Die zentrale Frage, die wir bezüglich unserer Hausarbeit gestellt haben, war, wie die kirchliche Antwort auf den Nationalsozialismus ausgesehen hat. Hauptbestandteil dieser Fragestellung ist die Zuordnung der kirchlichen Reaktionen auf das damalige Regime zu den beiden Begrifflichkeiten des Widerstands und der Resistenz. Um die Problematik der Zuschreibung zu verdeutlichen, haben wir uns mit den Konzeptionen von Martin Broszat und Klaus Gotto auseinandergesetzt. Das Auffällige bei der Betrachtung der beiden Konzeptionen ist das unterschiedliche Verständnis der Definitionen von Widerstand und Resistenz.
Zudem möchten wir die nationalsozialistische Herausforderung an die katholische Kirche sowie deren Reaktionen darauf in den verschiedenen Phasen verdeutlichen.
Im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit stellen wir die Geschichte des „Kreisauer Kreises“ und des „Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands“ vor und möchten an diesen Beispielen die oben genannten Begriffe Widerstand und Resistenz verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konzeption nach Martin Broszat
3. Konzeption nach Klaus Gotto
4. Die kirchliche Antwort auf den Nationalsozialismus
4.1 Die nationalsozialistischen Herausforderung an die Kirche
4.2 Kirchliche Reaktionen auf die Entwicklung in den Jahren 1933-1945
5. Widerstand und Resistenz – Beispiele katholischer Gruppen
5.1 Kreisauer Kreis
5.2. Katholischer Jungmännerverband Deutschlands
6. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die kirchliche Antwort auf den Nationalsozialismus im Zeitraum von 1933 bis 1945. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie kirchliche Reaktionen auf das NS-Regime unter den wissenschaftlichen Begrifflichkeiten von „Widerstand“ und „Resistenz“ einzuordnen sind und ob diese als aktiver politischer Widerstand oder als bloße Resistenz zu bewerten sind.
- Vergleichende Analyse der Konzeptionen von Martin Broszat und Klaus Gotto zum Widerstandsbegriff.
- Untersuchung der nationalsozialistischen Herausforderungen an die katholische Kirche in drei Phasen.
- Analyse der kirchlichen Reaktionen auf die zunehmende Verfolgung und den Totalitätsanspruch des NS-Regimes.
- Fallbeispiel: Der „Kreisauer Kreis“ als Zentrum des bürgerlich-zivilen Widerstands.
- Fallbeispiel: Der „Katholische Jungmännerverband Deutschlands“ und sein resistentes Verhalten gegenüber der Gleichschaltung.
Auszug aus dem Buch
3. Konzeption nach Klaus Gotto
Die bereits angedeutete Differenzierung ist sehr wahrscheinlich durch die unterschiedlichen Intentionen der Autoren bezüglich der kirchlichen Antwort auf den Nationalsozialismus zu erklären. Im Gegensatz zu Martin Broszat ist Klaus Gotto ein gläubiger Christ. Wir wagen zu behaupten, dass diese christliche Überzeugung Einfluss auf den Aufbau seiner Konzeption genommen hat. Auf diesen Punkt wird am Ende dieses Kapitels näher Bezug genommen.
Eine eindeutige Definition von dem Begriff Widerstand wagt Gotto nicht zu liefern, denn „Ein historisch brauchbarer Widerstandsbegriff muss stets auf die konkreten Rahmenbedingungen des zugehörigen Herrschaftssystems bezogen sein.“ Im Nationalsozialismus muss sich folglich auf einen totalitären Herrschaftsanspruch bezogen werden, in dem es dem Einzelnen nicht möglich war, sich unpolitisch zu verhalten, da ihm „[…] immerzu ein aktives Bekennen zum Nationalsozialismus abverlangt“ wurde. Demzufolge konnten Verhaltensformen, die während vergangener geschichtlicher Epochen belanglos waren, als Widerstand vom Regime angesehen werden. Aus diesem Grund gibt Klaus Gotto eine Definition von einem sehr weit gefassten Widerstandsbegriff an. „Das Grundkriterium […] hat daher in der Frage zu liegen, ob damals ein bestimmtes Verhalten von einzelnen oder von Gruppen Risikocharakter hatte oder nicht.“ Da ein so weit gefasster Widerstandsbegriff allerdings nicht brauchbar ist, da „[…] jedes Verhalten, das sich dem totalitären Erfassungszwang und Gleichschaltungsdruck entzog […]“, einem Risiko unterlag, nimmt Gotto eine Einteilung in vier Stufen des Widerstands vor. Somit können sowohl eine Demonstration als auch ein geplanter Umsturz des Regimes, wie das Attentat vom 20.Juli 1944, welche sich in ihrem Ausmaß an Risikocharakter deutlich unterscheiden, in das Stufenmodell eingeordnet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenstellung ein und definiert die zentrale Fragestellung bezüglich der Einordnung kirchlicher Reaktionen in die Begrifflichkeiten von Widerstand und Resistenz.
