Seit Mitte der 90er Jahre gehört der frühe Fremdsprachenbeginn in den Grundschulen Deutschlands zum Alltag. Aufgrund der Kulturhoheit der Länder entstanden unterschiedliche Konzepte für den Fremdsprachenfrühbeginn wie z.B. Language awareness, Lerne die Sprache des Nachbarn und Immersion, die unterschiedliche Teilzielsetzungen und Gewichtungen enthalten und sich sogar nicht ausschließlich auf Englisch beziehen.
Alle Konzepte beinhalten allerdings die Intention, den Kindern in natürlichen Kommunikationssituationen einen ersten regelmäßigen Kontakt, meist mit Englisch, zu ermöglichen. In den meisten Fällen setzt der Fremdsprachenunterricht an Grundschulen in der 3. Klasse ein. Allerdings finden sich Tendenzen zum Klasse-1-Englisch. Außerdem lässt sich die zunehmende Einführung von Leistungsbeurteilungen verzeichnen, d.h. in den meisten Bundesländern wird Englisch jetzt in Klasse 3 und 4 benotet.
Hamburg verfolgt seit Beginn der 90er Jahre den Ansatz eines ergebnisorientierten Englischunterrichts ab Klasse 3, d.h. der frühe Fremdsprachenunterricht soll direkte Vorarbeit für den Englischunterricht in den weiterführenden Schulen leisten, auch wenn er zunächst methodisch grundschulorientiert eingeführt wird. Die flächendeckende Einführung des Englischunterrichts ab Klasse 3 war 2000 abgeschlossen. Die Benotung der Englischleistungen wurde erst im Juli 2006 eingeführt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Das Für und Wider des Schrifteinbezugs und Ansichten bezüglich des Stellenwertes im frühen Englischunterricht der Grundschule
Didaktische Prinzipien
Darstellung der eigenen Position
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kontroverse Debatte über den Einbezug der Schriftsprache im Englischunterricht der Grundschule. Ziel ist es, die fachdidaktischen Positionen gegenüberzustellen, die Rolle von Schrift als Lernhilfe sowie als eigenständiges Kommunikationsmittel zu beleuchten und daraus eine fundierte, eigene pädagogische Position für den Englischunterricht in den Klassen 3 und 4 zu entwickeln.
- Pro- und Kontra-Argumente zum Schrifteinbezug im frühen Fremdsprachenunterricht
- Die Problematik der Interferenzgefahr und mögliche positive Transferleistungen
- Vergleich zwischen dem Hamburger Rahmenplan und alternativen didaktischen Ansätzen
- Bedeutung von Schriftsprache für Lernerautonomie und Sprachbewusstheit
- Schrift als Instrument zur Förderung der Freude am Lesen und Schreiben
Auszug aus dem Buch
Das Für und Wider des Schrifteinbezugs und Ansichten bezüglich des Stellenwertes im frühen Englischunterricht der Grundschule
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, geht es im Grunde nicht um den Einbezug von Schrift im Allgemeinen, sondern die Debatte entzündet sich hauptsächlich an der Frage eines umfassenden oder eines stark begrenzten Schrifteinsatzes im Unterricht der Grundschule. In diesem Zusammenhang wird Schriftlichkeit entweder hauptsächlich als Phonographie betrachtet (Schreiben dient der Verschriftlichung des Mündlichen und auch das Lesen, d.h. lautes Lesen, bezieht sich auf bereits aus dem Mündlichen bekannte, abgesicherte Wörter), oder ihr wird auch eine eigene, bedeutende kommunikative Funktion zugesprochen (Schreiben und Lesen fungieren als Mittel der Kommunikation: Schrift dient dazu, etwas „festzuhalten“, etwas zu veröffentlichen und Lesen, d.h. stilles Lesen, wird genutzt, um Bedeutungen/Sinn zu erfassen). Es geht auch darum, wann Schrift eingesetzt wird (von Anfang an oder erst, wenn der muttersprachliche Schreib- und Leselernprozess abgeschlossen ist).
