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Die Mannigfaltigkeit des Selben im Diskurs der Moderne (Teil 2)

Über ähnliche Aussagen und deren metaphorische Konstellation zwischen Philosophie und Poesie im Lichte des kulturwissenschaftlichen Denkens

Title: Die Mannigfaltigkeit des Selben im Diskurs der Moderne (Teil 2)

Thesis (M.A.) , 2003 , 54 Pages , Grade: 1,1

Autor:in: Dr. des. Robert Dennhardt (Author)

Cultural Studies - Basics and Definitions
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Auf die Frage „Was ist ein Diskurs und was wollen uns die Dichter und Denker sagen?“ kann mit vorliegender Arbeit nicht geantwortet werden. Meine Frage lautet „Wie macht sich das Sagen zwischen Aussagen des geisteswissenschaftlichen Diskurses und metaphorischen Konstellationen der Poesie bemerkbar?“ Wie läßt es sich kulturwissenschaftlich denken und analysieren? Eines der wichtigsten Eingeständnisse der modernen Geisteswissenschaften ist, daß epistemologische Zentren wie ein kognitives Selbst, zu vervollkommnende Erfahrung und das Suchen nach letzten Wahrheiten an Bedeutung verlieren. Ein literatur- und diskurstheoretisch reformuliertes Interesse am Text will also nicht Interpretieren und Dekonstruieren. (Vgl. Silverman 1994, 246 und 256.) Vielmehr will ein solches Interesse abendländische Denktraditionen perforieren, indem es diskursive Zentren zum einen identifiziert und zum anderen Formationen ähnlicher Aussagen ihrer Struktur nach differenziert und analysiert. Hierbei erweist sich der topologische Diskurs als sinnvolles epistemologisches Werkzeug, das der Gefahr einer begrifflichen Beliebigkeit bzw. interpretativer Willkür vorbeugt.
Im Zentrum meiner Untersuchung stehen kanonisch etablierte Metaphern des Raumes in literarischen Texten sowie die intertextuelle Struktur der sich durch sie formierenden Metaphernkonstellationen. Hierbei sind auch assoziative Bezüge zu geisteswissenschaftlichen Texten von Bedeutung. Im direkten Nebeneinanderstellen entsprechender Textstellen verschiedener Genres sowie innerhalb eines Genres wird die sinnstiftende Aussagekraft solcher Konstellationen deutlich. Ein Exposévorschlag in Blumenbergs Metaphorologie war hierzu Initiation:
“Die alte Schicksalsmetapher vom Schiff auf dem Meere fließt hier mit dem neuen Bewußtsein von der Entropie des Weltgeschehens zusammen, das die Gestalt der Reisemetapher aufnimmt, die bei der Odyssee Homers ihren ewigen Quell hat, aber nun die Gegenform der Heimkehrlosigkeit, der Irreversibilität, der Nicht-Kreisförmigkeit erreicht hat. Das ist beinahe schon das Exposé einer, noch zu leistenden, sehr reizvollen Sonderuntersuchung.” (Blumenberg 1998, 29.)
Um im Sinne der Topologie eine Orientierung innerhalb der modernen Literatur zu ermöglichen, beschränkt sich meine Untersuchung auf die Metaphernkonstellationen Netz – Gewebe, Meer – Wüste und Fleck – Rest.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einführung. Kulturwissenschaft und Poetik

I Ähnliche Netze und mannigfaltige Gewebe

II Das Anderswo des Meeres und der Wüste

III Der Fleck oder: der Rest ist das Zentrum

Nachwort

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die intertextuelle Struktur kanonisch etablierter Raummetaphern in der modernen Literatur und Geisteswissenschaft, um aufzuzeigen, wie Metaphernkonstellationen – wie Netz/Gewebe, Meer/Wüste und Fleck/Rest – als sinnstiftende, aber methodisch unscharfe Ordnungselemente fungieren, die über rein diskursive Definitionen hinausgehen und das Verhältnis von Poesie und philosophischem Denken neu kartieren.

