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"Die Lust am Spiel" - Musikästhetische Überlegungen zur Prosa Thomas Bernhards

Title: "Die Lust am Spiel" - Musikästhetische Überlegungen zur Prosa Thomas Bernhards

Term Paper , 2006 , 27 Pages , Grade: 1

Autor:in: Nadja Schollenberger (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Faszination, die von Bernhards Werk ausgeht, beruht wohl nicht zuletzt auf seinem unverkennbaren sprachlichen Stil: „Wie sie schon nach drei Takten Mozart erkennen, so erkennen sie auch nach drei Sätzen, Gott sei Dank, Thomas Bernhard.“
Der immer wieder von Kritikern vorgebrachte Einwand, die Texte Thomas Bernhards würden immer wieder dasselbe behandeln, versucht Peymann mit folgendem Argument zu entkräften: „auch die Fugen Bachs sind alle gleich und doch völlig verschieden, das darf man glaube ich, niemals vergessen. In der Musik fällt es uns viel leichter, so etwas zu akzeptieren.“ Der Vergleich, den hier Peymann zwischen Musik und der Prosa Bernhards zieht, ist nicht zufällig. Auch der Autor selbst verweist auf diese Beziehung, wenn er seine Art zu schreiben charakterisiert: „[...] und die einzige Lust und das immer größere Vergnügen [...] ist dann die Arbeit. Das sind die Sätze, Wör-ter, die man aufbaut. Im Grunde ist es wie ein Spielzeug, man setzt es übereinander, es ist ein musikalischer Vorgang.“3 Der Schriftsteller ist Komponist, es kommt vor allem darauf an, wie er sein Wortmaterial zusammenfügt, „die musikalische Kompo-nente“ hat Vorrang vor dem, was erzählt wird: „das Problem liegt im Wie.“4 Allerdings geht es dabei nicht darum, eine inhaltslose Form zu produzieren, die einfach nur schön ist oder gut klingt, sondern, und das zu zeigen ist Ziel der vorliegenden Arbeit, dass es gerade die spezifische Art und Weise der „Komposition“ ist, die eine beson-dere Bedeutung generiert, die die Bedeutung dessen, was gesagt wird, übersteigt. Das was erzählt wird, soll nicht ausschließlich nur verstanden, sondern vor allem auch erfahren werden. Der Rhythmus der Sprache, die Sprachmelodie als Träger des Lebendigen, das von Mensch zu Mensch weiterschwingt: so viel mehr als nur nüchternes Beschreiben und Erklären. Inwiefern Musik und Literatur deshalb ver-gleichbar sind, soll im Folgenden genauer untersucht werden. Thomas Bernhard und seine „Geistesmenschen“ dienen dabei als Gewährsmänner dafür, dass ein Verste-hen von Musik als Ausdruck von Gefühl, bzw. von Verbalsprache als Ausdruck von Gedanken zu einseitig ist: sowenig man die Musik von der Sprache scheiden kann, sowenig das Gefühl vom Gedanken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. AUFGESANG: DER ATEMLOSE SÄNGER

3. THEMA: MUSIKSPRACHE - SPRACHMUSIK

3.1. VARIATION: SINN UND SPIEL

3.2. VARIATION: TON UND LAUT

3.3. VARIATION: GEFÜHL UND GEDANKE

4. UNAUSSPRECHLICHES

5. SCHLUSSBETRACHTUNG

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die engen Verflechtungen zwischen Musik und Literatur im Werk von Thomas Bernhard, mit dem Ziel aufzuzeigen, dass Bernhards spezifische Kompositionsweise in der Prosa eine Bedeutung generiert, die über das rein inhaltlich Erzählte hinausgeht und eine eigene ästhetische Erfahrung ermöglicht.

