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Codex AA 91: Zum Verhältnis von Text und Bild im Berner "Parzival"

Title: Codex AA 91: Zum Verhältnis von Text und Bild im Berner "Parzival"

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Nga Tran (Author)

Art - Overall Considerations
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„Weitaus die illustrativ wertvollste Ausschmückung hat die Berner Niederschrift erfahren. Sie bildet eine selbständige Illustration für sich, die trotz mancher Anlehnung an die frühere Bildertradition und vielleicht sogar unter Benutzung einer heute verlorenen Parzivalausgabe, ihre eigene Auffassung voll und ganz zu wahren gewußt hat.“ So urteilt der Kunsthistoriker Karl Benzinger über die jüngste der illustrierten Parzival-Handschriften, den Codex AA 91 (Sigle Gχ bzw. R), der heute in der Burgerbibliothek in Bern aufbewahrt und zu den so genannten Volkshandschriften gezählt wird. Und tatsächlich lassen sich gewisse Eigenheiten beim Berner „Parzival“ feststellen. So fällt zunächst auf, dass die 28 kolorierten Federzeichnungen von einer feinen Haarlinie vollständig oder auch nur teilweise umrahmt werden. Überdies zeichnet sich der Codex dadurch aus, dass die Dichte der Bebilderung und das Format der Illustrationen mehrfach wechseln. Das Spektrum der Bildformate reicht vom Kolumnenbild über querformatige bis hin zu ganzseitigen Illustrationen, die im letzten Drittel der Handschrift zur Norm werden. Besonders dicht bebilderten Büchern (III. und VI. Buch) stehen Bücher (VII. bis X. und XIII. bis XIV. Buch) gegenüber, die gar nicht illustriert werden. Wie lassen sich nun der ungewöhnliche Illustrationstypus und der auffällige Bebilderungsrhythmus erklären?
Ziel dieser Studienarbeit ist es zu zeigen, wie das Verhältnis von Text und Bild im Berner „Parzival“ definiert ist und welche Aufgabe der Bebilderung dabei zukam. Zu diesem Zwecke sollen die Entstehungsumstände zunächst kurz umrissen werden. Anhand ausgewählter Federzeichnungen sollen die formalen Wesensmerkmale in einer Beschreibung herausgearbeitet und in einen gemeinsamen Kontext mit dem Text gebracht werden. Dabei soll auch das Textverständnis von Schreiber, Illustrator und Rezipienten näher beleuchtet werden, um das Text-Bild-Verhältnis in seiner Bedeutung angemessen erfassen zu können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Codex AA 91

2.1. Ausstattung

2.2. Entstehung

2.3. Rubrikator und Illustrator

2.4. Illustrationstypus

2.5. Illustrationsrhythmus

3. Text und Bild

3.1. Verhältnis von Text und Bild

3.2. Verhältnis von Text und Rezipient

4. Interpretation

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Studienarbeit untersucht das Verhältnis von Text und Bild im Berner „Parzival“ (Codex AA 91), um die spezifische Funktion und Bedeutung des dortigen Bildprogramms im Kontext der spätmittelalterlichen Rezeption zu analysieren.

  • Analyse der Entstehungsumstände und der materiellen Beschaffenheit des Codex AA 91.
  • Untersuchung des formalen Illustrationstypus und des Bebilderungsrhythmus.
  • Erforschung der Wechselbeziehung zwischen den textuellen Vorgaben (Rubrikaturen) und den tatsächlichen bildlichen Umsetzungen.
  • Darlegung der Tendenz zur Höfisierung und der Zurückdrängung religiöser Gralsmotive zugunsten weltlich-ritterlicher Identifikationsmodelle.

Auszug aus dem Buch

3.1.Verhältnis von Text und Bild

Die ersten ganzseitigen Illustrationen der Handschrift befinden sich auf der Recto- und Versoseite der fol. 47 und bilden eine zusammenhängende Bildsequenz, die zwischen die Verse 242,8 und 242,9 eingefügt ist.

Die unter einer einzeiligen Rubrikatur eingesetzte, nach oben offene Darstellung auf der Rectoseite (Abb.1) zeigt einen nach rechts ansteigenden Hügel, der mit Gras bewachsen ist. Auf diesem befindet sich die Gralsburg, die vom rechten Bildrand angeschnitten wird. Im Bildvordergrund reitet der gerüstete und an seinem Helm erkennbare Parzival von links ein. Auch er wird vom Bildrand angeschnitten. Einzig sein rotes Kleinod reicht über die Umrahmung hinaus. Ein Bediensteter bzw. Knappe nimmt Parzival in Empfang. Parzivals Rede- bzw. Zeigegestus und des Knappen Zeige- und Grußgestus deuten eine Zwiesprache an. Eine männliche und zwei weibliche Personen schauen hinter den Zinnen des Burgtors hinaus und erweitern so das Personal dieser Szene.

