Vom Strichmännchen zum Schauspieler – Die Evolution des Animationsfilms

Eine Analyse der Symbiose aus Zeichentrick und Special Effects


Seminararbeit, 2005
68 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Gliederung (SG)

2. Einleitung (SG)

3. Zeichentrickfilm (SR)
3.1. Die Geschichte der Zeichentrickfilme
3.2. Die Walt Disney Studios
3.3. Wie ein Zeichentrickfilm entsteht
3.4. Fallbeispiele
3.4.1. Schneewittchen und die sieben Zwerge
3.4.2. Werner – Beinhart
3.4.3. Der König der Löwen

4. Visual Effects (SG)
4.1. Die Geschichte der Visual Effects
4.2. Wie Visual Effects entstehen
4.2.1. Optischer Druck
4.2.2. Der Williams-Prozess
4.2.3. Rückprojektion
4.2.4. Der Blue Screen Farbseparations-Prozess
4.2.5. Handgezeichnete Mattes / Rotoscoping
4.2.6. Digitale Effekte
4.3. Visual Effects als Geschäftsmodell
4.4. Verwendung von Visual Effects in deutschen Filmen
4.5. Fallbeispiele
4.5.1. Jurassic Park (1993)
4.5.2. TRON
4.5.3. Die unendliche Geschichte

5. Animationsfilm (SR)
5.1. Evolution der Animationsfilme
5.2. Wie Animationsfilme entstehen
5.2.1. Allgemeines
5.2.2. Digitale Modellierung
5.2.3. Performance Capturing
5.2.4. Spezielle Oberflächen
5.2.5. Virtuelle Kamera
5.2.6. Rendering
5.2.7. Sonstige Techniken
5.3. Deutsche Animationsfilme
5.4. Fallbeispiele
5.4.1. Toy Story
5.4.2. Back to Gaya
5.4.3. Shrek

6. Virtuelle Schauspieler (SG)
6.1. Entwicklung virtueller Schauspieler
6.2. Die Vermarktung virtueller Akteure
6.3. Fallbeispiele
6.3.1. Roger Rabbit
6.3.2. Star Wars Episode I – Die Dunkle Bedrohung
6.3.3. Final Fantasy: The Spirits Within
6.3.4. Der Polarexpress

7. Gestern, Heute, Morgen – Ein Fazit (SG/SR)

Abbildungsverzeichnis

Referenzen

Zur Zitierweise und Verfasser-Kenntlichmachung:

Es wurde auf die amerikanische Zitierweise zurückgegriffen. Im Text sind die Bezüge als eindeutiges Kürzel gefasst, während im Verzeichnis der Referenzen die entsprechenden Quellen ausführlich gelistet sind.

Der Verfasser des jeweiligen Abschnitts ist durch eine Kennzeichnung per Initialen in Klammern hinter der Kapitelüberschrift im Inhaltsverzeichnis ausgewiesen.

1. Gliederung

Diese Ausarbeitung ist klar in mehrere Bereiche gegliedert. Nach einer kurzen Einleitung beschäftigt sie sich mit den klassischen Zeichentrickfilmen. Dann wird parallel dazu die Entwicklung der Visual Effects aufgezeigt. Die Kombination der beiden Techniken ermöglicht dann den Animationsfilm oder auch CGI-Film, also den Trickfilm mit computeranimierten Figuren. Diese besondere und moderne Gattung wird im nächsten Kapitel ausführlich besprochen. Dann wird der Bogen zu der Frage nach virtuellen Schauspielern gespannt, also der Frage danach, in wieweit computeranimierte Figuren bereits den Menschen als Schauspieler ersetzen können und es in Zukunft werden.

Jedes dieser Kapitel beschäftigt sich mit der jeweiligen Entstehungsgeschichte und Historie der betrachteten Gattung und geht dann auf die Technik der Schöpfung solcher Filme ein. Eine Betrachtung der wirtschaftlichen Aspekte des jeweiligen Genres schließt sich an. Auch die Entwicklung der deutschen Filmindustrie auf dem jeweiligen Sektor wird gegebenenfalls betrachtet. Für jedes Kapitel abschließend werden noch diverse Fallbeispiele angeführt, die entweder aufgrund ihrer Vorreiterrolle auf dem jeweiligen Gebiet gewählt wurden, oder die besondere Leistungen vollbracht haben, und somit erwähnenswert scheinen und ihren Teil zum Werdegang des Genres beigetragen haben. Im abschließenden Fazit dann wird die Frage erläutert, ob das Voranschreiten der Möglichkeiten bei der Computeranimation irgendwann dazu führen wird, dass in zunehmendem Maße Schauspieler durch computergenerierte Avatare ersetzt werden.

2. Einleitung

Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert der „lebenden Bilder“. [Hemk00] Der Film eroberte die Welt, gefeiert als Kunstform. Im Rahmen der Entwicklung dieser ästhetischen Ausdrucksform entwickelten sich parallel zwei verschiedene Arten des Films: der Zeichentrick- und der Realfilm. Während der Zeichentrickfilm von Grund auf ein synthetisches Produkt ist, welches nur eine Abbildung der realen oder einer phantastischen Welt vorgaukelt, war der Realfilm ursprünglich eine Momentaufnahme von wirklichen Geschehnissen. [Esse97] Erst die Entwicklung der Visual Effects, also der Einbindung von künstlichen Bildern in Realfilme und somit die Veränderung des abgefilmten Bildes, brachte beide Welten ein Stück näher zueinander. Der Begriff der Manipulation spielte seit der Erfindung dieser Möglichkeiten zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine große Rolle in der Filmkunst an sich. [Gies85] Folglich ergab es sich mit der Zeit und der fortschreitenden Entwicklung, dass in beiden Genres die Bilder nahezu beliebig nach dem Willen des Filmemachers verändert werden konnten.