Eines der am Häufigsten genannten Argumente gegen einen umfassenderen Schrifteinbezug ist die sogenannte Interferenzgefahr. Unter Interferenzen versteht man in der Sprachwissenschaft den gegenseitigen Einfluss verschiedener Sprachen aufeinander (Wahrig Fremdwörterlexikon). In diesem Sinne bestünde die Gefahr darin, dass sowohl auf phonologischer, als auch auf orthographischer Ebene Übertragungen von einer Sprache auf die andere stattfinden könnten, die den fremdsprachlichen Lernprozess beinträchtigen würden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Kontext des Fremdsprachenfrühbeginns in Deutschland, die Zielsetzung des Englischunterrichts in der Grundschule und führt in die zentrale Problematik der Rolle der Schriftsprache ein.
Das Für und Wider des Schrifteinbezugs und Ansichten bezüglich des Stellenwertes im frühen Englischunterricht der Grundschule: Hier werden die kontroversen Fachpositionen dargelegt, insbesondere das Interferenzargument gegenüber der Bedeutung von Schrift für die Motivation und Hypothesenbildung der Kinder.
Didaktische Prinzipien: Dieser Abschnitt analysiert die gängigen methodischen Ansätze, vergleicht den Hamburger Rahmenplan mit erweiterten Konzepten und beleuchtet die Rolle des Lehrenden.
Darstellung der eigenen Position: Im letzten Kapitel bezieht die Autorin Stellung und plädiert für einen umfassenderen, kommunikativen Schrifteinbezug, der die Vorerfahrungen der Kinder nutzt und Eigenaktivität fördert.
Schlüsselwörter
Englischunterricht, Grundschule, Schrifteinbezug, Fremdsprachenfrühbeginn, Interferenzgefahr, Schriftspracherwerb, Schriftsprache, Lernerautonomie, Sprachbewusstheit, Hamburger Rahmenplan, Primat des Mündlichen, kommunikative Kompetenz, Lesemotivation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen und didaktischen Kontroverse, inwieweit und ab welchem Zeitpunkt Schrift (Lesen und Schreiben) in den Englischunterricht der 3. und 4. Grundschulklasse integriert werden sollte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Abwägung zwischen dem sogenannten "Primat des Mündlichen" und einem kommunikativen Schrifteinbezug, die Interferenzproblematik zwischen Deutsch und Englisch sowie die Förderung der Lernerautonomie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Argumente für und gegen den frühen Einsatz von Schrift zu analysieren und eine begründete eigene pädagogische Position zu entwickeln, die über das reine Üben von Lautbildern hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Erörterung, die auf einer Analyse von Richtlinien (z.B. Hamburger Rahmenplan), fachwissenschaftlicher Literatur und KMK-Vorgaben basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Diskussion der fachdidaktischen Pro- und Contra-Argumente (wie Interferenz vs. Lernstütze), die Darstellung unterschiedlicher didaktischer Prinzipien und deren kritische Reflexion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Englischunterricht, Grundschule, Schrifteinbezug, Interferenzgefahr, Schriftspracherwerb, Lernerautonomie und kommunikative Funktion.
Wie unterscheidet sich die Position der Autorin vom Hamburger Rahmenplan?
Während der Hamburger Rahmenplan primär auf einem "peripheren Lernen" basiert und Schrift eher als Lernhilfe für Mündliches vorsieht, befürwortet die Autorin eine Thematisierung von Schrift als eigenständiges, bedeutungsvolles Medium.
Warum hält die Autorin den Verzicht auf Schrift für problematisch?
Die Autorin argumentiert, dass das Vorenthalten von Schrift die Lernmotivation bremsen kann, da Kinder in diesem Alter bereits eine hohe Bedeutung der Schriftlichkeit für ihren Wissenserwerb im Alltag und im Deutschunterricht wahrnehmen.
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- Lena Wandschneider (Author), 2007, Die Kontroverse um die Rolle der Schrift im Englischunterricht des Frühbeginns , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78923