Unterrichtgänge und Exkursionen bereichern den Schulalltag, sorgen für Abwechslung und neue Lernmotivation, ermöglichen eine andere Form des Lernens durch selbst gemachte Erfahrungen und Erkenntnisse vor Ort, sind Basis und Umsetzung für forschend-entdeckendes Lernen im offener werdenden Unterricht.
Trotz dieser imponierenden Positivliste gehört das Aufsuchen außerschulischer Lernorte nicht zur Regel der Unterrichts- und Jahresplanung von Schulen. Oft sind es schulimmanente Gründe wie die notwendigen Absprachen und Genehmigungen, der enorme Zeitaufwand für Vorbereitung und Organisation oder der durch den Lehrplan verursachte Zeitdruck, die einer Realisierung im Wege stehen. Dem kann abgeholfen werden, so die These dieser Arbeit.
Sie versucht die Struktur für ein Webportal zu entwickeln, das Lehrkräften eine Übersicht liefert zu den in der Region befindlichen außerschulischen Lernorten bezogen auf ein Unterrichtsthema, das zudem die Gelegenheit eröffnet, sich über die inhaltlichen Möglichkeiten (und Grenzen) einzelner Lernorte im Hinblick auf den geplanten Unterricht zu informieren, und das schließlich Hilfen und praktische Tipps benennt, die die Organisation eines Unterrichtsgangs erheblich erleichtern. Gewählt wird die Rhein-Main-Region, der Themenkomplex ist die Unterrichtseinheit Nationalsozialismus.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Außerschulische Lernorte
2.1 Definition
2.2 Argumente für die Einbeziehung außerschulischer Lernorte in den Unterricht
2.2.1 Motivation
2.2.2 Realbegegnung
2.2.3 Schüleraktivität, Arbeitsweisen und -techniken
2.2.4 Situationsbezogenes Lernen
2.2.5 Fächerübergreifender Unterricht
2.2.6 Forschend- Entdeckendes Lernen
2.2.7 Ganzheitlichkeit
2.3 Formen außerschulischer Lernorte für den Geschichtsunterricht
2.3.1 Institutionalisierte Lernorte
2.3.1.1 Das Museum als Lernort
2.3.1.2 Das Archiv als Lernort
2.3.2 Historische Orte
2.4 Platzierung und didaktische Funktion in einer Unterrichtseinheit
2.4.1 Der Unterrichtsgang als Einstieg in eine Unterrichtseinheit
2.4.2 Der Unterrichtsgang nach einer Vorbereitungsphase
2.4.3 Der Unterrichtsgang am Ende einer Unterrichtseinheit
2.4.4 Vorschläge für Methodisches Vorgehen und Schüleraktivitäten
2.4.4.1 Die Vorbereitungsphase
2.4.4.2 Die Ausführungsphase
2.4.4.3 Die Auswertungsphase
3 Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht
3.1 Der Einfluss Adornos
3.2 Vorerfahrungen und Bilder zum Nationalsozialismus
3.2.1 Familiengedächtnis und offizielle Erinnerungskultur
3.2.2 Bilder junger Migranten in Deutschland zum Nationalsozialismus
3.3 Konsequenzen für den Geschichtsunterricht heute
3.4 Verankerung in Lehr- und Bildungsplänen, Schulbücher
4 Erstellung eines Webportals
4.1 Wozu ein Webportal?
4.2 Aufbau und Inhalt des Webportals
4.3 Das Webportal und Lernen mit neuen Medien am Beispiel WebQuest
4.3.1 Theorie des WebQuests
4.3.2 WebQuest als Medium zur Weiterarbeit nach einem Unterrichtsgang
5 Vom Webportal zur Unterrichtsplanung
5.1 Der außerschulische Lernort Hauptfriedhof Frankfurt/M und die Lehrpläne Geschichte
5.1.1 Die Inhalte
5.1.2 Die Gegebenheiten vor Ort
5.1.3 Der Bezug zu den Lehrplänen
5.2 Platzierung des Unterrichtsgangs im Rahmen der Unterrichtseinheit
5.3 Ziele eines Unterrichtsgangs inmitten der Unterrichtseinheit und nach entsprechender Vorbereitungsphase
5.4 Vorbereitende Arbeiten für den Unterrichtsgang
5.5 Ablaufplanung für den Unterrichtsgang
5.6 Entwurf eines Erkundungsbogens
5.7 Weiterarbeit mit den Erkundungsergebnissen des Unterrichtsgangs
6 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel der Arbeit ist es, die didaktischen Potenziale außerschulischer Lernorte für den Geschichtsunterricht zum Thema Nationalsozialismus aufzuzeigen und ein Webportal zu konzipieren, das Lehrkräfte bei der Planung und Organisation entsprechender Unterrichtsgänge in der Rhein-Main-Region unterstützt und Hürden durch praxisnahe Hilfestellungen abbaut.
- Bedeutung und Didaktik außerschulischer Lernorte
- Methodisches Drei-Phasen-Modell für Unterrichtsgänge
- Herausforderungen der NS-Erinnerungskultur in der heutigen Schule
- Integration moderner Medien (WebQuest) in die Unterrichtsplanung
- Praktische Erarbeitung eines konkreten Lernortes (Hauptfriedhof Frankfurt/M)
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Motivation
Für Hey ist der Besuch eines außerschulischen Lernorts schon deshalb ein Motivationsfaktor für Lehrer und Schüler, weil durch ihn der „Schon- und Zwangsraum Schule verlassen wird“4. Unterricht der nicht in der gewohnten Umgebung der Schule stattfinde, lasse Raum für das Lernen durch Beobachten und das Erfahren der Umwelt. Nach Hey geht von dieser Realbegegnung und der damit verbundenen Möglichkeit, Beziehungen zwischen den Lerninhalten und der eigenen Erfahrungswelt herstellen zu können, sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer eine befreiende Wirkung aus5. Für die Lehrkraft könne „die Unterbrechung des alltäglichen Unterrichtstrotts“ und die Möglichkeit, den Unterricht in neuer Umgebung zu gestalten „erlösend und förderlich sein“6.