Während der Computer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Siegeszug in diversen Bereichen des Lebens begann, profitierte auch der Film vom Einsatz des digitalen Mediums. Zunächst begann man, visuelle Effekte mittels CGI-Unterstützung preiswerter und glaubwürdiger zu erschaffen, als dies zuvor möglich gewesen war. Dann wirkte sich die enorme Effizienz der computerisierten Nachbearbeitung auch auf die Welt der Zeichentrickfilme aus.

Mit den steigenden Möglichkeiten des Computers wurde eine Entwicklung begonnen, die dafür sorgte, dass große Teile jeder Form von Film häufig teilweise durch Rechner generiert wurden. Diese steigerte sich noch, als man damit begann, Filme vollständig künstlich zu erschaffen und somit ganze Welten im Computer zu generieren. Das neue Genre des Animationsfilms nahm aufgrund seiner Popularität und Bildgewalt innerhalb von kurzer Zeit die Stelle des Zeichentrickfilms in der Zuschauergunst ein. [I25]

Die Darstellung von Menschen in CGI-Produktionen stellte und stellt die Techniker jedoch vor diverse Probleme. Der komplexe Aktionsapparat des Menschen schien bisher nicht glaubhaft abbildbar zu sein. [Rick00] Nichtsdestotrotz wurden zu Beginn des 21. Jahrhunderts schon Versuche unternommen, den Menschen durch computergenerierte Darsteller zu ersetzen. [I24]

Es stellt sich also offensichtlich die Frage, ob und wann computergenerierte Figuren menschliche Schauspieler ergänzen, wenn nicht sogar ersetzen können.

3. Zeichentrickfilm

Der klassische Zeichentrickfilm war eine der frühen Möglichkeiten, die Menschen mittels artifiziell erstellten Figuren zu unterhalten. Die meist handgezeichneten Charaktere erinnern mit ihrem Aussehen an animierte Comicstrip-Charaktere und haben meist auch in etwa denselben Unterhaltungswert. Erstmals wurde es mit Zeichentrickfilmen möglich, ohne aufwändige Kulissenaufbauten oder Miniaturen ganze Welten auf der Kinoleinwand zu erzeugen. Der Zeichentrickfilm soll hier als erstes Beispiel zur künstlichen Genesis von Filmcharakteren dienen und als solches diese Ausarbeitung einleiten.

3.1. Die Geschichte der Zeichentrickfilme

Der Zeichentrickfilm, wenn auch selbstverständlich in Koexistenz mit dem Realfilm vereint, stellt ein gänzlich anderes Metier dar. Er nutzt die Filmkamera eher als Fotoapparat, denn als Aufzeichnungsmedium. Der „Trick“ ist es hier, aus vielen Tausend gemalten Einzelbildern ein harmonisches Ganzes entstehen zu lassen, das den Eindruck des „Abgefilmten“ glaubhaft vermittelt. Auch die Welt, in der Trickfilme spielen ist eine Kunstwelt, für deren Entstehung die Realwelt nur als Vorbild dient. [Esse97]

Die Entstehung des Trickfilms reicht weit zurück, bis hin zu frühen Methoden mittels mechanischer Drehung und Bewegung die Trägheit des menschlichen Auges zum Zwecke der Schaffung einer Illusion zu nutzen.

Als Pioniere des klassischen Zeichentrickfilms gelten aber wohl der Spanier Segundo de Chomón und der Amerikaner James Stuart Blackton, die mit ihren frühen Werken bereits um 1900 erste Versuche im Genre unternahmen.

Der Franzose Emile Cohl jedoch, der 1908 im Auftrag mit der Firma Gaumont den Zeichentrickfilm Fantasmagorie herausbrachte, gilt allgemein als Erfinder der gezeichneten Charakteranimation. Durch seine späteren Erfolge in den USA motiviert, wechselten diverse amerikanische Comic-Zeichner das Genre und versuchten sich ebenfalls als Animateur.

Im Jahre 1911 produzierte der Zeichner Winsor McCay den ersten farbigen Kurzfilm, der auf seinen „Little Nemo“-Comics basierte. Dies erreichte er, indem er einfach die Flächen direkt auf dem Filmstreifen bemalte.

1914 entwickelte John Bray dann eine neue chemische Methode, die das separate Zeichnen von Figuren und Hintergrund ermöglichte. Dadurch konnte die Produktion enorm beschleunigt werden. Etwa im selben Jahr entwickelten Raoul Barr und William Nolan eine Technik zur Fixierung von verschiedenen Schichten auf einem Animationsstand, die für viele Jahre den Standard in der Trickfilm-Produktion darstellen sollte. Außerdem schufen sie eine Fließband-Methode und teilten somit den Entstehungsprozess in verschiedene Phasen auf, was erneut zu einer Beschleunigung des Verfahrens beitrug.