  • Die musikalische Struktur als Grundlage von Bernhards Schreibstil
  • Das Verhältnis von Form und Inhalt in der literarischen Gestaltung
  • Die Bedeutung von Rhythmus und Sprachmelodie als Ausdruck des Lebendigen
  • Kritik an der "Tyrannei der Bedeutung" durch eine Öffnung des Textes
  • Die Verknüpfung von Musik, Philosophie und Sprache bei Bernhard

Auszug aus dem Buch

3.1. Variation: Sinn und Spiel

Bereits seit der Frühromantik wird die wechselseitige Erhellung der Künste als hermeneutisches Prinzip gefordert, was durch die, seit den siebziger Jahren in Deutschland einsetzende, Diskussion strukturalistischer Methoden eine theoretische Legitimation erfährt. Das Feld vergleichender Forschungen zu Literatur und Musik hat sich auf eine Allgemeine Zeichentheorie erweitert, zu einer allen Künsten übergeordneten Kommunikationswissenschaft. Heuristische Basis dafür wurde ein vor allem an Peirce orientiertes Zeichenmodell. Seither gibt es rege Diskussionen darüber ob es eine ‚Semiotik der Musik’ überhaupt geben könne und ob der intermediale Vergleich von Musik und Literatur möglich sei. Wird am Zeichen als Trägersubstanz für eine Bedeutung festgehalten, die ein Objekt stellvertretend abbildet, sei Musik nicht auf den Begriff zu bringen, weshalb das „Problem der ‚Bedeutung’ von Musik [...] nicht mit der Bedeutung linguistischer oder semiotischer Systeme verglichen bzw. überhaupt nicht semiotisch erfasst werden“35 könne. Auf der anderen Seite wiederum gibt es Versuche an der „angeblich unwiderlegbaren Axiomatik – daß Musik keine Signifikate kenne“36 zu rütteln.

Es sei eine „irrige Ansicht, daß die Bedeutung eines Zeichens durch ein Denotat gegeben ist, für das es als ein bloßer kommunikativer Vermittler sozusagen stellvertretend stehe.“37 In der Praxis jedenfalls wird wie selbstverständlich über Bedeutung in der Musik gesprochen, Musikverstehen wird tagtäglich vollzogen, wird bedacht, empfunden, erlebt. Wie aber lässt sich eine hermeneutische Theorie für ein (vielleicht) asemantisches Material begründen? Diese Frage sollte geklärt werden, bevor man einen Text als einen musikalischen qualifizieren will.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Diese Einleitung legt den Grundstein für die Untersuchung, indem sie Bernhards sprachlichen Stil als musikalischen Vorgang charakterisiert und die These aufstellt, dass die spezifische Komposition eine über die reine Inhaltsvermittlung hinausgehende Bedeutung erzeugt.

2. AUFGESANG: DER ATEMLOSE SÄNGER: Dieses Kapitel thematisiert die lebensprägende Erfahrung der Lungenerkrankung Bernhards und wie der Gesang für ihn zur Überlebensstrategie sowie zur ästhetischen Grunderfahrung wurde, die auch in sein schriftstellerisches Werk einfloss.

3. THEMA: MUSIKSPRACHE - SPRACHMUSIK: Hier wird das Spannungsverhältnis zwischen logischer Begrifflichkeit und emotionaler Musiksprache analysiert, wobei Bernhard die gegenseitige Durchdringung von Philosophie und Musik in seiner Prosa betont.

3.1. VARIATION: SINN UND SPIEL: Dieses Kapitel setzt sich mit den theoretischen Grundlagen einer "Semiotik der Musik" auseinander und hinterfragt die Möglichkeiten und Grenzen des intermedialen Vergleichs von Musik und Literatur hinsichtlich ihrer Bedeutungskonstitution.

3.2. VARIATION: TON UND LAUT: Der Fokus liegt hier auf der strukturellen Analogie von Wort und Ton, wobei insbesondere die kontrapunktische Überlagerung von Textelementen als Möglichkeit zur Beschreibung der Musikalität in Bernhards Prosa untersucht wird.

3.3. VARIATION: GEFÜHL UND GEDANKE: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Diskurs über Musik als Ausdruck von Gefühl versus Denken und zeigt auf, wie Bernhard in seinem Werk beide Sphären als untrennbar für den "Geistesmenschen" miteinander verbindet.