  • Analyse topologischer Metaphern als epistemologische Werkzeuge.
  • Untersuchung der interdiskursiven Verschränkung von Literatur und Wissenschaft.
  • Kritik an der Vorstellung einer rein objektiven Wissensorganisation durch Metaphorologie.
  • Erforschung der Rolle des „Nicht-Wissbaren“ oder des „Rests“ im poetischen Diskurs.
  • Betrachtung der Bedeutung von Medien und technologischen Entwicklungen für die Metaphernkonstellationen der Moderne.

Auszug aus dem Buch

I Ähnliche Netze und mannigfaltige Gewebe

Um die assoziative Aussagekraft der Intertextualität des gleichen Meinens eines ähnlichen Gedankens anhand zentraler topologischer Metaphern in den Blick zu bekommen, bedarf es einer geordneten Gegenüberstellung von Textpassagen aus Poesie und Literaturphilosophie. Methodisch bilden diese beiden Diskursfelder die größtmögliche Schnittmenge zugleich nicht eindeutiger und sinnstiftender Aussagen. Diese Schnittmenge formiert vielfältige, d. h. nicht prägnante oder vage Formen, die als Metaphernkonstellationen deshalb so ausdrucksmächtig sind, weil ihre wesentliche Unschärfe stets Diskursivierungen oder Interpretationen zugleich erzwingt und ermöglicht. Abhängig sind sie von den epochal geschlossen organisierten symbolischen Ordnungen der Geisteswissenschaften und ihren Dispositiven der exakten Wissenschaften und der Technik. Gemeinsam formieren und deformieren sie synchron und anti-genealogisch – aber dennoch historisch – sich verändernde Informations- und Wissensnetze. Um sich im durch sie determinierten Denken orientieren zu können, schreiben Autor und Leser beispielsweise physische und digitale Zettelkästen.

Wann Shakespeares Sommernachtstraum geschrieben und uraufgeführt wurde, ist nicht geklärt. Bis 1970 versucht Arno Schmidt, den darin nicht beschriebenen Traum des Webers Zettel als die Struktur eines beliebig vernetzten Zettelganzen abzubilden. Ähnlich verbalinspiriert entwirft James Joyce in Finnegans Wake schon 1939 eine Art vorbabylonischer Ursprache und nimmt so entscheidende Tendenzen der literarischen Postmoderne, die mit dem Poststrukturalismus zwischen dem Ende des zweiten Weltkrieges und den Studentenunruhen von 1968 beginnt, vorweg. Das grundlegend gleiche Merkmal beider Denk- und Schreibsysteme ist zum Einen die Absage an den Fortschrittsglaube der Moderne und die Möglichkeit, einen neuen literarischen Stil schaffen zu können. Zum Anderen gaben sich beide der verführerischen weil sinnstiftenden Kombinatorik der Intertextualität und Interdiskursivität hin.

Zusammenfassung der Kapitel

Vorwort: Die Einleitung legt den theoretischen Fokus auf die Untersuchung kanonischer Raummetaphern und lehnt explizit hermeneutische Verfolgungen zugunsten einer topologischen Analyse von Metaphernkonstellationen ab.

Einführung. Kulturwissenschaft und Poetik: Dieses Kapitel erörtert das komplexe Verhältnis zwischen Literatur, Kulturwissenschaft und dem poetischen Diskurs, wobei die Bedeutung von Datenkompression und die Rolle des „Abfalls“ für das kulturelle Gedächtnis hervorgehoben werden.

I Ähnliche Netze und mannigfaltige Gewebe: Hier wird die Netzmetapher in Literatur und Wissenschaft (von Shakespeare bis zu modernen Science-Fiction-Autoren) als ein System zur Organisation von Wissen und Information analysiert.

II Das Anderswo des Meeres und der Wüste: Dieses Kapitel untersucht, wie die Metaphern von Meer und Wüste in der Moderne als Chiffren für das „Anderswo“ und die Grenzen der rationalen Erkenntnis fungieren.