In den folgenden Jahren reiften die angewandten Techniken, bis zum Ende der 20er Jahre Walt Disney auf den Plan trat, um zum erfolgreichsten Zeichentrickfilmmacher aller Zeiten zu werden. Seine Werke „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ (1927), „Pinnochio“ (1940) oder Bambi (1942) [I8] setzten Maßstäbe und wurden zum Gestaltungsmuster für gezeichnete Kinofilme. Ein Problem, das Disney dabei gelöst hatte, war der in Zeichentrickfilmen bisher fehlende Parallax-Effekt, also die Unterschiede in Bewegungsgeschwindigkeit und –distanz von Figuren, die in verschiedenen Entfernungen dargestellt werden sollten. Diese Aufgabe war bisher nur unbefriedigend gelöst worden und so entwickelte Disney eine Multi-Ebenen Kamera, die es ermöglichte, jede Schicht des Bildes separat zu animieren und so den Eindruck von Tiefe glaubhaft zu erzeugen. Diese Kamera, die recht umständlich zu bedienen war, wurde erstmals im Kurzfilm „The Old Mill“ von 1938 getestet, bevor sie dann in „Schneewittchen“ zum Einsatz kam. Das unglaublich realistische Anmuten war schließlich auch einer der Erfolgsfaktoren des Films und so konnte Disney beweisen, dass es möglich war, einen abendfüllenden Zeichentrickfilm zum Erfolg zu machen. Die Multi-Ebenen Kamera als elementarer Baustein für die Erstellung von Zeichentrickfilmen wurde erst mit Einführung der Computertechnologie in den 80er Jahren abgelöst.

Aber auch ein weiterer großer Konzern trat auf den Plan. Die Warner Brothers Studios produzierten bis zum Jahre 1963 mehr Trickfilmcharaktere als alle anderen Studios und feierten mit Bugs Bunny und Co. besonders im TV-Bereich große Erfolge.

Nach dem zweiten Weltkrieg beschäftigten sich vornehmlich junge Künstler mit dem Medium Trickfilm. Durch neue Gestaltungswege und metaphorische Erzählweisen prägten sie den Weg der Animation in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. [Sche03, Rick00, Gies03, Malt91]

Besonders der tschechische Zeichentrickfilm gilt als Begründer einer neuen Welle von Produktionen aus dem damaligen Ostblock. Animationsfilme der Zagreber Schule, der bulgarischen und polnischen Filmemacher dominierten über Jahre die internationalen Filmfestivals, aber auch die deutschen Versuche des Dresdner Trickfilmstudios DEFA konnten im internationalen Vergleich bestehen. [Sche03]

Im Jahre 1986 wurde die nächste Innovation dann geboren. Disney entwickelte in Zusammenarbeit mit Pixar das CAPS (Computer Animation Production System). Hiermit war es möglich, viele der klassischen Aufgaben von Animateuren mit dem Computer zu erledigen. Auch ein digitales Colorierungs-System war enthalten, was es den Zeichnern ermöglichte, wesentlich produktiver die Frames mit Farbe zu versehen. Neben dem Ausmalen von Konturen konnte das Programm auch für diverse Special Effects genutzt werden, ebenso wie für das zusammenfügen verschiedener Schichten einer Szene ohne Multi-Ebenen Kamera. Der erste abendfüllende Zeichentrickfilm, der vollständig mit Unterstützung von CAPS entstand war „The Rescuers Down Under“ von 1990. Seitdem wurden in klassischen Zeichentrickfilmen auch Elemente der 3D-Animation eingesetzt. [Rick00] Trotzdem konnte das Genre der Zeichentrickfilme nicht nur Vorteile aus der 3D-Animation ziehen. Nachdem im Jahre 2004 die Disney Studios mit „Die Kühe sind los“ den letzten von ihnen produzierten 2-dimensionalen Zeichentrickfilm ankündigten sieht es derzeit so aus, als stellten die Animationsfilme mit ihrem großen Zuschauerzuspruch das Ende des klassischen Zeichentrickfilms auf der großen Bühne des Kinos dar. [I25]

3.2. Die Walt Disney Studios

Walter E. Disney begann seine Karriere als Mitarbeiter einer Werbeagentur in Kansas City. Gemeinsam mit seinem Kollegen Ub Iwerks produzierte er Werbespots sowie kleine Animationsfilme namens „Alice“ für lokale Kinos. Anfang der 20er Jahre hatten seine privaten Proben im Zeichentrickbereich Erfolg. Er kreierte aus dem Hasen Oswald die Figur Mickey Mouse und mit ihr eine Ikone der Filmgeschichte. In ihrem ersten Film „Steamboat Willy“ (1928) begann sie ihre Karriere.

In den folgenden Jahren gesellten sich weitere klassische Helden wie Donald Duck und Pluto ihr hinzu. Der Erfolg als Kurzfilm im Vorprogramm von Kinovorführungen gezeigt zu werden, reichte Disney schnell nicht aus. So produzierte er im Jahr 1937 seinen ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Der Film war ein Erfolg und ermöglichte es Disney, sein Studio auszubauen und die Mitarbeiterzahl deutlich aufzustocken. Dieser Trend sollte lange anhalten und konnte erst von den Möglichkeiten des Computerzeitalters, mit geringerem Personalaufwand einen Film pro Jahr zu produzieren, wieder aufgehalten werden. In der folgenden Zeit begann Disney auch vermehrt Realfilme mit kindgerechten Geschichten zu produzieren. Dadurch wurde sein Name bald zum Synonym für Familienunterhaltung.

Als lukrativster Zweig seines Unternehmens jedoch entpuppte sich die Merchandising-Abteilung. Bücher, Spielzeug, Puppen oder ähnliches wurden unter Lizenz produziert und millionenfach verkauft.

Im Jahre 1955 wurde der erste Vergnügungspark „Disneyland“ in Anaheim, Florida fertig gestellt, der mittlerweile verschiedene Ableger bekommen hat.

