Wikinger, Wikingerüberfälle in Europa und die Annales Bertiniani - Eine Quelleninterpretation


Hausarbeit, 2006

19 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenkritik
2.1 Quellenbeschreibung Annales Bertiniani
2.2 Philologische Erläuterung zum Begriff „Wikinger“
2.3 Kommentar
2.3.1 Geographische Einordnung
2.3.2 Chronologischer Zusammenhang

3. Quelleninterpretation
3.1 Die Wikingereinfälle
3.1.1 Die Jahre 841-850
3.1.2 Die Jahre 850-866
3.2 Die Maßnahmen Karls des Kahlen gegen die Wikingereinfälle
3.3 Ursachen für die Wikingereinfälle

4. Schlussbetrachtung

Literatur

1. Einleitung

Gegenstand dieser Hausarbeit ist ein Auszug aus den Annales Bertiniani, der die Einfälle der Wikinger in das Frankenreich in den Jahren 841 – 866 beschreibt. Während sich die Quellenkritik an den Vorgaben zum Aufbau von historischen Arbeiten nach Goetz[1] orientiert, soll bei der Bearbeitung der Quelleninterpretation vor allem auf die Darstellung der Wikingereinfälle in das Frankenreich insbesondere in das Reich Karls des Kahlen und der sich daraus ergebenden Folgen und Maßnahmen Beachtung finden. Die Quellenkritik ist untergliedert in eine einführende Quellenbeschreibung, der philologischen Erläuterung des Begriffes „Wikinger“, einem kurzen Kommentar, sowie einiger geographischer und chronologischer Bemerkungen. Die Interpretation beginnt mit der Darstellung der Wikingereinfälle, wie sie sich aus den Schilderungen der Annales Bertiniani ergeben. Hier erfolgt eine Unterteilung in die Jahre 841-849 und 850-866. Der Sinn dieser Unterteilung ergibt sich aus den damaligen Ereignissen, wie dem Tod Ludwigs des Frommen im Jahre 840 und der Konflikte zwischen seinen Söhnen, der immensen Zunahme der Wikingerübergriffe um 850 und deren plötzlichem Rückgang nach 866. Daran anknüpfend sollen die Abwehrmaßnahmen der Franken, vor allem die Karls des Kahlen, erläutert werden. Ziel dieser Arbeit soll neben der Interpretation der Quelle, wie sie sich aus der Fragestellung ergibt, auch die systematische Darstellung aller für diese Quelle relevanter Punkte methodischer Erarbeitung sein.

2. Quellenkritik

2.1 Quellenbeschreibung Annales Bertiniani

Die im Jahre 829 abbrechenden fränkischen Reichsannalen wurden im 9. Jahrhundert vielerorts ergänzt oder fortgesetzt. Eine große Bedeutung wird den Handschriften Nr. 697 und 706 zugesprochen, die dem Kloster St. Bertin entnommen wurden und heute in der Stadtbibliothek von St. Omer zu finden sind. Benannt wurden die „Annales Bertiniani“ nach dem Kloster, ohne daß man daraus jedoch auf ihren Entstehungsort schließen kann[2].

Ab 835 wurden sie vom Hofkaplan Prudentius, dem späteren Bischof von Troyes, verfasst; von wem die Aufzeichnungen aus den vorherigen Jahren stammen ist unbekannt. Nach Prudentius’ Tode im Jahre 861 wurden sie von Bischof Hinkmar von Reims bis ins Jahr 882 fortgeführt. Hinkmar besuchte die Klosterschule von St. Denis und wurde 822 Erzkaplan am Hof des Kaisers und später bei Karl dem Kahlen. Im Jahr 845 wurde er Erzbischof des Erbbistums Reims und nahm an vielen wichtigen Ereignissen als Berater teil[3]. Obwohl in den von ihm verfaßten Teilen natürlich die Haltung des Hofes zum Ausdruck kommt, prägte er die Annales Bertiniani auch durch seine eigene politische Überzeugung, so dass in ihnen nicht länger nur die Sichtweise des Hofes wiedergegeben wurde[4]. Als bedeutend wird dieses Annalenwerk insofern betrachtet, als dass ohne sein Bestehen alle modernen Darstellungen der Wikingerzüge nur bruchstückhaft wären[5]. Auch was ihre Glaubwürdigkeit betrifft wird den Annales Bertiniani ein hoher Quellenwert zugesprochen[6].

