Um überhaupt grundlegende Aussagen über das musikalische Empfinden und Verstehen des Menschen anstellen zu können, ist es unerlässlich zuerst einmal seine physiologischen Voraussetzungen zu kennen und zu bestimmen. Dies soll im folgenden Kapitel geschehen, in dem kurz auf die anatomische und neurale Entwicklung, sowie auf die Funktionsweise des Ohres eingegangen werden soll.
Als früher Vorläufer unseres heutigen Ohres kann ein Innenohrsystem mit zwei Bogengängen (dienten zur Erhaltung des Gleichgewichts) gelten, das bei 500 Millionen Jahre alten Fossilien von Fischen gefunden wurde. Zudem konnte man ein Seitenliniensystem ausmachen, wie es heute nur noch Fische für das Hören besitzen.
Der Übergang vom Wasser zum Land fand für die ersten Wirbeltiere vor etwa 360 Millionen Jahren statt und bedeutete für das Gehör eine enorme Umstellung. Während das Innenohr mit Flüssigkeit angefüllt ist, was unter Wasser keine Probleme macht, behalf sich die Evolution mit der Konstruktion eines Mittelohrs, in dem über ein Trommelfell und eine Gehörknöchelkette eine Druckwandlung des Luftschalls für das Innenohr mit seiner Flüssigkeitsleitung geschaffen wurde. Allerdings hatten die ersten Amphibien zu dieser Zeit noch kein Außenohr, was auch bei den Reptilien so blieb. Erst als sich im Verlauf von weiteren 50 Millionen Jahren aus den Reptilien einerseits Vögel und andererseits Säugetiere entwickelten, bildete sich als sichtbares Merkmal eine Ohrmuschel bei den Säugern heraus, die meist beweglich ist und das Richtungshören sehr erleichtert. Wichtiger war allerdings die Veränderung der schallempfindlichen Basilarmembran im Innenohr, die bei Säugern wesentlich länger und dünner ist als bei Vögeln oder gar Reptilien, was große Vorteile hinsichtlich der Feinheit der akustischen Analyse hat. Zudem ist diese Basilarmembran bei Säugern fester verankert, wodurch hohe Töne mit sehr kurzen Schwingungen sehr viel besser aufgenommen werden können als tiefe Töne. Der vorerst letzte Schritt hin zum heutigen Gehör des Menschen fand vor etwa 2 Millionen Jahren während der Eiszeit statt, in der sich der Mittelohrraum nach oben ausdehnte. Die damals erworbene Form ist auch noch beim modernen Menschen zu finden (vgl. KLINKE In: SCHMIDT 1985, 242ff.).
Inhaltsverzeichnis
- 1. Entwicklung und Anatomie des Ohres.
- 2. Musiktheoretische Grundlagen.....
- 2.1 Rhythmus und Rhythmisierung...
- 2.2 Metrum, Beat und Puls........
- 2.3 Tempo und Tempowechsel...
- 2.4 Musikalische Gliederungsarten..
- 2.4.1 Der Takt.......
- 2.4.2 Die Phrasierung...
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den musiktheoretischen Grundlagen im Bereich der Gymnastik und des Tanzes. Der Fokus liegt darauf, die physiologischen Voraussetzungen des menschlichen Gehörs zu beleuchten und diese Erkenntnisse mit musikalischen Grundbegriffen in Verbindung zu bringen.
- Anatomie und Funktionsweise des menschlichen Ohres
- Rhythmus und Rhythmisierung in der Bewegung
- Metrum, Beat und Puls als zeitliche Strukturen
- Tempo und Tempowechsel in der Musik und Bewegung
- Musikalische Gliederungsarten: Takt und Phrasierung
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Entwicklung und Anatomie des Ohres: Dieses Kapitel untersucht die Entwicklung und Funktionsweise des menschlichen Ohres. Es beleuchtet die Evolution des Gehörs und die Bedeutung des Innenohrs, Mittelohrs und Außenohrs für die akustische Wahrnehmung.
- Kapitel 2: Musiktheoretische Grundlagen: Dieses Kapitel widmet sich den musiktheoretischen Grundbegriffen, die für die Gymnastik und den Tanz von Bedeutung sind. Es behandelt Themen wie Rhythmus und Rhythmisierung, Metrum, Beat und Puls, Tempo und Tempowechsel sowie die musikalischen Gliederungsarten Takt und Phrasierung.
- Kapitel 2.1: (Bewegungs-) Rhythmus und Rhythmisierung: Dieser Abschnitt befasst sich mit dem Konzept des Rhythmus und der Rhythmisierung in der Bewegung. Es werden die unterschiedlichen zeitlichen und räumlichen Aspekte der Rhythmisierung sowie ihre Bedeutung für die Bewegungsstruktur und die Interaktion zwischen Bewegung, Musik und Sprache erläutert.
- Kapitel 2.2: Metrum, Beat und Puls: Dieses Kapitel erklärt die Begriffe Metrum, Beat und Puls und ihre Beziehung zur Zeit. Es wird die Funktion des Metronoms als Taktgeber sowie die Bedeutung des inneren Taktgefühls für die Bewegung hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit musiktheoretischen Grundlagen, Anatomie und Funktionsweise des menschlichen Ohres, Rhythmus, Rhythmisierung, Metrum, Beat, Puls, Tempo, Tempowechsel, Takt, Phrasierung, Gymnastik und Tanz.
Häufig gestellte Fragen
Wie hat sich das menschliche Gehör entwickelt?
Das Gehör entwickelte sich über Jahrmillionen von einfachen Innenohrsystemen bei Fischen hin zu komplexen Mittel- und Außenohrsystemen bei Säugetieren, die eine präzise Schallwandlung und Richtungshören ermöglichen.
Was ist der Unterschied zwischen Rhythmus und Metrum?
Das Metrum ist das regelmäßige Grundgerüst (der Puls), während der Rhythmus die tatsächliche zeitliche Gestaltung der Töne und Pausen innerhalb dieses Gerüsts beschreibt.
Warum ist Musiktheorie für Gymnastik und Tanz wichtig?
Sie hilft dabei, Bewegungen präzise auf die Musik abzustimmen. Begriffe wie Takt, Phrasierung und Tempo sind essenziell, um Choreografien strukturiert aufzubauen und den Bewegungsfluss zu harmonisieren.
Welche Rolle spielt das Tempo in der Bewegung?
Das Tempo bestimmt die Dynamik einer Übung. Tempowechsel fordern die Anpassungsfähigkeit des Sportlers und können die Intensität sowie den Ausdruck einer tänzerischen Darbietung maßgeblich beeinflussen.
Was bewirkt die Basilarmembran im Innenohr?
Die Basilarmembran ist bei Säugetieren für die Feinheit der akustischen Analyse zuständig. Ihre Beschaffenheit ermöglicht es uns, besonders hohe Töne und feine Schwingungen differenziert wahrzunehmen.
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- Wolfgang Holste (Author), 2002, Musiktheoretische Grundlagen für den Inhaltsbereich Gymnastik / Tanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79190