Heutzutage stellt der Disney-Konzern die Spitze des größten Showbusiness-Unternehmens der Welt dar. [Gies00, Fuch88]

3.3. Wie ein Zeichentrickfilm entsteht

Der klassische Arbeitsablauf großer Studios beginnt mit einem Drehbuch und dem Entwurf der handelnden Figuren. Das Drehbuch ist Grundlage für das Storyboard, in dem für jede Einstellung mindestens eine Zeichnung steht, aus der Kameraeinstellung, Bewegung der Figuren und Art des Hintergrundes erkennbar sind. Nach dem Storyboard werden Layouts gezeichnet, und zwar in der Größe, in der sowohl Animatoren wie Hintergrundkünstler arbeiten. Für jede Figur existiert ein modelsheet, das die Vorlage für alle Zeichner darstellt.

Üblicherweise werden, wenn das Drehbuch komplett ist, die Sprecher der Figuren aufgenommen. Die fertigen Dialoge werden vom trackreader (heutzutage oft eine Software) Laut für Laut in die X-Sheets ("exposure sheets") eingetragen. Das X-sheet ist ein einzelbildgenaues Drehbuch für jede einzelne Einstellung, das für den Animator und den Kameramann verbindlich ist. In ihm werden neben dem Dialog sämtliche Kamerabewegungen, vor allem aber der zeitliche Ablauf (Timing) der Bewegungen der Figuren festgehalten.

Der Animator erhält das Storyboard, die nötigen Modelsheets, eine Kopie des Layouts und das X-Sheet. Er entwirft nun mit einigen skizzenhaften Zeichnungen das Gerüst der Animation, die "Keyframes" oder Hauptphasen. Das sind jene Zeichnungen, die die Bewegung definieren. Um seine Arbeit zu überprüfen, nimmt er sie mit dem linetester auf, einer Software, die per Videokamera aufgenommene Zeichnungen auf einem Rechner abspielt. Dabei kann er jede Zeichnung so lange in der Zeit verschieben, bis das Timing passt. Sind der Animator und der Regisseur mit der Szene zufrieden, geht die "rough animation" zum Assistenten des Animators. Der zeichnet die "cleanups", also Reinzeichnungen der Keyframes, getreu nach den Vorgaben des Modelsheets, und fügt evtl. "breakdowns" hinzu. Das sind Zeichnungen zwischen den Keyframes, die die Bewegung noch genauer definieren. Der wachsende Stapel Papier gelangt nun zum Inbetweener oder Zwischenphasenzeichner, der die immer noch fehlenden Zeichnungen zwischen die bereits existierenden einfügt.

Für normale Bewegungen genügen 12 Zeichnungen pro Sekunde Film, bei extrem schnellen, oder Bewegungen quer durchs Bild braucht es schon mal 24 Zeichnungen. Der Standard wie z. B. bei Disney liegt bei etwa 18 Zeichnungen pro Sekunde. TV-Serien kommen stellenweise mit 6 Zeichnungen pro Sekunde aus. Manchmal sind viele Zeichnungen pro Sekunde auch nicht notwendig, wie bei besonders illustrierten Standbildern im Kunstfilm oder als Bildergeschichten.

Sind sämtliche Zeichnungen vorhanden, ist die Szene mehrfach getestet und abgenommen, kann sie coloriert werden. Früher wurden sämtliche Zeichnungen auf Folie übertragen oder kopiert und diese dann per Hand auf der Rückseite ausgemalt. Heutzutage findet das Colorieren immer mehr im Computer statt. Der Colorist arbeitet dann am Bildschirm mit den eingescannten Zeichnungen. Animationssoftware kann dabei viel automatisieren, per Hand wird nur noch das erste Bild einer Szene coloriert - der Computer coloriert alle weiteren Phasen - danach werden natürlich eventuelle Fehler korrigiert.

In der Zwischenzeit wurden die Hintergründe gemalt. Früher trafen sich die Hintergründe mit den bemalten Folien unter der Kamera wieder, heute werden auch sie eingescannt, oder sogar ganz am Computer gemalt. Das Zusammenstellen ("Compositing") der verschiedenen Teile der Animation über dem Hintergrund bietet Gelegenheit, noch Spezialeffekte einzufügen. Sind alle Einzelteile eingefügt, wird die Szene gerendert und entweder digital gespeichert oder auf Zelluloid-Film ausbelichtet.

Von Anfang an wurden Trickfilm-Techniken ständig weiterentwickelt und sind bis heute trotz neuer Animationstechniken noch gebräuchlich. Dabei hat jede Technik ihre eigene Ästhetik hervorgebracht. Die Entscheidung für eine bestimmte Animationstechnik wird heute vor allem unter kommerziellen Gesichtspunkten getroffen, wodurch der Großteil sämtlicher Trickproduktionen entweder Zeichentrick oder 3-D-Computeranimation ist, weil diese beiden Techniken sich am besten für industrielle Produktion mit vielen spezialisierten Arbeitsabläufen eignen. Alle anderen Techniken werden hauptsächlich im Kurzfilm, in der Werbung und natürlich an Filmhochschulen verwendet. Sie erfordern auch eher eine künstlerische Herangehensweise und eine zentrale Person im Arbeitsablauf.

