Die Bundesregierung legte 2001 das erste Stadtentwicklungsprogramm in ihrer Geschichte auf, mit dem der ersatzlose Abriss von Wohnraum subventioniert wurde. Die bundesdeutsche Stadtentwicklungspolitik, die zuvor stets auf Wachstum ausgerichtet war, erfuhr mit diesem Programm eine radikale Änderung. Grund dafür war der deutliche Wohnraumüberschuss von 1 Million Wohnungen in den Neuen Bundesländern, der in Folge von politischen Fehlsteuerungen entstanden war. Vor allem der Druck ostdeutscher Wohnungsunternehmen führte 2001 zur Auflage des Milliarden-Programms „Stadtumbau Ost“. Die Hauptziele des Programms lauteten: Konsolidierung des Wohnungsmarktes und Vermeidung des weiteren strukturellen und sozialen "Auseinanderdriftens".
„Steuerung von Schrumpfung“ war das neue Schlagwort in der Stadtentwicklungspolitik. Doch wie ist diese Steuerung einzuschätzen? Forschungsarbeiten dazu finden sich in verschiedensten Fachrichtungen, wobei die ForscherInnen bezüglich der Steuerungspotenziale und -erfolge des Programms zu durchaus unterschiedlichen Einschätzungen kommen.
Dabei wird kaum definiert, was unter „Steuerung der Schrumpfung“ verstanden wird, wenngleich das Wort häufig benutzt wird. Diese Lücke werde ich mit der Einbettung der Arbeit in den Rahmen einer Steuerungstheorie schließen. Der auf die theoretische Rahmensetzung folgende Teil wird einleitend die 2001 bestehenden Schrumpfungsprobleme aufzeigen. Darauf aufbauend erfolgt die Darstellung der Steuerungsziele. Dazu werde ich sowohl die im Programmtext benannten Ziele als auch die auf kommunaler Ebene benannten Präzisierungen der Ziele herausarbeiten. Anschließend folgt die Darstellung der bisherigen Steuerungsergebnisse des „Stadtumbau Ost“. Danach werden unter steuerungstheoretischen Gesichtspunkten die Programmanlage und vor allem die Programmumsetzung analysiert. Vor allem die Einbeziehung verschiedener Akteure in den Stadtumbauprozess wird in diesem Teil der Arbeit ein wichtige Rolle spielen.
Die vorgenannten Analyseschritte – Schrumpfungsprobleme 2001, Steuerungsziele, bisherige Ergebnisse und bisherige Umsetzung – werden anhand des Fallbeispiels Magdeburg exemplarisch durchgeführt. Mit Hilfe dieser Magdeburger Fallanalyse wird vor dem Hintergrund der Steuerungstheorie folgende These überprüft: Eine erfolgreiche Steuerungspolitik baut auf einer kontinuierliche und auf Gegenseitigkeit beruhenden Verständigung zwischen allen Betroffenen auf.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theoretische Grundlagen
- System und Kommunikation
- Komplexität
- Steuerung komplexer Systeme
- „Steuerung der Schrumpfung“
- Empirische Befunde: „Stadtumbau Ost\" in Magdeburg
- Ausgangslage, Ziele und Ergebnisse
- Wohnungswirtschaftliche Probleme 2001
- Wohnungswirtschaftliche Steuerungsziele
- Bisherige Ergebnisse des „Stadtumbau Ost“: Wohnungswirtschaft
- Stadtplanerische Probleme 2001
- Stadtplanerische Steuerungsziele
- Bisherige Ergebnisse des „Stadtumbau Ost“: Stadtplanung
- Zwischenfazit
- Steuerungsmedien, Kooperation und Kommunikation
- Programmanlage: Steuerungsmedium und Steuerungsinstrumente
- Programmumsetzung: Kooperation und Kommunikation
- Zwischenfazit
- Ausgangslage, Ziele und Ergebnisse
- Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Steuerung von Schrumpfungsprozessen am Beispiel des „Stadtumbau Ost“ in Magdeburg. Sie analysiert die Wirksamkeit der Steuerungstheorie in Bezug auf die wohnungswirtschaftlichen und stadtplanerischen Herausforderungen der Stadt Magdeburg. Darüber hinaus werden die Steuerungsmedien, die Kooperation und die Kommunikation im Rahmen des „Stadtumbau Ost“ analysiert.
- Steuerungstheoretische Analyse der Ergebnisse des „Stadtumbau Ost“
- Wohnungswirtschaftliche und stadtplanerische Probleme in Magdeburg
- Steuerungsmedien und -instrumente im Stadtumbauprozess
- Kooperation und Kommunikation zwischen den Akteuren
- Die Wirksamkeit von Steuerung in Bezug auf Schrumpfungsprozesse
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den Kontext des „Stadtumbau Ost“ in Magdeburg dar und erläutert die Herausforderungen, denen die Stadt aufgrund der Schrumpfungsprozesse gegenübersteht. Das erste Kapitel widmet sich den theoretischen Grundlagen der Steuerungstheorie und erläutert die Konzepte von System und Kommunikation, Komplexität und Steuerung komplexer Systeme. Das Kapitel behandelt zudem die spezifische Herausforderung der „Steuerung der Schrumpfung“. Das zweite Kapitel analysiert die empirischen Befunde des „Stadtumbau Ost“ in Magdeburg. Es untersucht die Ausgangslage, die Ziele und die bisherigen Ergebnisse des Programms in Bezug auf die Wohnungswirtschaft und die Stadtplanung. Darüber hinaus werden die Steuerungsmedien, die Kooperation und die Kommunikation im Rahmen des Programms beleuchtet.
Schlüsselwörter
Schrumpfungsmanagement, Stadtumbau, Steuerungstheorie, Komplexität, Kommunikation, Kooperation, Wohnungswirtschaft, Stadtplanung, Magdeburg, „Stadtumbau Ost“.
- Quote paper
- Stefanie Treutler (Author), 2007, Gesellschaftssteuerung durch Stadtumbau?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79100