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Die sowjetischen Deutschland-Initiativen in den Jahren 1952 bis 1955

Title: Die sowjetischen Deutschland-Initiativen in den Jahren 1952 bis 1955

Seminar Paper , 1999 , 41 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Victoria Krummel (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Summary Excerpt Details

Mitten in die deutsche Wiederbewaffnungsdebatte platzte im März 1952 Stalins Angebot an die westlichen Siegermächte für ein vereinigtes Deutschland. Die Bedingungen: Verzicht auf die deutschen Gebiete jenseits von Oder und Neiße sowie politische und militärische Neutralität des vereinigten Deutschlands. Dieser sogenannten Stalin-Note folgten bis 1955 weitere Deutschland-Initiativen von sowjetischer Seite.

Adenauer lehnte alle diese Angebote unverzüglich und kategorisch ab. Mit den drei Westmächten war er sich einig, dass die Vorstöße aus Moskau im wesentlichen auf die Verhinderung der Integration der Bundesrepublik ins westliche Lager zielten. Für Adenauer war die Stalin-Note nicht mehr als ein „Scheinmanöver“, um die deutsche Öffentlichkeit über die wahren Absichten der Sowjetregierung hinwegzutäuschen.

Diese Bewertung war in der zeitgenössischen Diskussion ebenso heftig umstritten wie im folgenden unter Historikern. Die wissenschaftliche Kontroverse über die Möglichkeiten für eine Vereinigung Deutschlands auf der Basis der damaligen sowjetischen Verhandlungsangebote ist auch nach 1990 nicht abgerissen. Der Zugang zu den bis dahin verschlossenen östlichen Archiven brachte zwar eine Fülle an neuem Material, reproduzierte aber in den daraus gezogenen Schlüssen die konträre historische Beurteilung der sowjetischen Initiativen aus den 1980er Jahren.

Besonderes Augenmerk wird in dieser Arbeit auf die Ziele und Motive sowjetischer Deutschlandpolitik zwischen 1952 und 1955 gelegt. Unter Bezug auf neueres Quellenmaterial und Sekundärliteratur, die ihre Erkenntnisse hauptsächlich aus der Analyse von Aktenmaterial aus den Archiven des sowjetischen Außenministeriums und der SED gewinnt (v.a. Arbeiten von Gerhard Wettig und Wilfried Loth), wird deutlich, dass es in der sowjetischen Deutschlandpolitik dieser Jahre verschiedene Phasen und Tendenzen gab.

Dennoch haben die sowjetischen Angebote im Sinne Adenauers zu keinem Zeitpunkt Optionen für eine Überwindung der deutschen Teilung eröffnet. Da ein neutrales Gesamtdeutschland auch den militärischen und politischen Interessen der Westmächte widersprach, hat es auf Basis der sowjetischen Deutschland-Initiativen in den Jahren 1952 bis 1955 für eine deutsche Wiedervereinigung keine realistischen Möglichkeiten gegeben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zwei deutsche Staaten - Die Integration in die Machtblöcke

2.1 Die Bundesrepublik - Souveränität durch Integration

2.2 Die DDR - Unter Moskauer Führung

3 Die Notenoffensive Stalins

3.1 Stalins Absichten - Deutungsversuche und Belege

3.2 „Sicherheit für und vor Deutschland“ - Die Reaktion Adenauers und der Westmächte

3.3 „You must organize your own state“ - Die Konsolidierung des Sozialismus in der DDR

4 Sowjetische Deutschlandpolitik nach Stalins Tod

4.1 Während des Interregnums - Der „Plan Berijas“ und der „Neue Kurs“

4.2 Im Zeichen des Zwei-Staaten-Kurses und der Pariser Verträge

5 Resümee

6 Zeittafel

7 Abkürzungen

8 Quellen und Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Optionen für eine deutsche Wiedervereinigung, die sich durch sowjetische Initiativen zwischen 1952 und 1955 eröffnet haben könnten, und analysiert dabei die Motivationen der sowjetischen Deutschlandpolitik sowie die Reaktionen der beteiligten Akteure.