Raoul Barré und William C. Nolan, die 1914 das erste Zeichentrickstudio gründeten, erfanden gemeinsam zwei revolutionäre Verfahren der Tricktechnik zur Zeit der transparenten Papierrollen. Verschiedene Animatoren hatten sich unterschiedliche Methoden ausgedacht, um Linien originalgetreu auf neue Papiere zu übertragen. Diese Methoden funktionierten allerdings alle nicht sehr zufriedenstellend. Barré und Nolan machten zwei Löcher in die Unterseite aller ihrer Papiere und steckten sie auf zwei auf den Tisch geklebte Stifte (englisch peg = Stift, Pflock), womit das Peg-System geboren war, das bis heute praktiziert wird. Die Grundlage des Slash-Systems, das sie ebenfalls erfanden, war das Abreißen des gezeichneten Papiers, um eine Veränderung und damit Bewegung auf dem darunterliegenden Papier zu zeigen. Falls ein Charakter beispielsweise seinen Arm bewegen soll, besteht das erste Papier aus dem Charakter selber und einem Hintergrund. Der zu bewegende Arm wird dann vorsichtig herausgeschnitten, um das darunterliegende Papier zum Vorschein kommen zu lassen, auf der dann eine neue Position des Arms gezeichnet wird. So ersparten sich die Animatoren die unnötige Arbeit, gleich bleibende Zeichnungen immer wieder neu zu zeichnen. Das Slash-System überlebte die 20er an einigen populären Studios, bis es durch Earl Hurds Zelluloidstreifen, den so genannten „Cels”, ersetzt wurde. Die Folien ermöglichten die wohl gebräuchlichste Technik bei der Produktion eines Zeichentrickfilmes: den Tricktisch. An ihm werden die einzelnen Folien auf einer matten Glasscheibe übereinandergelegt und Bild für Bild abgelichtet. Eine Einzelbildkamera (Rotoskop) ist zu diesem Zweck höhenverstellbar über dem Tisch angebracht. Dank der genormten Lochung (Peg-System) sind die Folien starr ausgerichtet. Wenn eine Szene arrangiert ist, wird sie fotografiert. [Malt91, Gies03, Sche03]

3.4. Fallbeispiele

Im folgenden Abschnitt werden diverse wegweisende Zeichentrickproduktionen vorgestellt. Hierbei wurde als klassisches Beispiel der erste abendfüllende Zeichentrickfilm von Walt Disney „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ gewählt. Das Beispiel „Werner-Beinhart“ steht hier als erfolgreichster in Deutschland produzierter Zeichentrickfilm als Beispiel für die hiesige Industrie.

Als erfolgreichster klassischer Zeichentrickfilm der Nachkriegsgeschichte gilt „Der König der Löwen“ aus dem Hause Disney. Diese Eigenschaft lässt ihn diese Aufzählung abschließen.

3.4.1. Schneewittchen und die sieben Zwerge

Wie bereits erwähnt wurde, ist Schneewittchen als der erste abendfüllende Zeichentrickfilm, in den Disney Studios im Jahre 1937 entstanden. Der Film wurde mit dem Erlös von Disneys früherem Erfolg „Three Little Pigs“ finanziert und hatte ein Budget von geschätzten 1,7 Millionen Dollar. Während der Produktion wurde häufig von Kollegen und Kritikern über „Disney’s Folly“ im Sinne von Disneys Wahnwitz gesprochen, da man zur damaligen Zeit eine Produktion dieses Ausmaßes für nicht Erfolg versprechend hielt. Sie sollten jedoch eines Besseren belehrt werden. Das Einspielergebnis bis ins Heute beträgt etwa 650 Millionen Dollar, wobei das Werk hierfür acht mal wieder in die Kinos kam, zuletzt in einer grundrestaurierten Version im Jahr 1993, die bereits komplett digitalisiert und gereinigt worden war. Unter Einbeziehung der Inflation handelt es sich bei Schneewittchen demnach um den zehnt-erfolgreichsten Film aller Zeiten was das Einspielergebnis an der Kinokasse betrifft. Damit ist die Gebrüder Grimm-Adaption auch der erfolgreichste Zeichentrickfilm, der je entstand.

Die Produktion beschäftigte damals ca. 750 Mitarbeiter, wobei allein mit der zeichnerischen Umsetzung des Ganzen ca. 500 Personen betraut waren. Hierfür wurde die noch neue Methode der Multi-Ebenen Kamera genutzt, die den Produktionsprozess wesentlich vereinfachte und mit der eine Illusion der optischen Tiefe erzeugt werden konnte.

Der Film bekam als Begründer eines neuen Genres und einer neuen Ära des Zeichentrickfilms einen Ehren-Oscar sowie für jeden Zwerg eine Oscar Miniatur, die im Jahr 1938 von der Schauspielerin Shirley Temple überreicht wurden.

Als Video wurde Schneewittchen erstmals im Jahre 1994 herausgegeben und somit später als viele andere frühen Werke von Disney.

Ein aus deutscher Sicht interessanter Fakt ist, dass der Film bereits dreimal synchronisiert wurde. Eine Fassung existierte bereits zum deutschen Kinostart, der übrigens erst im Jahr 1950 stattfand, was angesichts des Zweiten Weltkriegs durchaus erklärbar ist. Die zweite Fassung entstand zu seiner Wiederaufführung 1966, während 1994 für die Veröffentlichung auf Video eine dritte Fassung aufgenommen wurde. [I8, I19, I20, I21, Rick00, Malt91]

3.4.2. Werner – Beinhart

Der Film „Werner – Beinhart“ aus dem Jahre 1990 wurde in diese Fallbeispielsammlung deshalb aufgenommen, weil er bis heute der erfolgreichste deutsche Zeichentrickfilm ist.

Die beliebte Comic-Figur des Zeichners Rötger Feldmann hatte bereits vorher in seinem angestammten Bereich viele Erfolge (15 Millionen Leser) gefeiert und auch nach diesem Film erschienen noch 3 weitere Filme aus den Achterbahn-Studios.

Der Film, der von Produzent Bernd Eichinger und seiner Firma Constantin Film mit sechs Millionen Deutschen Mark finanziert wurde (über 80 Zeichner arbeiteten daran mit), lockte allein in Deutschland 4,9 Millionen Zuschauer in die Kinos. Damit wurde Werner-Beinhart zum dritt-erfolgreichsten Film des Jahres in Deutschland.

