Das Ziel dieser Arbeit ist es, sich mit dem Werk Electra von Benito Perez Galdós auseinanderzusetzen. Besonderes Augenmerk soll dabei auf die Entwicklung eines neuen Mythos – der Technik – in diesem Werk gelegt werden. Zunächst soll ein kurzer Überblick über das Leben des Autors gegeben werden, sowie ein kurzer historischer Abriss über die politischen und sozialen Umstände der Entstehung seines Werkes Electra, um die darauf folgende Analyse in einen historischen Kontext stellen zu können. Desweiteren möchte ich näher auf die charakterliche Darstellung und die Verhaltensmuster der Hauptfiguren im Stück eingehen, um diese schließlich in Bezug zueinander zu setzen und ihre Beziehungen untereinander und dessen Bedeutung zu analysieren. Auf diese Analyse aufbauend, folgt eine eingehendere Betrachtung der Thematik Mythos und Technik. Hierbei sollen die Beziehungen zwischen den Figuren in Bezug auf die Thematik untersucht werden. Insgesamt soll versucht werden, den historischen Kontext in dem das Werk entstanden ist, mit einzubeziehen und die Art und Weise der Darstellung hierzu in Bezug zu setzen.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
1. BÉNITO PÉREZ GALDÓS – LEBEN, WERK UND WIRKUNG
2. GESELLSCHAFTLICHE LAGE UND SOZIALE STRUKTUREN ENDE DES 19. JAHRHUNDERTS
2.1. Politisches System und soziale Frage
2.2. Technik, Industrialisierung und Fortschritt
II. HAUPTTEIL: ELECTRA – ENTWICKLUNG EINES NEUEN MYTHOS IM TECHNISCHEN ZEITALTER
1. MYTHOS – VERSUCH EINER DEFINITION
2. FIGURENKONSTELLATIONEN
2.1. Electra – eine ambivalente Figur
2.2. Máximo – Rationalität, Vernunft und Wissenschaft
2.3. Die Beziehung Electra – Máximo: Mythos und Technik, Mythos und Logos
2.4. Pantoja und Evarista versus Electra und Máximo: Die Dos Españas
3. TECHNIK UND MYTHOS
3.1. Darstellung der Technik in Electra
3.2. Technik als Mythos einer neuen Ära - Stellenwert der Technik Anfang des 20. Jahrhunderts
3.3. Neuer Mythos im technischen Zeitalter?
III. SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des Werkes Electra von Benito Pérez Galdós im Hinblick auf die Entwicklung eines neuen Mythos – der Technik – im gesellschaftlichen Kontext des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Darstellung und Charakterisierung der Figuren sowie die Wechselwirkung zwischen technischem Fortschritt und traditionellen Werten.
- Analyse der historischen und sozialen Umstände in Spanien Ende des 19. Jahrhunderts
- Untersuchung der Charakterkonstellationen und ihrer symbolischen Bedeutung für den Modernisierungsprozess
- Erforschung der Verschränkung von Mythos, Technik und Rationalität im Stück
- Kritik an der traditionellen Rollenverteilung und der gesellschaftlichen Rolle der Kirche
- Reflektion der Wirkung technischer Neuerungen auf die zeitgenössische Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
2.1. Electra – eine ambivalente Figur
Electra, die 18-jährige Tochter von Evaristas Schwester Eleuteria, kommt nach dem Tod ihrer Mutter ins Haus der señores de García Yuste, ihrer Tante und deren Ehemann Urbano, einem kinderlosen, reichen und sehr frommen Ehepaar. Bis sie fünf Jahre alt war, wurde Electra von ihrer Mutter erzogen. Danach besuchte sie das Colegio de Ursulinas in Bayonne in Frankreich, von wo aus ihre Tante sie zu sich geholt hat. Wer ihr Vater ist, ist unbekannt. Schon zu Anfang des Stückes wird Electra in einem Gespräch zwischen dem Diener José und dem Marqués de Ronda charakterisiert.