4. UNAUSSPRECHLICHES: Dieses Kapitel analysiert Bernhards ständiges Umkreisen dessen, "wovon man nicht sprechen kann", und interpretiert seine Prosa als eine Art musikalische Umsetzung des Schweigens, das durch Tautologien und kompositorische Spielereien Bedeutung entfaltet.

5. SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die Annäherung von Musik und Literatur bei Bernhard nicht in eine rein inhaltliche Ebene führen sollte, sondern den Leser zu einer Erfahrung einlädt, bei der das Denken durch Fühlen angeregt wird.

Schlüsselwörter

Thomas Bernhard, Musik und Literatur, Sprachmusik, Ästhetik, Hermeneutik, Semiotik, Ludwig Wittgenstein, Ingeborg Bachmann, Arthur Schopenhauer, Rhythmus, Komposition, Form und Inhalt, intermedialer Vergleich, Geistesmensch, Sprachphilosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die ästhetischen Parallelen zwischen der Musik und der Prosa von Thomas Bernhard und analysiert, wie musikalische Strukturen und Prinzipien den literarischen Stil des Autors prägen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten gehören das Verhältnis von Sprachmelodie und Bedeutung, die Kritik an einer rein inhaltlich-semantischen Textbetrachtung sowie die interdisziplinäre Verbindung von Musiktheorie, Literaturwissenschaft und Philosophie.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass die spezifische "Komposition" in Bernhards Werken eine besondere Bedeutung generiert, die über das bloße "Was" des Erzählten hinausgeht und beim Leser eine tiefgreifende ästhetische Erfahrung bewirkt.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Argumentation genutzt?

Die Arbeit stützt sich auf eine hermeneutische Analyse unter Einbeziehung von strukturalistischen Ansätzen (wie denen von Roland Barthes oder Roman Jakobson) und bezieht sich dabei auf die von Bernhard geschätzten Denker wie Wittgenstein, Schopenhauer und Bachmann.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene "Variationen", die den theoretischen Rahmen abstecken (Sinn und Spiel, Ton und Laut, Gefühl und Gedanke), um darauf aufbauend Bernhards spezifisches "Sprechen über das Unaussprechliche" zu analysieren.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Schlüsselbegriffe wie "Musiksprache", "Sprachmusik", "Kompositionsweise", "Sinnlichkeit", "Intermedialität" und "Geistesmensch" beschreiben das theoretische und analytische Fundament der Arbeit.

Inwieweit spielt Bernhards eigene Biografie eine Rolle für das Verständnis seiner Texte?

Die Arbeit legt dar, dass Bernhards Lungenerkrankung und sein intensives Studium der Musik in jungen Jahren entscheidend dazu beigetragen haben, die Stimme und den Gesang als ästhetisches "Überlebenswerkzeug" in seine schriftstellerische Arbeit zu integrieren.

Warum verweigert Bernhard laut der Arbeit häufig eine einfache Interpretation?

Bernhards Texte zielen nicht auf Eindeutigkeit ab, sondern provozieren durch Schachtelsätze und eine bewusste Spielweise mit Sprache "Verwirrung", um den Leser dazu zu bewegen, den Text eher wie ein Musikstück zu hören und zu erfahren, statt ihn nur auf eine logische Bedeutungsebene zu reduzieren.

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Details

Title
"Die Lust am Spiel" - Musikästhetische Überlegungen zur Prosa Thomas Bernhards
College
University of Tubingen
Grade
1
Author
Nadja Schollenberger (Author)
Publication Year
2006
Pages
27
Catalog Number
V79453
ISBN (eBook)
9783638860185
Language
German
Tags
Lust Spiel Musikästhetische Prosa Thomas Bernhards
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nadja Schollenberger (Author), 2006, "Die Lust am Spiel" - Musikästhetische Überlegungen zur Prosa Thomas Bernhards, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79453
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