Frauen werden nicht nur doppelt vergesellschaftet sondern auch doppelt sozialisiert und “verberuflicht”: Durch den eigenen Beruf und den Beruf ihres Mannes. Aus dieser jeweiligen Doppelorientierung folgt auch eine zweifache Belastung.
Inhaltsverzeichnis
I) Abstract
II) Doppelte Vergesellschaftung
1) Doppelcharakter der Vergesellschaftung
2) Zweifache Benachteiligung der Frau
III) Doppelte “Verberuflichung”
1) “Verberuflichung” durch den eigenen Beruf
2) “Verberuflichung” durch den Beruf des Mannes
3) Zweifache Belastung der Frau
4) Der Beruf als Medium gesellschaftlicher Teilhabe
IV) Veränderungstendenzen im Geschlechterverhältnis
V) Resumée
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die soziologische Perspektive der doppelten Vergesellschaftung und Sozialisation von Frauen in einer patriarchalen, kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Dabei wird analysiert, wie Frauen durch ihre eigene Erwerbsarbeit sowie durch den Beruf ihrer Männer geprägt werden und welche strukturellen Belastungen und Benachteiligungen sich daraus für ihre Lebensführung ergeben.
- Theoretische Fundierung der doppelten Vergesellschaftung nach Becker-Schmidt.
- Analyse der zweifachen Benachteiligung im Produktions- und Familiensystem.
- Untersuchung der doppelten „Verberuflichung“ und ihrer Auswirkungen auf die Lebensgestaltung.
- Reflexion über die Rolle des Berufs als Medium gesellschaftlicher Teilhabe.
- Diskussion von Veränderungstendenzen im Geschlechterverhältnis durch Individualisierungsprozesse.
Auszug aus dem Buch
1) Doppelcharakter der Vergesellschaftung
Ausgangspunkt meiner Arbeit soll die feministische Soziologie nach Becker-Schmidt sein. Becker-Schmidt geht in ihren theoretischen Überlegungen von einem patriarchalen Charakter unserer westlichen, kapitalistischen Gesellschaft aus, also von einer Ordnung, die sich durch Macht und Herrschaft begründet und reproduziert. Vergesellschaftung hat also laut Becker-Schmidt Doppelcharakter, sie ist einerseits bestimmt durch Produktionsverhältnisse, andererseits durch Geschlechterverhältnisse. Desweiteren geht Becker-Schmidt davon aus, dass Reziprozität zwischen beiden Dimensionen der Vergesellschaftung besteht. An dieser Stelle ist es zunächst einmal wichtig, eine begriffliche Klärung des Terminus ‘Geschlechterverhältnis’ vorzunehmen. Becker-Schmidt versteht darunter “das gesamte Feld der Regelungen, Machtverhältnisse, denen die Geschlechterbeziehungen unterliegen, sowie die Muster ihrer Legitimation.” (Becker-Schmidt. In: Morel, Bauer, Meleghy, Niedenzu, Preglau, Staubmann 2001, S. 271). Geschlecht wird also nicht mehr nur als Merkmalskategorie für die polaren Eigenschaften feminin-maskulin betrachtet, sondern als “soziales Konstrukt im Sinne der Rollentheorie, als ein normativ-kulturelles Phänomen oder Summe typischer Eigenschaften.” (Knapp 1990, S. 25). Durch Geschlechterverhältnisse und Geschlechterbeziehungen wird der soziale Status und die soziale Position bestimmt und Selbst- und Fremdkonzepte von Frauen und auch Männern geprägt. “Soziale Realität ist also geschlechtlich differenziert und in dieser Differenzierung zugleich auch hierarchisiert.” (Knapp 1990, S. 25).
Zusammenfassung der Kapitel
I) Abstract: Bietet einen Überblick über die theoretischen Grundlagen der doppelten Vergesellschaftung und thematisiert die Auswirkungen der beruflichen Doppelorientierung von Frauen.
II) Doppelte Vergesellschaftung: Erläutert den Doppelcharakter der Gesellschaft nach Becker-Schmidt und analysiert die daraus resultierende zweifache Benachteiligung von Frauen in Erwerbs- und Familiensystem.
III) Doppelte “Verberuflichung”: Untersucht die Prägung der Lebensführung von Frauen durch den eigenen Beruf sowie den Beruf des Partners und beleuchtet die damit einhergehende vierfache Belastung und gesellschaftliche Teilhabechancen.
IV) Veränderungstendenzen im Geschlechterverhältnis: Diskutiert, wie Individualisierungsprozesse traditionelle Rollenmuster aufbrechen und neue Handlungsspielräume für die Lebensgestaltung von Frauen eröffnen.
V) Resumée: Führt die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont, dass trotz gesellschaftlicher Veränderungen das Paradigma der doppelten Sozialisation weiterhin fortbesteht.
Schlüsselwörter
Doppelte Vergesellschaftung, feministische Soziologie, Doppelorientierung, berufliche Sozialisation, Geschlechterverhältnis, Reproduktionsarbeit, Doppelbelastung, soziale Benachteiligung, Lebensführung, Erwerbsarbeit, patriarchale Gesellschaft, Individualisierung, gesellschaftliche Teilhabe, Rollentheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die soziologische Situation der Frau, die sich durch Berufstätigkeit und familiäre Verpflichtungen in einer doppelt geprägten Lebenswelt befindet.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Mittelpunkt stehen die Themenfelder der doppelten Vergesellschaftung, der beruflichen und privaten Sozialisation sowie die strukturelle Benachteiligung im Berufs- und Familienleben.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die Doppelorientierung von Frauen zu einer zweifachen Belastung führt und inwiefern der Beruf des Mannes die Lebensführung der Frau maßgeblich mitprägt.
Welche theoretischen Ansätze werden zur Analyse verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die feministische Soziologie von Becker-Schmidt sowie auf Ansätze der beruflichen Sozialisation nach Heinz, Ostner und Schumm.
Welche Aspekte behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Herleitung der Benachteiligung, der sogenannten doppelten „Verberuflichung“ sowie den aktuellen Veränderungstendenzen im Geschlechterverhältnis.
Durch welche Schlagworte lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Charakteristische Begriffe sind Doppelbelastung, patriarchale Strukturen, Reproduktionsarbeit, berufliche Sozialisation und gesellschaftliche Teilhabechancen.
Wie wirkt sich der Beruf des Partners konkret auf die Frau aus?
Die Untersuchung zeigt, dass Frauen ihre eigene Lebensführung und Karriereplanung oft an den Anforderungen des Berufs ihres Mannes ausrichten, um diesen im beruflichen Aufstieg zu unterstützen.
Inwiefern verändern Individualisierungstendenzen die Situation von Frauen?
Sie ermöglichen eine größere Wahlfreiheit bei Lebensformen und Identitätsentwürfen, führen jedoch gleichzeitig zu einer höheren individuellen Verantwortung bei der Bewältigung von Rollenkonflikten.
- Quote paper
- Dipl.-Soziologin Andrea Wagner (Author), 2003, Die doppelte „Verberuflichung“ der Frauen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78775