Urbano ist augenscheinlich mit Electras vielschichtigem und in seinen Augen anstrengendem Charakter völlig überfordert. Im gleichen Atemzug wird klar, dass Technik – Elektrizität – für ihn dieselbe misteriöse, seine Welt durcheinander bringende Kraft hat wie Electra. Diese bringt das Leben des reichen Ehepaares auch wirklich in Schwung und Unordnung; es fällt Evarista und Urbano sichtlich schwer mit ihrer – oberflächlich erscheinenden - lebensfreudigen und kindlichen Art, der infantil ligereza, umzugehen. Ergo wird sie weder von ihrer Tante und ihrem Onkel, noch von Pantoja ernst genommen und dadurch unterschätzt. Die oben genannte Charakterisierung Urbanos von Electra ist ein wichtiger Schlüsselsatz im Theaterstück. Electra symbolisiert den Fortschritt auf der einen Seite (Electra=Elektrizität) – und auf der anderen Seite den altbekannten Mythos dessen Namen sie trägt: Electra.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Darstellung der Zielsetzung und der historischen Kontextualisierung von Galdós' Werk Electra.
1. BÉNITO PÉREZ GALDÓS – LEBEN, WERK UND WIRKUNG: Biografischer Abriss und Einordnung des Autors in den historischen Kontext des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
2. GESELLSCHAFTLICHE LAGE UND SOZIALE STRUKTUREN ENDE DES 19. JAHRHUNDERTS: Analyse der politischen Instabilität und der sozialen Spannungen Spaniens, die den Nährboden für die Thematiken des Stücks bildeten.
II. HAUPTTEIL: ELECTRA – ENTWICKLUNG EINES NEUEN MYTHOS IM TECHNISCHEN ZEITALTER: Zentrale Analyse des Werkes, fokussiert auf die Definition von Mythos und die Repräsentation durch die Figuren.
III. SCHLUSSBEMERKUNG: Fazit über die Bedeutung der Technikdarstellung bei Galdós und deren Resonanz im historischen Kontext sowie die zeitlose Qualität des Mythos.
Schlüsselwörter
Electra, Benito Pérez Galdós, Technik, Mythos, Industrialisierung, Spanien, Restauration, Gesellschaftskritik, Modernisierung, Frauenbild, Wissenschaft, Rationalität, Fortschritt, Katholizismus, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Theaterstück Electra von Benito Pérez Galdós und analysiert, wie der Autor den technischen Fortschritt des frühen 20. Jahrhunderts als neuen Mythos in die Handlung integriert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die gesellschaftliche Rolle der Frau, der Konflikt zwischen Fortschritt und Tradition, die Rolle der Kirche im Spanien der Restauration sowie die Auswirkungen der Industrialisierung auf das Weltbild.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den historischen Kontext des Werkes Electra mit der Darstellung der Technik als Mythos in Verbindung zu setzen und zu zeigen, wie Galdós diese Mittel nutzte, um gesellschaftliche Kritik zu äußern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Biografik, historische Kontextualisierung und eine Untersuchung von Figurenkonstellationen sowie Mythentheorien (insbesondere nach Blumenberg) kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition des Mythos-Begriffs, der detaillierten Charakteranalyse von Electra und Máximo, ihrer Beziehung zueinander und dem Gegensatz zu Pantoja und Evarista als Repräsentanten der traditionellen spanischen Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Modernisierung, Antiklerikalismus, Fortschrittsglaube, Symbolik und die Dos Españas-Metaphorik.
Welche symbolische Rolle nimmt die Figur Máximo ein?
Máximo fungiert als Verkörperung des wissenschaftlichen Fortschritts und der Rationalität. Er wird von konservativen Figuren als "mágico prodigioso" (Zauberer) diffamiert, was seine isolierte Rolle als Vorreiter einer neuen Ära unterstreicht.
Wie deutet die Arbeit das Ende der "Restauration" in Bezug auf das Stück?
Die Arbeit beschreibt, wie das Scheitern der Restauration nach 1898 den Zusammenbruch alter Ordnungssysteme markiert, was Galdós durch die Gegenüberstellung von traditionellen Werten (Pantoja) und technischem Fortschritt (Máximo) im Stück thematisiert.
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- Anne Grimmelmann (Author), 2007, Electra von Bénito Pérez Galdós, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79437