Reden – Formen des Gesprächs

Bedeutung des Gesprächs und der Sprache für die politische Bildung


Seminararbeit, 2003

13 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Begriffliche Klärung des „Redens“ und seine Abgrenzung gegenüber dem (Unterrichts-)Gespräch

2 Das Unterrichtsgespräch am Beispiel des „politischen Lernens“ als didaktische Funktion

3 Die Funktion von Sprache und Gespräch als Teil des Konstrukts der politischen Bildung

4 Formen des Unterrichtsgesprächs und ihr didaktischer Ort

Resümee

Literaturangaben

Einleitung

Das Thema meiner Ausarbeitung „Reden - Formen des Gesprächs“ werde ich im folgenden unter dem Spezialfall des Unterrichtsgesprächs mit dem Hintergrund einer praktischen Didaktik für den Politikunterricht näher bearbeiten. Hauptquelle wird dabei ein Aufsatz des Leiters des Referats für politische Bildungsarbeit am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien-Universität Berlin, Dr. Peter Massing sein, welcher 1999 in der zweiten Ausgabe von Kursiv-Journal für politische Bildung erschienen ist.

Am formalen Aufbau dieses Aufsatzes werde ich weitgehend festhalten und zuerst eine begriffliche Klärung des Unterrichtsgesprächs an sich präsentieren, gefolgt von einer Verdeutlichung der enormen Bedeutung des Gesprächs und der Sprache für die politische Bildung. Diesem Hauptteil wird sich eine praxisorientierte Passage anschließen, in welcher geklärt werden soll, in welchen Unterrichtssituationen eine bestimmte Form des Gesprächs zu bevorzugen ist. Abschließend werde ich kurz die wesentlichen Ergebnisse und Punkte der Ausarbeitung noch einmal lesergerecht zusammenfassen.

1 Begriffliche Klärung des „Redens“ und seine Abgrenzung gegenüber dem (Unterrichts-)Gespräch

Im Gegensatz zu dem Reden als Gesamtgruppe gesehen, das sich auf außerschulischen politischen Veranstaltungen wie zum Beispiel im Bundestag oft als Aneinanderreihungen endlos scheinender Monologe darbietet, beinhalten Lehr- und Lernveranstaltungen einen sprachlichen und sozialen Verständigungsprozess, sie bestehen also im Grunde aus verbaler Interaktion (vgl. Ritz-Fröhlich 1982, 20).

Da aber genau diese sprachliche Interaktion einen großen Teil sprachlicher, und dadurch auch politischer Kompetenz ausmacht, ist es für eine professionalisierte politische Bildung unerlässlich, eine systematische, theoretische und praktische Beschäftigung mit der Bedeutung und der Funktion des Gesprächs voranzutreiben, was zuvor lange Zeit vernachlässigt wurde. Für das Unterrichtsgespräch als Handlungsform in Unterrichtsprozessen bedeutet dies, zuerst einmal eine begriffliche Klärung oder auch Definition darzubieten, was durch die weit auseinanderdriftenden Ansichten und Vorstellungen der verschiedenen Autoren, die sich zu diesem Thema ausgelassen haben nicht einfacher wird. Dazu kommt noch, dass sich im Laufe der letzten Jahrzehnte jeweils verschiedene vorherrschende Meinungen und Einstellungen zum Unterrichtsgespräch etablierten. Heutzutage würde wahrscheinlich am ehesten die Definition von Sibylle Reinhardt einen Minimalkonsens, also einen Mittelweg zwischen den Extrempositionen bieten, die den Dialog im Klassenzimmer pauschalisierend ausgedrückt entweder als Fluch (Meyer) oder als Segen (Thiele) betrachten: „Unterrichtsgespräch ist eine impulsgesteuerte und breitrahmig strukturierte Kommunikationsform, in der die Lernenden selbsttätig, kooperativ und ertragreich einen Gegenstand (Thema, Material, Problem, Eigenerfahrungen u.a.m.) im Medium des sprachlichen Austauschs bearbeiten. Dieses Unterrichtsgespräch ist zugleich strukturiert und offen (der Widerspruch ist pädagogisch konstitutiv): die Lehrerin bzw. der Lehrer klärt einen Rahmen (z.B. das Fach, den Gegenstand, die interaktive Struktur der Situation) und regt durch Impulse (Anstöße) und – wenn nötig – auch durch engere Fragen an. In diesem Rahmen und mit dieser Hilfe kommunizieren die Lernenden selbständig und produktiv“ (Reinhardt 1999, 57).

Aus dieser, weitestgehend allgemeingültigen Definition eines Unterrichtsgesprächs lassen sich einzelne „Unterformen“ und ihre jeweilige didaktische Funktion ableiten.

2 Das Unterrichtsgespräch am Beispiel des „politischen Lernens“ als didaktische Funktion

Eine hervorgehobene Stellung und Bedeutung des Unterrichtsgesprächs für die politische Bildung, und hier besonders für die Entfaltung von Lernprozessen, wird in der einschlägigen Fachliteratur vorzugsweise mit der sehr engen Verknüpfung von Gespräch und Demokratie begründet, vgl. Mickel 1969, oder wie Beck es ausdrückt: „Je mehr Gespräch, desto mehr Demokratie“ (Beck 1994, 7).

Hieraus lässt sich schon indirekt gerade die enorme Bedeutung sprachlicher Fähigkeiten für das Konstrukt einer „politischen Kompetenz“ ablesen, also die Fähigkeit, Alltagsprobleme in konkrete Begriffe zu fassen und diese im gegenseitigen Dialog zu erörtern und zu diskutieren. Diese „kommunikative Kompetenz“, die einen immer größer werdenden Stellenwert in der heutigen Form der Demokratie einnimmt, macht einen enormen Teil der politischen Kompetenz aus, sie ist quasi essenziell, also auch ein zentrales Ziel politischen Lernens und politischer Bildung. Um dieses Hauptziel zu erreichen, wird die Diskussion und im schulischen Rahmen die Methode des Unterrichtsgesprächs verwendet, es steht sozusagen sowohl für das Ziel, als auch für die Methode der politischen Bildung (vgl. Massing 1999, 32). Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sprachliche Kompetenz, die in jedem Unterrichtsgespräch geschult wird, einen sehr wichtigen Teil politischer Kompetenz darstellt, diese aber wiederum nicht umgekehrt als „ein Spezifikum politischen Lernens abgeleitet werden“ ( Massing 1999, 32) kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Reden – Formen des Gesprächs
Untertitel
Bedeutung des Gesprächs und der Sprache für die politische Bildung
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Soziologie)
Veranstaltung
Einführung in die Fachdidaktik
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V79186
ISBN (eBook)
9783638857017
ISBN (Buch)
9783638853644
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reden, Formen, Gesprächs, Einführung, Fachdidaktik
Arbeit zitieren
Wolfgang Holste (Autor), 2003, Reden – Formen des Gesprächs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79186

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