Als weiteren Motivationsfaktor für Exkursionsteilnehmer nennt Hey die Tatsache, dass das Korsett des Stundenplans mit seinen knapp bemessenen „Unterrichtsstunden zu jeweils wechselnden Themen“7 bei einem Besuch eines außerschulischen Lernortes wegfällt und kein Pausenzeichen abrupt die Bearbeitung eines Themenkomplexes unterbricht8.
Neben diesen eher äußeren Umständen, die als motivierende Elemente aufgeführt werden können, nennt Hey in seiner Veröffentlichung von 1997 einen weiteren Komplex von bedeutsamen Faktoren, der die Unterrichtsorganisation selbst betrifft. Zur Motivation der Beteiligten trage bei, die verschiedenen Arten zu lernen wie „die Notwendigkeit partnerschaftlichen und fächerübergreifenden Arbeitens“, „die Fülle möglicher Arbeitsformen und Medien“, sowie „der Umgang mit gegenständlichen Quellen“ und deren Anschaulichkeit.9
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problematik bei der Durchführung außerschulischer Lernorte und Definition der Zielsetzung dieser Arbeit, ein unterstützendes Webportal für das Thema Nationalsozialismus zu entwickeln.
2 Außerschulische Lernorte: Theoretische Auseinandersetzung mit Definitionen, didaktischen Argumenten sowie Formen und Platzierungsmöglichkeiten außerschulischer Lernorte im Geschichtsunterricht.
3 Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht: Analyse der veränderten Rahmenbedingungen bei der Thematisierung des Nationalsozialismus und Diskussion von Konzepten zur Einbindung von Gedenkstätten und lokaler Geschichte.
4 Erstellung eines Webportals: Darlegung der Konzeption und Funktionalität eines Webportals als Planungshilfe, inklusive des theoretischen Hintergrunds zum Einsatz von WebQuests.
5 Vom Webportal zur Unterrichtsplanung: Exemplarische Umsetzung der Portalkonzeption am Beispiel des Frankfurter Hauptfriedhofs, inklusive detaillierter Ablaufplanung und Erkundungsbögen.
6 Schlussbetrachtung und Ausblick: Reflexion über die Ergebnisse der Arbeit und Perspektiven für die weitere Pflege und Institutionalisierung des Webportals in Kooperation von Universität und Schulen.
Schlüsselwörter
Außerschulische Lernorte, Geschichtsdidaktik, Nationalsozialismus, Webportal, Unterrichtsplanung, WebQuest, Hauptfriedhof Frankfurt, Erinnerungskultur, Forschend-entdeckendes Lernen, Geschichtsunterricht, Exkursion, Migrationshintergrund, Lokalgeschichte, Gedenkstättenpädagogik, Methodenkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Nutzung außerschulischer Lernorte im Rhein-Main-Gebiet für den Geschichtsunterricht zum Themenkomplex Nationalsozialismus, um die didaktische Qualität zu erhöhen und Planungsprozesse für Lehrkräfte zu erleichtern.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Im Zentrum stehen die Didaktik außerschulischer Lernorte, die moderne Erinnerungskultur in Bezug auf den Nationalsozialismus unter Berücksichtigung verschiedener Schülerbiografien und die Konzeption eines digitalen Webportals als Planungshilfe.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung eines Webportals, das Lehrkräfte bei der Auswahl und Organisation von Unterrichtsgängen zu außerschulischen Lernorten im Bereich Nationalsozialismus unterstützt und die Hürden der Planung durch praktische Hilfestellungen reduziert.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse geschichtsdidaktischer Theorien und der praktischen, exemplarischen Entwicklung eines Webportals, angewandt auf das Fallbeispiel des Frankfurter Hauptfriedhofs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung außerschulischer Lernorte, die Analyse didaktischer Herausforderungen beim Thema Nationalsozialismus (z.B. Migrationshintergrund, Familiengedächtnis), die Konzeption des Portals und eine konkrete unterrichtspraktische Ausarbeitung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind außerschulische Lernorte, Geschichtsdidaktik, Nationalsozialismus, Webportal, Unterrichtsplanung, WebQuest und Gedenkstättenpädagogik.
Warum wird der Hauptfriedhof Frankfurt a.M. als Fallbeispiel gewählt?
Der Hauptfriedhof dient als Beispiel, um zu zeigen, wie ein außerschulischer Lernort durch das Webportal strukturiert und in eine Unterrichtseinheit integriert werden kann, selbst wenn er nicht sofort als klassisches „Highlight“ wahrgenommen wird.
Wie unterstützt das Webportal Schüler konkret bei der Nachbereitung?
Das Portal integriert WebQuests, die Schüler in Gruppenarbeit anleiten, vor Ort aufgeworfene Fragen gezielt durch Recherche und kritische Auseinandersetzung zu lösen und die Ergebnisse anschließend zu präsentieren.
- Citation du texte
- Dennis Müller (Auteur), 2007, Außerschulische Lernorte im Rhein-Main-Gebiet zum Nationalsozialismus. Erstellung eines Webportals, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78816