Deleuze’ Werk stellt sowohl die Alleinherrschaft des Signifikanten in Frage, als auch seinen sinnvollen Gebrauch im und als Buch. Die zwanglos komponierende Schreibweise seines Buches [Der] Tausend Plateaus wird nur geregelt im und durch den Diskurs der Topologie. Dessen Aussageformationen beginnen hier in jenen Gedankenexperimenten, welche nicht nur von Derrida und Foucault postuliert wurden, um einen zugleich erkenntniserweiternden und anti-wissenschaftlichen Zenit zu markieren. Erreicht wird dieser in seinem später veröffentlichten und dem Titel nach philosophisch anmutenden Buch Logik des Sinns. Inspiriert vom labyrinthischen Kaninchenbau des Mathematikers Lewis Carroll, läßt Deleuze die Gebietsansprüche der Philosophie von rebellischen Armeen mannigfaltiger Metaphernkonstellationen unterwandern. Die Irreführung des Lesers zwischen tausend Plateaus, d. h. Mannigfaltigkeiten des Sinns als Funktion des Unsinns, bleibt Deleuze’ einziger Zweck seines literarischen Stils, der keine neue Schule sein will, sondern eine kreative Werkzeugkiste für die Relektüre des bastelnden Lesers.1 Innerhalb des Buches soll das nomadisierende Denken selbst Teil der Kriegsmaschinerie des Rhizoms werden gegen den genealogischen Baum des Staatsapparates der Philosophie.
Die formelhafte Foucaultrezeption Denken heißt Falten und seinen eigenen poststrukturalistischen Imperativ Setze keinen Punkt, ziehe eine Linie! Verbindet Deleuze in Die Falte zu einer unendlichen Linie des barocken Faltenwurfs. Als gesteigerte Bildlichkeit im Hier und Dort einer Falte schiebt sich an dieser Stelle subversiv das neue Piktorale Paradigma oder Iconic Turn (Mitchell) der kulturphilosophischen Kritik der visuellen Kultur unter Deleuze’ Denken. Alle Diskurse werden ähnlich im expressionistischen Bild einer einzigen ausdrücklichen Falte, fallen zusammen in einer einzigen diskursiven Formation des Piktoralen, d. h. in ähnlichen Variationen derselben Linie (3 obere Abb.). Das subjectum ist Teil der Falte, insofern es Summe der sich mit dem Faltenwurf verändernden Linienbrennpunkte ist (untere Abb.). (Vgl. Deleuze 2000, 30, 37. Vgl. Paul Klee, Pädagogisches Skizzenbuch, Berlin 1965, S. 6. An dieser Stelle ließe sich vom topologischen in den mathematischen Diskurs Wechseln: Das Subjekt als Summe der die Falte formierenden Linienbrennpunkte wäre dann selbst die Summenformel der Fourier-Reihe der von der Falte beschriebenen Kurve.)
Inhaltsverzeichnis
1. Deleuze’ denkende Mannigfaltigkeit des Rhizoms
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des Rhizoms in Gilles Deleuzes Werk, insbesondere im Kontext von „Tausend Plateaus“ und „Differenz und Wiederholung“. Ziel ist es, die rhizomatische Struktur als Alternative zum genealogischen Baummodell der Philosophie zu analysieren und deren Bedeutung für ein nicht-lineares, experimentelles Denken aufzuzeigen.
- Deleuzes Theorie der Mannigfaltigkeiten und Plateaus
- Die Abgrenzung des Rhizoms gegenüber baumartigen Hierarchien
- Die Metaphorik von Karte versus Kopie
- Das Konzept des univoken Seins und die ewige Wiederkehr
- Die Transformation des Denkens durch Falten und Linien
Auszug aus dem Buch
Deleuze’ denkende Mannigfaltigkeit des Rhizoms
Deleuze’ Werk stellt sowohl die Alleinherrschaft des Signifikanten in Frage, als auch seinen sinnvollen Gebrauch im und als Buch. Die zwanglos komponierende Schreibweise seines Buches [Der] Tausend Plateaus wird nur geregelt im und durch den Diskurs der Topologie. Dessen Aussageformationen beginnen hier in jenen Gedankenexperimenten, welche nicht nur von Derrida und Foucault postuliert wurden, um einen zugleich erkenntniserweiternden und antiwissenschaftlichen Zenit zu markieren.