III Der Fleck oder: der Rest ist das Zentrum: Der Fokus liegt auf der Bedeutung des „Fleckes“ oder „Rests“ als einem im Diskurs verbleibenden, nicht vollständig erfassbaren Zentrum, das jedoch für die Erkenntnisbildung essenziell ist.

Nachwort: Das Nachwort resümiert die Gefahr einer ideologischen Verengung durch die kulturwissenschaftliche Analyse und betont die anhaltende Bedeutung des nicht benennbaren Rests für die postmoderne Literatur.

Schlüsselwörter

Metaphorologie, Diskurstheorie, Topologie, Intertextualität, Moderne, Kulturwissenschaft, Poetologie, Epistemologie, Netzmetapher, Wissensorganisation, kulturelles Gedächtnis, Strukturphänomene, Paradigmenwechsel, Raummetaphern, Zeichentheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die intertextuellen Zusammenhänge und die Bedeutung von räumlichen Metaphern wie Netz, Meer, Wüste und Fleck in Literatur und geisteswissenschaftlichen Texten der Moderne.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Die Arbeit verknüpft Literaturwissenschaft, Kulturtheorie, Mathematik (Topologie) und Informationstheorie, um zu zeigen, wie sich Denkmuster über Medien und Sprache in Metaphern widerspiegeln.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Metaphernkonstellationen über Disziplingrenzen hinweg als ordnende, aber zugleich unschärfeerzeugende Strukturen fungieren, die das Verhältnis zwischen strengem wissenschaftlichem Diskurs und Poesie definieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine komparative und kulturwissenschaftliche Analysemethode angewandt, die Textstellen aus unterschiedlichen Genres direkt nebeneinanderstellt, um Gemeinsamkeiten in der metaphorischen Struktur („Metaphernkonstellationen“) offenzulegen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei zentrale Bereiche: die Untersuchung von Netz- und Gewebemetaphern, die Analyse von Meer- und Wüstenmetaphern als „Anderswo“ sowie die Bedeutung des „Fleckes“ als konstitutives, aber nicht vollständig auflösbares Zentrum.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Metaphorologie, Diskurstheorie, Topologie, Wissensorganisation und Intertextualität sind die zentralen Begriffe, die das methodische Vorgehen und den thematischen Rahmen abstecken.

Wie bewertet der Autor den Einfluss technischer Medien auf die Literatur?

Die Arbeit beschreibt, wie technische Entwicklungen – vom Zettelkasten bis zum Computer – die Metaphorik in der Literatur beeinflussen und die Vorstellung vom „Wissensnetz“ transformieren.

Welche Rolle spielt das Konzept des „Rests“ oder des „blinden Flecks“?

Der Autor argumentiert, dass das, was sich einer diskursiven Erfassung entzieht – der „Rest“ oder „blinde Fleck“ – für das Denken und die Erkenntnisbildung nicht nur ein Hindernis, sondern ein notwendiges Zentrum darstellt.

Warum spielt die Literatur von Autoren wie Jorge Luis Borges oder James Joyce eine so große Rolle?

Diese Autoren werden herangezogen, weil ihre Texte beispielhaft für die Verschränkung von komplexen Wissensordnungen, Mythen und der Unmöglichkeit, die Welt vollständig zu erfassen, stehen.

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Details

Title
Die Mannigfaltigkeit des Selben im Diskurs der Moderne (Teil 2)
Subtitle
Über ähnliche Aussagen und deren metaphorische Konstellation zwischen Philosophie und Poesie im Lichte des kulturwissenschaftlichen Denkens
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
1,1
Author
Dr. des. Robert Dennhardt (Author)
Publication Year
2003
Pages
54
Catalog Number
V79549
ISBN (eBook)
9783638804950
ISBN (Book)
9783638807913
Language
German
Tags
Mannigfaltigkeit Diskurs Moderne Selbe Diskurstheorie Metaphorologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. des. Robert Dennhardt (Author), 2003, Die Mannigfaltigkeit des Selben im Diskurs der Moderne (Teil 2), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79549
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