Auf der Versoseite der fol. 47 (Abb.2) – ohne Rubrikatur, aber mit vollständiger Umrahmung – wird die Erzählung fortgeführt. In einem großen, gewölbten Festsaal steht eine mit weißen Tischtüchern bedeckte Tafel, die parallel zur horizontalen Bildachse verläuft und die ganze Bildbreite einnimmt. Dahinter sind die stehende Repanse de Schoye und der sitzende Anfortas durch einem auffällig lebhaften Rede bzw. Zeigegestus miteinander verbunden und auf den von einem Bediensteten präsentierten vollen Teller in der Mitte gerichtet. Vor ihnen stehen goldene, noch leere Teller und Becher. Neben ihnen sitzen zwei weitere Personen, wovon der am rechten Bildrand Sitzende mit Hilfe des roten Gewandes als Parzival zu identifizieren ist. Er verfolgt das Geschehen mit Interesse. Im Gegensatz zum anderen Tischgast versucht er nicht – wie seine Gesten zeigen – sich am Gespräch zu beteiligen, denn er fühlt sich an sein Schweigegebot gebunden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den Forschungsgegenstand Codex AA 91 und Definition der Zielsetzung der Arbeit, die das Verhältnis von Text und Bild untersuchen soll.

2. Der Codex AA 91: Detaillierte Beschreibung der materiellen Ausstattung, Entstehungsgeschichte sowie der Arbeitsprozesse von Rubrikator und Illustrator.

3. Text und Bild: Analyse spezifischer Illustrationen in ihrem Verhältnis zum literarischen Text und der Rolle des Rezipienten bei der Deutung der Bilder.

4. Interpretation: Zusammenfassende Auswertung der Beobachtungen, die eine deutliche Bevorzugung höfischer Weltbilder gegenüber der religiösen Gralsthematik aufzeigt.

5. Schlussbetrachtung: Fazit über die Funktion der Bebilderung als Mittel zur Transportierung bürgerlicher Identifikationsmodelle und Anregung zu weiterführenden Forschungsansätzen.

Schlüsselwörter

Berner Parzival, Codex AA 91, Wolfram von Eschenbach, Buchmalerei, Text-Bild-Verhältnis, Höfische Gesellschaft, Gralsthematik, Rubrikaturen, Spätmittelalter, Identifikationsmodelle, Artuswelt, Rezeption, Illustrationstypus, Handschriften, Literaturgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der illustrierten Parzival-Handschrift Codex AA 91 aus dem 15. Jahrhundert und deren besonderem Verhältnis von Text und Bild.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die materielle Beschaffenheit der Handschrift, die Rolle des Illustrators, der Bebilderungsrhythmus sowie die thematische Gewichtung der Illustrationen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das Verhältnis von Text und Bild definiert ist und welche Aufgabe der Bebilderung im Kontext der Rezeption durch Auftraggeber und Publikum zukam.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine kunsthistorische Analyse der Federzeichnungen in Kombination mit einer literaturwissenschaftlichen Untersuchung des Text-Bild-Kontextes angewandt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung und Gestaltung des Codex sowie spezifische Fallbeispiele (Illustrationen), um die Divergenz zwischen Rubrikaturen und Bildinhalt zu verdeutlichen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind der Berner Parzival, die Höfisierung des Stoffes, das Verhältnis von Text und Bild sowie die Bedeutung der Grals- und Artuswelt für das zeitgenössische Publikum.

Wie unterscheidet sich die Darstellung des Illustrators vom literarischen Text?

Der Illustrator ignoriert teilweise die Rubrikaturen und die religiösen Aspekte des Gralsgeschehens und rückt stattdessen höfische Szenen der Artuswelt in den Vordergrund.

Welche Rolle spielen die Rubrikaturen im Codex?

Die Rubrikaturen dienen als theoretische Handlungsanweisungen für den Illustrator, werden jedoch in der praktischen Umsetzung oft umgedeutet, gekürzt oder ignoriert.

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Details

Title
Codex AA 91: Zum Verhältnis von Text und Bild im Berner "Parzival"
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Seminar für Kunstgeschichte)
Course
Mittelhochdeutsche Literatur in Text und Bild
Grade
1,0
Author
Nga Tran (Author)
Publication Year
2006
Pages
29
Catalog Number
V79219
ISBN (eBook)
9783638859875
Language
German
Tags
Codex Verhältnis Text Bild Berner Parzival Mittelhochdeutsche Literatur Text Bild
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nga Tran (Author), 2006, Codex AA 91: Zum Verhältnis von Text und Bild im Berner "Parzival", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79219
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