Erreicht wird dieser in seinem später veröffentlichten und dem Titel nach philosophisch anmutenden Buch Logik des Sinns. Inspiriert vom labyrinthischen Kaninchenbau des Mathematikers Lewis Carroll, läßt Deleuze die Gebietsansprüche der Philosophie von rebellischen Armeen mannigfaltiger Metaphernkonstellationen unterwandern. Die Irreführung des Lesers zwischen tausend Plateaus, d. h. Mannigfaltigkeiten des Sinns als Funktion des Unsinns, bleibt Deleuze’ einziger Zweck seines literarischen Stils, der keine neue Schule sein will, sondern eine kreative Werkzeugkiste für die Relektüre des bastelnden Lesers.
Innerhalb des Buches soll das nomadisierende Denken selbst Teil der Kriegsmaschinerie des Rhizoms werden gegen den genealogischen Baum des Staatsapparates der Philosophie. Das Buch ist kein Bild der Welt und noch viel weniger Signifikant. Es ist nicht schöne organische Totalität, auch nicht mehr Einheit des Sinns. […] sondern eine Werkzeugkiste. […] Findet die Stellen in einem Buch, mit denen ihr etwas anfangen könnt. Wir lesen und schreiben nicht mehr in der herkömmlichen Schreibweise. Es gibt keinen Tod des Buches, sondern eine neue Art zu lesen. In einem Buch gibt es nichts zu verstehen, aber viel, dessen man sich bedienen kann. […] Ein Buch muß mit etwas anderem Maschine machen, es muß ein kleines Werkzeug für ein Außen sein. […] Das Buch ist kein Wurzelbaum, sondern Teil eines Rhizoms, Plateau eines Rhizoms für den Leser, zu dem es paßt. […] Ja, nehmt was ihr wollt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Deleuze’ denkende Mannigfaltigkeit des Rhizoms: Dieses Kapitel erläutert die Grundkonzepte des rhizomatischen Denkens bei Deleuze und setzt sie in Kontrast zu traditionellen, hierarchischen Wissensmodellen.
Schlüsselwörter
Rhizom, Deleuze, Mannigfaltigkeit, Plateau, Diskurs, Topologie, Karte, Kopie, univokes Sein, Differenz, Wiederholung, Falte, nomadisches Denken, Poststrukturalismus, Transsemiotik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Theorie Gilles Deleuzes, insbesondere mit dem Begriff des Rhizoms und der damit verbundenen Abkehr von linearen, baumartigen Wissensstrukturen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Mannigfaltigkeit, die mediale Differenz zwischen Karte und Kopie sowie die philosophische Bedeutung von „Differenz und Wiederholung“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Deleuzes Rhizom-Modell eine neue, nicht-hierarchische Art des Lesens und Denkens ermöglicht, die eher einer Werkzeugkiste als einer organischen Totalität gleicht.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wendet eine philosophische Diskursanalyse an, die topologische Konzepte nutzt, um Deleuzes poststrukturalistische Thesen zu explizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil analysiert Deleuzes Werke wie „Tausend Plateaus“ und „Die Falte“ und untersucht die Rolle von Diskursen, Ereignischarakter und der Metapher der Falte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt?
Wichtige Begriffe sind Rhizom, Mannigfaltigkeit, univokes Sein, nomadisches Denken und die Unterscheidung zwischen Karte und Kopie.
In welchem Verhältnis steht die „Karte“ zur „Kopie“ bei Deleuze?
Für Deleuze ist die Kopie ein einschränkendes Abbild des Gleichen, während die Karte ein offenes Experimentierfeld darstellt, das ständig neue Verbindungen zulässt.
Was bedeutet der Imperativ „Setze keinen Punkt, ziehe eine Linie!“?
Dieser Imperativ fordert dazu auf, Denken nicht in abgeschlossenen, statischen Punkten oder Definitionen zu fixieren, sondern in fließenden, prozessualen Linien zu organisieren, die stetig neue Verknüpfungen eingehen.
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- Dr. des. Robert Dennhardt (Author), 2003, Deleuze’ denkende Mannigfaltigkeit des Rhizoms, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79017