Die rechtlichen Aspekte der Sklaverei lassen sich auf verschiedenen Ebenen betrachten. Inter- und transnationale Verträge (z.B. die Asientos) gehören auf der klassischen Makroebene in das Themenfeld, ferner nationale Legislation und schliesslich, auf der historischen Mikroebene, individuelle Jurisdiktion. Prozeßakten sind als Quellen sehr wertvoll, weil die Sklaven in ihnen nicht nur Objekt, sondern vielmehr auch handelndes Subjekt mit eigener Stimme sind. Sie klagen an. Unbeschadet dessen bleiben die Sklaven in der größeren Menge der Notariatsprotokolle Objekte. Das Recht war nicht nur Instrument der Unterdrückung der afrikanischen Sklaven in den Plantagengesellschaften, sondern auch Druckmittel für die Sklaven gegen die Herren. Die Ausnutzung rechtlicher Mittel stellte zunehmend eine Möglichkeit dar, Bürgerstatus und –rechte zu erlangen. Das Recht des Sklavenhandels in Form von Lizenzen und ab 1580 Asientos soll in dieser kurzen Betrachtung bewußt weitgehend außen vor gelassen werden.
Der Fokus soll auf der nationalen, nach innen gerichteten Legislation liegen.
Die Wahl des zu untersuchenden Landes fiel auf Kuba, da Havanna ab spätestens 1804 der wichtigste Umschlagplatz für Sklaven in der Karibik war und die Sklaverei durch den Verbleib Kubas im geschrumpften spanischen Staatsverband bis zum spanisch-amerikanischen Krieg 1898 bedeutend länger als im übrigen Hispanoamerika Bestand hatte. Sie wurde erst 1886 abgeschafft. Nur Brasilien ließ noch länger mit der Abolition (1888) auf sich warten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rechtliche Aspekte der Sklaverei auf Kuba
a) Allgemeines
b) Código Negrero bzw. Códigos Negreros 1789 und Vorläufer
c) Reglamento de Esclavos 1842
d) Das Moret-Gesetz
e) Die Abolitionsgesetzgebung
3. Die Sklavereigesetzgebung auf Kuba im Vergleich zu den übrigen Sklavereigesellschaften / Die Tannenbaum-Debatte
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die rechtlichen Rahmenbedingungen der Sklaverei auf Kuba während der Spätphase der spanischen Herrschaft. Dabei wird analysiert, wie gesetzliche Regelungen einerseits als Instrumente der Kontrolle und Unterdrückung fungierten, den Sklaven andererseits jedoch Möglichkeiten zur Selbstbehauptung und zum Aufstieg boten, und wie diese Gesetzgebung im Kontext der Abolition sowie im internationalen Vergleich zu anderen Sklavereigesellschaften einzuordnen ist.
- Analyse der nationalen und kolonialen Legislation auf Kuba
- Untersuchung der Bedeutung von Sklavencodizes (wie dem Código Negrero und dem Reglamento de Esclavos)
- Betrachtung der Rolle der "Coartación" als Mechanismus des graduellen Selbstfreikaufs
- Diskussion der "Tannenbaum-Debatte" über die angebliche Humanität spanischer Sklavensysteme
- Evaluation der Abolitionsgesetzgebung und der sozialen Realitäten nach der Emanzipation
Auszug aus dem Buch
b) Código Negrero bzw. Códigos Negreros 1789 und Vorläufer
Das Recht auf Kuba gründete sich auf die kastilische Tradition des römischen Rechts, gesprochen durch Staat und Kirche, und gestattete den Sklaven von Anfang an den Zugang etwa zu den Sakramenten der Taufe und der Ehe. „Diese Taufforderung war die wichtigste Priorität aller spanischen Gesetzestexte von den Siete Partidas bis zum Reglamento de Esclavos“. Sie war gleichbedeutend mit einer Verleihung moralischer und religiöser Identität, was etwa in den protestantisch geprägten britischen Kolonien bzw. den USA nicht geschah. Über die Wahl freier Ehepartnern, Trauzeugen und Paten wurden mitunter soziale Bindungen zu den höheren Klassen zugelassen.