  • Sowjetische Deutschlandpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg
  • Die "Stalin-Note" vom 10. März 1952 und deren Bewertung
  • Integration der beiden deutschen Staaten in die Machtblöcke
  • Der "Neue Kurs" in der DDR und das Interregnum nach Stalins Tod
  • Die Rolle von Konrad Adenauer und der Westmächte

Auszug aus dem Buch

3.1 Stalins Absichten - Deutungsversuche und Belege

In die sich dem Abschluss neigenden Verhandlungen um den EVG-Vertrag und die damit verknüpfte Wiederbewaffnungsdebatte in der Bundesrepublik platzte die sogenannte Stalin-Note. Am 10. März 1952 wurde den Botschaftern der drei Westmächte in Moskau eine Note der Regierung der UdSSR übergeben, der ein Entwurf für einen Friedensvertrag mit Deutschland beilag. Darin war die Wiederherstellung eines einheitlichen Deutschlands vorgesehen, das sich als ein „unabhängiger, demokratischer, friedliebender Staat“ entwickeln sollte. Alle Besatzungstruppen sollten spätestens ein Jahr nach Inkrafttreten des Vertrages abgezogen werden, und den Deutschen wurde der Aufbau eigener nationaler Streitkräfte zu Verteidigungszwecken zugestanden. Die „Friedenswirtschaft“ sollte keinerlei Beschränkungen unterliegen, Grund- und Menschenrechte sollten garantiert sein, und demokratische Parteien und Organisationen sich frei betätigen können.

Als Bedingungen wurde der Verzicht auf die deutschen Gebiete jenseits von Oder und Neiße gefordert, sowie die Verpflichtung Deutschlands, „keinerlei Koalitionen oder Militärbündnisse einzugehen, die sich gegen irgendeinen Staat richten, der mit seinen Streitkräften am Krieg gegen Deutschland teilgenommen hat“. Das kam der Forderung nach Neutralität eines vereinten Deutschlands gleich.

Bemerkenswert ist außerdem die in Aussicht gestellte rechtliche und politische Rehabilitierung aller Angehörigen der Wehrmacht sowie aller ehemaligen Nazis, soweit sie keine Verbrechen begangen hatten, für die sie rechtskräftig verurteilt worden waren, da dieses Entgegenkommen in auffälligem Gegensatz zur scharfen ostdeutschen Polemik gegen die breite „Renazifizierung“ in der Bundesrepublik stand.

Dass diese Moskauer Initiative nicht Ausdruck eines plötzlichen Umlenken Stalins in seinen deutschlandpolitischen Ambitionen war, ist an ihrer Entstehungsgeschichte abzulesen, die in der Kontinuität der seit Herbst 1950 - kurz nach Bekannt werden des Pleven-Plans für eine europäische Armee - wiederholt von ostdeutscher Seite an Bundesregierung und Bundestag gerichteten Vorschläge zur Zusammenkunft eines „Gesamtdeutschen Konstituierendes Rates“ bzw. einer „gesamtdeutschen Beratung“ lag, die über die Bildung einer gesamtdeutschen Regierung verhandeln sollten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige wissenschaftliche Kontroverse um die Stalin-Note und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Möglichkeiten einer deutschen Wiedervereinigung zwischen 1952 und 1955.

2 Zwei deutsche Staaten - Die Integration in die Machtblöcke: Dieses Kapitel beschreibt die politische und ökonomische Einbindung der BRD in den Westen sowie die Transformation der DDR unter sowjetischer Führung nach 1949.

3 Die Notenoffensive Stalins: Hier werden die Inhalte der Stalin-Note von 1952, die Reaktionen Adenauers und der Westmächte sowie die Konsolidierung des sozialistischen Staates in der DDR analysiert.

