Diese Arbeit beschäftigt sich mit den beruflichen Strukturen der Erwerbstätigkeit in Industriegesellschaften.
Dazu wird ein Überblick über die Entstehung arbeitnehmerischer Tätigkeit gegeben bis hin zu einer kritischen Betrachtung moderner Beschäftigungsverhältnisse. Die Entwicklungsstadien moderner Gesellschaften werden auf der Grundlage der Theoriebildung Jean Fourastiés nach gezeichnet. In diesem Zusammenhang wird auch die Falsifizierbarkeit einiger wichtiger Prämissen wirtschaftlicher Entwicklung nach Fourastié erläutert.
Die Betrachtung moderner Beschäftigungsverhältnisse wird angereichert um die Darstellung eines Modells von Martin Baethge zur Steigerung der Erwerbsarbeitstätigen in der BRD. Dies impliziert auch die Betrachtung des differenzierten Wandels der Beschäftigungsbereiche in Industriegesellschaften.
Abschließend werden aktuelle Zahlen zu den Lohnstrukturen in NRW diskutiert. In Verbindung mit den Aussagen zu den Perspektiven der Dienstleistungsbeschäftigung soll überprüft werden, welche dieser Perspektiven bisher umgesetzt wurden oder auch eingetreten sind und welche nicht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Wandel der Arbeiterklasse
2.1 Das Bewusstsein der Industriearbeit
2.2 Die Entwicklung der Arbeiterklasse
2.2.1 Der Arbeitertechniker (Mallet)
2.2.2 Dequalifikation (Braverman)
2.2.3 Qualifikationsstruktur (Kern-Schumann)
3 Der sektorale Wandel (Tertiarisierung)
3.1 Die Logik der sektoralen Tertiarisierung
3.2 Dienstleitungssektor/Dienstleitungsarbeit
4 Erwerbstätigkeit im Dienstleitungssektor
4.1 Wachstumsperspektiven des tertiären Sektors
4.2 Die Kosten sozialer Dienste
4.3 Veränderungen der Erwerbsstrukturen
5 Erwerbsstrukturen im Dienstleistungssektor
5.1 Lohnstrukturen im Dienstleistungssektor NRWs
6 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert den Wandel beruflicher Strukturen in Industriegesellschaften, ausgehend von der Entwicklung der Arbeiterklasse bis hin zu einer kritischen Betrachtung moderner Dienstleistungsbeschäftigung und deren Lohnstrukturen in NRW.
- Historischer Wandel der Arbeiterklasse und industrielle Identität
- Transformation zur Dienstleistungsgesellschaft (Tertiarisierung)
- Wachstumsperspektiven und Rationalisierung im tertiären Sektor
- Geschlechtsspezifische Erwerbsstrukturen und Frauenerwerbsquote
- Lohnentwicklungen und Prekärarbeit in Dienstleistungsbranchen
Auszug aus dem Buch
2.1 Bewusstsein der Industriearbeit
Die wirtschaftliche Expansion während der fünfziger und sech ziger Jahre ging einher mit der Entstehung des Wohlfahrtstaa tes und der Entstehung und Integration einer Arbeiterklasse in die bürgerliche Mittelschicht (vgl. Mikl-Horke, 1995, S.171). Diese Aussage legt zunächst eine breite Definition des Begrif fes Arbeiterklasse zugrunde die im folgenden genauer betrach tet werden muss. Unbestreitbar hat die Zeit wirtschaftlicher Prosperität den Aufstieg einiger Berufsgruppen ermöglicht, welche schließlich als breite Mittelklasse klassifiziert wer den können.