Auf internationalem Parkett blieb dem Film jedoch aufgrund des doch sehr lokal gehaltenen Humors der Erfolg versagt, zumal die Veröffentlichung durch die speziell auf die Figuren zugeschnittenen Stimmen mit Wiedererkennungswert nur auf eine deutschsprachige Synchronfassung beschränkt war. Dieses Problem tritt gerade bei deutschen Zeichentrickfilmen und Komödien häufiger auf, während amerikanische Produktionen aufgrund der großen Akzeptanz der englischen Sprache einen wesentlich größeren Verbreitungsradius haben. [I9, I7]

3.4.3. Der König der Löwen

„Der König der Löwen“ erschien im Jahre 1994 und galt seitdem als der erfolgreichste Animationsfilm der Neuzeit, der erst durch den CGI-Film „Findet Nemo“ übertroffen wurde. Mit einem Budget von geschätzten 79 Millionen Dollar spielte er weltweit etwa 784 Millionen Dollar ein. [I20]

Es handelt sich hierbei um den 32. Film aus Disneys Animationsstudios und er basiert auf der Vorlage einer japanischen Zeichentrickserie („Kimba der Weiße Löwe“) aus den 60er Jahren.

Auch war der Film das erste Beispiel dafür, dass in einem Disney-Film ein Hauptcharakter, der nicht böse ist (der Vater des kleinen Löwen Simba), sterben musste.

Im König der Löwen wurde in hohem Maße die Technik der Computeranimation zur Unterstützung der Zeichner verwendet, indem beispielsweise große Mengen von Tieren mit ihrer Hilfe glaubhaft dargestellt werden konnten.

Seinen Erfolg hat der Film unter anderem auch dem populären Soundtrack von Sir Elton John zu verdanken, der dafür den Oscar für die beste Filmmusik im Erscheinungsjahr erhielt.

In besonderem Maße diente der Film mit seiner Popularität als Basis für die Zweitverwertung des Materials in Computerspielen und Merchandising-Artikeln, verschiedenen auf Video erschienenen Nachfolgefilmen, mehreren Spin-Off TV-Serien und einem populären Musical um nur einige Beispiele zu nennen. [I8, I20, I22, Gies03]

4. Visual Effects

Nach den Zeichentrickfilmen möchten wir zunächst die Visual Effects beleuchten. Der Begriff „Visual Effects“ ist eigentlich nur eine neumodische Ausdrucksweise für die Methodik, mit der in Filmen auf verschiedene Art und Weise eine optische Illusion erzeugt wird. Eigentlich geht es dabei darum, mit filmischen Mitteln eine kostengünstige Möglichkeit zu schaffen, Szenen darzustellen, die entweder in der Realität nicht zu erzeugen wären, wie beispielsweise die Umgebung in Science-Fiction Filmen, oder die nur sehr teuer oder mühselig herzustellen wären, man denke an aufwändige Kulissen oder ähnliches.

Wir werden in diesem Kapitel zunächst einen Blick in die Geschichte der Visual Effects werfen. Hierbei schaffen wir eine für unsere Zwecke ausreichende Definition des Begriffs und stellen in einem historischen Kontext die verschiedenen Verfahren zur Produktion von visuellen Effekten dar.

Im nächsten Abschnitt dann zeigen wir die unterschiedlichen Techniken im Detail auf und gehen hier auf die Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden ein.

Im Anschluss werfen wir einen Blick auf Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, Visual Effects zu erstellen. Das Geschäftsmodell „Visual Effects“ steht hier im Vordergrund.

Auch in deutschen Filmen werden visuelle Effekte verwendet. Wir betrachten im nächsten Abschnitt deutsche Produktionen und die spezielle Verwendung von Visual Effects hierzulande.

Zum Abschluss dieses Kapitels werfen wir noch einen Blick auf bekannte oder markante Fallbeispiele sowohl nationalen als auch internationalen Ursprungs.

4.1. Die Geschichte der Visual Effects

Die Geschichte der Visual Effects ist so alt wie die Geschichte des Films an sich. Prinzipiell kann man mit diesem Begriff auch den Film an sich meinen, denn allein die Darstellung filmischen Materials kommt einer optischen Täuschung gleich. [Rick00]

Wir wollen uns jedoch in diesem Abschnitt eine Begriffsdefinition aufbauen, die wir in diesem Zusammenhang auch später in dieser Arbeit verwenden werden. Visual Effects im Sinne dieser Ausarbeitung bezeichnet filmische Tricks, die versuchen, dem Betrachter Dinge vorzugaukeln, die nicht vom realen Vorbild abgefilmt wurden. So zählen wir hier beispielsweise das „Verkleinern“ von Darstellern im Zusammenspiel mit anderen Darstellern (beispielsweise zur Darstellung von Zwergen) genauso als Visual Effect wie das Schaffen computergenerierter Welten. In diesem Zusammenhang werden wir später dann explizit von CGI-Effekten sprechen. Synonym zum Begriff „Visual Effects“ kann man auch von „Special Effects“ sprechen, wobei dies auch unter Umständen Soundeffekte mit einschließt, auf die wir nicht näher eingehen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach dieser Begriffsklärung kommen wir nun zur Geschichte der Visual Effects. Hier wäre zunächst der „Vater der Special Effects“, der Franzose Georges Méliès zu nennen. Als einer der Pioniere der Filmzeit entdeckte er die neue Technologie im Rahmen der Vorführungen der berühmten Gebrüder Lumière. Er war sodann der erste, der durch einen Zufall begann, visuelle Effekte in seine Werke einfließen zu lassen. Der erste von ihm entdeckte Effekt war die so genannte Stop-action. Durch einen technischen Defekt seiner selbstgebauten Kamera wurde der Drehvorgang angehalten und später fortgesetzt, so dass auf dem belichteten Material urplötzlich an der Stelle des Omnibusses ein Pferd und an der Stelle von Männern Frauen waren. Dieser Wechseltrick wurde über die nächsten Jahre zu einem der populärsten filmischen Effekte, ebenso wie die später von ihm entwickelten Technologien „Fast-Motion“ und „Slow-Motion“. Durch doppelte Belichtung des Materials gelang es ihm beispielsweise in „Indian Rubber Head“ (1902) Menschen mit Bildern sprechen zu lassen. Im selben Jahr machte er auch erste Schritte im Matte-Painting, also der Nutzung aufwändig gemalter Kulissen, als er in „A Trip To The Moon“ (1902) im Stile von Jules Verne eine überdimensionale gemalte Kanone Menschen auf den Mond schießen ließ. [Rick00]

