Give me not poverty least I steal - Ursachen und literarische Darstellung der Kriminalität im 17. und 18. Jh, untersucht an Moll Flanders


Seminararbeit, 2001
22 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gesellschaft und Kriminalität im 17. und frühen 18. Jahrhundert in England
2.1.1 Gesellschaftliche Klassen
2.1.2 Gesellschaftliche Mobilität
2.1.3 Formen und Ursachen der Kriminalität

3. Die Ursachen für das kriminelle Handeln der Moll Flanders und ihre literarische Darstellung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit zur Einführung in das Studium der Literatur befasst sich mit dem Roman Moll Flanders von Daniel Defoe, welcher im Seminar gelesen und besprochen wurde. Unter dem besonderen Gesichtspunkt der Ursachen und literarischen Darstellung der Kriminalität im 17. und frühen 18. Jahrhundert in England wurde das Werk in folgender Arbeit untersucht. Da es unerlässlich ist zumindest grundlegende und allgemeine Kenntnisse der damaligen sozialen Umstände zu haben, wird auf diese, unabhängig vom Text, im zweiten Kapitel eingegangen. Da aber eine eingehende Beschreibung der Gesellschaft im frühen England der Moderne wohl den Rahmen um ein weites überschreiten würde, werden vor allem drei Aspekte herausgearbeitet die im Umgang mit der Geschichte der Moll Flanders wichtig sind; nämlich die einzelnen Gruppen in der Gesellschaft, die gesellschaftliche Mobilität und schließlich die Formen und Ursachen der Kriminalität.

Im dritten Kapitel werden dann am Werk spezifisch die Ursachen und Beweggründe für das kriminelle Handeln der Moll Flanders selbst untersucht, bzw. ihre literarische Darstellung, um diese dann in den direkten Vergleich mit der historischen Realität zu setzen. Somit wird also hier vor allem die Legitimität geprüft aus welcher Moll Flanders heraus handelt, und die Motive die sie zu ihrem Vorgehen antreiben.

Weiterhin wird untersucht auf welche Art und Weise Daniel Defoe das kriminelle Handeln der Moll Flanders beschreibt, bzw. sie sich selbst als autobiographische Erzählerin, und welche Mittel dafür verwendet werden. Daraus wird versucht die Wirkung abzuleiten die Moll Flanders als Figur auf den Leser hat, und ob sie dem Vorwort des Autors gerecht wird und als abschreckendes Beispiel dienen soll.

Als Primärliteratur, welche im folgenden nur noch mit Seitenzahlen angegeben wird, diente die ungekürzte und vollständige Ausgabe der „Moll Flanders“, erschienen 1994 in der Penguin Popular Classics Edition des Penguin Books Verlags, London.

2. Gesellschaft und Kriminalität im 17. und frühen 18. Jahrhundert in England

2.1 Gesellschaftliche Klassen:

Die englische Gesellschaft des frühen Englands der Moderne wird man am ehesten als „distinctive and all-pervasive system of social inequality“[1] bezeichnen können. Die Gesellschaft war strikt aufgeteilt in verschiedene Kategorien worin jedes Individuum seinen festen und vorbestimmten Platz einnahm. „Order, degree, rank and hierarchy seemed self-evident, even natural“[2] Die Aufteilung war überall präsent und spiegelte sich in allen Lebensbereichen wieder.

Status und Rang wurden vor allem durch drei wichtige Faktoren bestimmt; Herkunft, Landbesitz und Art und Weise des Einkommens bzw. Form der Arbeit jedes Einzelnen waren die Grundlage der Einordnung in seinen Platz in der Gesellschaft. Grundsätzlich konnte man grob drei breite Gruppierungen unterscheiden, die wie eine Pyramide aufeinander aufgebaut waren, wobei die Abgrenzung untereinander in Grenzfällen teilweise schwer fällt, ebenso wie die Abgrenzung innerhalb der Schichten, da es dort noch mannigfaltige Abstufungen gab[3].

Die oberste Schicht wurde von „nobility und gentry“[4] gebildet, wohl zu deutsch als Hoch- und Landadel zu bezeichnen. Diese Schicht wies sich durch ihre adlige Herkunft aus, sowie durch ihre Eigenschaft als Besitzer großer Ländereien. Ihre Einkünfte bezogen sie niemals aus eigenständiger Arbeit, was ein wichtiges Kriterium zur Klassifizierung war.

Dies war auch ein maßgebender Unterschied zur sogenannten „middling sort“, der Mittelschicht, die sich auf der einen Seite aus solchen zusammensetzte die kleinere Mengen Land besaßen, sogenannten „freeholders“ oder „yeomen“, welches diese auch im Unterschied zur Oberschicht selbst bearbeiteten. Auf der anderen Seite fanden sich „shopkeepers“ und „tradesmen“, also Gewerbe- und Handeltreibende, die vor allem in den größeren Städten anzutreffen waren. Weiterhin zählte man auch die unteren Offiziersränge, niedrigen Klerus und Anwälte zu der Mittelschicht. Gerade die Mittelschicht umfasste ein breites Spektrum und ihre Grenzen waren teilweise nach oben bzw. vor allem nach unten hin schwer von den anderen gesellschaftlichen Gruppierungen zu unterscheiden. Unter den „merchants“ und „tradesmen“ gab es nicht wenige die einige Vertreter der „gentry“ in Reichtum und materiellen Besitz übertrafen. Jedoch verschwammen im Gegenzug auch die Grenzen zwischen den unteren Teilen der „middling sort“ und der angrenzenden Unterschicht, welche aufgrund finanzieller Aspekte kaum zu erkennen waren.[5]

