Im Anbetracht des Todesdiskurses in der Moderne scheint sich ein Paradigmenwechsel vollzogen zu haben, der eine zunehmende Tabuisierung des Todes erkennen lässt.
Philippe Ariès hat sich erstmals um eine Geschichte des Todes von der Antike bis zur Moderne bemüht, die vielerorts als Klassiker auf diesem Gebiet betitelt wird.
Wie dem Titel zu entnehmen ist, sollen in der vorliegenden Seminararbeit Tod und Popliteratur miteinander in Verbindung gesetzt werden. Anhand der Texte vom „Kultautor“ Christian Kracht soll untersucht werden, wie die Popliteratur den modernen Todesdiskurs darstellt...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoriegebäude
2.1 Zum Todesdiskurs von der Antike bis zur Moderne
2.2 Zur Popliteratur
3. Werk
3.1 Zum Autor Christian Kracht
3.2 Faserland
3.3 1979
4. Der Todesdiskurs bei Christian Kracht
4.1 Faserland
4.2 1979
4.3 Verdrängung oder das Besetzen einer Leerstelle: Abschließende Analyse der Romane
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Umgang mit dem modernen Todesdiskurs in ausgewählten Werken der Popliteratur, wobei der Fokus gezielt auf den Romanen "Faserland" und "1979" des Autors Christian Kracht liegt, um zu analysieren, ob und wie diese Texte das Thema Tod thematisieren oder bewusst ausblenden.
- Analyse des Todesdiskurses in der Moderne und dessen Spiegelung in der Popliteratur.
- Untersuchung der Romanfiguren und ihrer Verdrängungsmechanismen gegenüber dem Tod.
- Freilegung von Leerstellen und impliziten Todesmetaphern in den Erzählungen.
- Kritische Auseinandersetzung mit der literarischen Einordnung des Genres Popliteratur.
- Erörterung der Frage, ob Popliteratur eine bewusste Auseinandersetzung mit Existenzfragen leistet.
Auszug aus dem Buch
4.1 Faserland
Untersucht man den Roman auf Textstellen, die den Tod betreffen, findet sich im zweiten Kapitel eine Passage über Selbstmörder: „[...] und dann fällt mir noch ein, dass es eine andere Brücke gibt, in Belgien oder Luxemburg, da wohnen auch irgend welche Leute drunter, und die beschweren sich immer, weil genau diese Brücke bei Selbstmördern so beliebt ist“
Der im Zug sitzende Protagonist „muss grinsen“ und sinniert weiter: „Genau wie bei der Brücke in Kassel, fallen den Leuten auf die Häuser oder purzeln mitten ins schönste Grillfest“. Über das Aussehen der Toten sagt der Ich-Erzähler: „Die Körper sind dann immer ganz zerquetscht, die müssen die dann mit einer Schaufel zusammenkratzen“ um sich am Ende seines Gedankengangs die ironische Frage zu stellen, „wo [er] wohl lieber wohnen würde: in Kassel oder in Luxemburg“.27
Ironie und Frivolität treten an die Stelle von Mitgefühl oder Respekt vor dem Tod. Eine unauffällige Textstelle folgt in Kapitel 3, als der Protagonist nach einer Party bei seinem Freund Nigel ins Schlafzimmer platzt und Nigel mit einem Model und einer weiteren männlichen Person beim Gruppensex ertappt. Er beschreibt detailliert das, was er sieht und kommt hierbei auf die Tätowierung zu sprechen, die der fremde Mann auf seinem Oberschenkel trägt und assoziiert das Gesehene wie folgt:
„Der hat tatsächlich einen Maulwurf da tätowiert, und zwar einen, der auf dem Rücken liegt, die Pfoten von sich gestreckt und anstelle von zwei Augen hat der Maulwurf so Kreuze, wie bei Tom und Jerry, wenn einer tot ist.“28
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie die Popliteratur, am Beispiel von Christian Kracht, den modernen Todesdiskurs darstellt oder tabuisiert.
2. Theoriegebäude: Das Kapitel erläutert den allgemeinen Todesdiskurs von der Antike bis zur Moderne sowie Definitionsansätze und die Geschichte der Popliteratur.
3. Werk: Hier erfolgt eine Vorstellung des Autors Christian Kracht sowie eine kurze inhaltliche Zusammenfassung seiner Romane "Faserland" und "1979".
4. Der Todesdiskurs bei Christian Kracht: Der Hauptteil analysiert spezifische Textstellen in den beiden Romanen, die den Umgang der Protagonisten mit Tod und Sterben sowie deren Verdrängungsmechanismen thematisieren.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Krachts Romane trotz ihrer oberflächlichen Thematik eine Ebene für einen tiefgehenden Todesdiskurs bieten, sofern sich der Leser auf die Leerstellen einlässt.
Schlüsselwörter
Christian Kracht, Faserland, 1979, Todesdiskurs, Popliteratur, Verdrängung, Leerstelle, Philippe Ariès, Markenfetischismus, Identität, Generation Golf, moderne Literatur, Dandy, Existenzlosigkeit, Tod.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung des Todes und des Umgangs mit Sterblichkeit in der deutschen Popliteratur, speziell in den Romanen "Faserland" und "1979" von Christian Kracht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen den Paradigmenwechsel im Todesdiskurs, die Merkmale und Kritik der Popliteratur sowie die psychologische Verarbeitung von Verlust durch die Romanfiguren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kracht das Thema Tod in seinen Werken entweder durch Verdrängungsmechanismen kaschiert oder durch bewusste Leerstellen für den Leser erfahrbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten im Abgleich mit existierenden Theorien, insbesondere den Ansätzen von Philippe Ariès zur Tabuisierung des Todes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert Textstellen aus "Faserland" und "1979", in denen die Protagonisten mit Tod oder dem Verlust nahestehender Personen konfrontiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Todesdiskurs, Popliteratur, Verdrängung, Leerstelle, Markenfetischismus und die Selbstauslöschung des literarischen Subjekts.
Wie gehen die Protagonisten bei Kracht mit dem Tod um?
Die Protagonisten reagieren zumeist mit auffälliger Kühle, Distanziertheit und Ironie; sie nutzen Verdrängung und Flucht anstelle einer emotionalen Verarbeitung.
Warum spielt das Thema "Leerstelle" eine so zentrale Rolle?
Die Autorin argumentiert, dass der Tod in diesen Romanen oft nur implizit vorhanden ist und erst durch die bewusste Auseinandersetzung des Lesers mit den Leerstellen als tieferes Motiv erkennbar wird.
Kann man bei "Faserland" von einem Suizid des Protagonisten ausgehen?
Die Arbeit deutet an, dass das offene Ende und die Anspielung auf Goethes "Wanderers Nachtlied" den Selbstmord als logische Schlussfolgerung der Reise und damit als Auslöschung des Subjekts nahelegen.
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- Stefanie Udema (Author), 2007, Tod und Popliteratur: Der Todesdiskurs bei Christian Krachts "Faserland" und "1979", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79589