Krieg aus der Perspektive des Soldaten im 18. Jahrhundert


Seminararbeit, 2003

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die „einfachen“ Soldaten

3. Probleme

4. Das Erleben des Krieges
4.1 Das Kriegsgeschehen
4.2 Gewaltwahrnehmung
4.3 Das Erleben des Todes
4.4 Das Erleben der eigenen Gefühle
4.5 Die Familie

5. Bewältigungsstrategien

6. Schlußbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Wahrnehmung des Krieges durch den einfachen Soldaten des 18. Jahrhunderts. Im Verlauf wird anhand einiger ausgewählter Quellen heraus gearbeitet, wie dieser den Siebenjährigen Krieg erlebt hat, was ihn bewegte und auf welche Art und Weise er dies zu vermitteln versuchte. In der Schlußbetrachtung wird dann die Frage geklärt, welche Einstellung zum Krieg vorhanden war und ob sich schon hier Anzeichen für den im 19. Jahrhundert aufkommenden Patriotismus erkennen lassen.

Das Interesse dieser Arbeit liegt gerade bei den einfachen Soldaten, da ihre Wahrnehmung des Krieges in der Forschung kaum behandelt worden ist. Als Quellen bieten sich Ego-Dokumente an. Als Ego-Dokumente bezeichnet man all jene Quellen, „die einen möglichst direkten Zugriff auf individuelle Deutungen, Wertungen oder soziales Wissen ermöglichen“[1], d.h. jegliche Art von Selbstzeugnissen. Für das hier zu behandelnde Thema kommen Soldatenbriefe, Tagebücher, Soldatenlieder, und zum Teil auch lyrische Werke, in Frage. Hier werden hauptsächlich Soldatenbriefe behandelt, da sie als die lebendigsten und oftmals auch direktesten Berichte vom Schauplatz der Geschichte erscheinen, auf denen der Tod regiert.

Die neueste Geschichtsforschung zielt darauf heraus zu finden, „wie elementare Veränderungen in Wirtschaft, Staat, und Gesellschaft vom einzelnen Menschen verstanden und verarbeitet wurden“.[2] Dabei ist es wichtig, sich gerade mit jenen sozialen Schichten zu beschäftigen, die nicht zu denen zählten, die sich häufig verständigten, sondern die schweigende Masse bildeten. In den Vordergrund rückt hierbei gerade die frühe Neuzeit, da mit ihr die Entwicklung der modernen Subjektivität und Individualität begonnen zu haben scheint.[3]

In dieser Arbeit bilden die einfachen Soldaten diese große „schweigende“ Masse, über deren Wahrnehmung sich in der gegenwärtigen Literatur, wie bereits erwähnt, nur wenig finden läßt. Wie Friedrich Wilhelm den Siebenjährigen Krieg erlebt hat oder wie seine Offiziere dem Kämpfen gegenüber standen- dazu läßt sich in der Literatur viel Material finden. Doch wie hat der einfache Soldat verstanden und verarbeitet, was um ihn herum passierte, was beschäftigte ihn und wie hat er sich in diesem Krieg gesehen? Schließlich war er es, der kämpfte und oftmals sein Leben lassen mußte, nicht Friedrich Wilhelm. Zunächst stellt sich also die Frage, wer eigentlich die Soldaten waren, die kämpften?

2. Die „einfachen“ Soldaten

Das Heer des Siebenjährigen Krieges bestand aus Männern von sowohl unterschiedlichen sozialen Ständen und regionalen Herkünften, als auch Konfessionen, die auf verschiedenen Wegen zum Militär kamen. Durch die Einführung des Kantonsystems im Jahre 1733 vollzog sich die sogenannte Zwangsrekrutierung mit einigen Ausnahmen durch fast alle Bevölkerungsschichten. Hauptsächlich Kleinbauern und die städtischen und ländlichen Unterschichten waren davon betroffen. Große Teile des Bürgertums waren ausgenommen. Ausschließlich Männern adeliger Abstammung blieben Offiziersposten vorbehalten. Zu den durch das Kantonsystem ausgehobenen preußischen Untertanen gesellten sich noch geworbene Ausländer, die meist nur durch Betrug und Gewalt zum Beitritt gebracht werden konnten. Zeitweise machten sie den größten Anteil des Heeres aus.[4]

Auf der einen Seite gab es also Soldaten, die ausgehoben oder gepreßt, demnach unfreiwillig zum Kriegsdienst gezwungen wurden. Auf der anderen Seite aber gab es ebenso Soldaten, die aus freien Stücken den Weg zum Militär suchten.[5]

Im Folgenden wird auf einige Probleme eingegangen, die sich aus der Arbeit mit Ego-Dokumenten der Soldaten aus dem 18.Jahrhundert ergeben.

