Diese Hausarbeit zur Einführung in das Studium der Literatur befasst sich mit dem Roman Moll Flanders von Daniel Defoe, welcher im Seminar gelesen und besprochen wurde. Unter dem besonderen Gesichtspunkt der Ursachen und literarischen Darstellung der Kriminalität im 17. und frühen 18. Jahrhundert in England wurde das Werk in folgender Arbeit untersucht. Da es unerlässlich ist zumindest grundlegende und allgemeine Kenntnisse der damaligen sozialen Umstände zu haben, wird auf diese, unabhängig vom Text, im zweiten Kapitel eingegangen. Da aber eine eingehende Beschreibung der Gesellschaft im frühen England der Moderne wohl den Rahmen um ein weites überschreiten würde, werden vor allem drei Aspekte herausgearbeitet die im Umgang mit der Geschichte der Moll Flanders wichtig sind; nämlich die einzelnen Gruppen in der Gesellschaft, die gesellschaftliche Mobilität und schließlich die Formen und Ursachen der Kriminalität.
Im dritten Kapitel werden dann am Werk spezifisch die Ursachen und Beweggründe für das kriminelle Handeln der Moll Flanders selbst untersucht, bzw. ihre literarische Darstellung, um diese dann in den direkten Vergleich mit der historischen Realität zu setzen. Somit wird also hier vor allem die Legitimität geprüft aus welcher Moll Flanders heraus handelt, und die Motive die sie zu ihrem Vorgehen antreiben.
Weiterhin wird untersucht auf welche Art und Weise Daniel Defoe das kriminelle Handeln der Moll Flanders beschreibt, bzw. sie sich selbst als autobiographische Erzählerin, und welche Mittel dafür verwendet werden. Daraus wird versucht die Wirkung abzuleiten die Moll Flanders als Figur auf den Leser hat, und ob sie dem Vorwort des Autors gerecht wird und als abschreckendes Beispiel dienen soll.
Als Primärliteratur, welche im folgenden nur noch mit Seitenzahlen angegeben wird, diente die ungekürzte und vollständige Ausgabe der "Moll Flanders", erschienen 1994 in der Penguin Popular Classics Edition des Penguin Books Verlags, London.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesellschaft und Kriminalität im 17. und frühen 18. Jahrhundert in England
2.1.1 Gesellschaftliche Klassen
2.1.2 Gesellschaftliche Mobilität
2.1.3 Formen und Ursachen der Kriminalität
3. Die Ursachen für das kriminelle Handeln der Moll Flanders und ihre literarische Darstellung
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman "Moll Flanders" von Daniel Defoe unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Umstände, Ursachen und der literarischen Darstellung von Kriminalität im England des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Ziel ist es, die Legitimität des Handelns der Protagonistin sowie ihre Motive zu analysieren und den Kontrast zwischen ihrer autobiographischen Selbstdarstellung und der historischen Realität aufzuzeigen.
- Soziale Schichtung und gesellschaftliche Mobilität im England der frühen Moderne.
- Analyse der Formen und Ursachen von Kriminalität im historischen Kontext.
- Untersuchung der Motive und Zielsetzungen von Moll Flanders im Vergleich zur Realität.
- Die literarische Rolle von Moll Flanders als Erzählerin und ihr Einfluss auf die Leserwahrnehmung.
Auszug aus dem Buch
2.3 Formen und Ursachen der Kriminalität
Kriminalität fand im England der frühen Moderne verschiedene Darstellungsformen; wichtig ist es zu unterscheiden zwischen Eigentumsdelikten, Gewaltverbrechen und Vergehen gegen die Moral, die alle drei in ihren verschiedenen Formen in den Gerichtsaufzeichnungen Eintragung fanden. Vorherrschend waren die Eigentumsdelikte:
Property offences constituted by far the largest category of serious crimes tried in Essex between 1620 and 1680.(…) such a pattern was probably fairly typical of early modern England (…).