2.2 Philologische Erläuterung zum Begriff „Wikinger“

Über den Ursprung des Begriffes "Wikinger" sind in der Literatur viele Anhaltspunkte zu finden. Es scheint, als sei die Diskussion über die Ableitung des Wortes noch zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen. Ausgangspunkt zur Begriffserklärung kann z.B. die historische Herleitung sein. Hier steht die Frage im Mittelpunkt, ob die Wikinger Krieger waren, die zusätzlich Handel betrieben oder ob sie in erster Linie Händler waren, die Raubzüge unternahmen, wenn sich die Gelegenheit dazu bot[7].
So wurde das skandinavische Wort „vik“ früher oft als Bucht und sein lateinisches Pendant „vicus“ als Lager oder befestigter Handelsplatz übersetzt. Teilweise wurde auch die schwedische Übersetzung des Worts „vika“ – weichen herangezogen. Heute gehen viele Forscher dazu über, den Begriff vom Wort „avviker“ abzuleiten, was „von Zuhause weggehen“ oder „wegfahren“ bedeutet. So ist man dazu übergegangen, „Wikinger“ mit „Die Wegfahrenden“ zu übersetzten. Aus dieser Theorie ergab sich für einige ihrer Vertreter die umfassende Definition „Seekrieger, Pirat, der an Plünderungsfahrten zu fremden Küsten teilnimmt“[8].

In den Annales Bertiniani wird der Begriff "Wikinger" jedoch nicht direkt verwendet. In dieser Form ist der Begriff nur in angelsächsischen Quellen wiederzufinden[9]. Die Annales Bertiniani berichten vielmehr von den „Normanni“[10], „Dani“[11] bzw. „dänische Seeräuber“[12], wobei „Normanni“ nicht als Oberbegriff, sondern gleichzeitig mit und synonym für „Dani“ verwendet wird[13]. Als Beispiel dafür können drei Stellen in den Annales Bertiniani genannt werden: Die Zerstörer von Durstede 834/835, die Belagerer von Bordeaux 862 und 862 die Wikinger an der Seine werden jeweils abwechselnd als „Dani“ und „Normanni“ bezeichnet[14]. Zusammenfassend läßt sich sagen, dass in der Quelle keine Differenzierung bezüglich der geographisch bestimmbaren Herkunft der Normannen gemacht wird. Grund dafür war zum einen geringen Teil der Kenntnisstand und die Intention des jeweiliges Verfassers. Darüber hinaus standen die verheerenden Einfälle der Normannen als solche vordergründig im Interesse der Quellenautoren[15].

2.3 Kommentar

Um die Quelle in ihrem Gesamtzusammenhang verstehen zu können, erscheint es an dieser Stelle hilfreich, die darin enthaltenen Geschehnisse geographisch einzuordnen und inhaltlich zu klärende chronologische Zusammenhänge zu erläutern, um einen Überblick über die zahlreichen bedeutenden Ereignisse zu bekommen.

2.3.1 Geographische Einordnung

Der Auszug der Quelle beschreibt die politischen Geschehnisse im Frankenreich und die Wikingereinfälle zur Zeit der Karolinger in den Jahren 841-866. Um eine Übersicht über den Schauplatz und die geographische Lage der Gebiete zu erhalten, ist dieser Arbeit eine Karte beigefügt, die ... zeigt[16].

