen. Die wesentlichen Probleme bei der Synchronisation entstehen durch die gleichzeitige Präsenz von Bild und Ton.

4.1.1. Technische Anforderungen an die Synchronisation

4.1.1.1. Quantitative Lippensynchronität

Zum Begriff der quantitativen Lippensynchronität wurde von Herbst folgende Definition aufgestellt:

„Quantitative Lippensynchronität bezeichnet die Simultanität von Ton und

Lippenbewegungen, unabhängig vom Charakter der Bewegung, d.h. von der

Geschwindigkeit und den Positionen, die die Lippen dabei einnehmen.“

(1993, S. 33)

Der Synchrondialog muss demnach also gleichzeitig mit dem Einsetzen der Lippenbewegung zu hören sein. Ebenso müssen das Gesprochene und die Lippenbewegungen gleichzeitig abschließen. Für die Übertragungsrichtung Englisch-Deutsch kann sich dieses Kriterium vor allem auf das Sprechtempo auswirken. Deutsche Übersetzungen aus dem Englischen sind oft wesentlich länger als die Originalfassung. Eine andere Möglichkeit dem Anspruch an die quantitative Lippensynchronität gerecht zu werden, bestünde demnach in der Kürzung des Dialogmaterials.

4.1.1.2. Qualitative Lippensynchronität

Bei der qualitativen Lippensynchronität kommt es auf die Übereinstimmung einzelner von den Synchronsprechern artikulierter Laute mit den sichtbaren Mundbewegungen der Schauspieler an (Vgl. Fodor 1976, S. 24-27). Dieses Problem kommt vor allem bei Nahaufnahmen der Sprechenden zum Tragen, wohingegen Diskrepanzen in der qualitativen Lippensynchronität weniger gut erkennbar sind, umso weiter das Gesicht des sprechenden entfernt scheint. Dabei sind mit Ausnahme der Extremvokale /i:/ und /u:/ die Lippenbewegungen bei der Artikulierung von Vokalen unerheblich. Neben diesen labialen Lauten, stellen auch die bilabialen /b:/, /p:/ und /m:/ sowie die labiodentalen /f:/ und /v:/ eine Hürde für den Synchronisationsprozess dar. Die Entscheidungsgewalt über den fertigen Synchrondialog hat der Synchronregisseur, der zwar fremdsprachliche Kompetenz nachweisen kann, jedoch i.d.R. keine Übersetzerausbildung hinter sich hat (Vgl. Manhart 1999, S.256). Dies kann unter Umständen zu Qualitätsverlusten der fertigen Übersetzung führen.

4.1.2. Translatorische Anforderungen an die Synchronisation

4.1.2.1. Funktionalität in der Zielkultur

Das wichtigste Maxim bei der Übertragung von Filmen in eine sich von der Ausgangskultur unterscheidenden Zielkultur ist, dass der Film von dem zielkulturellen Publikum trotz der Bindung des übersetzten Dialogmaterials an das der AK zugehörige Bildmaterial verstanden wird (Vgl. Manhart 1999, S.264). Sie ist also einem bestimmten Zweck untergeordnet. Da es bisher kaum fundierte Untersuchung zu einer speziell auf die Filmsynchronisation gerichtete Übersetzungstheorie gibt, soll dieser Arbeit eine generelle Auffassung von Translation dienen:

„Translation ist die Produktion eines funktionsgerechten Zieltextes in einer je nach der angestrebten oder geforderten Funktion des Zieltextes (Translatskopos) unterschiedlich spezifizierten Anbindung an einen vorhandenen Ausgangstext. Durch die Translation wird eine kommunikative Handlung möglich, die ohne sie aufgrund vorhandener Sprach- und Kulturbarrieren nicht zustande gekommen wäre.“ (Nord 1995, S. 31)

Wie hier deutlich wird, ist die Nähe oder Ferne der Übersetzung zum AT abhängig von der Zielsituation, in der die Übersetzung funktionieren soll. Diese Auffassung von der Abhängigkeit des Zieltextes vom Skopos verdrängt andere Übersetzungstheorien, in denen von einem eher statischen Begriff der Äquivalenz die Rede ist. Das Problem dabei sei zum einen, dass der Äquivalenzbegriff keine einheitliche Definition hat, sodass er als Kriterium für eine gute Übersetzung eher ungeeignet ist (Vgl. Snell-Hornby 1994, S. 14-15). Vor allem bei der Filmsynchronisation kann das Anstreben einer objektiven Begriffsäquivalenz ein Hindernis für eine funktionsgerechte Übersetzung darstellen. Als Grund dafür sei folgendes zu erwähnen:

„Die Qualität eines synchronisierten Films unterliegt einer Reihe von Faktoren, die außerhalb der eigentlichen Übersetzertätigkeit liegen.“ (Manhart 1999, S. 265)

Als ein der Filmsynchronisation gerecht werdendes Translationsmodell sei daher folgendes anzuführen:

It is possible and, I would argue, fruitful to see translation as a matter of priorities and restrictions: the concept of priorities is used as a means of expressing the intended goals for a given translation task and the restrictions are the obstacles and problems that help justify one’s choice of priorities and, ultimately, the solutions adopted in the translation. (Zabalbeascoa 1996, S. 243)

[...]

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Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen der Filmsynchronisation - Eine Untersuchung am Beispiel des Films "White Men Can't Jump"
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V78749
ISBN (eBook)
9783638838689
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Grenzen, Filmsynchronisation, Eine, Untersuchung, Beispiel, Films, White, Jump, Übersetzung, Seminararbeit, Englisch, Übersetzungsprobleme, Kulturspezifik, Wortspiele, Basketball, Synchronisation, Fachübersetzen
Arbeit zitieren
Maren Zieger (Autor), 2006, Möglichkeiten und Grenzen der Filmsynchronisation - Eine Untersuchung am Beispiel des Films "White Men Can't Jump", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78749

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