Politainment - die Entertainisierung des Politischen


Hausarbeit, 2007

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politainment erklärt
2.1 Sinn und Zweck
2.2 Zwei Ebenen entertainisierter Politik
2.2.1 Unterhaltende Politik: Scharping im Pool – Chronik einer mißlungenen Kampagne
2.2.2 Politische Unterhaltung: Die Serie „Kanzleramt“ im ZDF – Klaus J. Behrendt als der bessere Schröder
2.3 Feel-Good in der Als-ob-Welt

3. Fazit

4. Literatur- und Quellenverzeichnis

5. Anlagen

1. Einleitung

„Im Wahlkampf vor mir liegt ein Zonenmädchen – warum kann es nicht eine Schönheit sein? Die Mundwinkel im Keller und zum Helm frisiertes Haar mit Spreewaldgurkenatem – Angela!“[1]

Mit diesen recht uncharmanten Worten stimmte Kanzlerpuppe Gerd (gesprochen von Stimmenimitator Elmar Brandt) rechtzeitig zu Beginn des vorgezogenen Wahlkampfes 2005 in eine Strophe des Liedes „Im Wahlkampf vor mir liegt ein Zonenmädchen“ ein. Unterlegt von der Melodie des 70er Jahre-Ohrwurms „Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen“ attackierte die Schröderparodie die persiflierte Angela Merkel Angie (gesprochen von NDR-Radiomoderatorin Anne Onken) mehrfach äußerst scharf[2], worauf Angie aber stets schlagfertig konterte.

„Was tönt die Witzfigur da hinter mir nur? (...). Der rechnet sich noch Chancen für sich aus?! (...). Die Chose ist gelaufen, dieser Kleinganove spinnt! (...). Der glaubt doch nicht, daß er noch mal gewinnt.“[3]

So trivial der musikalische Schlagabtausch zwischen Angie und Gerd auch anmuten mag und so wenig er auch ernst zu nehmen ist, so ist er doch ein Beispiel für etwas, was in der medialen Erlebnisgesellschaft[4] mittlerweile Alltag ist: Politainment, die Vermischung politischer Themen mit Elementen der Unterhaltung. Doch wie sieht sowas aus und was sind die die Risiken einer solchen Vermischung? Oder besteht sogar die Notwendigkeit einer Vermischung?

Zur Beantwortung dieser Fragen ist es zunächst einmal nötig, den Politainmentbegriff zu erläutern, ihn in die von Dörner definierten zwei Ebenen[5] zu differenzieren und diese anhand zweier Beispiele – an dem von Rudolf Scharpings Swimming Pool-Affäre und an dem der ZDF-Serie Kanzleramt – zu verdeutlichen. Unterkapitel 2.3 informiert zudem über den Feel-Good-Faktor in der Als-ob-Welt als Elemente des Politainmentprozesses und gewährt einen kurzen Einblick in die damit verbundnenen Mechanismen der immer weiter fortschreitenden Amerikanisierung politischer Kommunikation in Deutschland.

2. Politainment erklärt

Getreu dem Luhmann'schen Diktum „was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien [sic!]“[6] bildete sich in den 90er Jahren eine „enge Koppelung zwischen Politik und Entertainment“[7] heraus: Politainment. Als ein Kompositum der Begriffe Politik und Entertainment und von Dörner als eine Anlehnung an den Begriff des Infotainment – der Verschmelzung stilistischer Mittel und Thematiken aus den Bereichen Unterhaltung und Information[8] – eingeführt, bezeichnet Politainment eine Strategie, politische Kommunikation erlebnishaft zu vermitteln, sodaß „politische Themen, Prozesse, Deutungsmuster, Identitäten und Sinnentwürfe im Modus der Unterhaltung zu einer neuen Realität des Politischen montiert [und somit entertainisert, C.B.] werden.“[9]

2.1 Sinn und Zweck

Spricht man also von der Entertainisierung des Politischen, stellt sich neben der Frage nach dem „Wie“ zugleich auch die Frage nach dem „Warum“, nach dem Grund, wieso sich Akteure und Macher überhaupt genötigt fühlen, die Politik zu entertainisieren, ist sie doch so ein ernstes Geschäft.

[...]


[1] Hamburger Abendblatt: „Der Hit zur Wahl“, 01. Juni 2005:
http://www.abendblatt.de/daten/2005/06/01/441336.html?s=1 – Stand: 13. August 2007.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Dörner, Andreas: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft, Frankfurt am Main, 2001, S. 40 f.

[5] Ebd., S. 31 f.

[6] Geisler, Alexander / Tenscher, Jens: Politiker kommen ins Gespräch. Chancen und Risiken von Politikerauftritten im Fernsehen. In: Brosda, Carsten / Schicha, Christian: Politikvermittlung in Unterhaltungsformaten, Münster, 2002, S. 169-181, hier: S. 171, zit. nach: Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien, Opladen, 1996.

[7] Dörner: Politainment, 2001, S. 31.

[8] Brosda, Carsten / Schicha, Christian: Politikvermittlung zwischen Information und Unterhaltung – Eine Einführung. In: Brosda / Schicha (Hrsg.): Politikvermittlung, 2002, S. 7-38, hier: S. 12.

[9] Dörner, a.a.O., S. 31.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Politainment - die Entertainisierung des Politischen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Image statt Inhalt? Personalisierung politischer Kommunikation
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V79996
ISBN (eBook)
9783638851251
ISBN (Buch)
9783638850735
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politainment, Entertainisierung, Image, Inhalt, Personalisierung, Kommunikation
Arbeit zitieren
Cornelius Brandt (Autor), 2007, Politainment - die Entertainisierung des Politischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79996

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