Über mehr als zehn Jahre war Méliès der populärste Filmmacher der Welt, wurde dann jedoch aufgrund seiner dürftigen Geschichten, die nur als Rahmen für die Visual Effects dienten, von anderen Filmmachern wie David Wark Griffith, Robert W. Paul und Charles Urban vom Markt verdrängt. In den USA entwickelte sich in den Jahren zwischen 1910 und 1920 die Filmindustrie hauptsächlich in Süd-Kalifornien, wo die New Yorker Patentwächter den Pionieren nicht so leicht deren patentrechtlich nicht zugelassenes Equipment streitig machen konnten. So entwickelte sich die boomende Filmindustrie in Hollywood. Einer der dortigen Verfechter und zudem einer der ersten Spezialisten der Effekte war Norman O. Dawn, der unter anderem die Technik des Matte-Paintings deutlich weiter entwickelte, indem er den sogenannten Glass Shot erfand, der es ermöglichte, gefilmte Szenen mit gemaltem oder gezeichnetem Material zu kombinieren. [Rick00, Gies00]

Während die generelle Entwicklung des Films mit der Entdeckung der Filmstars einen weiteren Schritt Richtung Moderne machte (bis dato waren die Schauspieler meist anonym gehalten worden) und das Format des Feature Films entdeckt wurde, der erstmals abendfüllende Spielfilme mit Spiellängen um die 90 Minuten ermöglichte, hielt natürlich auch die Entwicklung der visuellen Effekte nicht an.

Mit den stetig steigenden Produktionsbudgets wuchsen auch die Möglichkeiten kontinuierlich an. Die Benutzung von exakt nachgebildeten Modellen und Modellkulissen war ein weiterer Schritt auf diesem Wege. Die amerikanischen Filmemacher standen in den 1920er Jahren jedoch in harter Konkurrenz zu den deutschen Filmstudios, und wurden auch durch deutsche Produktionen maßgeblich beeinflusst. Insbesondere auf dem Gebiet der Special Effects hatten die deutschen Techniker weit die Nase vorn. Sowohl in klassischen Techniken wie doppelter Belichtung von Filmmaterial wie in „Lebende Buddhas“ (1923) wie auch pompösen Spezialeffekt-Spektakeln wie bei „Die Nibelungen“, wo mächtige Kulissen und mechanische Kreaturen genutzt wurden, waren die Deutschen den Hollywood-Machern zu diesem Zeitpunkt überlegen. Auch in der Entwicklung neuer Techniken waren sie führend. So erfanden sie beispielsweise den Shuftan Prozess, also eine Technik, mit der man mittel Spiegeltricks große Kulissen mit kleinen Modellen kombinieren konnte und erlangten gerade mit dieser Technik Weltruf. Ein weiterer herausragender deutscher Film war „Metropolis“ (1926). Obwohl er von geringem finanziellen Erfolg beschieden war, diente er als großes Vorbild für viele amerikanische Produzenten. Zum Unglück der deutschen Filmindustrie ging aber dieses Knowhow in den Kriegsjahren fast vollständig verloren, da viele der kreativen Filmemacher in die USA auswanderten und ihre Ideen fortan in Hollywood umsetzten. [Rick00]

Dort schuf man in den 20er Jahren aufwändig gemachte Großproduktionen wie „Der Dieb von Bagdad“ (1924) und „Ben Hur“ (1925, nicht die bekanntere Farbfilmversion von 1959) die im Bereich des Modell- und Kulissenbaus neue Dimensionen darstellten. Gleichzeitig begann die rasante Entwicklung der Zeichentrickfilme, die vor allem von Pat Sullivan oder Walt Disney produziert wurden. Ein erstes großes Beispiel für die Kombination von per Stop-Motion animierten Dinosauriern mit realen Schauspielern lieferte der Klassiker von 1925 „The Lost World“, der auf einer Romanvorlage von Conan Doyle basiert.

Das Ende der 1920er und der Beginn der 1930er Jahre wurden durch die rapide Verbesserung der Möglichkeiten im Bereich des Tonfilms geprägt. Dies stellte ganz neue Anforderungen an Technik und Produktionsprozesse, da aufgrund des sensiblen Mediums Ton die alten Kameras, die teilweise laut und unhandlich waren, plötzlich auf völlig neue Art den Filmprozess beeinflussten.

Im Jahre 1932 wurde dann in den Universal Studios die erste dedizierte Special Effects Bühne in Betrieb genommen. Der Beruf des Special Effects Technikers gewann deutlich an Anerkennung. Ein weiterer Meilenstein der visuellen Effekte wurde gedreht. King Kong erstaunte in seinem Erscheinungsjahr 1933 sowohl die Fachpresse als auch das Publikum und wurde zum Zugpferd der damaligen Horrorfilmwelle, für die auch wieder die Produktionsfirma Universal verantwortlich zeichnete.