Dabei unterschied das englische Recht zwischen „grand and petty larceny“, eine Klassifizierung die auf Edward II zurückging. Als „grand larceny“ bezeichnete man alle Eigentumsvergehen deren Volumen den Wert eines Schillings überschritt bzw. mit „petty larceny“ alle Vergehen bei denen es sich um Güter mit einem geringeren Wert als ein Schilling handelte. Diese Unterscheidung bezog sich auf die rechtlichen Folgen, denn „grand larceny“ wurde mit Hängen bestraft, bzw. konnte in einigen Fällen auch Deportation in die Kolonien nach sich ziehen, und auf „petty larceny“ folgte im Normalfall Auspeitschen. Gewöhnlicher Diebstahl trat am häufigsten unter den „property offences“ auf, und fand besonders auf dem Land eine weitverbreitete Form in dem Diebstahl von Nutztieren, besonders von Schafen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die thematische Eingrenzung der Arbeit auf Defoes Roman Moll Flanders und die Analyse der soziohistorischen Kriminalitätsfaktoren.
2. Gesellschaft und Kriminalität im 17. und frühen 18. Jahrhundert in England: Dieses Kapitel beschreibt die starre soziale Hierarchie, die Möglichkeiten sozialer Mobilität sowie die rechtliche Einordnung von Eigentums- und Gewaltdelikten im frühmodernen England.
3. Die Ursachen für das kriminelle Handeln der Moll Flanders und ihre literarische Darstellung: Das Kapitel untersucht Moll Flanders’ Motivationen für ihr kriminelles Handeln, ihren sozialen Aufstiegswillen und ihre Funktion als unzuverlässige autobiographische Erzählerin.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Moll Flanders eine bewusste Zielsetzung verfolgt und sich durch ihre erzählerischen Strategien erfolgreich als Opfer inszeniert, um die Sympathie der Leser zu gewinnen.
Schlüsselwörter
Moll Flanders, Daniel Defoe, Kriminalität, England, Soziale Mobilität, 17. Jahrhundert, Literaturgeschichte, Eigentumsdelikte, Autobiographie, Pikaresker Roman, Gesellschaftsschichten, Armut, Gerechtigkeit, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und die literarische Darstellung von Kriminalität im Roman "Moll Flanders" von Daniel Defoe im Kontext des gesellschaftlichen Englands des 17. und 18. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die soziale Schichtung Englands, die sozioökonomischen Bedingungen der Kriminalität und die psychologische sowie literarische Charakterisierung der Protagonistin.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die Prüfung der Legitimität und der Beweggründe von Moll Flanders' kriminellem Handeln in Gegenüberstellung zur historischen Lebenswirklichkeit der Zeit.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Textanalyse in Verbindung mit sozialhistorischen Kontextdaten, um die narrativen Konstruktionen der Autorfigur zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des gesellschaftlichen Rahmens, die Analyse der Kriminalitätsformen sowie eine detaillierte Untersuchung der Entwicklung von Moll Flanders' Lebensweg und ihrer Selbstinszenierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Kriminalität, soziale Mobilität, Moll Flanders, Daniel Defoe, Autonomie, Armut und literarische Selbstdarstellung.
Warum unterscheidet Moll Flanders zwischen sich selbst und anderen Kriminellen?
Moll möchte sich als "gentlewoman" abheben und wertet ihr eigenes Handeln trotz der Kriminalität als gesellschaftlich motiviertes Streben nach einem höheren Status, statt es als reinen Opportunismus zu sehen.
Wie wirkt die Rolle der Erzählerin auf den Leser?
Die Erzählerin nutzt ihre Reue und die Schilderung ihrer prekären Lebensumstände, um beim Leser Mitleid zu erzeugen und ihre kriminellen Handlungen als notwendige Überlebensstrategien oder vom Schicksal erzwungene Taten darzustellen.
- Citation du texte
- Daniel Brombacher (Auteur), 2001, Give me not poverty least I steal - Ursachen und literarische Darstellung der Kriminalität im 17. und 18. Jh, untersucht an Moll Flanders, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7970