4 Sowjetische Deutschlandpolitik nach Stalins Tod: Das Kapitel untersucht den Kurswechsel nach Stalins Tod, den "Plan Berijas", den "Neuen Kurs" in der DDR und die endgültige Festlegung auf einen Zwei-Staaten-Kurs bis 1955.

5 Resümee: Das Fazit fasst die Phasen und Tendenzen der sowjetischen Politik zusammen und stellt fest, dass auf der Basis der sowjetischen Angebote keine reale Chance für eine deutsche Einheit bestand.

6 Zeittafel: Eine chronologische Übersicht der Ereignisse von der Stalin-Note 1952 bis zum Staatsvertrag der UdSSR mit der DDR 1955.

7 Abkürzungen: Verzeichnis der im Text verwendeten Abkürzungen.

8 Quellen und Literatur: Liste der benutzten Quellen, Quellensammlungen und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Stalin-Note, deutsche Wiedervereinigung, Adenauer, Westintegration, DDR, Sowjetische Deutschlandpolitik, Neutralität, Kalter Krieg, Pariser Verträge, Sozialismus, Berija, Deutschlandvertrag, Zwei-Staaten-Kurs, EVG, Westmächte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die sowjetische Deutschlandpolitik im Zeitraum von 1952 bis 1955 und analysiert, welche Spielräume für eine deutsche Wiedervereinigung durch sowjetische Initiativen bestanden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die diplomatischen Initiativen Moskaus (insbesondere die Stalin-Note), die Reaktion der westdeutschen Bundesregierung unter Konrad Adenauer sowie die parallele Entwicklung und Konsolidierung der DDR.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Frage ist, ob die sowjetischen Deutschland-Initiativen zwischen 1952 und 1955 ernsthafte Optionen für eine Wiedervereinigung boten oder primär als Propagandamittel zur Störung der Westintegration dienten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse von Quellenmaterial, inklusive Akten aus sowjetischen Archiven, sowie der Auswertung zeitgenössischer und aktueller wissenschaftlicher Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Integration der beiden deutschen Staaten, die Notenoffensive Stalins und deren Ablehnung, sowie die sowjetische Politik nach Stalins Tod, einschließlich des "Neuen Kurses" in der DDR.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Stalin-Note, Westintegration, deutsche Einheit, sowjetische Außenpolitik, Konrad Adenauer, DDR-Konsolidierung.

Warum lehnte Adenauer die Stalin-Note von 1952 kategorisch ab?

Adenauer befürchtete, dass die Neutralisierung Deutschlands den Preis für eine Wiedervereinigung zu hoch ansetzte und sein primäres Ziel, die feste Westbindung der Bundesrepublik zur Sicherung der Demokratie, gefährdete.

Welche Bedeutung hatte der "Neue Kurs" in der DDR?

Der "Neue Kurs" war eine Reaktion auf die ökonomische Krise und Massenflucht nach Stalins Tod, die auf eine kurzzeitige Stabilisierung abzielte, ohne jedoch den Weg zum Sozialismus grundsätzlich in Frage zu stellen.

Was unterscheidet den Plan Berijas von der offiziellen sowjetischen Linie?

Berija soll intern sondiert haben, ein neutrales, nicht-kommunistisches Gesamtdeutschland zu akzeptieren, um ökonomische Vorteile für die UdSSR zu gewinnen, konnte sich damit jedoch gegen die konservative Führung um Molotow nicht durchsetzen.

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Details

Title
Die sowjetischen Deutschland-Initiativen in den Jahren 1952 bis 1955
College
University of Osnabrück
Grade
1,0
Author
Victoria Krummel (Author)
Publication Year
1999
Pages
41
Catalog Number
V79043
ISBN (eBook)
9783638850230
Language
German
Tags
Deutschland-Initiativen Jahren
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Victoria Krummel (Author), 1999, Die sowjetischen Deutschland-Initiativen in den Jahren 1952 bis 1955 , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79043
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