Die 1940er Jahre stellten den Beginn der Ära des Farbfilms dar. Die auch heute noch wohlbekannte Methode Technicolor stellte die Filmemacher vor ganz neue Anforderungen, was die Ausleuchtung von Kulissen und Matte Paintings anging, da jetzt nicht mehr nur der Grauton entsprechend gewählt sein, sondern auch die Farbe vollständig in die Szenerie passen musste.

Gleichzeitig zur Entwicklung der Kinofilme kam noch ein wichtiger Faktor in den späten 1940ern dazu. Das Fernsehen betrat im wahrsten Sinne des Wortes die Bildfläche und begann seinen Siegeszug. In den 50er Jahren wuchs die Anzahl der Haushalte mit Fernsehgerät enorm an. Zum selben Zeitpunkt sank die Anzahl der Kinobesuche rapide ab. [Gies85]

Diese neue Konkurrenzsituation war jedoch zugleich ein Ansporn für die Film- und Kinobranche, die nun im Vergleich mit rauschigem Schwarz-Weiß Fernsehen mit Größe und Bildqualität punkten konnte.

In derselben Zeit feierten Filme mit überdimensionalen mechanisch betriebenen Modellen (Disney’s 20000 Meilen unter dem Meer) und Monstern Erfolge. In diesem Zusammenhang ergab sich eine weitere innovative Idee. Mit dem von Paramount entwickelten sogenannten „Repeater“ etablierte sich ein effektives Bewegungs-Kontroll System, das es ermöglichte, Kamerabewegungen mit denselben Parametern beliebig oft zu wiederholen um beispielsweise Monster und Schauspieler separat zu filmen und die entstandenen Aufnahmen später effektiv zu kombinieren.

In einem der bis dato aufwändigsten Special Effects Filme „Die siebte Reise des Sinbad“ (1959) wurden nahezu alle damals bekannten Effekte miteinander kombiniert. So nutzte der Macher Ray Harryhausen perspektivische Tricks, Split Screens, übergroße und –kleine Requisiten, Matte Painting und Stop-Motion Elemente in einer bis dahin noch nie gesehenen Komplexität. [Gies00]

In den 60er Jahren hatte das Kino immer noch das Problem, dass durch die immer weiter fortschreitende Verbreitung des Fernsehens die Zuschauer ausblieben. Viele Filmtheater mussten zu dieser Zeit geschlossen werden und die Studios reagierten, indem sie sich auf die offensichtlichste Stärke des Kinos beriefen, die schiere Größe der Leinwand. So entstanden die großen epischen Filme dieser Zeit wie „Spartacus“ (1960), „Planet der Affen“ (1968), „Cleopatra“ (1963) oder „Meuterei auf der Bounty“ (1963). Im ersten James Bond-Film „Dr. No“ (1962) kam es zum massiven Einsatz von Rückprojektionseffekten, die das Fahren von Autos ziemlich realistisch nachahmten. Ein Effekt, der bis vor kurzem noch häufige Verwendung fand und erst in der heutigen Zeit durch auf Anhänger montierte Fahrzeuge inklusive kompletter Kamera und Effekttechnik abgelöst wurde. [Rick00]

Nichtsdestotrotz musste die Special Effects Industrie in den späten 60er Jahren herbe Rückschläge hinnehmen. Aufgrund des zunehmenden Drangs nach Realismus – Matte Paintings wurden beispielsweise immer häufiger durch reale Kulissen ersetzt – sahen viele Studios in dieser Zeit in den Special Effects Abteilungen eine willkommene Einsparmöglichkeit. Entweder wurden also die Abteilungen so weit zusammengestrichen, dass die Möglichkeiten stark eingeschränkt waren oder gleich ganz aus dem Etat getilgt.

Nur Disney behielt seine Effektabteilung weiterhin uneingeschränkt bei, um seine fantasievollen Familienfilme wie „Mary Poppins“ (1964) und andere weiterhin zu produzieren. [Rick00]

Im Jahre 1968 mit „2001-Odyssee im Weltraum“ wurde der schwierigen Situation zum Trotz ein absoluter Meilenstein des Genres geschaffen. Wieder hielten diverse Techniken zum ersten Mal Einzug, wie beispielsweise die Repeatable Camera Control, mit der Bewegungen von Raumschiffen realistisch abgebildet werden konnten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 68 Seiten

Details

Titel
Vom Strichmännchen zum Schauspieler – Die Evolution des Animationsfilms
Untertitel
Eine Analyse der Symbiose aus Zeichentrick und Special Effects
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Seminar “Situation der deutschen Filmwirtschaft”
Autoren
Jahr
2005
Seiten
68
Katalognummer
V79000
ISBN (eBook)
9783638736206
Dateigröße
1497 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
26 Online-Referenzen
Schlagworte
Strichmännchen, Schauspieler, Evolution, Animationsfilms, Seminar, Filmwirtschaft”, Zeichentrick, Film, Special Effects, Shrek, Star Wars, Filmwissenschaft, Publizistik
Arbeit zitieren
Sascha Gottwald (Autor)Susanne Richter (Autor), 2005, Vom Strichmännchen zum Schauspieler – Die Evolution des Animationsfilms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79000

Kommentare

  • Gast am 17.11.2008

    Bewertung?.

    Schönen guten Tag!
    Wir sind begeistert von eurem Thema und überlegen, uns die ganze Arbeit zu downloaden...
    Wie wurde eure Semiarbeit denn bewertet?
    Lg Maria, Stephanie und Anna

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Titel: Vom Strichmännchen zum Schauspieler – Die Evolution des Animationsfilms


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