2. Konzeption nach Martin Broszat: Das Kapitel erläutert die Konzeption von Martin Broszat, der den Begriff der Resistenz als wirksame Abwehr innerhalb eines totalitären Systems einführt.
3. Konzeption nach Klaus Gotto: Hier wird das differenziertere Stufenmodell von Klaus Gotto vorgestellt, welches auch weniger radikale Verhaltensweisen als Widerstand wertet.
4. Die kirchliche Antwort auf den Nationalsozialismus: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Phasen der Bedrohung der katholischen Kirche und deren Reaktionen darauf zwischen 1933 und 1945.
5. Widerstand und Resistenz – Beispiele katholischer Gruppen: Anhand des Kreisauer Kreises und des Katholischen Jungmännerverbandes werden die theoretischen Konzepte von Widerstand und Resistenz praktisch angewendet.
6. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine eindeutige Zuordnung der kirchlichen Reaktion aufgrund unterschiedlicher Definitionsansätze nicht möglich ist.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Widerstand, Resistenz, katholische Kirche, Martin Broszat, Klaus Gotto, Kreisauer Kreis, Katholischer Jungmännerverband, Kirchenkampf, Totalitarismus, Reichskonkordat, Stufenmodell, Helmuth James von Moltke, Clemens August Graf von Galen, Menschenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die katholische Kirche auf den Nationalsozialismus reagiert hat und ob dieses Verhalten historisch als Widerstand oder als Resistenz eingestuft werden muss.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Widerstand und Resistenz, die Analyse der kirchlichen Haltung gegenüber dem NS-Regime sowie die Untersuchung spezifischer katholischer Gruppen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erforschung der Problematik, wie kirchliche Reaktionen im Dritten Reich wissenschaftlich korrekt unter den Kategorien Widerstand und Resistenz zu klassifizieren sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und quellenbasierte Analyse, die zwei unterschiedliche wissenschaftliche Konzeptionen gegenüberstellt und an Fallbeispielen prüft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Auseinandersetzung mit den Modellen von Broszat und Gotto sowie eine historische Untersuchung der kirchlichen Situation und zweier beispielhafter Organisationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Kirchenkampf, Widerstandsbegriff, Resistenz, Konkordat, Kreisauer Kreis und Katholischer Jungmännerverband.
Inwiefern unterscheidet sich die Sichtweise von Martin Broszat von der von Klaus Gotto?
Broszat betrachtet die Kirche als resistent, während Gotto durch sein Stufenmodell auch ein "positives" Widerstandshandeln der Kirche innerhalb des Systems anerkennen kann.
Welche Rolle spielt der "Kreisauer Kreis" in dieser Untersuchung?
Der Kreisauer Kreis dient als Beispiel für einen bürgerlich-zivilen Widerstand, der sich primär mit der theoretischen Vorbereitung einer Nachkriegsordnung befasste.
Warum konnte die Kirche als einzige Bevölkerungsgruppe gewisse Grenzen setzen?
Durch die Verteidigung ihrer institutionellen Rechte und die Identitätswahrung konnte die Kirche dem NS-Staat nach Ansicht der Autorin wirksameren Widerstand bzw. Resistenz leisten als andere gesellschaftliche Gruppen.
- Citation du texte
- Linda Schmitz (Auteur), Julia Thelen (Auteur), 2006, Widerstand und Resistenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79350