Zu diesen Gruppen zählen Angestellte, Beamte, kleine Gewerbe treibende und einige freiberufliche Tätigkeiten. Dessen ungeachtet haben Untersuchungen in Deutschland ergeben, dass für viele, genauer gesagt für den Großteil der Arbeiter der soziale Aufstieg verwehrt bleiben sollte. Eine Identifika tion der Arbeiterschicht beruhte vielmehr auf die kollektive Leistung der Arbeiterklasse als Ganzes. Es herrschte weitest gehend Resignation mit Blick auf die individuelle Zukunft so wie in Bezug darauf den Aufstieg in eine höhere gesellschaft liche Schicht zu schaffen. (Vgl. Mikl-Horke, 1995, S. 172)
Es entstand vielmehr eine dichotome Einstellung in der Ar beiterschicht gegenüber der Angestelltenschicht, also gegen über allen nicht körperlich-handwerklich Tätigkeiten im klas sischen Sinn. Zwar wurden Differenzierungen innerhalb der Arbeiterklasse etwa zwischen Arbeiter und Vorarbeiter akzeptiert dennoch er laubte man sich eine Abgrenzung unter dem Aspekt der Körper lichkeit gegenüber den Angestellten. Mit der technischen Weiterentwicklung verbanden die Arbeiter in den siebziger Jahren zunächst eine Aufwertung ihrer Klasse. Durch den Einsatz von Technik stiegen die Anforderungen an die Qualifikationen der Arbeiter. Dies hatte zunächst zu einem kollektiv verbesserten Selbstbild in der Arbeiterklasse beige tragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des strukturellen Wandels der Erwerbsarbeit von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft ein und definiert den methodischen Rahmen der Untersuchung.
2 Der Wandel der Arbeiterklasse: Das Kapitel beleuchtet das Selbstbewusstsein der Industriearbeiter und diskutiert theoretische Ansätze zur Entwicklung der Arbeiterklasse, wie etwa die Konzepte von Mallet, Braverman und Kern-Schumann.
3 Der sektorale Wandel (Tertiarisierung): Hier wird der Prozess der Tertiarisierung auf Basis des Drei-Sektoren-Modells erläutert und die Logik hinter der sektoralen Verschiebung sowie die Definition von Dienstleistungen kritisch hinterfragt.
4 Erwerbstätigkeit im Dienstleitungssektor: Dieses Kapitel untersucht die Beschäftigungsdynamiken im tertiären Sektor, wobei insbesondere Wachstumstreiber, Kostenstrukturen sozialer Dienste und der Wandel der Erwerbsquoten betrachtet werden.
5 Erwerbsstrukturen im Dienstleistungssektor: Der Fokus liegt hier auf den realen Lohnverhältnissen, insbesondere unter Berücksichtigung prekärer Beschäftigung und geschlechtsspezifischer Unterschiede in NRW.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die unzureichende Dynamik der Dienstleistungsbeschäftigung oft durch veraltete industrialistische Organisationsmodelle bedingt ist.
Schlüsselwörter
Arbeiterklasse, Dienstleistungsgesellschaft, Tertiarisierung, Erwerbsarbeit, Strukturwandel, Industriearbeit, Dequalifizierung, Frauenerwerbsquote, Lohnstrukturen, Prekärlohn, Armutslohn, Industriegesellschaft, Beschäftigungsstruktur, Soziologie, Wirtschaftsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wandel der beruflichen Strukturen von der klassischen Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Arbeiterklasse, die sektorale Tertiarisierung, die Rolle von Frauen auf dem Arbeitsmarkt sowie die Lohnstrukturen im Dienstleistungssektor.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Perspektiven der Dienstleistungsbeschäftigung zu beleuchten und zu überprüfen, inwiefern theoretische Erwartungen bezüglich des Wirtschaftswachstums und der Arbeitsplatzqualität in der Realität eingetreten sind.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer Modelle (z.B. Fourastié, Baethge, Braverman) und verknüpft diese mit aktuellen statistischen Daten und Untersuchungsergebnissen zur Arbeitsmarktstruktur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Arbeiterklasse, den sektoralen Strukturwandel, die Bedingungen im Dienstleistungssektor sowie eine detaillierte Betrachtung der Entlohnung und Erwerbsquoten in NRW.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Tertiarisierung, Erwerbsquote, prekäre Beschäftigung, industrielle Identität und Strukturwandel.
Warum konnte die Erhöhung der Frauenerwerbsquote die Arbeitslosenquote nicht signifikant senken?
Der Autor argumentiert, dass dies unter anderem an veralteten industrialistischen Organisationsmodellen liegt und daran, dass Frauen häufig in Branchen mit niedrigerem Lohnniveau und in Teilzeitverhältnissen beschäftigt sind.
Was bedeutet der Begriff "Residualdefinition" im Kontext der Dienstleistungen?
Es beschreibt die Schwierigkeit, den Dienstleistungssektor präzise zu definieren, da er oft nur dadurch bestimmt wird, dass er weder zum primären noch zum sekundären Sektor gehört.
- Quote paper
- B.A. Mirko Suerhoff (Author), 2007, Der Wandel der Erwerbstätigkeit sowie Perspektiven der Dienstleistungsbeschäftigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79969