3. Probleme

Mit der aufklärerischen Volksbildung im 18.Jahrhundert begann der Alphabetisierungsprozess. Zunächst waren hauptsächlich der Adel und der Klerus in der Lage zu lesen und zu schreiben. Ein Großteil der unteren Ständegesellschaften konnte zwar lesen, jedoch fehlte die Bereitschaft dazu, es auch zu tun. Das Schreiben war vielen noch fremd. Die Volkskultur war noch immer eine mündlich vermittelnde Kultur, Wissen wurde meist von Gebildeten wie Geistlichen verbreitet.[6] Mit dem Lesen und Schreiben erhoffte man sich zunächst Vorteile im beruflichen Umfeld, wie der Bauer durch Buchführung eine genauere Kontrolle von Ernteerträgen und -verlusten. Das Geschriebene war vornehmlich an der Lebenswelt des Schreibenden orientiert (z.B. der bäurischen Lebenswelt) oder geprägt durch die Person, von der gelernt wurde (z.B. ein Geistlicher).[7] So läßt die Art der Formulierung in den Soldatenbriefen nur zum Teil Rückschlüsse auf das Innenleben des Soldaten zu. Während der eine bereits ausgedehnte Sprachkenntnisse besaß, war der andere noch lange nicht fortschrittlich genug, um über die Grenze seiner beruflich fixierten oder personell geprägten Formulierungsweise hinaus zu gelangen.

Eine weitere Schwierigkeit ist, daß schriftliche Zeugnisse des Soldatenstandes, im Gegensatz zu denen des Offiziersstandes, sehr rar sind. Folglich sind sowohl die Gedanken, als auch die Gefühle, die sich in den Briefen widerspiegeln, längst nicht alle, die den Soldaten beschäftigten. Viele sind durch die noch verbreitete mündliche Kommunikation verloren gegangen. Die geringe Masse der überlieferten Zeugnisse ist nicht repräsentativ für alle Soldaten des 18.Jahrhunderts.

Jeder Schreiber von Selbstzeugnissen ist in das „selbst gesponnene Bedeutungsgewebe“ seiner Zeit verstrickt. Dazu zählen das soziale Umfeld und das zeittypische Sinnverständnis. Jeder Mensch ist in eine Zeit, durch eine bestimmte, aus Normen, Werten und Einstellungen geformte Gesellschaft, eingebettet. Faktoren, wie die Rolle der Religion und der Familie, spielen dabei eine wichtige Rolle. Man muß klar zwischen der unserer, der wertfreien Wirklichkeit und der Wirklichkeit der Agierenden unterscheiden.

[...]


[1] Vgl. Schulze, Winfried: Ego Dokumente- Annäherung an den Menschen in der Geschichte, Berlin, 1996, S.13.

[2] Ebd. S.13.

[3] Vgl. Ebd. S.17.

[4] Vgl. Kuezynski, Jürgen: Der Alltag des Soldaten (1650-1810), in: Der Krieg des kleinen Mannes- eine Militärgeschichte von unten, hrsg. Wolfram Wette, München [u.a.] 1995, S.69 f.

[5] Vgl. dazu den Bericht von Joseph Ferdinand Dreyer, der sich freiwillig als Soldat hat anwerben lassen.

Zum freiwilligen Eintritt in das Heer führt Ernst Willi Hansen in seinem Forschungsbericht einige Gründe auf. Vgl. dazu: Hansen, Ernst Willi: Zur Problematik einer Sozialgeschichte des deutschen Militärs im 17. und 18. Jahrhundert, in: Zeitschrift für historische Forschung, Bd.6 (1979), Berlin 1980, 436-442.

[6] Vgl. Siegert, Reinhart: Zum Stellenwert der Alphabetisierung in der deutschen Volksaufklärung, Tübingen, 1994, S.113 f.

[7] Vgl. Goetsch, Paul: Einleitung: Zur Bewertung von Lesen und Schrieben im 17. und 18.Jahrhundert, Tübingen, 1994, S.6.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Krieg aus der Perspektive des Soldaten im 18. Jahrhundert
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Einführungsseminar : Mars macht mobil: Krieg und Militär in der frühen Neuzeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V79525
ISBN (eBook)
9783638868204
ISBN (Buch)
9783638868297
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Perspektive, Soldaten, Jahrhundert, Einführungsseminar, Mars, Militär, Neuzeit, Ego Dokumente, Siebenjähriger Krieg, Dreißigjähriger Krieg, Krieg
Arbeit zitieren
Ariane Jäger (Autor), 2003, Krieg aus der Perspektive des Soldaten im 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79525

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