Die Real Cédula de Instrucción circular a las Indias sobre educación, trato y ocupación de los esclavos, dekretiert am 31. Mai 1789 und auch Código Negrero genannt, löste im Zuge der Bourbonischen Reformen die frühere Sklavengesetzgebung ab, führte aber auch vieles aus diesen fort und codifizierte das zwischenzeitlich entstandene Gewohnheitsrecht. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen der speziell amerikanischen Legislation in den Leyes de Indias von 1680/81 und der europäisch-kastilischen Legislation in den auf die Sklaven anzuwendenden Artikeln der Siete Partidas, verfaßt von Alfonso X. el Sabio im 13. Jahrhundert. Diese hatten den Sklavenhaltern weite rechtliche Spielräume in der Behandlung der Sklaven gelassen, aber auch die Freiheit als natürlichen Stand der Menschen und die Gleichheit aller Menschen vor Gott anerkannt. Ferner sahen sie z.B. eine großzügige Asylgesetzgebung für geflohene Sklaven anderer Kolonialmächte vor, wenn diese sich zum katholischen Glauben bekannten.
Mit der Instrucción von 1789 sollte der exzessive Missbrauch verhindert werden, allerdings weniger altruistisch motiviert als auf den materiellen Erhalt der Ressource Sklave und die Wiedererlangung alter Weltgeltung durch eine stramm und effizient organisierte Wirtschaft ausgerichtet. Die Rechtsprechung sollte vereinheitlicht werden, „conforme a los principios y las reglas que dictan la religión, la humanidad y el bien del Estado, compatibles con la esclavitud y tranquilidad pública“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand der Sklaverei auf Kuba, grenzt den zeitlichen Fokus auf die Spätphase der spanischen Herrschaft ein und erläutert die Bedeutung der rechtlichen Quellen für die Analyse.
2. Rechtliche Aspekte der Sklaverei auf Kuba: Dieses Hauptkapitel untersucht die verschiedenen gesetzlichen Regelungen, angefangen bei den frühen Sklavencodizes, dem Reglamento de Esclavos von 1842, bis hin zum Moret-Gesetz und der allgemeinen Abolitionsgesetzgebung.
3. Die Sklavereigesetzgebung auf Kuba im Vergleich zu den übrigen Sklavereigesellschaften / Die Tannenbaum-Debatte: Das Kapitel vergleicht die kubanische Sklavengesetzgebung international und diskutiert kritisch die These einer vermeintlich humaneren Sklaverei in den spanischen Kolonien.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Sklaven durch die Wahrnehmung ihrer Rechte das System von innen heraus zersetzt haben und reflektiert das langanhaltende Erbe der sozialen Stigmatisierung.
Schlüsselwörter
Sklaverei, Kuba, Abolition, Kolonialgeschichte, Sklavengesetzgebung, Código Negrero, Reglamento de Esclavos, Coartación, Tannenbaum-Debatte, spanische Herrschaft, Emanzipation, Menschenrechte, Plantagenökonomie, Moret-Gesetz, Rechtsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den rechtlichen Aspekten der Sklaverei auf Kuba während der spanischen Herrschaftszeit mit einem besonderen Fokus auf den Prozess der gesetzlichen Abschaffung der Sklaverei.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Sklavencodizes, die Rolle der Sklaven als juristische Subjekte, die Mechanismen des Selbstfreikaufs und die internationale Einordnung des kubanischen Sklavereisystems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Einfluss der Gesetzgebung auf die Lebensrealität der Sklaven und die allmähliche Desintegration des Sklavereisystems durch sowohl rechtliche als auch soziale Dynamiken zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Quellenanalyse, insbesondere von Gesetzestexten (Codizes), Notariatsprotokollen und zeitgenössischen Debatten sowie der Auswertung historischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Gesetze wie das Reglamento de Esclavos von 1842 und das Moret-Gesetz sowie die "Tannenbaum-Debatte", die das spanische Sklavereisystem mit anderen Regionen vergleicht.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Fachbegriffen gehören neben "Sklaverei" und "Abolition" vor allem spezifische Bezeichnungen wie "Coartación" (Selbstfreikauf), "Código Negrero" und die "Tannenbaum-Debatte".
Was versteht die Arbeit unter dem Begriff "Coartación"?
Die Coartación wird als eine speziell kubanische Form des graduellen Selbstfreikaufs beschrieben, bei dem zwischen Herr und Sklave ein Preis vereinbart wurde, der nicht mehr erhöht werden durfte, was dem Sklaven einen Zwischenstatus ermöglichte.
Welche Rolle spielte die "Tannenbaum-Debatte" im Text?
Die Debatte dient dazu, kritisch zu hinterfragen, ob die spanische Sklavengesetzgebung aufgrund katholischer Traditionen tatsächlich "humaner" war als in protestantisch geprägten Gebieten, wobei auch materialistische Gegenpositionen angeführt werden.
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- Marcus Theodor Schauerte (Author), 2007, Rechtliche Aspekte der Sklaverei auf Kuba unter besonderer Berücksichtigung der Abolition, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78834