Die Unterschicht, welche die größte Gruppe repräsentierte, und um 1700 etwa zwei Drittel der Bevölkerung innehatte, bestand weitgehend aus den sogenannten „mechaniks, cottagers und paupers“. Mit „mechaniks“ wurden Tätige im Handel und Handwerk, vereinzelt auch solche die in der Landwirtschaft bezeichnet, wobei diese normalerweise als „cottagers“ bezeichnet wurden. Die „paupers“ waren diejenigen die wenig oder gar nicht arbeiteten und deshalb auf Armenhilfe, Kriminalität oder Betteln angewiesen waren. Gewöhnliche Soldaten zählten außerdem genauso zur Unterschicht wie Seemänner oder Matrosen. Die Abgrenzung innerhalb dieser Gruppierung erfolgte also wiederum durch den materiellen Status, wobei diese auch durch den Grad der beruflichen Ausbildung gesteuert wurde. Ein ausgebildeter Handwerker war also innerhalb der Schichtgrenzen höher gestellt als eine gewöhnliche ungelernte Arbeitskraft.[6]

Die „paupers and cottagers“ bildeten den größten Anteil innerhalb dieser Unterschicht, wobei die „paupers“ als das untere Ende der Gesellschaftspyramide betrachtet werden können. Deren „Existenz endete meist in Alkoholismus, Prostitution und Kriminalität“[7], was zu enormen gesellschaftlichen Problemen führte.

2.2 Gesellschaftliche Mobilität:

Selbst in einer hierarchisch-starren Gesellschaft wie der Englands zur behandelnden Zeit gab es, vor allem durch den materiellen Aspekt, ein gewisses Maß an sozialer Mobilität, welches dem Einzelnen die Möglichkeit zum Aufstieg gab. Schon Harrison, Wilson und King, die die wichtigsten zeitgenössischen Beschreibungen der Gesellschaft lieferten, erkannten die Möglichkeit sozialer Mobilität in England an.[8]

Dabei beschränkte sich dieses Streben nicht auf eine bestimmte Schicht, sondern war in jeder einzelnen vorhanden.[9]

Neben der evidenten Möglichkeit des ökonomischen Aufstiegs durch Vermehrung des Besitzes an Land und finanzieller Mittel, bat sich jedoch auch die Chance durch eine Ausbildung, einen Universitätsabschluss, besondere Verdienste im Krieg oder auch Einheiratung in eine höhergestellte Schicht einen besseren Status zu erreichen. Letzterer Punkt stand natürlich vor allem den Frauen offen, für die es aber auch gleichzeitig die wohl einzige mögliche Form war selbst den eigenen Status legal zu erhöhen, da sie weitgehend über den Status ihrer Männer und Väter definiert wurden und ihnen eine Aus- oder Weiterbildung verwehrt wurde. Ihre Arbeitskraft beschränkte sich in Mittel- und Unterschicht weitgehend auf Betätigungen im Haus und auf dem Feld oder als Dienstmädchen und Näherinnen. Die Heiraten zwischen zwei Schichten bedeuteten dann gleichzeitig eine Statusverbesserung des einen sowie eine Verschlechterung für den Anderen.[10]

Das Vorhaben des Aufstiegs gestaltete sich aber oft als sehr schwierig, und nur einem geringen Prozentsatz gelang wirklich ein Aufstieg in eine höhere Schicht. Der Aufstieg innerhalb einer Schicht dagegen war keineswegs ungewöhnlich und trat ungleich häufiger auf als ein Wechsel zwischen den Schichten.[11] Umso schwieriger sich ein Aufstieg gestaltete, desto leichter war es jedoch einen gesellschaftlichen Abstieg zu erleiden. So traten in der Oberschicht vermehrt Verschiebungen nach unten wie nach oben auf, wobei es an Aufzeichnungen über Statusänderungen in der Unter- und Mittelschicht weitgehend fehlt.[12] Es ist aber anzunehmen das insbesondere in der finanziell wenig abgesicherten Unterschicht und in den unteren Bereichen der Mittelschicht schon ein schlechtes Erntejahr oder ein misslungenes Geschäft ausreichte um ein erhebliches Abrutschen zu verursachen.

[...]


[1] Keith Wrightson, English Society 1580-1680, London: Hutchinson Social History of England, 1982, s.17

[2] Ib., s.17

[3] Roy Porter, English Society in the 18th century, Frame & London: The Pelican History of Britain, 1962, s. 63

[4] Klaus Degering, Defoe’s Gesellschaftskonzeption, Amsterdam: B.R. Grüner Verlag, 1977, s. 54

[5] Ib., s. 54-65

[6] Ib. s. 70-73

[7] Ib., s. 74

[8] Wrightson, English Society 1580-1680, s. 22

[9] Degering, Defoe’s Gesellschaftskonzeption, s. 88

[10] Ib., s. 86

[11] Ib., s.85

[12] Ib., s. 86

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Give me not poverty least I steal - Ursachen und literarische Darstellung der Kriminalität im 17. und 18. Jh, untersucht an Moll Flanders
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Englisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar Einführung in das Studium der Literatur
Note
2,5
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V7970
ISBN (eBook)
9783638150620
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Moll Flanders, Daniel Defoe, Picara, Picaresker Roman, Schelmenroman, Kriminalität und Literatur, Daniel Foe
Arbeit zitieren
Daniel Brombacher (Autor), 2001, Give me not poverty least I steal - Ursachen und literarische Darstellung der Kriminalität im 17. und 18. Jh, untersucht an Moll Flanders, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7970

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