2.3.2 Chronologischer Zusammenhang

Der Quellenauszug beginnt mit der Beschreibung des Jahres 841. Lothar I. besteht auf seinem vollen Kaiserrecht aus der Ordination von 817 anstelle sich mit seinem jüngeren Bruder Karl dem Kahlen auf die 839 verabredete Zweiteilung zu verständigen, welche beide gegen ihren Bruder Ludwig den Deutschen und Pippin von Aquitanien hätten durchsetzen müssen. Er sammelt seine Verbündeten um sich, darunter auch Pippin von Aquitanien, um die Nachfolge seines Vaters über das gesamte Imperium anzutreten. Zusammen mit Pippin von Aquitanien versucht er, die Vereinigung seiner beiden Brüder Karl und Ludwig zu verhindern. Er gelingt ihm jedoch nicht, Karl und Ludwig am Überschreiten zu hindern, und somit den Zusammenschluß beider „um Frieden und Einheit, sowie um eine Regierung über das gesamte Volk und Reich“[17] zu vereiteln. Nicht auf die Versöhnungsbotschaften seiner Brüder reagierend, tritt Lothar I. diesen zur Schlacht bei Fontenoy im Auxerrois gegenüber. Nach einem für beide Seiten verheerenden Angriff Karl und Ludwigs wird Lothar besiegt und flieht nach Aachen.

Der Krieg zwischen den Brüdern endet schließlich im Jahre 843 mit dem Vertrag von Verdun, in welchem jedem der Brüder ein Teil des Reiches zugesprochen wurde und Lothar zudem die Kaiserwürde erhielt. Ludwig bekam den östlichen Teil des Reiches, Karl den westlichen und Lothar das Mittelreich vom Rhein bis nach Italien[18]. Besonders Karl war durch den Vertrag von Verdung bemüht, die Einheit des Reiches zu bewahren. Karl hatte in der darauffolgenden Zeit immer wieder mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Er wurde 845 vom Herzog der Bretonen geschlagen, so daß die Bretagne von Frankreich unabhängig wurde[19]. Größte Schwierigkeiten bereitete ihm auch der Adel in seinem Reich, dessen vordergründiges Bestreben es war die eigenen Rechte und den Einfluß zu stärken[20]. Darüber hinaus versuchten seine Brüder Lothar und Ludwig ihre Reiche zu vergrößern. Als Ludwig 858 ins westfränkische Reich einfiel, verursachte dies starke Unruhen im Reich[21]. Auch die Aquitanier konnten ihr Reich zu Lasten Karls vergrößern[22]. Im Jahr 860 wurde in Koblenz der Friede zwischen den drei Brüdern durch die Initiative Lothars zumindest formell wiederhergestellt, so dass aus Respekt vor den vereinbarten Grenzen in den Folgejahren keine Feldzüge der karolingischen Herrscher gegeneinander mehr stattfanden[23].

[...]


[1] Goetz, Hans-Werner, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart 2000, S. 287 ff.

[2] Vorwort zu Ann. Bert. S. 1.

[3] Zettel, Horst: Das Bild der Normannen und der Normanneneinfälle in den westfränkischen, ostfränkischen und angelsächsischen Quellen des 8. bis 11. Jahrhunderts, München 1977, S. 4.

[4] Vorwort zu Ann. Bert. S.4.

[5] Zettel, S. 170.

[6] Zettel, S. 169/179.

[7] Boyer, Regis: Die Wikinger, Stuttgart 1994, S. 135.

[8] Zettel, S. 54.

[9] Ebd.

[10] Z.B. Annales Bertiniani, S. 59, Z. 16-17.

[11] Annales Bertiniani, S. 67, Z.34.

[12] Annales Bertiniani, S. 55, Z.20.

[13] Zettel, S. 41.

[14] Zettel, S. 42.

[15] Zettel, S. 67.

[16] Siehe Anhang.

[17] Ann. Bert., S. 53, Z. 35-36.

[18] Ann. Bert. S. 61, Z. 29-39.

[19] Schieffer, Rudolf: Die Karolinger, Stuttgart Berlin Köln 2000, S. 141.

[20] Siehe auch Punkt 3.2 zu den Abwehrmaßnahmen Karls gegen die Wikinger.

[21] Schieffer, S. 154.

[22] Schieffer, S. 153.

[23] Schieffer, S. 155.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wikinger, Wikingerüberfälle in Europa und die Annales Bertiniani - Eine Quelleninterpretation
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,4
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V79421
ISBN (eBook)
9783638867955
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wikinger, Wikingerüberfälle, Europa, Annales, Bertiniani, Eine, Quelleninterpretation
Arbeit zitieren
Sören Barnkothe (Autor), 2006, Wikinger, Wikingerüberfälle in Europa und die Annales Bertiniani - Eine Quelleninterpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79421

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